GLENDOWER EIVANS BORN M^\RCH 2 3 laöti DlEü MABCHaai«««; Let knowledy« grow froiii nioin to niore, Hut iiiiin- [üller, N. J. C, Polarisationserscheinungen pflanzlicher und künstlicher Colloidzellen 299 Nei.son's microscope lamp 433 van Nooi'den, C, Die Entwicklung des Labyrinthes bei Kjiochenfischen 447 Olivier, L., Les procedes operatoires en histologie vegetable 137 Putzer, E., Ueber ein Härtung und Färbung vereinigendes Verfahren für die Untersuchung des plastischen Zellleibs 116 Plaut, H., Färbimgsmethoden zum Nachweise der fäulnisserregenden und pathogenen IMikroorganismen 293 Pringsheini, N., üeber Cellulinkörner, eine Modification der Cellulose in Körnerform 133 Prinz, W. et van Ermengeui, E., Recherches sur la structure de quelques Diatomees contenues dans le „Cementstein" du Jutland .... 609 Rabl-Rückhard, Das Grosshirn der Knochenfische und seine Anhangs- gebilde 447 Renaiit, J., Sur le mode de preparation et l'emploi de l'eosine et de la glycerine hematoxyliques en histologie 582 (Retzius, G.), Employment of the freezing method in histology . . . 574 Rindfleisch, Ueber Tuberkelbacillen 293 Rosoll, A., Beiträge zur Histochemie der Pflanze 463 Russow, E., Ueber den Zusammenhang der Protoplasmakörper benach- barter Zellen 301 Schaarschmidt, Julius, Beiträge zur näheren Kenntniss der Theilung von Synedra Ulna (Nitzsch) Ehrenb 122 — , — , Einige Fälle der Communication von Protoplasten und des Vor- kommens intracellulären Protoplasmas 301 — , — , Zellhaut verdickungen und Cellulinkörner bei den Vaucherien und Charen 298 Schällibaum, H., Ueber ein Verfahren mikroskopische Schnitte auf dem Objectträger zu fixiren und daselbst zu färben 113 Schill, E. und Fisclier, B., Ueber die Desinfection des Auswurfs der Phthisiker 458 Schnetzler, J. B., Notiz über Tanninreaction bei Süsswasseralgen . . 298 Schröder, H., Eine neue Camera lucida 259 — , — , On a new camera lucida 259 — , • — , Zeichenapparat 262 Scliulgin, M., Zur Technik der Histologie 268 Schnitze, Fr. Eilli., Ein Schnittstrecker 273 Schwarz, Frank, Die Wurzelhaare der Pflanzen. Ein Beitrag zur Bio- logie dieser Organe 136 Scott, W. B., Imbedding in egg mass 434 (Smith, G.), Apparatus for photo-micrography 110 Sollas, W. J., Improved method of using the freezing microtome . . . 574 Stearn, C. H., On the use of incandescence lamps as accessorics to the microscope 264 X Inhaltsverzeichniss. Seite stein, Tli.. Verwendung des elektrischen Glülilichts zu physiologischen Untersuchungen ""5 Stilling, J., Untersuchungen über den Bau der nervösen Centralorgane 586 Stöhr, Pli., Ueber Mandeln und Balgdrüsen 582 Stowell, C. II., Studies in histology. II. Hardening, softening, dissociat- ing and normal fluids • • 5'i^5 Strasburg-er , Er. . Zur Entwicklungsgeschichte der SporangJfen von Trichia fallax 462 Streng-, A., Ueber eine Methode zur Isolirung der Mineralien eines Dünnschlifls behufs ihrer mikroskopisch-chemischen Untersuchung 308 — , • — , Ueber eine neue mikroskopische Reaction auf Natrium .... 307 Swift's fine adjustment 430 Tlioma, II., Sliding microtome [Imbedding methods] 272 Thoulet, J., Mesurepar la reflexion totale des indices de refraction des mineraux microscopiques 308 Threlfall, R., A new method of mounting sections 113 Tiemann, Untersuchung des Wassers auf entwicklungsfähige Mikro- organismen 141 Trntat, E. . Traite elementaire du microscope. Premiere partie: Le microscope et son emploi 107 Tscherniak, G., Die mikroskopische Beschaffenheit der Metoriten er- läutert durch photographiscbe Abbildungen 467 Tschircli, A., Untersuchungen über das Chlorophyll. III. Schluss. IV. Die Reindarstellung des Chlorophyllfarbstoffes 603 Volt, C. V., Verwendung der elektrischen Beleuchtung bei anatomischen, mikroskopischen und spectroskopischen Arbeiten 265 Waddiugton, ilenry J., The action of tannin on the cilia of Infusoria, with remarks ontheuse of Solution ofsulphurous oxide in alcohol 283 Walmsley, Photomicrographic apparatus 111 Weigert, C, Ausführliche Beschreibung der in Nr. 4 erwähnten neuen Färbungsmethode für das Centralnervensystem 290 — , — , Ueber eine neue Untersuchungsmethode des Centralnervensystems 123 — , — , Ueber Schnellhärtung der nervösen Centralorgane zum Zweck der Säurefuchsinfärbung 127 Wenham's reflex üluminator 432 White, T. C, Photomici'ography 111 AViUe, N.^. Ueber die Zellkerne und die Poren der Wände bei den Phyko- chromaceen 123 Zeiss's mineralogical microscope 430 Graf Zeppelin, Max, Ueber den Bau und die Theilungs-Vorgänge des Ctenodrilus monostylos nov. spec 286 Verzeichiiiss der Herren Mitarbeiter an Band 1. Dr. 0. Baclimann io Plauen i. V. Prof. Dr. med. P. Baumgai'ten in Königsberg i. P. Dr. W. J. Behrens in Göttingen. Prof. Dr. B. Benecke in Königsberg i. P. Dr. F. Blochmann in Heidelberg. Dr. A. Brass in Leipzig. Prof. Dr. L. Dippel in Darmstadt. Dr. med. L. Edinger in Frankfurt a. M. Dr. E. Ehrenbaum in Kiel. Prof. Dr. W. Flemming in Kiel. Prof. Dr. M. Flesch in Bern. Kaplan Georg Fischer in Tölz (Oberbayern). Dr. E. Giltay in Leiden. Prof. Dr. Hans Gierke in Breslau. Prosector Dr. M. Gottschau in Basel. Dr. H. Griesbach in Basel. Prof. Dr. E. Chr. Hansen in Kopenhagen. Dr. Heinricher in Graz. Dr. H. Henking in Göttingen. Prof. Dr. H. van Heurck in Antwerpen. Dr. F. von Hoehnel in Wien. Prof. Dr. Holzuer in Freising (Oberbayern). H. Jung in Darmstadt. Dr. G. Kohl in Marburg. Dr. Otto Lindt in Aarau. Dr. F. Ludwig in Greiz. XII Verzeichniss der Herren Mitarbeiter an Band I. Prosector Dr. G. Martinotti in Turin. Dr. J. Moeller in Wien-Mariabrunn. Dr. J. Schaarschmidt in Klausenburg. Dr. Th. Steck in Bern. Hofrath Dr. Tli, Stein in Frankfurt a. M. Dr. J. E. Weiss in München. Prof. Dr. A. Wichmann in Utrecht. Dr. 0. E. R. Zimmermann in Chemnitz i. S. Errata. p. 226 Z. 11 V. 0. lies' Leberscheibe statt Lederscheibe. „ 279 „ 14 „ „ Masse (Paraffinmasse) „ Wasser. Band I. Heft 1. Theorie der Wirknno* und des Gebrauches der Camera lucida. Von Dr. E. Giltay, Assistent am Botanisclieii Institut der Universität Leiden. Hierzu 10 Holzschnitte. Unter den sogenannten Hilfsapparaten, welche für den praktischen Mikroskopiker von der grössten Wichtigkeit sind, nimmt die Camera lucida eine hervorragende Stelle ein. Die Sicherheit nnd Schnellig- keit, womit mit ihrer Hilfe die Umrisse mikroskopischer Objecte anf Papier gebracht werden können, haben diesen Apparat daher auch bei sehr Vielen Eingang finden lassen. Doch giebt es, wie ich meine, noch eine verhältnissmässig grosse Anzahl von Personen, von denen sie nicht angewendet wird. Die dies bewirkenden Ursachen werden wohl ver- schiedene sein. Bei Einigen ist es wahrscheinlich der Mangel an Uebung, die für die Formen, in denen das Werkzeug bis dahin angefertigt wurde, besonders bei einigen Personen in nicht geringem Grade erfordert wurde : weiter klebten auch den besten Formen UnvoUkommenheiten an, die in einzelnen Fällen den Gebrauch sehr schwierig, flir Einige fast un- möglich machten. Der Zweck dieses Aufsatzes ist, zuerst im allgemeinen die Theorie dieser Instrnmente zu verfolgen, eine Theorie, welche sogar in den besten und ausführlichsten Lehrbüchern etwas stiefmütterlich behandelt worden ist. Und doch kann man nur bei genauer Bekanntschaft mit der Theorie eines Werkzeuges dessen Wirkung für alle Fälle beherrschen. Aus diesen Beobachtungen werden sich dann von selbst ein Paar Verbesse- rungen ergeben, die, angebracht an jeuer Form des Instrumentes, welche Zeitschr. f. wiss. Mikroskopie. I. 1. 1 E. Giltay: Camera liicida. I, 1. gewiss eine der voUkommensteu ist (die ABBE'sche Camera), die Camera lucida zu einem Werkzeuge machen werden, welches allen Anforderungen genügt, die man ihm gerechter Weise zumuthon kann. Bevor wir jedoch insbesondere zu der Theorie der Camera lucida übergehen können, ist es uothwendig, einige allgemeine Gegenstände aus der Lichtlehre in Erinnerung zu bringen. Jeder Punkt eines selbstleuchtenden oder aus allen Richtungen Licht empfangenden und reüectireudeu Objects sendet, wie bekannt, nach allen Richtungen Lichtstrahlen aus, die sich in gerader Linie fort- bewegen. Wenn die Lichtkegel, die von solch einem Objecto ausgehen, sich immer in demselben Medium fortbewegen, dann werden die Strahlen, welche von einem bestimmten Punkte ausgegangen sind , nicht mehr zur Vereinigung kommen '. Will man jedoch, dass die Lichtkegel, die von dem Object ausstrahlen, sich einzeln wieder zu einem Punkte ver- einigen, will man also, dass von dem leuchtenden Objecte ein (reelles) Bild entstehe , dann ist es uothwendig , die Lichtkegel in ein anders brechendes Medium übergehen zu lassen, welches von dem ersteren durch eine geeignete (z. B. kugelförmige) Fläche abgegrenzt wird. Zu prak- tischen Zwecken ist es f;ist immer leichter, die Lichtkegel nur eine kurze Strecke durch ein solches anders brechendes Medium streichen zu lassen; dieses letztere Medium soll dann an mindestens einer Seite von einer Kugelfläche begrenzt sein ; die andere Fläche kann flach sein. Dergleichen Objecte, die bei optischen Instrumenten zum Entwerfen der Bilder verwendet werden, heissen, wie bekannt, Linsen. Eine Linse ist also ein durchsichtiges Medium, welches an einer Seite durch eine Planfläche begrenzt sein kann, an wenigstens einer Seite aber durch eine Kugelfläche begrenzt sein muss. Die Linie, welche den Krümmungs- mittelpunkt der Grenzflächen in sich aufnimmt, heisst „optische Achse". Für die Bilderzeugung können natürlich mehrere brechende Medien respective mehrere Linsen gebraucht werden, denn, wenn jede Linse insbesondere ein Bild entwirft, so wird auch jede folgende in einer solchen Serie (System) ein neues Bild entwerfen von dem durch den vorangehenden Theil des Systems entstandenen Bilde ; die Wirkung der Linse selber beruht überhaupt auf nichts Anderem, als auf wiederholter Bilderzeugung durch die beiden Grenzflächen. Wenn mehrere Grenzflächen respective Linsen zur Bilderzeugung gebraucht werden , ist man gewohnt , zur Erhöhung der Reinheit der Bilder sämmtliche Krümmungscentren jener Grenzflächen auf eine gerade ') Abgesehen von einer Wiedervereinigung durcli Reflexion. I, 1. E. Giltay: Camera lucida. 3 Liuie f;ill(Mi zu lassen; man nennt ein solches System centrirt. Diese Linie bildet dann die optische Achse des Sj^stems. Das llauptgesetz bezüglich des Ganges der Lichtstrahlen durch derartige Systeme, kraft dessen eben die Bilderzeugung stattfindet und von Avelchem wir oben schon in einem besonderen Falle Gebrauch machten, lautet : Die Lichtstrahlen, welche bei ihrem Eintreten in das System auf einen Punkt gerichtet waren, werden auch beim Verlassen desselben auf einen Punkt gerichtet sein '. Der Punkt, auf den die Sti-ahlen bei ihrem Eintritte gerichtet sind, heisst „Leuchtpunkt", der Punkt, auf den sie bei ihrem Austreten ge- richtet sind, „Bildpunkt". Leucht- und Bildpunkt geh(3ren gegenseitig zu einander (sind reciprok), d. h. wenn der Bildpunkt zum Leucht- punkte würde, so würde auch der Leuchtpunkt zum Bildpunkte werden. Zwei derartige, als Leucht- und Bildpunkte zusammengehörige Punkte beissen „conjugirte Punkte". Denkt man sich senkrecht zur optischen Achse von einem Systeme in jedem zweier conjugirteu Pmikte eine Fläche, dann kann man an- nehmen , dass jeder Leuchtpnnkt in der einen Fläche in der anderen seinen Bildpunkt hat. Dergleichen Flächen heisseu dann „conjugirte Flächen". Liegt also ein leuchtendes Object in einer von zwei conju- girteu Flächen, dann wird das Bild in die andere Fläche fallen. Wenn die Lichtstrahlen eines ein- oder austretenden Lichtkegels einander wirklich schneiden, dann heisst der Leucht- oder Bildpunkt reell; begegnen sie sich jedoch nicht in Wirklichkeit, sondern schneiden sich nur die verlängerten Strahlen, dann heisst der Bild- oder Leucht- punkt virtuell. Wir werden hier die Lehre der Bilderzeugung' nicht im einzelneu verfolgen, nur müssen wir noch etwas genauer sehen, wie zu einem ge- gebenen Objecte das Bild construirt werden kann, wenn zwei conjugirte Flächen und die Lage der sogenannten Knotenpunkte bekannt sind. Sei OÄ (Figur 1) die optische Achse eines brechenden Systems, von dessen Zusammensetzung uns nichts weiter bekannt ist, weder die Zahl der brechenden Flächen , noch ihre gegenseitige Lage , noch auch ihre Krümmungsradien oder die Brechungsindices der das System bil- denden Media. Nur wollen wir, um unserer Vorstellung über die Lage «) Streng genommen gilt dies nur für diejenigen Lichtstrahlen, die einen so kleinen Winkel mit der optischen Achse bilden, dass man für ihren Sinus den Bogen an die Stelle setzen darf. E. Giltay: Camera luciila. I, 1. des Systems zu Hilfe zu kommen, die erste {B,) und die letzte (^2) GreiiztläcLe in einem Durclischuitte zum Papier in Zeichnung bringen. Es bestellen nun bei jedem System brechender Flächen zwei Punkte, Knotenpunkte genannt, von denen wir voraussetzen, dass sie in diesem concreteu Falle in Jci und Jc2 liegen, und welche die folgende merkwür- dige Eigenschaft haben : Wenn ein Lichtstrahl (z. B. R^ Si ) vor seinem Eintritt in das brechende System auf den ersten Knotenpunkt gerichtet ist (die verlän- gerte Bi Si geht durch ä;, ) , dann wird dieser Strahl nach dem Austritt aus dem System auf den zweiten Knotenpunkt gerichtet sein (i?2 Si ist auf hl gerichtet) und parallel laufen mit der Richtung, in der er eingefallen ist (JRi ki und iio ko sind parallel). Dergleichen auf die Knotenpunkte gerichtete Strahlen heissen „Richtungsstrahlen". J2| s, und BoS^^ sind also Bahnen, welche der Lichtstrahl selbst durchläuft, Sj 7jj und 5-2^^2 sind im allgemeinen nur Hilfslinien, wodurch die dem eingefallenen Lichtstrahle B^ 5, entsprechende Bahn gefunden wird. Wenn nicht mehr als die Lage der Knotenpunkte bekannt ist, kann der Weg, den der Strahl innerhalb des Systemes folgt, nicht angegeben werden. — Zum Ueberfluss sei noch erwähnt, dass die Brechungsindices der Medien Mi und Jfo hierbei ganz unbestimmt sind ; sie brauchen also keineswegs gleich zu sein, ilf, könnte z. B. Luft, Mo Wasser sein. Bei bekannter Lage der Knotenpunkte kann jetzt für jedes Paar congruenter Flächen zu jedem in einer derselben befindlichen leuchten- den Objecte das Bild constriiirt werden. Es seien z. B. C, und Co zwei congruente Flächen und Bi r, eine leuchtende Linie, deren Bild wir zu bestimmen wünschen. Da Ci und Co conjugirte Flächen sind , so wissen wir schon, dass das Bild in der Fläche Co wird liegen müssen. Versuchen wir, auch den Bildpuukt zu finden, der einem der Punkte auf it, r, und zwar J^i entspricht. Da Co an C, conjugirt ist, wissen wir nun, dass kraft I, 1. E. Giltay: Camera lucida. 5 obigen llniiptgesetzcs die Stralilen, avcIcIic von jR, ausgehen und durch das System gebroclieii werden, irgendwo in der Fläche Oj wieder in einem Punkte, dem Bildpunkte, zusammenkommen werden. Kennen wir also von einem jener Lichtstrahlen den Schnittpunkt mit der Fläche G^, dann Averden auch alle anderen von i?, herstammenden Lichtstrahlen einander in diesem Punkte begegnen müssen, wodurch also der Bildpunkt vollkommen bestimmt sein würde. Wie wir eben sahen , wird nun der gewünschte 8chnitti)unkt mit C2 von einem jener Strahlen gefunden durch die beiden Richtungsstrahlen jR, A;, und Bolco. 7i, ist der eine Endpunkt der leuchtenden Linie, Vi der andere. In derselben Weise wie bei R^ wird weiter der Bildpunkt r., zu /•] construirt, wodurch Lage und Grösse der Bilder ganz bestimmt sind. Jetzt, wo wir in der Hauptsache die aus der Lichtlehre zu be- nutzenden Hilfsmittel in Erinnerung gebracht haben, können wir zu unserer eigentlichen Aufgabe übergehen. Wir werden jedoch die zahl- reichen Formen, die mau der Camera gegeben hat, nicht alle in Betracht ziehen, sondern uns darauf beschränken, die Wirkung bei einer der- selben an der Hand der Theorie zu verfolgen. Wünscht man, sich über die Wirkung anderer Formen zu orientiren, dann wird man das hier Behandelte ohne Mühe auch auf andere Apparate der gleichen Art über- tragen können, wenn man sich vorher über deren mechanische Einrich- tung durch eines der ausführlicheren Lehrbücher über das Mikroskop unterrichtet hat. Als Beispiel wählen wir die Camera lucida nach Abbe '. Das Princip derselben ist sehr einfach. Ueber dem Ocular des Mikroskops ist unter einem Winkel von 45" eine spiegelnde Fläche (S Figur 2) augebracht. Dieses Spiegelchen hat in seiner Mitte eine kleine Oeffnung von solcher Weite, dass Lichtstrahlen, die aus dem Mikroskop treten, durch dieselbe hindurchgehen, und dass also das mikroskopische Bild, welches durch seine Oeffnung wahrgenommen wird, ungehindert betrachtet werden kann. Die Weite der aus dem Mikroskop tretenden Lichtbündel ist auf verschiedenen Höhen über dem Ocular eine verschiedene. Legt man ein Stückchen sehr dünnes, durchscheinen- des Papier auf das Ocular eines eingestellten Mikroskopes, so sieht man auf dem Papier den Durchschnitt des austretenden- Lichtes als einen hellen Kreis. Bewegt man das Papier in der Richtung der Achse des Tubus in die Höhe, so wird der Kreis immer kleiner und kleiner, erreicht ') Nr. 64 des Katalogs Nr. 26 der optischen Werkstätte von Carl Zkiss in Jena. E. Giltay: Camera lucida. I, 1. ein Minimum und wird dann wieder grosser. Dadurch, dass mm das Spiegelchen auf derartiger Höhe an- gebracht ist, dass die Oeffnung mit der Minimumweite des austreten- den Liclitbündels ' v zusammenfällt, braucht die Oeffnung nicht gross zu sein, um bei den stärkeren Systemen all das ausstrahlende Licht durch- zulassen. Die Höhe des Spiegelchens würde bei verschiedenen Ocularen verschieden sein müssen. Bei der Camera lucida nach Abbe befindet sie sich in einer festen Hülse in einer Höhe berechnet für Ocular Nr. 2. Hierdurch hat man, wenn man will, den Nachtheil, dass nicht bei jedem Ocular die Camera mit gleicher Leichtigkeit zu gebrauchen ist, doch zugleich den viel grösseren Vortheil, dass, verwendet bei dem Ocular, wofür sie passt, das mikro- skopische Bild praktisch unverändert bleibt. Seitwärts von dem kleinen Spie- gelchen befindet sich bei S^ ein grösserer drehbarer Spiegel, welcher parallel mit dem kleinen Spiegelchen gestellt werden muss, und welcher dazu dient, die von der horizontalen Zeichenfläche kommenden Strahlen nach dem kleinen Spiegelchen hin- zulenken, welches diese dann nach dem Auge reflectirt. Betrachten wir nun den Strahlengang etwas näher. Sei 31 K der das optische System enthaltende Tubus. Wenn ver- 2. ') Die Oeffnung soll also in der Höhe des sogenannten „Augenpunktes" angebracht sein und miiss so viel als möglich mit der „Austrittspupille" (Abbe) des ganzen Systemes zusammenfallen. I. 1. E Giltay: Camera Incida. 7 mittels dieses Systemes, mit dem Auge ein kleines Object {ou^ be- trachtet wird, dann wissen wir, dass sich das System in solcher Ent- fernung- von dem Object befindet, dass die von dem Object herstammen- den , aus dem Ocular tretenden Lichtstrahlen auf eine Fläche gerichtet sind, welche sich in jener Distanz vor dem Auge befindet, wofür dieses augenblicklich accommodirt ist, in Figur 2 auf die Fläche y, er, . Jeder der ursprünglich von vto ausgehenden Lichtkegel ist also nach dem Austritt aus dem Ocular auf einen Punkt der Fläche Vi ?(?, gerichtet. Die Lichtkegel verhalten sich also eben als ob in Vi u\ ein umgekehrtes vergrössertes Bild von v iv sich befände, und wir können auch weiterhin Object und Mikroskop ausser Betracht lassen, denn das Mikroskop be- zweckt gleichsam , dass für das Object v w ein anderes {v^ ?«-•, ) an die Stelle tritt. Die von y, iCi herstammenden Lichtstrahlen treten also durch die Oetfnung in dem Spiegelcheu S in das Auge. Das brechende System des Auges besteht, wie man weiss, aus drei verschieden brechenden Medien, die durch Kugelflächeu abgegrenzt sind : dem wässerigen Medium [ic Figur 3), der Linsen- substanz {T) und dem Glaskörper {g). An der Hinterseite wird der Glaskörper be- 3. grenzt durch die Netz- haut; die wässerige Flüssigkeit wird vor der Luft beschützt durch die durchsichtige Hornhaut. Die wässerige Flüssigkeit und der Glaskörper werden hauptsächlich von der Linse geschieden. Durch eine Vergleichung der Figuren 1 und 3 ersieht mau nun leicht, dass, Avas von Figur 1 gesagt \mrde, sofort auf Figur 3 Anwen- dung findet. Die Medien M, und M. in Figur 1 spielen dieselbe Rolle wie die Luft vor dem Auge und wie der Glaskörper in Figur 3, iudem die Fläche jB, und B, in Figur 1 mit der Hornhaut [h) und der hin- teren Fläche der Linse in Figur 3 verglichen werden können. Da nun die Medien Luft, wässerige Flüssigkeit, Linsensubstauz , Glaskörper durch Kugelflächen begrenzt sind, so müssen wieder zwei Knotenpunkte vorhanden sein. Diese giebt es auch in Wirklichkeit, sie liegen dicht bei der Hintei-fläche der Linse. ^lan wird hier vielleicht einwenden , dass das Auge als brechendes System unter verschiedenen Umständen nicht dasselbe bleibt, sondern dass ein in die Ferne sehendes Auge ein ganz anderer optischer Appa- 8 E. Giltay: Camera lucida. 1, 1. rat ist, als ein in die Nähe sehendes. Dies ist auch wirklich der Fall; in Folge der Accomodation ändern sich die Krümmungsflächen der Linse, die Netzhaut verharrt in fester Luge; die an der Netzhaut conjugirte Fläche verlegt sich jedoch durch die Accommodation von unendlicher Distanz bis in einer Weite von nur wenigen Centimetern vor dem Auge. Die Veränderung, welche die Lage der Knotenpunkte hierbei erleidet, ist jedoch so gering (noch nicht ein halbes Millimeter) , dass diese bei allen Constructionen vernachlässigt werden darf. Wir werden sogar noch eine weitere Vereinfachung einführen und die beiden Knotenpunkte als in k (Figur 2) zusammengefallen betrachten ; sie liegen auch factisch so dicht beisammen, dass unsere Figur 2 in dem Maassstabe, worin sie ge- zeichnet wurde, kaum mit einzelnen Knotenpunkten anzufertigen ge- wesen wäre. Kehren wir zurück zu dem Falle der Bilderzeugung, welchen zu verfolgen wir soeben beschäftigt waren. Wir setzten voraus, dass die optische Achse ' des Auges mit der des Mikroskopes zusammenfiel und nahmen weiter an, dass das Auge das Object v w deutlich sieht , wo- bei das von dem Mikroskop entworfene virtuelle Bild in z;, iVi zu liegen kommt. Das Auge ist nun für die Distanz Ä; c^ accommodirt und sind also Netzhaut und i\ w^ conjugirte Flächen. Wie entsteht nun von y, vü, ein Bild in dem Auge? Da wir uns die Mühe gegeben haben, die Principien etwas ausführ- licher zu behandeln, so ist die Aufgabe selbst bald gelöst. Kraft des Ge- sagten haben wir nur von y, und ty, aus Linien zu ziehen durch den aus der Zusammenschmelzung der beiden Knotenpunkte entstandenen Punkt ä;: wo diese Linien die Netzhaut schneiden (in v.^ und m,), befinden sich die Grenzpunkte des Bildes. Es stellt also y., c.> w.^ das Bild vor. Indem nun das Auge durch die Oeffnung in der Spiegelfläche S das mikrosko- pische Bild gewahrt, kann es auch vermittels beider Spiegel von neben dem Mikroskop gelegenen Objecten ein Bild empfangen. Damit man völlig einsehe, wie dies geschieht, werden wir für einen Augenblick, da ja Object und Bild reciprok sind, von dem Netzhautbilde ausgehen. ') Eigentlich fallen die Krümmimgsmittelpunkte der Grenzflächen im Auge nicht genau auf eine gerade Linie, wenigstens nicht bei den von Helmholtz gemessenen Augen. Auch fällt die Eichtung, worin wir etwas scharf beobachten (Gesichtslinie Helmholtz), nicht genau zusammen mit der Linie, die im Auge wenigstens annähernd als optische Achse gelten kann. Diese Abweichungen, die ausserdem individuell sehr verschieden sind, können wir hier unbeachtet lassen. J. 1. K. üiltay: Camera lucitla. 9 Wir setzen also voraus, class u.» Co tco leuchtend ist und stellen uns die Frage: wo vermittels Reflexion an den beiden Spiegeln seitwärts des Mikroskops ein Bild entstehen .würde ? "Wir gebrauchen also wieder die Kichtungsstrahlen Vo/cOi, c^ko tr^l'O-,. Weiter denken wir uns vorläufig, dass sich im Spiegel S keine Oeffnung befilnde. Die erwähnten Lichtstrahlen würden dann nach dem einfachen Gesetze der Reflexion gegen Planspiegel derart zurückge- worfen werden, dass sie auf einen Punkt /t, gerichtet wären, welcher in gleicher Distanz hinter dem Spiegel liegt, als k vor demselben. Weil der Spiegel unter 45" gegen die optische Achse geneigt ist, wird der Strahl C-yko^ welcher in der Richtung der Achse einfällt, senkrecht dazu re- flectirt werden. Dieselben Betrachtungen und dieselbe Coustruction haben wir bei dem Spiegel S, nur zu wiederholen. Nach der Reflexion werden also die Strahlen 0O3, 0^04, OoOc, auf einen Punkt ]i2 gerichtet sein, welcher eine solche Lage einnimmt, dass Jcih =^ hih und also k^o^ = Ici 0.5. Wir setzten also voraus, dass das Auge accommodirt war für eine Distanz Ic Cj . Das Bild der leuchtend gedachten Linie y., iv-, wird also seitlich vom Mikroskop entstehen in einer Entfernung = A; Ci . Es be- finde sich die Fläche v^iv^ in dieser Distanz, dann ist also ko -\- 003 4- O3C3 = koC:^ =z kci. Die äussersten Richtungsstrahlen v^kOi 04% und iVoko.^o^iü^ schneiden also die mit der Netzhaut coujugirte Fläche in den Punkten v^ und iv^ ; v^ iv^ ist also die Grösse des von v-^ tVo ent- standenen Bildes. Dies Alles war in der Voraussetzung, dass das Spiegelchen undurch- bohrt wäre. Sehen wir jetzt, ob das Bild v^iOs bestehen bleibt, wenn die in der Wirklichkeit vorhandene und auch in der Figur angegebene Oeffnung sich darin befindet. Wir setzten voraus, dass die Punkte von V.2IU2 leuchtend wären und also nach allen Richtungen hin Licht aussendeten. Soweit die Grösse der Pupille dies zidässt, würden die Lichtstrahlen aus dem Auge treten ; jedem Punkte von f.j 10^ würde ein Lichtkegel entsprechen. Sei z. B. für den Punkt c. dieser Kegel in der Zeichenfläche begrenzt durch die Strahlen cd und ef. Der Coustruction zufolge würden die Strahlen dieses Kegels vermittels der undurchbohrteu Spiegel S und Si in c^ zur Vereinigung gebracht werden. Bringen wir nun in dem Spiegel S eine kleine Oeff"nung an, dann wird von dem bewussten Lichtkegel ein dieser Oeffnung entsprechender Theil nicht reflectirt werden und also nicht ziu' Bilderzeugung in C3 beitragen. Dies hat jedoch auf die Ver- einigung der anderen Strahlen dieses Kegels keinen Einfluss, sodass 10 E. Giltay: Camera lucitla. I, 1. sowohl C3 als die anderen Bildpunkte von v^ lu^ unabhängig von der Oeifiinng im Spiegel fortbestehen bleiben. Indem wir voraussetzten , dass die Punkte auf der Netzhaut leuch- tend wären, haben wir gefunden, dass die Netzhaut und r^ w^ conjugirte Flächen sind und weiter, dass in jenen Flächen, Va, Cj, 10-2 und y^, C3, io\i conjugirte Punkte sind. Umgekehrt werden also auch Strahlen, die von in v^ tV;^ gelegenen Punkten ausgehen, in Punkten der Netzhaut zur Vereinigung gebracht werden. Hält man z. B. in der Höhe von V3, «",3 eine Schiefertafel, worauf man mit weisser Kreide schreibt, dann wird das Auge zugleich das mi- kroskopische Object und die Spitze der Kreide wahrnehmen. Wird also die Kreidespitze über die Schiefertafel von V;-^ bis iVs hingezogen, so wird das Auge die Kreide sich längs der beobachteten Linie viv be- wegen sehen, und wird dieselbe also auf der Schiefertafel abgezeichnet werden. Im vorliegenden Falle war das Object vtv eine gerade Linie und ebenso die Zeichnung v^iVs- Wird jedoch wohl immer die Zeichnung dem Objecte oder dem da- von entworfenen Netzhautbilde ähnlich sein? Wir erhalten darüber am schnellsten eine Vorstellung , wenn wir uns als Object einen Kreis denken. Nehmen wir z, B. das von einem Kreis begrenzte Gesichtsfeld und sei in Figur 2 die Linie vCo dessen Radius. Wird nun wieder die Kreidespitze derart bewegt , dass das beob- achtende Auge sie immer mit der Grenze des Gesichtsfeldes zusammen- fallen sieht, dann bewegt sich die Kreide entlang der Durchschnittsfigur der Zeichenfläche (der Schiefertafel) und des Bündels Richtungsstrahlen, welche wir uns durch die Grenzlinie des Netzhautbildes und durch den Knotenpunkt gezogen und als Lichtstrahlen gegen die beiden Spiegel- flächen reflectirt denken können. In diesem Falle bilden die Richtungs- strahlen einen geraden kreisförmigen Kegel , welcher in der Fläche der Figur von den Linien koi o^v-^ und hOoO^iv^ begrenzt wird. Die Zeichenfläche steht hier senkrecht auf der Achse Jio öa c^ jenes Kegels und wird von letzterem somit in einem Kreise geschnitten. Die Zeichnimg der Form der Grenze des Feldes ist also ihrer Avirklichen Form ähnlich. Doch setzen wir einmal voraus, dass der Spiegel Sj nicht parallel dem unter 45" geneigten Spiegel S gestellt wäre, oder auch, dass die beiden Spiegel zwar parallel wären, aber die Zeichenfläche wie v-^' iv-^' geneigt wäre ' , dann würde die Achse ') Genau genommen sind die Liclitwege von den Punkten v^' und w,' zu I, 1. E. Giltay: Camera lucitla 11 o.i c^ nicht mehr senkrecht auf der Zeichenlläche stehen. Der Kegel Riclitungsstrahlen würde dann die Zeichenfläche niclit in einem Kreise, sondern in einer Ellipse schneiden ; die Kreide würde dann das Feld nicht durch einen Kreis, sondern durch eine Ellipse begrenzt zeichnen. Will man also mit der ABBE'scheu Camera genau zeichnen auf der unmittelbar auf den Tisch gelegten Zeichenfläche , dann soll man auch den Spiegel 5, unter einem Winkel von 45 ' geneigt sein lassen. Es giebt auch Camera's, wo eine der Reflexiousflächen, welche mit dem Spiegel -S'i zu vergleichen ist, unter einem anderen Winkel gegen die Achse des Miki'oskops geneigt ist. Dies ist besonders bei jenen Camera's (z. B. bei der Camera nach Nachet) der Fall, wo die Reflexious- fläche 5, dicht bei S liegt. Wenn nun nicht dem Spiegel 5, eine der- artige Neigung gegeben wäre , dass der von der Achse o^ c,, und dem Tisch C;j /('.t gebildete Winkel stumpf würde , dann würde ein grosser Theil der Zeichenfläche , welche mit dem Netzhautbilde des Gesichts- feldes conjugirt ist , zusammenfallen mit der Stelle auf dem Tische , wo das Mikroskop steht und es würde also die Zeichenfläche nicht frei sein. Dergleichen Camera's wei'den gewöhnlich Camera's mit schiefer Frojectiou genannt. Es ist klar, dass bei solchen die Zeichenfläche geneigt sein soll und zwar soviel, dass ein von der Zeichenfläche kommender Licht- strahl, welcher längs der optischen Achse in das Auge tritt (in unserer Figur der Strahl f-{0;,o/i), die Zeicheufläche in einer Richtung senk- recht zu seiner Fläche verlassen hat. Praktisch kann diese Neigung gefunden werden, indem man die Lage der Zeichenfläche so lange variirt, bis das kreisförmige Gesichtsfeld auch durch einen Kreis begrenzt ab- gezeichnet wird. Jetzt, wo wir im allgemeinen die Bilderzeugnng beim Gebrauch der Camera verfolgt haben, können wir uns die Frage stellen, welche Gegen- stände zu einem bequemen Gebrauch derselben vortheilhaft sein werden. Besprechen wir zuerst die Regulirung der Lichtstärke von Zeichen- feld und Gesichtsfeld. Betrachten wir den Fall, wo die Zeichenfläche eine dunkle Schiefer- tafel und der Zeichenstift weisse Kreide ist. Es werde die Netzhaut von den Punkten des freien Gesichtsfeldes ' der Netzhaut ungleich, und würden sie also nicht bei einer Accomodation wahr- genommen werden können. Wenn jedoch die Neigung der Zeichonfläche nur nicht zu gross wird, wird der Unterschied in der Schärfe der Bilder jener Punkte so gering sein, dass er gar nicht bemerkt wird. ') Wir nennen diejenigen Theile des Gesichtsfeldes frei, wo der Gang und die Intensität der dadurch streichenden Strahlen von dem betrachteten 12 E. Giltay: Camera lucida. I, 1. gereizt mit einer Lichtstärke w (gross), indem die Lichtstärke eines im ümriss nachzuzeichnenden Objectes kloin sei und die Netzhaut mit der Lichtstärke o reize. Stellen wir in Figur 4 durch den grössten Kreis den ümriss des Netzhautbildes vom Gesichtsfelde und durch den kleinen jenen des Bildes vom Objecte vor. Es sei ferner die Lichtstark^ des Bildes der Schiefertafel o' und jene des Kreidestiftes w' (gross) ; wir müssen dann in Figur 5 das Netzhautbild desjenigen Theiles der Schiefertafel, welcher mit dem Bilde des Gesichtsfeldes conjugirt ist, durch einen Kreis, gleich dem grössten in Figur 4 darstellen. Durch den Gebrauch der Camera werden nun die in Figur 4 und 5 dargestellten Bilder superponirt (Figur 6) ; es wird also ein Punkt der Netzhaut an der Stelle des Bildes vom freien Gesichtsfelde gereizt mit einer Lichtstärke w -|- 5' und an der Stelle des Bildes vom Objecte mit einer, Lichtstärke o -|- 5'. Wenn nun das Bild des Zeichenstiftes sich über dem freien Felde befindet, ist seine Lichtstärke w -j- co', xmd über dem Objectbilde ist dieselbe -f- (s) . Beim lichtschwachen Objecte (5 ~\- 5') wird der Zeichenstift (o -[- W) sich immer glänzend hervorheben ; will man jedoch mit Leichtigkeit 6. zeichnen können, dann soll auch auf dem freien Felde (w -|- o) der Zeichenstift scharf sichtbar sein. Ob dies der Fall ist, ist abhängig von den relativen Werthen von to -j- w' und o) -j" ^' ^"^^^ ^^^^i ^^ ^' klein Object ganz unabhängig ist. Es liegen also die freien Theile des Gesichtsfeldes in einiger Entfernung von dem Object; in dessen immittelbarer Nähe würde die Lichtstärke unter dem Einflüsse des Präparates erhöht oder verringert, die Farbe modiiicirt werden können. Man vergleiche unsere Darlegung von dem Glanz vegetabilischer Membranen auf dem Querschnitt in E. Gii.tay, Het CoU- enchym , Leiden 1882 p. 34—51 , im Auszug (Sur le Collenchyme) in Ärchives Neerlandaises , t. XVII. 1882. p. 2 — 5 (neuerdings reproducirt in Pei.letan, Journal de Micrographie, Juin 1883, p. 310 — 313). 1, 1. E. Giltay: Camera lucida. 13 ist, von w 1111(1 w'. Ist ü) im Yerglcich mit w' klein, dann wird die Zeichen- spitze auch über dem freien Felde scharf sichtbar sein ; ist jedoch w im Verhältnisse zu w' gross , dann wird to, d. h. die Liclitstärke des Ge- sichtsfeldes im Mikroskop, verringert werden müssen, wie es denn auch thatsächlich bei schwächeren Systemen der Fall ist. Die Lichtschwäche der Zeichenfläche macht, dass das mikrosko- pische Bild beim Gebrauch der Camera wenig verändert wird ; hierdurch ist es für gröbere Sachen gewiss die leichteste Zeichenmethode und darum zur Uebung besonders Anfängern zu empfehlen. Schade nur, dass die Kreidespitze sich nicht scharf genug anschleifen lässt, um auch für feinere Details dienen zu können. ^ Etwas verwickelter wird die Sache, wenn man mit schwarzem Blei- stift auf weissem Papier zeichnet. Da nun das Netzhautbild des Gesichts- feldes durch ein Bild von sehr merkbarer Intensität überdeckt wird, wird auch das mikroskopische Bild durch das helle Papier vielfach merklich modificirt. Es sei die Lichtstärke vom Bilde des freien Gesichtsfeldes wieder (1) (Figur 7), jene der zu zeichnenden Details o; nennen wir ebenso die Lichtstärke der Zeichenfläche (Figur 8) w' und jene des Zeichenstiftes 8. 9. 5', dann wird im Gesammtbilde auf der Netzhaut (Figur 9) das freie Feld die Intensität w + w', das Object die Lichtstärke o + w' erhalten. Wenn sich der Zeichenstift über dem freien Felde befindet, dann ist seine Lichtstärke w + o', über dem Objecte ist sie o -|- 5'. Beim Detail wird sich also auch hier der Zeichenstift wieder ge- nügend hervorheben. Ob auch über dem freien Felde der Bleistift gut sichtbar ist, wie zum leichten Zeichnen nothwendig, ist auch hier wieder von den relativen Werthen von w und w' abhängig. Ist w im Verhältniss zu (1)' sehr gross, dann wird gewiss die Lichtstärke des mikroskopischen Bildes verringert werden müssen. Man meint vielfach, dass, soll man leicht zeichnen können, das 14 E. Giltay: Camera lucitla. I. 1. mikroskopische Feld dieselbe Liclitstürke haben miiss, wie die Zeichen- flache, und dass also to ^ o)' sein sollte. Schon aus einfachen theore- tischen Betrachtungen kann man den Schluss ziehen , dass dies nicht wahrscheinlich ist. Die Zeichenspitze würde nämlich in diesem Falle sich wohl bei Details stark abheben (o -]- 5' bei o -f- -r)-, jedoch nicht so stark bei freiem Felde (o) + o' bei 2 w), und ist es? wahrscheinlich, dass ein grösserer Werth von w', z. B. 2 co, besser entsprechen würde, wodurch mau die unter sich entgegengesetzten Werthe o -|- o' bei 5 -[- 2 w und to -}- bei 3 w erhielte. Dass wirklich, will mau leicht zeichnen, w' grösser als w sein soll , davon überzeugt mau sich auf fol- gende Weise. Man schneide ein rundes Stückchen Pappe von solcher Grösse, dass es gerade in das Ocular passt. Hiervon schneide man längs einer Mittel- linie eine Hälfte und lege diese in das Ociüar auf das Diaphragma, der- art, dass die Schnittkante übereinstimmt mit einer Mittellinie der Oeff- nung im Diaphragma; das Stückchen Pappe bedeckt dann eine Hälfte des Gesichtsfeldes und lässt die andere Hälfte frei. Man nehme weiter ein schwaches Objectiv, z. B. AA von Zeiss und ein nicht sehr leicht zu zeichnendes Präparat^ z. B. einen Querschnitt durch ein kleinzelliges Gewebe. Man verringert nun die Lichtstärke am Mikroskop so lauge, bis man mittels der Camera die Umrisse der Zellen in der übriggebliebenen Hälfte des Gesichtsfeldes leicht nachzeichnen kann. Mau schiebt nun das Papier bei Seite, sodass das Netzhautbild desselben ausschliesslich auf den bedeckten Theil vom Bilde des Gesichtsfeldes fällt und man deu Rand der Zeichenfläche zusammenfallen sieht mit der Mittellinie, welche das bedeckte und unbedeckte Gesichtsfeld von einander abgrenzt. Die Helligkeiten des gesonderten Bildes vom freien Felde und vom Zeichenpapier können jetzt unmittelbar verglichen werden, und es stellt sich dabei immer heraus, dass das Gesichtsfeld viel dunkler und also w viel kleiner ist als w'. Auf der anderen Seite darf auch die Lichtstärke der Zeichenfläche im Verhältniss zu jener des Gesichtsfeldes nicht zu gross werden , weil sonst das Object (5 -j- w') sich nicht genügend beim freien Felde (o) -f- 0)') hervorheben würde, ja w' würde so gross werden können im Verhältniss zu w, dass der Unterschied zwischen w -f- w' und o -}- fi>' ganz unmerklich bliebe. Das Object wäre also unsichtbar geworden '. 1) Ein Jeder wird schon bemerkt haben, dass es bei allen unseren Sinnes- organen, wenn ein Reiz erhöht wird, abhängig ist von dem relativen Werth I, 1. E. Giltay: Camera Incida. 15 Beim Gebraucli starker Vergrösseniiigen , besonders beim Nach- zeiclineu dunkler Präparate oder Tlieile von Präparaten, macht in dieser Weise die helle Zeicheufläche das Präparat oder bestimmte Tlieile un- sichtbar. In solchen Fällen muss man also die Helligkeit der Zeicheuflächen verringern können. An der ursprünglichen Form der Camera lucida nach Abbe war eine Einrichtung hierzu nicht vorhanden, sodass man sich mit Schatten werfenden Büchern oder dergleichen behelfen musste; solche unprak- tischen Hilfsmittel macheu jedoch den Gebrauch einer Camera und be- sonders einen schnellen Gebrauch schwierig. Ich schlug deshalb Herrn Zeiss vor, an der Camera ein Paar Rauchgläser vou verschiedenem Ton anzubringen, welche in den Weg, den die Lichtstrahlen vom Papier bis zur Spiegelfläche S^ (Figur 2) nehmen, gestellt werden müssten. Herr Zeiss hat die Rauchgläser in sehr praktischer Weise an der Camera angebracht und liefert diese seitdem, wie ich glaube, stets mit den Rauch- des m'sprüiiglichen Reizes und von dessen Verstärkung, ob wir von letzterer etwas bemerken. Wenn die Verstärkung im Verhältniss zum ursprünglichen Reize zu gering ist. dann wird sie von diesem „überstimmt", wie wir mit einem besonders einer unserer Sinneswabrnehuuingen entlehnten Bilde sagen kf'innen. An und für sich würde dann jedoch die Verstärkung sehr wohl wahrnehm- bar sein. So hören wir über Nacht durch die grosse StiUe, die überall herrscht, Schälle, die am Tage für uns verloren gingen; die Sterne, welche wir nachts hell leuchten sehen, siiul am Tage ganz unsichtbar, obgleich wir nicht zweifeln können, dass sie am Tage ebensowohl Licht zu uns senden, als in der Nacht. Hierauf beruht der Gebrauch weisser Gazevorhänge vor den Fenstern, um unbescheidene Blicke ins Zimmer unmöglich zu machen. Die Lichtstrahlen, die aus dem Zimmer zwischen den Oefifnungen der Gaze hinausgehen , würden an und für sich wohl genügen, um einer draussen befindlichen Person das Bild des Zimmers sehen zu lassen, man empfängt dann aber zugleich mit diesem lichtschwachen Bilde das sehr lichtreiche Bild des stark reflectirenden Vorhanges, welcher das Innere des Zimmers völlig unsicht- bar macht. Nach C. H. Weber und G. Tm. Fechner besteht bei allen Sinneswahr- nehmungen eine merkwürdige Beziehung zwischen der AVahrnehmung und dem durch diesen verursachten Reiz, welche lautet: Die Verstärkung, welche der Reiz erhalten soll, damit eine Verstärkung der Wahrnehmung erfolge, steht zum ursprünglich vorhandenen Reiz in einem constanten Verhältnisse. Bei verschiedenen Sinneswahrnehraungen ist jedoch die Verhältnisszahl nicht die- selbe. Bei Druckwahrnehmungen soll es z. B. »A, sein; zu 3 Gramm muss 1 Gramm, zu 3 lülo 1 Kilo hinzugefügt werden, damit man eine Erhöhung des durch diese Gewichte ausgeübten Drucks fühle. IG • E. Giltay: Camera lucida. I, 1. gläsern versehen ab. Es sei hier jedoch noch einmal darauf hingewiesen, dass man nicht ohne Nothwendigkeit von den Rauchgläsern Gebrauch machen soll ; je heller man das Feld lässt , desto leichter wird man den Zeichenstift sehen, nur wenn das helle Papier das Präparat oder ein noch zu zeichnendes Detail unsichtbar oder zu undeutlich macht, muss man zu den Rauchgläsern seine Zuflucht nehmen. Es wird vielleicht Befremden erregen, dass öfters, Nim die Zeichen- spitze leicht und scharf zu sehen, die HeUigkeit des Feldes so stark, oft sehr auffallend auf Kosten der Schärfe des Bildes, verringert werden muss. Vielleicht wird man fragen, weshalb denn die Zeichenspitze sich so überAviegend stark vom Gesichtsfelde abheben muss. Die Erklärung dieser Thatsache , die durch das Nächstfolgende noch deutlicher werden wird, liegt nach meiner Ueberzeugung hierin, dass, je nachdem die Zeichen- spitze sich stärker vom Felde abhebt, desto leichter die zum scharfen Sehen des Bleistiftes erforderliche Accommodation erhalten bleibt. Man wird hier vielleicht entgegnen, dass derselbe Dienst durch ein scharfes Sichtbarsein des mikroskopischen Feldes geleistet werde, und dass es also nie uothwendig sein würde, die Schärfe der Zeichenspitze auf Kosten von jener des Objectes zu erhöhen. Dies ist jedoch wohl der Fall. Man kann nämlich seine Accommodation sehr wohl be- deutend ändern, und dennoch bleibt das mikroskopische Object un- verändert , was dadurch verursacht wird , dass die Vergrösserung eines Systems in der Richtung der Achsen so viel grösser ist als senkrecht dazu. Wenn Object und Bild im selben Medium auftreten, ist die Vergrösserung parallel an der optischen Achse (die Tiefen- vergrösserung) das Quadrat von der Vergrösserung in der Richtung senkrecht zur Achse, Bei sehr starken Vergrösserungen ist hierdurch die Tiefe des Objectes, die bei einer Einstellung vermittels der Accom- modation des Auges übersehen werden kann , fast Null ; das Bild einer äusserst dünnen Schicht im Präparat wird dann in Folge der Ueber- vergrösserung längs der Achse, in jener Richtung so ausgedehnt, dass es das ganze Accommodationsgebiet des Auges ausfüllt. Wenn das Auge z. B. bei einer Accommodation 20 cm ein bestimmtes Bild wahr- nimmt, wird es bei Accommodation für 30 und 40 cm vollkommen dasselbe sehen, denn die beiden Schichten im Object, wofür das Auge in beiden Fällen richtig accommodirt, liegen in unmerklich kleiner Entfernung von einander, sodass kein unterschied im Bilde Avahrgenommen wird. Als wir oben den Gang verfolgten, welchen die Lichtstrahlen beim Gebrauch der A_BBE'schen Camera nehmen, haben wir der Einfachheit wegen vorausgesetzt, dass das beobachtende Auge für eine relativ kurze I, 1. E. Giltay: Camera liicida. 17 Entferuiuig eingestellt war ; das Auge miisste also, falls es normal wäre, accomodiren, oder sonst müsste es kurzsichtig sein. Wer jedoch aus Mikroskopireu gewöhnt ist, Uisst seine Accomodation ganz oder fast ganz ruhen. Für ein normales Auge, das im Zustand der Ruhe für eine unendliche Entfernung eingestellt ist, würde sich dauu das virtuelle Bild, welches in dem Tubus betrachtet wird, iu grosser Distanz befinden müssen ; wollte mau unter diesen Umständen zeichnen, dann würde auch die Zeichenfläche in einer entsprechenden, sehr grossen Entfernung sich befinden müssen. Dieses giebt den Schlüssel zu der Thatsache, dass so viele Personen beim Zeichnen mit der Camera Schwierigkeiten em- pfinden. Wenn sie dies Werkzeug zu gebrauchen anfangen, sehen sie vielfach die Zeichenspitze nicht scharf; sind sie durch Uebung so weit gekommen , dass dies wohl der Fall ist, dann verheren sie diese jedoch bei auhaltendem Zeichnen wieder leicht, und es bleibt öfters ein er- müdendes Geschäft, sich lange ununterbrochen dieses Apparates zu be- dienen ; einige gewöhnen sich auch niemals an den Gebrauch desselben. Die Ursache dieses Alles ist, abgesehen von einer mangelhaften Regu- lirung der Beleuchtuug, dass sie beim Gebrauch der Camera das Papier relativ dem Auge nahe stellen müssen , und dass also das beobachtende Auge accomodiren muss. Es scheint nun vielleicht unwahrscheinlich, dass in diesem Falle die Accomodation Schwierigkeiten machen würde, indem wir sonst im alltäglichen Leben davon nichts bemei'ken. Man vergesse jedoch nicht, dass wir dann mit zwei Augen sehen. Wenn wir Etwas genau betrachten wollen, dann muss das Bild gerade an einer ungefähr im Centrum der Netzhaut befindlichen Stelle auftreten, auf dem sogenannten gelben Fleck. Sollen also für beide Augen die Bilder eines nahen Gegeustaudes auf dem gelben Fleck entworfen werden , dann müssen die Gesichtslinien (durch das Ceutrum des gelben Fleckes ge- zogene Richtungsstrahlen) nach jenem Objecte convergiren. Für ver- schiedene Entfernungen des beobachteten Objectes gehören also auch verschiedene Convergenzgrade der Augeu. Man erhält nun bei einem bestimmten Grade der Convergenz von selbst einen derartigen Grad der Accomodation, dass das Bild auf der Netzhaut von dem Objecte, wohin die Gesichtslinien convergiren, scharf sein wird. Die Accomodation wird also durch die zum scharfen Sehen nothweudige Convergenz ein- geleitet und unterstützt. Diese Stütze für die Accomodation kommt in Wegfall beim monocularen Sehen und besonders beim Sehen durch das Mikroskop , wo wir gewolmheitshalber dazu hinneigen , unsere Accomo- dation ruhen zu lassen. Zeitsclir. f. wiss. Mikroskopie. I. 1. 2 18 E. G i 1 1 a j' : Camera lucida. I. 1. Aus diesen Betrachtungen lässt sich sofort das Hilfsmittel ableiten, wodurch der erwähnte Fehler der Camera corrigirt wird. Wenn man emmetrop ist (dann werden ja parallele Lichtstrahlen durch das accomodationsfreie Auge auf der Netzhaut zur Vereinigung gebracht), braucht man nur irgendAvo auf den Weg, welcher die Lichtstrahlen vom Papier bis zum Auge führt, eine Linse zu stellen, deren Brennweite der Länge jenes Weges gleich ist. Die vom Zeichenstift ausgehen- den Lichtkegel werden dann in Parallel- bündel umgewandelt , und das Auge sieht, obgleich es seine Accommodation in Ruhe lässt, den Stift vollkommen scharf. Ist man ametrop, also myop (kurzsichtig) oder hyper- metrop (überweitsichtig), dann soll eine Linse angebracht werden, welche die vom Papier r ' kommenden Lichtkegel nach ihrem Austreten aus der Linse auf eine Fläche gerichtet sein lässt, die in der grössten deutlichen Sehweite ' der betreifenden Person gele- gen ist. Kehren wir zum besseren Verständniss des Gesagten noch einmal zu der Figur 2 zurück, und zwar zu der in Figur 10 etwas modificirteu Form. Es sei das beobachtende Auge mj^op mit ly^ einer grössten deutlichen Sehweite = k'Ci. \ Die Linse L'^ (die eigentlich bei L steht) ! wird nun derart sein müssen, dass die von Vg Ws kommenden Strahlen, nach ihrem Aus- treten aus der Linse, auf eine in c^ befind- •^ liehe Fläche gerichtet sind. Für die Linse L' (L) werden also Cg und c^ conjugirte Punkte sein. Dieser Fall ist im rechten Theile der Figur in Zeichnung gebracht. 10. Ist das beobachtende Auge hypermetrop, k' v k A 1 f ')\ _j 1 ») Das ist jene Entfernung, in der das Auge ohne Accommodation scharf sieht. '^) Der Einfachheit wegen ist in Figur 10 beim Stralilengang abgesehen von der Reflexion durch die Spiegel. Diese würden jedoch, ganz wie in Figur 2, I. 1. E. Giltay: Camera lucida. 19 dann ist sein Bau derart, dass bei Niclit-Accommodation parallele Lichtstrahlen sicli hinter der Netzhant vereinigen würden , und dass sie also einen gewissen Convergenzgrad besitzen müssen, soll auf der Retina ein Bild entstehen. Setzen wir einmal voraus, dass für ein bestimmtes Auge die Lichtstrahlen , sollen sie bei Accommodationsruhe des Auges auf seiner Retina concentrirt werden, auf eine in c^ befindlichen Fläche gerichtet sein müssen, dann müssen also wieder die aus der Linse treten- den von v-i tv> ausgehenden Lichtkegel nach jener Fläche in Cs conver- giren. Es würden in diesem Falle für die Linse U a^ und Cs conju- girt sein. Zwischen der Hauptbrennweite (/') einer Linse, zwischen der Ent- fernung l eines Lichtpunktes und h des entsprechenden Bildpunktes zu jener Linse besteht die bekannte Beziehung ausgedrückt durch die Gleichung: 11 1 T + 6 -7' worin b mit entgegengesetztem Vorzeichen einzutragen ist, wenn Bild- und Leuchtpunkt auf dieselbe Seite der Linse fallen. Kehren wir jetzt zurück zu dem myopischen Auge mit der grössten deutlichen Sehweite c^ k'] und nennen wir jene Distanz r, sei l der Licht- weg von dem Zeichenstift in Cg bis L\ und ?, der Weg, der die Licht- strahlen von der Linse zum Auge führt, dann können wir die bei L einzusetzende Linse, damit C4 und c^ coujugirt seien, finden, wenn wir zuerst in obiger Gleichung c negativ nehmen, weil ja der Bildpunkt auf dieselbe Seite wie der Leuchtpuukt fällt, und wenn wir weiter obige Werthe in die Gleichung eintragen, l bleibt dann l b wird r — ?i , sodass wir erhalten : wobei f die Brennweite der gewünschten Linse vorstellt. Im Falle des hypermetropischen, und zwar in jenem Grade hyper- metropischen Auges, dass die Lichtstrahlen nach einer in C5 befindlichen Fläche convergiren müssen, damit im accommodationsfreien Auge ein Bild auf der Retina entsteht, bleibt l wieder l b jedoch wird r -f" ^i? wenn wir Cc,h' mit r bezeichen; an der relativen Lage der Lichtstralilen nichts ändern und nur den Bündeln einen gebrochenen Lauf geben. Auch hier ist also wieder fc'Og = ko + 0O3, indem weiter auch k't' = ko -\- ot ist. 2* 20 E. Giltay: Camera lucida. I, 1. nach Substitution iu der Gleichung bekommen wir also : l > r + l ' f ' ' r + l,+l Ist man also emmetrop, dann muss die Brennweite der Linse der Entfernung der Linse zum Papier gleich sein. Ist man ametrop, dann muss man erst seine grösste deutliche Sehweite bestimmen, oder sich dieselbe von seinem Augenarzte angeben lassen, die obigen Formeln werden dann sofort die Brennweiten des erforderlichen Glases augeben. Es wird bei den meisten Camera's nicht schwer sein, eine der- artige Linse anzubringen. Wenn man es besonders angiebt, kann man die AßBE'sche Camera mit einer für eine Linse bestimmte Fassung bei Herrn Zeiss bekommen. Herr Zeiss hat diese nahe an den Rauchgläsern angebracht, derart, dass die Linse eingeschoben oder, wenn gewünscht, entfernt werden kann. Als Linse verwendet man sehr geeignet ein Brillenglas , das man sieh von einem Optiker auf die Grösse der Fassung schneiden lässt. Drückt man die Brennweite in Metern aus, dann giebt der umgekehrte Werth dieser Zahl die erforderliche Nummer der Brillengläser in soge- nannten Dioptrien an. Ist z. B. die Brennweite 40 cm, dann braucht man ein Brillenglas von 2*5 Dioptrien. Will mau sich das erforderliche Glas nach der älteren Benennungsweise (Zollsystem) bestellen, dann braucht man nur zu berücksichtigen: 1. dass nach diesem System die Gläser mit einer Bruchzahl angegeben werden, deren Zähler 1 ist, und deren Nenner die in Zollen ausgedrückte Brennweite ist; 2. dass 1 Pa- riser Zoll gleich 0*02 71 m ist. Wenn die umgekehrte Brennweite eines erforderlichen Glases nicht genau einer im Handel vorkommenden Brillennummer ' entspricht, dann wird die nächstliegende Nummer genügen. Liegt der Werth von j ungefähr gleich weit von zwei Nummern entfernt, dann wähle man immer das schwächere , wenn es sich um ein positives , das stärkere, wenn es sich um ein negatives Glas handelt. (Ueberhaupt wähle man das weniger positive, weil ja eine stärkere Concavlinse ein weniger positives Glas ist, als ein weniger concaves Glas). Dies wird dadurch ') Die im Handel vorkommenden Nummern sphärisclier Brillengläser sind nach dem Dioptrien-System -f und — 0-25, 0-5, 0-75, 1, 1-25, 1-5, 1-75, 2, 2-5 2-75, 3, 3-5, 4, 45, 5, 5-5, G, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15. 16, 18, 20; mid nach dem Zollsystem: ± Vi,,«, Vra, Veo, 'Ad, 'a,,, Vao, 'U, V24, V22, Van, 'As, /16; /l4? /l2' /lOJ A? IHJ 11-, '/e? '7:.\T'' A' ZTT' A> Ql/"» A, gw ' Ow"? 'A" I, 1. E. Giltay: Camera liicula. 21 erfordert, dass, wenn eine Linse zn schwach ist, man das felilende mit ein wenig Accommodation erg-iinzen kann, ist sie jedoch zu stark positiv, dann ist in nnsereui Auge kein Corrigens melir vorhanden. Man braucht übrigens beim Bestimmen des miithmaasslich erforderlichen Glases gar nicht zu ängstlich zu sein , denn die im Handel vorkommenden Brillen- gläser haben natürlich nur ainiähernd die Brennweite, die sie nach ihrer Nummer haben sollten. Schliesslich muss ja immer die Praxis ent- scheiden, ob das Glas seiner Bestimmung genügt. Nur sorge man im Voraus so viel als möglich dafür, dass man keine zu starke Linse be- kommt ; eine kleine Accommodationsanspannung schadet nicht , wird meistens leicht erhalten und kann sogar das Zeichnen erleichtern. Eine Bemerkung noch wird vielleicht nicht überflüssig sein. Der Mensch ist bekanntlich in hohem Grade ein Sklave der Gewohnheit. Wenn man anfängt zu mikroskopireu, hält es schwer, wegen der Um- kebrung des Bildes, und also auch der Bewegungen des Objectglases, dieses letztere leicht und sicher zu führen. Ist man jedoch einmal daran gewöhnt und arbeitet man gelegentlich mit einer Präparirlupe , welche das Bild gerade lässt, dann hat es seine Schwierigkeiten, die Bewe- gungen in dem Sinne auszuführen , wie wir es übrigens Hunderte von Malen tagtäglich thun. Es hatte sich die Umkehrung der Bewegungen mit dem Acte des Mikroskopireus associirt. — So geht es auch mit der Accommodation. "Wenn mau anfängt mit dem Mikroskop zu arbeiten, ermüdet es sehr, wahrscheinlich wohl zum grossen Theile in Folge einer starken Anstrengung der Accommodation '. Bald jedoch lernt ') Da man weiss, dass Dasjenige, was man beobachtet, nahe bei uns ge- legen ist. scheint man, wenn man anfängt zu mikroskopiren, es nicht über sich zu vermögen, das Auge derart einzustellen, wie man beim Betrachten eines in der Ferne gelegenen Objectes gewöhnt ist. Daher können auch Anfänger, wenn sie mit einem Auge mikroskopiren, das andere nicht geöffnet halten. In Folge der Accommodation wird dann in diesem Auge ein mehr oder weniger vollkommenes Bild vom Tisch auf der Retina entworfen ; in der Vorstelhmg des Beobachters wird jenes Bild über das mikroskopische Bild superponü't und kann für die Wahrnehmung des letzteren sehr hinderlich sein. Lässt man jedoch seine Accommodation ruhen, dann ist das Bild des Tisches (und vom Fusse des MUa-oskopes) so diffus, dass man nichts Bestimmtes davon sieht, dass man also leicht von ihm abstrahirt, und es also einfach nicht mehr sieht. Wenn Jemand, der ans Mikroskopiren gewöhnt ist und der seine Accom- modation dabei ausser Thätigkeit setzt, sich überzeugen will, wie lästig es ist, auch im Auge, das nicht in die Mikroskopröhre schaut, ein scharfes Bild zu empfangen, dann mache er folgendes einfaches Experiment. Er stelle sein Mikro- skop auf eine Fläche, die ein scharf sichtbares Bild liefern kann, z. B. auf 22 E. Giltay: Camera lucida. I, 1. man den Accommoclationsmiiskel während des Mikroskopirens zu ent- spannen. Ist man hiermit zu Stande gekommen, und will man mit der Camera zeichnen, dann kostet die nun etwa erforderliche Accommoda- tion wieder Mühe. Ist man endlich auch hieran gewöhnt und bringt man zuletzt an der Camera eine Einrichtung an, welche gestattet, aber zugleich erfordert, dass man seine Accommodation ruhen lässt, dann geschieht es, dass man auch hiermit sich anfangs wieder nicht vertragen kann. Man lernt dies Alles jedoch bald. Nur muss man nicht zu schnell das durch Berechnung gefundene Glas für zu stark halten , wie es in Folge verkehrter Bestimmung der grössten deutlichen Sehweite vor- kommen könnte. Doch giebt es Personen, die sich niemals daran ge- wöhnen können beim Mikroskopiren oder beim Zeichnen mittels der Camera ihre Accommodation ganz fallen zu lassen. Solchen wird es jedoch der Mühe wohl lohnen, einfach empirisch zu bestimmen, welches das meist convexe oder wenigst concave Glas ist, das sie bei ihrer Camera zum leichten Zeichnen nöthig haben '. Ich selbst (der ich im einen Bogen weisses, beschriebenes Papier ; sieht er nun z.B. mit dem rechten Auge bei Nicht-Aecomodation in den Tubus, dann wird er, da das geöffnete linke Auge (das wür emmetrop annehmen) nur ein diffuses Bild empfängt, doch gut beobachten können ; hält man jedoch vor das linke Auge eine Linse, deren Brennweite der Distanz dieses Auges zum Papiere gleich ist, dann wkd auch das Bild im linken Auge scharf, und zugleich auch das mikroskopische Bild undeutlich. Mit Hinsicht hierauf ist es auch rationell, dass bei der Arbeit das INIikro- skop auf eine dunkle TiscLfläche gestellt sei, und dass nicht nur der Object- tisch, sondern der ganze Fuss des Mikroskopes (wie z. B. bei Stativ Nr. 1 von Zeiss) schwarz sei. i) Hypermetropen . die schon, um in die Ferne zu schauen, einen Tbeil ihrer Accommodation in Thätigkeit setzen müssen, können selten oder nie, besonders wenn ihre Anomalie etwas stark entwickelt ist, ihre ganze Accom- modation ruhen lassen, sogar dann nicht, wenn man ihnen Linsen vorhält, die ihnen nur bei Nicht-Accommodation das Sehen ermöglichen. Nur ein Theil ihi-er Hypermetropie verräth sich auf diese Weise und ist, wie man sagt, „manifest". Den latenten Theil der Hypermetropie kann man nur durch künstliche Läh- mung der Accommodation, z. B. durch Atropin, kennen lernen. Für die Camera wird man also bei Hypermetropie höchstens nur mit dem manifesten Theile Rechnung zu halten haben. Dieser Theil ist jedoch durchaus nicht leicht zu bestimmen, imd zwar aus dem einfachen Grunde, weil eine bestimmte Person sich in dieser Hinsicht nicht immer gleich verhält und z. B. bei der Prüfung erst einen bestimmten Grad von manifester Hypermetropie würde voraussetzen lassen, nachher einen viel stärkeren und endUch wieder einen schwächeren: Hypermetrope wissen, so zu sagen, nicht wie es mit ihren Augen steht; wenn sie in einem Augenblicke gut sehen, ist dies im nächstfolgenden unter den J. 1. Dippcl: Mikrograjihisclic Mittbeilungen. 23 leichten Grade liypermetrop biu) wurde dadurch zur Verwendung einer meine Accommodation ganz oder fast ganz ausser Wirkung setzenden Linse gebracht , dass icli vor einiger Zeit eine etwas ausführliche , sehr feine Zeichnung anzufertigen hatte, wobei es nothwendig war. die Blei- stiftspitze fortwährend ganz scharf zu sehen. Es strengte dies meine Augen so an, dass ich auf ein Mittel sann, mir die Sache zu erleichtern. Jetzt, wo ich es einmal gefunden und angewandt habe, giebt es mir so viel Erleichterung, dass ich es kaum mehr entbeliren könnte. Möchten auch Andere, die an Augenbeschwerden beim Gebrauch ihrer Camera lucida leiden, aus obigen Betrachtungen Nutzen ziehen ! Mikrogi'apliische Mittheilung'en. Von Prof. Dr. Leopold Dippel in Daimstadt. Hierzu 1 Holzschnitt. T Aui -^ ^ -ci 1 Xl/e^^ _|_ e 2 _ 26162 COS i 1. Ableitung der Formel a ^= ^— 2 ßi 62 sin i auf Seite 312 meines Handbuchs der allgemeinen Mikroskopie. Einige in Folge missverständlicher Auffassung gegen die Richtig- keit der obenstehendeu Formel erhobene Bedenken veranlassen mich, deren Ableitung an dieser Stelle darzulegen, um dieselbe dem allge- meinen Verständnisse näher zu bringen. Wie in dem Texte gleich unterhalb der Formel bemerkt ist, handelt es sich dabei um die Bestimmung derjenigen numerischen Apertur, welche zur gleichzeitigen Sichtbarmachung zweier verschiedene lineare Abstände e, und 63 besitzender, sich unter einem Winkel i schneidender Streifensysteme (oder in solche geordneter Structurelemente) für den selben Umständen nicht mehr der Fall (vgl. Donders, die Anomalien der Re- fraction und Accommodation des Auges. Deutsche Originalausgabe p. 198 fF.). Doch ist auch bei Hyperraetropen viel Erleichterung vom Gebrauch einer Linse bei der Camera zu erwarten. Wenn die Prüfung der Augen eine erste An- deutung über das erforderliche Glas gegeben hat, wird die Erfahrung zeigen, welche Linse auf die Dauer den meisten Nutzen gewährt. 24 Dippel: Mikrographische Mittheilungen. I, 1. Fall erforderlich wird, dass c^ grösser als Cj . cos i. Denu wäre dieses letztere Product gleich oder kleiner als e^ — womit selbstverständ- lich auch für das in Frage kommende, aus den Verbindungslinien der drei Maxima p ^ q^^ g., t^es Beugungsspectrums gebildete Dreieck El cos i < £2 sein müsste — so würde an Stelle des spitzen Winkels, welcher der Seite Zy des Dreiecks p Qi q^ gegenüber liegt , ein rechter oder stumpfer Winkel treten und die kleinere numerische Apertur, welche für die Auflösung des engeren Streifensystemes mit dem Abstand s, der Einzelspectren genügt, auch für die Sichtbarmachung der beiden Streifen- systeme ausreichend erscheinen. Die gesuchte numerische Apertur (:= a) wird nun, wie aus der beistehenden Figur ersichtlich ist , dargestellt durch das lineare Maass des Radius der Aus- trittspupille (des Oeffnungsbildes), welche die drei Maxima p, qy, qo in sich auf- nimmt, d. h. des Radius eines dem Drei- ecke pqi q-i umschriebenen Kreises, und da der Winkel i dem halben zu der — die dritte Seite des Dreiecks bildeuden — Sehne £3 gehörigen Centriwinkel ^ gleich ist, so ist nach einem bekannten trigonometrischen Satze : £3 r = 2 sin i also, weil gemäss der sogenannten Cosinusregel: £1 = V£x^+ £.^- 2 £1 £, . cos i _ Ve.^H- e^^- 2 £, £2 . cos l 2 sin i Nun ist einerseits der Radius der in der hinteren Brennebene des Objectivsystems gelegenen Austrittspupille nach den Sätzen auf Seite 199 des Handbuches bestimmt durch die Gleichung : r = a . f (f = Brenn- weite des Objectivs). Andrerseits lassen sich die Seiten £1 und £_, des Dreiecks pq^ q^ ausdrücken durch die Quotienten — * — und — —^ da die in der Austrittspupille gemessene lineare Entfernung je zweier Maxima des Beugungsspectrums einer Streifung — und zwar völlig un- abhängig von der Richtung des Lichteinfalles — allgemein gegeben ist durch die Gleichung: Ij 1. Dippel: Mikrographisclie Mittlieilimgen. 25 e = f . n . sin u = f . a = f . — (Seite 111, 112 und 311). Wir crhalteu clemffemäss: l/'^^ + ^-^-'^--^ y = a . / = 2 5m i oder ._ ^fV e\ ^ e% 2 cos i r I » - . 2 61^2 2 5«W i woraus nach einfach auszufiihreudeu Reductionen : a = -. — -. . 2 ßj 62 s*** * n. Bemerkungen über einige Probeobjeete aus der Gattung Grammatophora. Da in der neuesten Zeit noch mehrfach Verwechslungen zwischen Grammatophora marina W. Sm. und Grammatophora oceanica Ehrbg. (Gr. marina Ktzg.) vorgekommen sind und sich meine älteren, längst berichtigten ' Angaben über die Streifenzahl auf 10 [jl wiederholt finden (in einer allerneuesten Compilation über das Mikroskop werden der ,, Grammatophora marina" wieder 25 Streifen auf 10 |ji zugetheilt), sehe ich mich veranlasst, die oben genannten Probeobjeete, welche auf Seite 401 und 402 des Handbuchs der Mikroskopie kurz besprochen sind, et- was eingehender zu betrachten, indem ich für die ausführliche Bespre- chung auf die oben genannte (Berliner) Zeitschrift für Mikroskopie von 1880 verweise. Fassen war zunächst die der Verwechslung anheim gefallene Art ins Auge, so wurde dieselbe meines Wissens nur von dem älteren BouEGOGNE in Paris seit Ende der fünfziger Jahre und später von dessen Sohne und Nachfolger bis zum Jahre 1880 (von da ab wollte Bour- GOGNE Sohn auf meine Veranlassung hin die Bezeichnung Gr. oceanica Ehrbg. einführen), dann von einer mir nicht mehr erinnerlichen engli- >) Siehe Max Schüi.tze's Ai'chiv für mikroskoioische Anatomie Bd. V p. 283 und Bd. IX p. 803, ferner Zeitschrift für Mikroskopie Bd. II, 1880, Heft 9. 26 Dippel: Mikrographische Mittheilungen. I, 1. sehen Firma (Topping?) mit dem Namen: „Grammatophora marina Ktzg." (bei BüUKGOGNE mit Hinzufügimg des Fundortes Cherboiirg) als Probeobject ausgegeben '. Ausserdem erscheint sie in dem von Möller in seinem Preisverzeichnisse von 1877 angebotenen EiNLENSTEiN'schen Typen als Grammatophora marina Lyngb. unter der No. 52 (Ins. Faeroe), wobei indessen zu bemerken ist, dass unter der gleichen Nummer merk- würdigerweise auch Präparate mit der gröber gezeichneten Gr. marina (beide Arten jedoch niemals gemischt in einem und demselben Präparate) enthalten sind. Diese Form nun stellt das von Schacht ^ und mir früher ^ als Grammatophora marina beschriebene Probeobject mit 25 Streifen auf O'Ol mm (10 |jt) dar. Nach meinen eingehenden Untersuchungen müsste ich dasselbe als mit der Grammatophora ocenanica Ehrbg. (Grammato- phora marina Ktzg.) identisch, dagegen als von der Grammatophora marina, welche W. Smith zuerst in der Synopsis of British Diatomaceae beschrieben hat, verschieden erkennen. Ich habe daher diese Art, und zwar in der Form, wie sie in den oben genannten Präparaten auftritt *, um sie für den Mikroskopiker scharf abzugrenzen (und unbekümmert um eine anderseitig befürwortete Einordnung als Varietät der Grammato- phora marina) in meinen früheren Auseinandersetzungen und ebenso in dem Handbuch der allgemeinen Mikroskopie als Grammatophora oceanica Ehrbg. bezeichnet und hervorgehoben, dass ich diese Be- zeichnung an die Stelle der früheren : „Gr. marina" gesetzt wissen wolle. Die Anzahl der Streifen hatte ich früher etwas zu gross bestimmt und hat sich dieselbe nach meinen neuen mittels ausgezeichneter Objective vorgenommenen Zählungen, welche durch Bestimmungen aus Messung des Abstandes der Beugungsspectren controllirt wurden, auf 22 Streifen in 10 \i festgestellt, welche Zahl für die längsten wie für die kürzesten Exemplare constant bleibt. Von den beiden nachfolgenden Arten lässt sich diese Grammatophora, deren Länge etwa 21 bis 110 [jl, deren Breite in der Froutalansicht 10 bis 15 |x beträgt, leicht durch die 5-5 bis 6-5 [X betragende Entfernung der secundären Scheidewände (septae, 1) Eine vollständig gleiche Form habe ich in einer Aufsammlung aus dem chinesischen Meere vorgefunden. '^) Das Mikroskop p. 31. 3) Das Mikroskop und seine Anwendung 1. AuH. Bd. I p. 129, Figur 88 und 89. *) Es giebt von dieser Grammatophora allerdings auch Abänderungen aus anderen Fundorten mit feinei-er Streifung, die dann als Gr. oceanica Ehrbg. var. {)- zu verzeichnen wären. I, 1. Dippel: Mikrographische Mittheilungen. 27 vittae) von den Sclialcnrändern (auf der Gürtelansicht) miterscheidon, da dieselbe zwischen derjenigen der beiden anderen in der Mitte steht. Das von den deutschen Präparatenhandhmgen als Grammatophora inarina (theihveise mit der Bezeichnung Ktzg.) seit Ende der sechziger Jahre ausgegebene Probeobject wurde, wie schon oben erwähnt, zuerst von W. Smith a. a. O, und auch von Eabenhoest in seiner Flora Euro- paea Algarum unter diesem Namen beschrieben, und ich selbst habe in den oben genannten Arbeiten auf den Unterschied zwischen ihr und dem früher von mir als Gr. marina beschriebenen Probeobjecte aufmerk- sam gemacht, sodass wenn man heute, nach jenen Klarlegungen und dem Erscheinen des Handbuchs, von der von mir als Probeobject empfohlenen Gr. marina spricht, nur diese Form, die ich als Grammatophora marina W. Sm. bezeichne, im Auge haben darf. Als Probeobject unterscheidet sie sich wesentlich von der vorhergehenden Art dadurch, dass sie — und zwar sowohl an längereu wie kürzeren Exemplaren — nur 15 bis 16 Querstreifen auf 10 ji, besitzt, also viel leichter zu lösen ist wie jene. In der Länge differirt sie nicht wesentlich von der Gr. oceanica, da diese zwischen- 30 bis 140 [x schwankt; dagegen unterscheidet sie sich durch die Schalenbreite von 8"5 bis 16 [Jt, wie durch die Entfernung der se- cundären Scheidewände, welche 7*5 bis 8'75 [x beträgt, ganz entschieden, sodass beide Arten auch schon bei oberflächlichem Ansehen leicht aus- einandergehalten werden können (vergleiche auch die Figuren 235 und 237 des Handbuchs, in denen der erwähnte Unterschied noch deutlicher liervortreten würde, wenn die erstere nicht geringer vergrössert wäre, als die letztere, und bei dieser die Streifen wegen der Ausführung in Holzschnitt nicht etwas weiter abstehend gezeichnet wären, wie es der Natur nach sein müsste). Bezüglich der von Schacht ' und mir ^ als Probeobject für die stärksten und schärfsten Objectivsysteme empfohlenen Grammatophora subtilissima (Baily?) hat lange Zeit ein arges Missverständniss geherrscht, was wohl auch heute noch nicht gänzlich beseitigt ist. Es mögen daher auch dieser Art einige erläuternde Worte gewidmet werden, um etwaige Täuschungen bei deren Verwendung von Seiten der Mikroskopiker aus- zuschliessen. Aechte Präparate hat nur J. Bourgogne in den sechziger Jahren geliefert und ausserdem befanden sich in den Händen einzelner Mikroskopiker von Bailt herrührende Originalpräparate, von denen durch die Güte des Herrn Professor Schiff — früher in Florenz jetzt ») Das Mikroskop 2. Aufl. p. 30 Tfl. I Figur 13. 2) Das Mikroskop etc. 1. Aufl. Bd. I p. 129 Figiu- 90. 28 Dippel: Mikrographische Mittheilungen. I, 1. in Genf — eines in meinen Besitz kam. Die Grammatophora dieses Präparates, wie derjenigen von J. Bouegogne zeigen 34 bis 36 Quer- streifen auf 10 [jt und stehen somit an Schwierigkeit der Lösung etwa der echten „Frustalia saxonica" (Nav. rhomboides var. saxonica) aus der sächsischen Schweiz gleich. Dagegen wurde seit langen Jahren in Deutschland, wie in England und Frankreich imter dem Namen Gr. sub- tilissima ein Probeobject ausgegeben, welches keineswegs diesen Namen verdient. Verführt durch die Aehulichkeit in der Gestalt, hat man nämlich die häufig vorkommende Grammatophora macilenta W. Sm., ohne weiter zuzusehen und sich um die feinere Structur zu kümmern, als Gr. subtilissima aufgelegt und vertrieben, und ich glaube wohl kaum fehlzugehen, wenn ich annehme, dass sich dieses Object in den Händen der meisten Mikroskopiker befindet, die das andere zu besitzen glauben. Als Probeobjecte stehen nun aber die beiden in Frage kommenden Arten weit von einander ab, da Gr. macilenta W. Sm. nur 25 bis 26 und in den schlankeren Exemplaren 26 bis 28 Querstreifen auf 10 [j, enthält. Allerdings tritt gerade bei dieser Art ein Umstand hervor, der sich bei den übrigen Arten der Gattung wenigstens nicht in dem Grade findet. Es giebt nämlich Aufsammlungen, in denen die Zeichnung auffallend minder scharf hervortritt als in anderen, sodass sich die Schwierigkeit in Bezug auf die Sichtbarmachung der sich au Zahl etwa gleich bleiben- den Querstreifen bei dem einen Exemplare etwas bedeutender heraus- stellt als bei dem anderen. Die ächte Gr. subtilissima ist selten, und unter einer sehr grossen Anzahl von Grammatophora-Aufsammlungen aus verschiedeneu Meeren habe ich sie nur in denen, welche Möller als Diatomaceen von Hon- duras * ausgiebt, sowie in einer mir von Herrn Hüttendirector Jaotsch mitgetheilteu Aufsammlung, ebenfalls von Honduras, gefunden. Ob Möller in neuester Zeit zu seinem Probeobjecte: Gr. subti- lissima auf meine ihm gemachte Mittheilung hin Material obiger Art ver- wendet, also die ächte Form ausgiebt, ist mir nicht bekannt, da seit mehreren Monaten au ihn bestellte in Phosphorlösung eingelegte Probe- objecte zur Zeit noch nicht geliefert sind -. No. 654 des Katalogs von 1877. No. 838 des neuesten Katalogs 1883. 2) Die Figur 238 in dem Handbuche ist nach einem Exemplare des Original- präparates von Baily entworfen. 1, 1. Dippel: Mikrographiscbe Mittlieiliiugen. 29 III. Die Correetionsfassung bei Objeetivsystemen für homogene Immersion. Meine Auseiuanclersetzuiig' über diesen Gegenstand in der Zeitschrift für Instrumentenknnde ' hat in der 1882er Octobersitznng- der Royal Microscopical Society ^ eine Besprechnng erfahren, welche mich veran- lasst, zur Autlvlärung der deutschen Leser des Londoner Journals hier mit ein paar Worten auf die angeregte Frage zurückzukommen. Wie aus dem Bericht über die angezogene Sitzung hervorgeht, wurden meine auf theoretische Erwägungen gegründeten Darlegungen von den au der Besprechung sich betheiligenden Mitgliedern der Royal Microscopical Society theilweise gebilligt , theilweise verworfen. Wer die Verhältnisse kennt, sieht sofort, dass Uebereinstiramuug mit mir nur bei allen denen vorhanden ist, die mit der Theorie des Mikroskops und der mikroskopischen Abbildung sowie mit dem wissenschaftlichen Ge- brauche unseres Listrumentes vertraut sind, dass dagegen der Wider- spruch von einer Seite ausgeht, der ich in meinem Aufsatze die Correc- tionsfassuug ausdrücklich zugestanden hatte. Wenn der bekannte Optiker J. Beck meint, meine theoretische Erör- terungen seien eine Schutzrede dafür, dass man lieber mit einer schlechten Zeichnung des Bildes sich zufrieden geben, als sich die Mühe nehmen solle, durch Verwendung der Correctionsschraube eine vollkommene Definition herbeizuführen , so documentirt diese Aeusserung höchstens, dass der ganz tüchtige und im Betrachten von Probeobjecten geübte Optiker von dem, was wir unter Forschung verstehen und von den Ob- jecteu, wie sie dem wissenschaftlichen Mikroskopiker vorliegen, sowie von dem Ziele, welches meine Betrachtungen im Auge haben, keinen Begriff hat, und ich brauche in einer deutschen Zeitschrift wohl kaum ein Wort darüber zu verlieren, dass es sich von meiner Seite nicht um die Vermeidung eines für die Sicherheit der Beobachtungsresultate noth- wendigen Aufwandes von Zeit und Mühe und ein Begnügen mit unvoll- kommener Bildzeichnung (Definition) handeln kann. Die Auslassungen von J. Mayall verlangen schon eher eine nähere Betrachtung, um sich davon zu überzeugen, dass sie das nicht beweisen, was sie beweisen sollen. Die Erfahrung in Bezug auf die Zeichnung der Schüppchen von Podura besagt weiter nichts, als das, was ich in meinem Aufsatze als ») Jahrgang II, 1882, Heft 8. 2) cfi". Journal of tlie Royal Microsc. Soc. London, Ser. II vol. II, 1882 pt. 6 p. 906. 30 Dippel: Mikrographische Mittheilungen. I, 1. einen theoretisch znzngebenden Vortheil bezeichnete, indem ich sagte, dass die Correctionsfassimg im Staude sei, diejenigen (Verhältnis s - massig ziemlich beträchtlichen) Aberrationen zu beseitigen, welche durch trocken eingelegte, von dem Deckglas durch eine dünne Luftschichte getrennte Objecte eingeführt werden. Bei derartigen Objecten kann der Unterschied in der Schärfe und deutlichen Sicht- barkeit anderen am Deckglase haftenden Objecten von derselben Structur gegenüber ein ziemlich bedeutender werden, da im einen Falle (bei homogener Immersion mit 1*25 numerischer Apertur, wie sie die ersten ZEiss'schen Systeme besassen) eine numerische Apertur von 1*25, im anderen von nur 1'12 wirksam wird und das mikroskopisclie Bild — alle anderen Umstände als gleich vorausgesetzt — um so schärfer ge- zeichnet erscheint, je mehr gebeugtes Licht von dem Objectivsystem aufgenommen wird (man betrachte z. B. nur einmal die Zeichnung von Pleurosigma angulatura bei centraler Beleuchtung mittels dreier Objectiv- systeme von 1"0, 1-10 und 1-25 numerischer Apertur und man wird den Unterschied leicht herausfinden. Ganz gleich wie bei Podura verhält sich die Sache wohl in Bezug auf die im weiteren V^erlaufe seiner Besprechung erwähnten Objecte, die nicht genannt sind, und in Bezug auf die wir daher nicht einmal im Stande sind zu beurtheilen, was etwa subjectivem Ermessen zuzuschreiben ist, während andererseits, da diese Objecte in zwei Klassen zerfallen, von denen die eine von Objectiven mit und ohne Correctionsfassung gleich gut defiuirt werden , die andere dagegen nicht, leicht auf verschiedene Art ihres Einschlusses geschlossen werden kann, Dass die einen von irgend Avelchen Einschlussmitteln umhüllt sind, während es sich bei den anderen wieder nur um trocken eingelegte Objecte und zwar mit „Oberflächen- zeichnung" („superficial structure") handelt, dürfte wohl zweifellos sein und geht auch aus meinen weiter unten mitgetheilten Untersuchungsresnl- taten hervor. Nnn richtet sich aber die Adresse meiner Betrachtungen in der Zeitschrift für Instrumentenkunde (wie auch p. 244 Bd. XII des Bota- nischen Centralblattes von 1882) durchaus nicht an Solche, welche das Mikroskop nur als Mittel zur Betrachtung von Probeobjecten und ähn- liehen Dingen benutzen , sondern an die wissenschaftlichen Forscher, und für diese erscheinen die hier erörterten Thatsachen, welche, wie schon oben hervorgehoben wurde, nichts weiter besagen, als das, was ich in Bezug auf trocken eingelegte Objecte u. s. w. ausdrücklich zuge- geben hatte (also nicht einmal einen Gegensatz zu meinen Anschauungen bilden), von keinem Betracht, da Objecte, zu deren wissenschaftlichen I. 1. Dipi)el: Mikrographisclie Mittheilungeii. 31 Beobaclitnng die homogene Immersion hovang-ezogen wird, wobl stets von Wasser oder einer etwas stärker brechenden Flüssigkeit nmhttUt erscheinen. Wenn weiter Herr J. Mayall der Royal Microscopical Society die interessante Mittheilung machen zu müssen glaubt, dass Professor Abbe in seiner früheren Ueberzeugung gegen die Verbindung des Correctious- systems mit Objectiven für homogene Immersion schwankend geworden sei, und dass sich derselbe gegen meine geäusserten Ansichten mindestens theilweise gegnerisch verhalte, so verdient diese Mittheilung doch eine kleine Richtigstellung. Ich selbst habe in meiner Arbeit im Eingang gesagt, dass diese im wesentlichen sich an die mir brieflich mitge- theilteu Betrachtungen Professor Abbe's anlehnt und im Texte mehrfach auf die Uebereinstimraung zwischen Professor Abbe's und meiner An- sicht hingewiesen. W^elche die Ansichten Professor Abbe's in Be- zug auf die Beigabe der Correctiousfassung für homogene Immersion sind, das ergeben, neben der schon auf p, 274 der Zeitschrift für In- strumentenkunde angeführten, folgende Stellen aus unserer kurz vor dem Erscheinen meines Aufsatzes (Juli 1882) geführten Correspondenz. Professor Abbe sagt wörtlich : ' „Bei alledem bleibe ich nicht nur bei meiner früheren Ansicht über die Unzweckmässigkeit einer Correctiousfassung — ich bin im Gegentheil mehr und mehr zu der Ueberzeugung gekommen, dass die Beseitigung der Correction geradezu der praktisch wichtigste Vortheil ist, der für das wissenschaftliche Arbeiten durch die homogene Immersion gewonnen ist". Und ferner: „Die Correctiousfassung ist ein sehr schönes Ding, wofern man sie nicht benützt, sondern immer auf demselben Theilstrich stehen lässt, am besten festgeschraubt". Kann man ein entschiedeneres Verdammungsurtheil der Correction für homogene Immersion finden, als dieses — natürlich in Rücksicht auf den wissenschaftlichen Gebrauch der betreffenden Objective — von dem allercompetentesten Richter gefällte? Die Fertigung der Correctious- fassung ist denn auch in dem Zsiss'schen Institute, wie sich Professor Abbe ausdrückt, nur nachgegeben, d. h. sie wird auf besonderen Wunscli geliefert. Um praktisch festzustellen, wieweit die Bildzeichnuug (Definition) der Objective für homogene Immersion durch die von mehreren engli- ') Ich bin ausdrücklich ermächtigt von Professor Abbe's betreifenden Aeusserungen jeden beliebigen Gebrauch zu machen. 32 Dippel: Mikrographische Mittheihmgen. I, 1. sehen und anderen Beobacliteru hervorgehobenen Verhältnisse berührt wird, habe ich eine Reihe von vergleichenden Untersuchungen angestellt und gebe in Nachfolgendem kurz deren Resultate. An der Silberplatte lassen sich die Aberrationen, welche bei ziem- lich stark von dem Mittel (für die Vis'" und 7,2'" Zeiss und Seibert 0*15 mm) abweichenden Deckglasdicken, die Differenzen betragen 0*05 mm, durch ein auf derartige Prüfungen eingeübtes Auge allerdings noch erkennen, das Verhalten lässt aber schon darauf schliessen, dass diese Abweichungen für Objecto anderer Art kaum in Betracht kommen können. Nahm ich in Monobrom-Naphthaün liegende Schalen vonPleurosigma angulatum, welche unter Deckgläsern von 0"1 bis 0*18 mm liegen, so war ein Unterschied in der Schärfe der Zeichnung nicht zu erkennen, mochte ich als Immersiousflüssigkeit das von Schimmel & Co. in Leipzig bezogene Cedernholzöl , die neueste ZEiss'sche Mischung von verdicktem Cedern- holzöl mit Ricinusöl (für mein Objectiv mit n = 1"508) oder eine solche von gleichen Theilen Cedernholzöl und Ricinusöl (Seibekt) verwenden. Aehnlich verhielten sich in das gleiche Mittel eingeschlossene und unter verschieden dicken Deckgläsern liegende Schalen der grossen Navi- cula rhomboides der Diatomeenerde von Cherryfield, deren Zeichnung in allen Fällen vollkommen klar und scharf gezeichnet erschien. Ja selbst die Zeichnung der Surirella gemma, die bekanntlich schwer zu lösen ist, blieb sich unter ähnlichen Umständen, man kann sagen vollständig gleich. Trocken eingelegte Objecto derselben Diatomeen Hessen, sobald an dem Deckglase festklebende Exemplare beobachtet wurden, ebenfalls keine merkbaren Unterschiede erkennen und ebenso verhielten sich histologische Objecte; Keruzeichnungen, quergestreifte Muskelfasern, Bacterien u. dgl. Es liegt also für den wissenschaftlichen Mikroskopiker durchaus kein Grund vor, von der festen Fassung abzugehen und sich durch die Auslassungen Derjenigen beirren zu lassen, welche das Mikroskop ledig- lich zur Demonstration der Zeichnungen auf Diatomeenschalen benutzen. Zum Schlüsse will ich nicht verfehlen noch besonders darauf auf- merksam zu machen, dass man beim Gebrauch der von mir neben der AßBE'schen Probeplatte, welche ich für das einzig zuverlässige Probe- object ansehe, zur praktischen Prüfung des Zeichnungsvermögens em- pfohlene Probeobjecte, wie die Schüppchen von Podura plumbea und Pieris brassicae, die nöthige Vorsicht beobachten muss. Man sehe nament- lich darauf, dass man bei diesen stets auf das Deckglas aufzubringenden Objecten solche Exemplare, welche fest an der Deckglasoberfläche I, 1. Flescb: lieber einen beizbaren Objecttisch. 33 kleben und die Zeiclmung vollkommen scharf zeigen , auswähle , sich diese dann in irgend einer AVeise bezeichne und bei Vergleichen immer Avieder nur diese verwende. Ich selbst benutze stets eine und dieselbe ausgewählte , mir ihrer Lage nach genau bekannte Schuppe der sich — soweit es erforderlich ist — durch ihre Deckglasdicke unterschei- denden Präparate. Das Herausfinden derartiger Schuppen fällt nicht schwer, wenn man mittels eines für die verwendete Deckglasdicke ge- nau corrigirten Objectives die Präparate sorgfältig durchmustert und die von den verschiedenen Schüppchen gelieferten Bilder vergleicht. lieber einen beizbaren, zu scbnellem Wecbsel der Temperatur g'eeig^neten Objecttiscb. Von Dr. Max Flescli in Bern. Hierzu 1 Holzschnitt. Die hier zu beschreibende Vorrichtung ist bis jetzt nur im Modell- Exemplar erprobt und erscheint noch mancher Verbesserung fähig; gleichwohl dürfte schon jetzt eine Beschreibung derselben statthaft sein, weil, soweit mir bekannt ist, seit dem Umschwünge, welchen die Con- struction des Mikroskopes durch die Anwendung des AsBE'schen Be- leuchtungsapparates erfahren hat, noch keiner der zur Erwärmung oder Abkühlung des Präparates dienenden Apparate so gestaltet worden ist, dass er einerseits die volle Ausnutzung der neueren optischen Hilfs- mittel in Betracht zieht, anderseits in Bezug auf die Regulirung der Temperatur allen Ansprüchen genügt. Allerdings wird jeder „Heiztisch" dem von dem einzelnen Unter- sucher benutzten Stativ speciell angepasst werden müssen ; es wird ferner derselbe je nach besonderen Uutersuchungszwecken zu modificiren sein; auch der unsrige, wenn auch bei der Probe für einen speciellen Zweck ausreichend befunden, wird noch Abänderungen unterzogen, über deren Erfolg später berichtet werden soll. Als ich zur Anschaffung eines heizbaren Objecttisches genöthigt war, hatte ich eigene Erfahrungen nur mit dem ScHULTZE'schen gesammelt. Zeitschr. f. wiss. Mikroskopie. I. 1. 3 34 Flesch: Ueber einen heizbaren Objecttiscli. I, 1. Derselbe benutzt bekanntlich als Wärmeqnelle Spiritusflammen, mittels deren die beiden Arme einer hufeisenförmigen Metallplatte erhitzt wer- den ; die Fortleitung der Wärme in dem Metall ermöglicht eine Tem- peratur-Erhöhung des auf dem Mittelstücke des Hufeisens aufliegenden Präparates. Der Apparat wird auf den gewöhnlichen Objecttisch auf- gesetzt, er verzichtet also theilweise auf die Vorzüge der Cylinderblen- dung, des — zur Zeit der Construction uoch nicht bekannten — Abbe- schen Apparates u. s. f. Die Heizmethode ist eine ganz unzureichende ; die Gefahr der Ueberhitzung der Präparate eine sehr grosse; Unter- suchungen über das Verhalten von Geweben bei Abkühlung auf niedere Temperaturen sind überhaupt nicht ermöglicht. Andere Constructionen ' hatte ich nicht benützen können. Von den mir in der Beschreibung bekannt gewordenen ist bei der von Ranvier angegebeneu auf die zweckmässige Einfügung der Blendung geeignete Fürsorge getroffen; die Erwärmung erfolgt durch circulirendes warmes Wasser; es ist specielle Rücksicht darauf genommen, dass auch das Objectiv mit er- wärmt wird, somit der Wärmeverlust durch Ableitung ein möglichst ge- ringer wird. Derselbe dürfte durch einfache Modificationen die Anwen- dung des Beleuchtungsapparates gestatten und käme so in mehrfacher Hin- sicht den Ansprüchen, die ich stellen zu müssen glaubte, am nächsten. Gelegentlich der Abfassung des Referates über Untersuchungsmethoden für den Jahresbericht der Zoologischen Station zu Neapel sind mir noch zwei Vorschläge bekannt geworden, die jeder in seiner Art wesentliche Vortheile zu bieten scheinen. Der eine von Haktlex ^ ging dahin, ein U-förmig gebogenes Glasrohr auf dem gewöhnlichen Objecttisch so zu fixiren, dass das Präparat auf dasselbe, mit der Längsrichtung des Objectträgers entsprechend den Schenkeln des U aufgelegt wird. Er- wärmt wird dasselbe durch einen das Glasrohr durchfliessenden Strom heissen Wassers; das eine Ende des Rohres ist zu diesem Zwecke mit einem Gefäss, in welchem Wasser siedend erhalten wird, durch einen Gummischlauch und Heber verbunden; das andere Ende ist in eine Spitze ausgezogen, durch welche das Wasser tropfenweise abfliesst. Die Schnelligkeit des Abflusses wird regulirt durch höhere oder tiefere Stellung des Heiz-Gefässes ; je nach derselben wird sich das Wasser auf dem Wege durch den Gummischlauch mehr oder weniger schnell abkühlen. Es ist klar, dass man statt heissen kaltes Wasser durch ») Vgl. DippEL, Das Mikroskop Bd. I p. 653. '^) Hartley, A. H. , A Warmstage for the Microscope. Amer. Monthly Microsc. Journ. Bd. I, p. 181—182 (Zool. Jahresber. f. d. J. 1880, Bd. I, p. 24). I. 1. Fl e seil: Ueber einen lieizbaren Objecttisch, 35 das Rohr leiten kann, dass man ferner leicht Vorsorge tragen kann, um schnell abwechselnd niedere oder hohe Temperatur zu erzeugen. Dagegen ist eine genaue Bestimmung der Temperatur nicht möglich und können die optischen Hilfsapparate nicht benutzt werden. Weit vollkommener in letzterer Hiusicht ist die Vorrichtung von Symons '. Dieselbe be- steht — ich benutze hier das Referat des Zool. Jahresb. — „aus einer mit Wasser gefüllten Metallkapsel, in deren Wände, entsprechend der Beleuchtungsöffnuug im Objecttisch, dünne (Deck-) Glasplättchen ein- gefügt sind. Auf das obere derselben wird das zu untersuchende Ob- ject direct aufgelegt, sodass die Erwärmung eine möglichst dii-ecte ist. Eine spiralig gew^mdene Röhre ist in die Kapsel der Art eingelegt, dass seitliche, dem Zu- uud Abflüsse dienende Verlängerungen des Rohres aus der Wand der Kapsel hervorragen. Ein weiterer Ansatz dient der Einfügung des Thermometers. Zur Heizung dient ein Strom von Wasserdampf oder besser von heissem Wasser. Um schnelle Tem- peraturwechsel bewirken zu können, ist das Zuflussrohr in zwei Schenkel getheilt, deren jeder einen Hahn trägt, man kann durch Umstellen der Hähne sehr schnell heisses oder kaltes Wasser, eventuell Kältemischungen auf einander folgen lassen". Die letztere Vorrichtung erscheint, so weit man auf Grund der Beschreibung urtheilen kann, sehr zweckmässig ; es unterliegt keinem Zweifel, dass deren Anpassung an das Stativ in einer Weise erfolgen könnte, die allen optischen Ansprüchen freien Spielraum gewährt. Es waren zwei Bedenken, die mich hinderten, dieselbe ohne Weiteres zu adoptiren ; einmal fürchtete ich, dass, weil ja jeder Tempe- raturwechsel zunächst dem Wasser, welclies das Heizrohr umspült, und erst indirect den Wänden des Kastens mitgetheilt wird, derselbe nicht so schnell, als es für meine speciellen Zwecke erwünscht war, auf das Präparat wirkte; dann aber fürchtete ich die Zerbrechlichkeit der als Unterlage für das Präparat dienenden Deckglasplättcheu und namentlich ein Springen derselben bei rascher Abkühlung. Die Anforderungen, welche bei der Anfertigung des heizbaren Ob- jecttisches zu erfüllen sind, ergeben sich aus dem Voi-stehendeu. Es soll die Heizeiurichtung im Stande sein, auf längere Zeit eine constante Wärmequelle zu bilden; es soll zugleich ein rascher Temperaturwechsel möglich sein. Im Prinzip erreicht dies am besten die HARTLEx'sche Einrichtung. An Stelle des U förmig gebogenen Rohres tritt aber eine 1) SrMoxs, W. H., On a Hot and Cold Stage for tlie Rlicroscope. Journ. of the Royal Microsc. Society Scr. H vol. II, 1882, p. 21—22. (Zool. Jahresber. II. 3 J. 1882 p. 32). 36 Flesch: Ueber einen heizbaren Objccttiscb. I, 1. Metallkammer von rechteckiger Form, welche in der Mitte von der Bleiiduiigsöffuiing- durchsetzt ist ; von der Seite her sind Zu- und Abfluss- rohr sowie ein Ansatz für ein Thermometer angebracht. Es sollte ferner der Objecttisch so au dem Mikroskopstativ angebracht werden, dass durch ihn eine Erhöhung des Tisches nicht stattfände, dass also ein darauf liegender Objectträger in normaler Weise mit der freien Fläche des ABBE'schen Beleuchtungsapparates in Contact stehen könnte. Hierzu bot nun das von mir benutzte Stativ der SEiBERT'schen Werk- stätte ' die günstigste Gelegenheit. Dasselbe ist ein mittleres Stativ mit drehbarem Objecttisch; letzterer ist so construirt, dass nicht, wie bei Haetnack, Leitz u. a. der Tisch mit dem Oberbau des Instrumentes um die optische Achse gedreht wird; es wird vielmehr nur eine dünne, in den Objecttisch eingelassene runde Metallplatte auf demselben be- wegt. Es wurde daher die Kammer des heizbaren Objecttisches so eingerichtet, dass sie an Stelle der drehbaren Platte eingesetzt werden kann. Allerdings kann nun ans technischen Gründen nur schwer die Kammer so eng sein, dass sie nicht die Dicke jener Platte übertrifft. Dies war indessen kein wesentliches Hinderniss. Für das gewöhnliche Arbeiten dürfte wohl nie ein bedeutenderer Grad schiefer Beleuchtung nöthig werden, als der bei Anwendung des ABBE'schen Apparates er- reichbare. Hierfür ist aber die Dicke des Objecttisches gleichgiltig; nur für die Bedürfnisse derjenigen, welche sich ausschliesslich mit dem Entzitfern von Diatomeenzeichuungen und ähnlichem abgeben, dürften besonders dünne Objecttische zur Erlangung sehr scharfer Beleuchtungen noch in Betracht kommen. Indem also die gewöhnliche dünne Platte des SEiBEET'scheu Drehtisches gegen eine etwas dickere vertauscht wird, wie mir von Herrn Seibert vorgeschlagen worden ist (dies war zur Zeit der Demonstration des Modellexemplars gelegentlich der Freiburger Naturforscher-Versammlung noch nicht ausgeführt), kann erreicht werden, dass nach Belieben der gewöhnliche Objecttisch direct durch den heiz- baren ersetzt wird; es kann also auch nach Belieben ein Beleuchtungs- oder Polarisationsapparat bei der Untersuchung verwendet werden, wie bei dem gewöhnlichen Objecttisch. Da der specielle Zweck, zu welchem ich den Apparat zu benutzen haben werde, in Hinblick auf Beleuchtung u. s. f. keine weitgehenden Anforderungen stellt, so habe ich besondere Proben nach dieser Seite >) Vergl. über dasselbe : Flesch, M. , Ueber einige Verbesserungen an Seibeet und Krafft's Mikroskop-Stativ. Waldeyek's Archiv f. mikroskop. Anat. Bd. XIX p. 504, 505. 1, 1. Flcscli: Ueber einen heizbaren Objecttisch. 37 noch niclit vorgeuommeu ; ich behalte mir vor, hierüber noch Versuche anzustellen. Mir war es hauptsächlich darum zu thun , schnellen Temperaturwechsel und namentlich nach Belieben niedere Temperaturen zu erzielen. Die Probe des Apparates nach dieser Hinsicht gab Veran- lassung, noch der Einrichtung zur Regulirung des Wasserstromes eine geeignete Form zu geben. Das heisse Wasser wird durch einen Heber zugeführt aus einem Gefäss — etwa einem grossen Becherglas — in welchem Wasser siedet. Die Verbindung des Hahnes mit der Kammer erfolgt unter Vermittelung eines T Rohres (a) in der Weise, dass durch Benützung eines Quetschhalmes in jedem Augenblick der Zu- fluss des heissen Wassers durch den einen Schenkel (a') abge- schnitten, dafür aber durch den anderen (a") kaltes Wasser nach Oeffneu eines zweiten Hahnes zugelassen werden kann. Da nun der Abfluss des Wassers hier ge- wöhnlich nur tropfenweise er- folgen soll, so muss dafür gesorgt werden, schnelleren Abfluss im Augenblicke des Temperatiu'- wechsels zu erzielen. Aufongs suchte ich dies durch Oetfnen eines an dem Abflussrohr augebrachten Quetschhahnes zu ermöglichen. Es zeigte sich indessen, dass es schwer hielt, schnell genug wie- der auf die alte Abflussgeschwin- digkeit einzustellen. Es wurde desshalb auch an dem Abfluss- rohr eine etwas complicirtere Einrichtung nöthig. Demselben wurde ein T Rohr angefügt, dessen beide Querschenkel durch Gummi- schläuche mit jenen eines zweiten T Rohres verbunden wurden; der Verticalschenkel des letzteren öffnete sich frei als Abflussrohr. Von den verbindenden Gummischläuchen war der eine für gewöhnlich durch eine Sperrpincette (d) geschlossen; der andere (d) trug einen Quetsch- hahn, mittels dessen auf eine bestimmte Stromschnelligkeit eingestellt wurde. Sollte der heisse Strom dm'ch kaltes Wasser ersetzt werden, so werde im^Moment der Oeffnung des für den Zufluss kalten Wassers 38 Flescli: Ueber einen heizbaren Objecttiscb. I, 1. bestimmteu Halmes die Sperrpincette (ä) geöffnet. In wenigen Secimclen konnte so die Temperatur der Kammer nm mehr als 30" variirt wer- den; sobald der Temperaturwechsel erreicht war, wurde die Sperr- pincette geschlossen imd so der Abfluss wieder verlangsamt. Noch bin ich nicht aller Schwierigkeiten in der Temperaturregu- lirung Herr geworden, wenngleich ich für meine Zwecke zur Zeit alles Nöthige erreichen kann. Die eine Schwierigkeit liegt darin, dass in dem Zuflussrohr selbst eine ziemlich bedeutende Abkühlung des heissen Wassers stattfindet, diese ist um so grösser, je langsamer das Wasser fliesst, je länger also ein Theil desselben in dem Rohre stagnirt. Sollte es darauf ankommen. Stunden oder Tage lang constante Temperatur zu erhalten, so wird nach meinen Proben die Anwendung des Apparates ein mangelhaftes Resultat geben. Hier dürfte wohl ein schneller Strom mittels einer Gasflamme und des Thermoregulators auf constanter Tem- peratur gehaltenen Wassers das Richtigere sein ; Versuche in diesem Sinne habe ich nicht gemacht ; deren Ergebniss wird indessen kaum zweifelhaft sein können. Ferner gelingt es nicht, beliebige Temperaturen bei der Abkühlung zu erwerben ; ich konnte die niedere Temperatur nur dann constant erhalten, wenn ich kaltes Wasser von dem ge- wünschten Wärmegrad selbst durch die Kammer strömen liess. Einige andere UnvoUkommenheiten • theilt der Apparat mit allen mir bekannten Constructionen mit Ausnahme der RANViEn'schen ; es wird stets die Temperatur des Objectträgers eine andere sein, als die des Tisches, speciell aber wird gerade die Stelle des Präparates noch einer stärkeren Wärmeableitung nach dem Objective unterworfen sein. Bei dem RANviEK'schen heizbaren Objecttisch besteht die Heizkammer aus zwei über einander stehenden Abtheilungeu ; in einem Spalte zwischen diesem liegt das Präparat, die untere enthält die Bleudungsöffnung, die obere umfasst das Objectiv. Es liegt auf der Hand, dass ich dies ohne weiteres auch bei der beschriebenen Einrichtung hätte erreichen können ; ich fürchtete indessen, dass die Erwärmung des Objectivs leicht eine zu hohe und schildliche werden könnte. — Bei Stativen, bei welchen die Einpassung des Tisches statt des Drehtisches nicht mögUch ist, müsste man Bedacht darauf haben, die Blendungshülsen gewünschten Falles über die Ebene des gewöhnlichen Objecttisches an der des oben aufgestellten Heiztisches zu erheben. Auch dann dürfte aber die mitge- theilte Einrichtung, im wesentlichen eine Ausarbeitung des von Haktley (s. 0.) vorgeschlagenen, in mancher Hinsicht sich nützlich erweisen. I, 1. Bi-ass: Die Methoden bei der Untersucliung thierischer Zellen. 39 Die Methoden bei der TJntersucliimo' thierischer Zellen. Von Dr. Arnold Brass, Assistent am zoologischen Institut der Universität Leipzig. Während meiner Studien über die Structiir der Zellen und die physiologische Bedeutung der einzelnen Zelltheile habe ich zu ünter- suchungsmethodeu greifen müssen, welche von den augenblicklich üb- lichen zum Theil bedeutend abweichen. Ich will es daher versuchen, den Weg, welchen ich bei jenen Studien eingeschlagen habe, in der Kürze im Zusammenhange mitzutheilen. Wenn wir Zellen untersuchen, so haben wir uns natürlich stets da- nach zu fragen, ob dieselben frei sind oder ob sie mit anderen, gleich- artigen Zellen zu sogenannten Geweben zusammentreten. Ferner hat man genau den Bau der Zellen imd die Structur der einzelnen Gewebe, die Intercellularsubstanzen und die Membranen zu berücksichtigen und dementsprechend die angewandten Methoden zu modificiren. Ich werde daher auch im Folgenden einzutheilen versuchen zwischen freien Zellen und solchen, welche zu Geweben vereinigt sind. Die Untersuchungen der freien Zelle. Bei den freien Zellen hat man wieder zwei Hauptgruppen zu unter- scheiden; die erste Gruppe umfasst diejenigen, welche als sogenannte einzellige Organismen ein selbständiges Leben führen, die zweite Gruppe umfasst jene Zellen, welche innerhalb höherer Organismen selbstän- dig auftreten, das heisst, nicht zu geschlosseneu Geweben vereinigt sind. Ich bin nun bei allen jenen Untersuchungen stets folgenden Weg gegangen. Zuerst untersuchte ich die Zellen lebend und zwar möglichst unter Verhältnissen, welche denen gleichkommen, imter welchen die be- treffenden Objecte für gewöhnlich existiren. Bei den niederen ein- zelligen Organismen macht eine solche Untersuchung keine Schwierig- keiten, anders verhält es sich aber bei der Untersuchung jener frei im Thierkörper vorkommenden Zellen. Hatte ich die Zellen genügend lebend studirt, so wandte ich verschiedene Reagentien an, um mir über 40 Brass: Die Methoden bei der Untersucliung thierischer Zellen. I, 1. die Structur der Zelle näheren Aiifschluss zu verscliafFen und erst ganz zuletzt suchte ich durch Tinctiousmittel einen letzten noch weiter gehen- den Aufschluss über den Bau der Zellschichten zu gewinnen. In meinen „biologischen Studien" habe ich zu Genüge meine Ansichten über den Bau der Zelle mitgetheilt und ich kann mich daher, was die Structur der Zelle anlangt, hier auf diese Arbeit berufen. Die Präparations- methoden habe ich in der betreffenden Arbeit nur angedeutet und des- halb fasse ich sie jetzt noch einmal in grösserer Ausführlichkeit zu- sammen. a. Die Untersuchungen der einzelligen Organismen. Bei der Untersuchung dieser für unsere Erkenutniss der zusammen- gesetzten Thiere so überaus wichtigen Gebilde mnss man natürlich nach den verschiedenen Untersuchungsobjecten verschiedene Methoden der Untersuchungen einschlagen. Eine nackte, hüllenlose Amöbe wird ganz anders zu behandeln sein, als eine solche, welche sich encystirt hat und dann mit einem mehr oder minder starken Chitinpanzer umgeben ist. Ebenso wird die Untersuchung eines mit zarten Wimpern be- setzten Infusors sich auch in den einzelnen Fällen ungleichartig stellen müssen. Kommt es mir darauf an, die lebenden Thiere zu untersuchen, so nehme ich mir die betreffenden Individuen direct frisch aus den Einzel- culturen heraus und bringe sie mit möglichst viel Wasser unter das Mikroskop; ich stelle meine Untersuchungen stets ein, sowie ich an den Bewegungen und Veränderungen des betreffenden Individuums merke, dass das umgebende Medium ein anderes geworden ist. Um den Sauer- stoffgehalt des Wassers unter dem Mikroskope möglichst lauge in gleicher Menge zu erhalten, bringe ich stets mit den betreffenden Ob- jecten einige kleine grüne Algen unter das Deckglas, welche hinreichend Sauerstoff produciren, um das Leben der Amöben und Infusorien in dem Wasser zu unterhalten. Anfänglich wird mau natürlich mit schwachem System arbeiten und später zu immer stärkeren übergehen. Da die meisten Protozoen äusserst beweglich sind, so lange sie Hunger haben, thut man gut, sie mit zerriebenen Pflanzentheilchen u. s. w. vorher ordentlich zu fütteru ; dann verharren sie während der Untersuchung meist nach kurzer Zeit ruhig an einer Stelle und beginnen alsbald die aufgenommenen Nahrungstheile zu assimiliren. Jetzt kann man auch mit stärkeren Systemen arbeiten, ohne allzuhäufig durch die plötzliche Fortbewegung der betreffenden Objecte gehindert zu werden. Bei Amöbenuntersuchungen ist man auch schon anfänglich im Stande, starke I, 1. Brass: Die Methoden bei tlcr Untersuchung thierlscher Zellen. 41 Systeme in Anwendung zu bringen, denn die Fortbewegung der Amöben ist eine so gleiclimässige und langsame, dass mau mit Leichtigkeit durch Verschiebung des Objectträgers ein bestimmtes Individuum im Gesichtsfelde behalten kann. Bei den Amöbenschwärmern liegt die Sache allerdings anders, denn diese bewegen sich ebenso rapid, wie viele Infusorien , aber dennoch kann man auch sie , durch Unter- bringungen geeigneter Nahrung unter den Objectträger, zwingen, ihre Bewegungen einzustellen. Den Körper der lel)enden Protozoen kann man nun weiterhin durch Anwendung verschieden durchfallenden Lichtes zu sondern suchen, und namentlich sind es die verschiedenen Schichten, welche ein jeder dieser niederen Organismen aufweist, die bei verschiedener Beleucli- tung mehr oder minder klar hervortreten. Um die Beleuchtung für starke Systeme möglichst intensiv zu machen, ist es zweckmässig, dass man sich während der Untersuchungen des ABBs'schen Beleuchtungs- apparates bedient, und ich habe bei demselben mit vielem Erfolg noch eine Blende eingeschoben, welche für manche Untei'suchungen gauz unentbehrlich ist. Bekanntlich werden von dem Beleuchtungsapparate die Lichtstrahlen in ganz stumpfen Winkeln durch das Object hindurch- getrieben. Diese Lichtstrahlen bilden zusammen einen niedrigen Kegel mit stumpfer Spitze (die letztere soll ungefähr am Objecto liegen). Die Beleuchtung des Objectes ist also eine fast allseitige. Für viele Unter- suchungen muss es nun wünschenswerth erscheinen, die Beleuchtung vollständig einseitig zu machen, und das geschieht am zweckmässigsten dadurch, dass man von dem Lichtkegel, welcher auf das Object fällt, den grössten Theil der Strahlen abschneidet und nur die von einem Mantelabschnitte kommenden zutreten lässt. Um dies zu erreichen, lege ich unter den Beleuchtungsapparat eine kreisrunde Blende ein, in welcher ein Quadrant dieses Kreises theilweise herausgeschnitten ist. Ich schneide am Rande der Blende ein Kreisstück heraus, und zwar habe ich es am besten gefunden, wenn man den äussersten Rand zwei Millimeter breit stehen lässt, dann diesem Rande parallel einen je nach Bedürfniss zwei bis drei Millimeter breiten Streifen herausschneidet. Man kann sich so verschiedene Blenden anfertigen, solche, bei denen der herausgeschnittene Streifen durch den gesammten Quadranten geht, oder solche, bei denen derselbe nur einen Theil des Quadranten aus- macht, und endlich solche, bei welchen mehr als ein Quadrant durch- schnitten ist, ja man kann selbst durch einen Kreisschnitt die Hälfte der Blendenfläche durchschneiden. Legt man eine solche Blende unter die Beleuchtungslinse, so werden selbstverständlich nur seitlich vom 42 Brass: Die Methoden bei der Untersucliung thierischer Zellen. I, 1. Spiegel kommende Strahlen bindurchgelien und mir diese Strahlen werden dnrch den Belenchtungsapparat hindurchgebrochen, und in Folge dessen ist die Beleuchtung des Objectes eine ganz einseitige. Da nun das Plasma der Zellen in den verschiedenen Schichten verschiedene Dichtigkeit besitzt, so werden sich bei solch schief durchgehendem Lichte nebeneinander liegende, verschieden dichte Schichten natürlich scharf von einander absetzen. 'Habe ich die Zellen hinreichend im lebenden Zustande untersucht, so lasse ich auf die lebenden Objecte verschiedene Reagentien ein- wirken und zwar möglichst mannigfaltige. Es muss uns darauf an- kommen, die einzelnen Schichten der Zelle so zum Absterben zu bringen, dass ihre Structur möglichst in derselben Weise erhalten bleibt, wie sie uns in der lebenden Zelle entgegentritt. Deshalb verwerfe ich bei meinen Untersuchungen alle plötzlich wirkenden Reagentien oder wende dieselben doch nur in solchen Verdünnungen an, dass sie mög- lichst langsam das Leben der einzelnen Zellschiehten zerstören. Wenn wir z. B, stärkere Lösungen von Ueberosmiumsäure auf Zellen ein- wirken lassen, so gewahren wir, dass die Säure rapid schnell in das Innere der Zelle eindringt und das Leben derselben vernichtet, gleich- zeitig aber auch in ihr eine Summe von Veränderungen hervorbringt, welche nicht alle dem Bau der Zelle entsprechen dürften, sondern welche zum Theil das richtige Bild, welches wir vom Zellinnern zu haben wünschen, zerstören und uns Trugbilder vorführen. Für die freien Amöben, sowie überhaupt für membranlose Zellen und Protozoen habe ich als ein vorzügliches Conservirungsmittel eine Lösung kennen ge- lernt, welche aus einem Theile Chromsäure, einem Theile Platinchlorid, einem Theile concentrirter Essigsäure und 400 bis 1000 Theilen Wasser besteht. Lässt man eine solche Lösung auf einen hüllenlosen Protozoenkörper einwirken, da- durch, dass man einen Tropfen derselben an den Rand des Deckglases bringt, so gewahrt man, wenn die Lösung — was man allerdings aus- probiren muss — hinreichend verdünnt ist, dass die Zellen nicht plötz- lich absterben, sondern dass sie oft noch stundenlang in dieser Lösung am Leben bleiben, und dass der Tod derselben ganz allmählich erfolgt, indem zunächst die äusseren Schichten erstarren und dann erst die iimeren Schichten, eine nach der anderen, anfangen ihre Functionen einzustellen; am längsten bleibt der Kern am Leben, man sieht noch Bewegungen in demselben, wenn die Bewegungen in den äusseren Schichten schon aufgehört haben. Vergleicht man eine so getödtete Amöbe z. B. mit einer noch lebenden, so gewahrt man, dass die Structur I, 1. Brass: Die Methoden bei der Untersuchung thicrischer Zellen. 43 der Schicliten nur ganz verschwindend wenig verändert ist nnd dass erst nach längerer Einwirkung des Reagenzes diese Structur eine andere wird, das heisst, die einzelnen Schichten heben sich schärfer und schärfer gegen einander ab, das zu einer jeden Schicht gehörige Plasma stellt sich einheitlicher dar und unterscheidet sich schärfer von den nebenliegenden Schichten. Wendet man üeberosmiumsäure an, so gewahrt man, dass die Structur der Zellen nicht in derselben Weise die gleiche bleibt, wie bei Anwendung des eben mitgetheilteu Verfahrens, sondern dass sich in den verschiedenen Zellschichten Differeuzinmgen bemerkbar machen, welche ursprünglich nicht vorhanden waren und auch durch kein anderes Rea- genz in solcher Schärfe klar zu machen sind. Fragen wir uns nach dem Grunde dieser Erscheinung, so lautet darauf die Antwort, die üeber- osmiumsäure dringt nicht gleichmässig in den Schichten der Zelle vor, sondern sie verfolgt mit grosser Schnelligkeit die Stellen des geringsten Widerstandes ; so dringt sie z. B. auf der Oberfläche nur an einzelnen Punkten ein, dort, wo sie grade am leichtesten einzudringen vermochte , die z\vischenliegendeu Stellen werden sofort verändert und für weiteres Eindringen von Säure unzugänglich gemacht. Innerhalb der Plasmazoue dringt dann die üeberosmiumsäure in dendritisch ver- zweigten Streifen vorwärts, sie oxydirt das Plasma in der unmittelbaren Nähe dieser Streifen und erzeugt dadurch Bilder von der inneren Zell- structur, welche nicht correct sind, um sich von der Richtigkeit dieses eben Augeführten zu überzeugen, kann man ganz einfach so verfahren, dass man einen Tropfen concentrirter Eiweisslösung in eine üeber- osmiumsäure-Lösung hineinfallen lässt; auch hier gewahrt man, dass die üeberosmiumsäure nicht gleichmässig durch den doch jedenfalls gleich- artigen Tropfen hindurch gegangen ist, sondern dass sie denselben in verschiedenen Streifen und Bändern durchzieht. Besonders wird von der Säure das als Nahrungsmaterial eingelagerte Plasma der Zelle oxy- dirt, und in Folge dessen scheinen grade diese Zellsubstanzen schärfer ausgebildet zu sein. Ganz ähnlich wie die üeberosmiumsäure wirkt die Pikrinschwefel- säiire (jenes bekannte Gemisch aus Pikrinsäure und Schwefelsäiu"e), nur hat dies nicht, wie die üeberosmiumsäure, die übele Eigenschaft, die betrefiendeu, mit ihr behandelten Objecto stark in der Färbung zu ver- ändern. Andere Reagentien habe ich bei Protozoen nicht in Anwen- dung gebracht, weil ich trotz allen Bemühens keine günstigen Resultate mit denselben erlangte. Eine besondere Präparationsmethode erfordern jene Protozoen, welche ihren Körper stark mit undurchsichtigem 44 Brass: Die Methoden bei der Untersucliiing tHerischer Zellen. I, 1. Nahrimgsmaterial angefüllt haben. Viele der zu den Moneren gezählten Protozoen, wie z. B. die Vampyrellen, zeigen in den mittleren Schichten eine solch grosse Anzahl von Körnern abgelagert, dass die centralen Schichten vollständig durch dieselben verdeckt und unkenntlich gemacht werden. Es war dies der Grund, dass man den betreffenden Individuen bis jetzt z. B. die AuAvesenheit eines Kernes vollständig abgesprochen hat. Mir kam es bei meinen Untersuchungen darauf an, in jedem Falle durchaus sicher zu sein, ob das betreffende Individimm mit einem Kerne versehen sei oder nicht, und ich versuchte daher auf alle mögliche Weise die Fremdkörper zunächst zu zerstören und den central gelegeneu Kern möglichst sichtbar zu machen; schliesslich ist es mir in allen Fällen durch das folgende Verfahren gelungen: Zunächst isolire ich die be- treffenden Individuen, dann bringe ich sie für kurze Zeit in jenes als Pikrinschwefelsäure bekannte Gemisch ; nach ungefähr 3 bis 4 Minuten entferne ich die überschüssige Pikrinschwefelsäure wieder und bringe die Objeete für kui'ze Zeit in siedend heisses Wasser, wasche sie darauf etwas aus und setze nun eine geringe Quantität Ammoniaklösung zu, wo- durch das vorher stark contrahirte Präparat wieder auf seine frühere Form gebracht wird; ist diese letztere hergestellt, so neutralisire ich das Ammoniak durch wenig Essigsäure, und daraufhin färbe ich das Object entweder mit ammoniakalischem Carmin oder mit Boraxcarmin. Nachdem ich die Objeete wieder ausgewaschen habe, bringe ich sie in verdünntes Glycerin und untersuche sie auf ihre feinere Structur. Die Pikrinschwefelsäure zerstört das Nahrungsmaterial, wenn es in der Zelle aufgespeichert ist, das Ammoniak löst schliesslich die etwa noch vor- handenen fettigen Theilchen auf, und in Folge dessen wird das Präparat soweit als möglich durchsichtig. Färbt man vor einer solchen Behand- lung, so färben sich auch die Körnchen ziemlich intensiv, und dadurch wird der Kern wenig oder gar nicht sichtbar gemacht. In neuester Zeit habe ich zur Fixirung von Protozoen mit vielem Glück auch eine concentrirte Sublimatlösung angewandt, nur muss man später möglichst vorsichtig alle Spuren von Sublimat auswaschen, weil sich dieselben sonst unter Umständen in Form kleiner Krystalle ab- scheiden können. Ich muss übrigens gestehen, dass ich bei den Protozoen ohne Reagentien und Färbemittel bessere Resultate erhalten habe, als nach Anwendung derselben. I. 1. Brass: Die Methoden der Untersuchung thierischer Zellen. 45 b. Die frei im Körper vorkonnuendeu Zellen. Da sämmtliche Zellen, welche isolirt in höheren thierischen Organis- men leben, membranlos sind, so ist die Untersuchung derselben im Grossen und Ganzen eine ähnliche, wie die der hüllenlosen Protozoen. Wenn es mir darauf ankommt, die Zellen lebend zu untersuclien, so bringe ich sie entweder in Lymphflüssigkeit oder Augenflüssigkeit, Jod- serum oder auch in 0-G- bis 0*7procentige Kochsalzlösung unter das Deckglas, erwärme den Objectträger und untersuche sie ganz ähnlich wie die Amöben mit schwachem und starkem System. Es kommt bei diesen Untersuchungen natürlich auch stets darauf an, das P]iuschluss- mittel möglichst sauerstoftreich zu wählen, deshalb schüttle ich die Koch- salzlösung vor dem Gebrauche tüchtig in einem grösseren Glase oder ich nehme ganz frisches Augenwasser, welches ja immerhin eine grössere Menge gelösten Sauerstoffs enthält. In diesen Flüssigkeiten bleiben auch die Gewebe , z. B. die Drüsenzellen und die Keimschläuche und Keim- zellen niederer Tliiere lauge am Leben, und kann man sie alsdann stundenlang ungehindert beobachten. Schwierig sind die Untersuchungen an isolirten Eizellen höherer Wirbelthiere, Jene Eier, welche nach aussen abgelagert werden, enthalten so grosse Mengen von Dotter, dass eine Untersuchung der lebend frischen Objecto geradezu unmöglich ist. Die Eizellen der Säugethiere sind aber andererseits so sehr empfindlich, dass man dieselben nur in günstigen Umständen lebend unter dem Objectglase zu untersuchen vermag. Ich habe dieselben auf heizbaren Objecttischen imtersucht und habe dann als Einschlussmittel Lymphe genommen, der ich eine Spur von kohlensaurem Natron zusetzte. Das letztere darf allerdings nur in Spuren vorhanden sein, ungefähr '/g pro mille. Auf diese Weise gewann ich wenigstens einigermaassen befrie- digende Resultate, indem das Leben der Zellen erst nach einiger Zeit erlosch, wenn ich sie frisch aus dem warmen Follikel herausgenommen hatte. Bei jenen Säugethiereiern, welche schon befruchtet sind und sich an den Uteruswandungen festgesetzt haben, wird man wenig Glück haben, wenn man versucht, dieselben lebend zu betrachten. Ich habe wenigstens den Process der Furchuug niemals genau an denselben zu studiren vermocht. Als Reagentien habe ich bei den Untersuchungen der eben genannten freien Zellen genau dieselben angewandt, wie bei den Untersuchungen der hüllenlosen Protozoen. 46 Brass: Die Methoden bei der Untersucliung thierisclier Zellen. I, 1. Die Behandlung der Gewebe. Auch hier habe ich so viel als möglich lebend zu untersuchen ge- trachtet und habe in Folge dessen stets wo es anging die Gewebe frisch aus dem Körper entfernt und sie dann in 0-6- bis 0"7procentiger Koch- salzlösung oder in Jodserum respective in Lymphflüssigkeit untersucht. Man muss sich allerdings hier bemühen, mit Nadel und Scheere möglichst dünne Gewebsschichten zu isoliren, denn sowie sich mehrere Zelllagen übereinander befinden, werden die Bilder, welche man von den einzelnen Zellen erhält, durch die Lichtreflexe von nebenliegeuden Zelltheilen durch Schatten, welche dieselben werfen u. s. w. gestört und gefälscht. Am leichtesten lassen sich die Gewebe niederer Thiere untersuchen, weil dieselben längere Zeit in den obengenannten Flüssigkeiten am Leben bleiben. Es ist ja bekannt, dass man die Vorgänge der Zell- theilung bei ihnen noch mehrere Stunden hindurch zu verfolgen im Stande ist. Gewebe der Warmblüter verändern sich alsbald nach dem Tode, wenn man nicht künstlich erwärmte Objecttische zu Hülfe nimmt imd dieselben möglichst warm von dem Körper auf dem Objecttisch überträgt. Verschiedene Zellen verhalten sich hier auch ganz verschie- den. Am günstigsten für die Untersuchung sind die Samen und Eizellen höherer Thiere , weil dieselben verhältnissmässig lange den äusseren Einflüssen widerstehen und ihre ursprüngliche Structur beibehalten. Sehr schnell verändern sich die Sinneszellen, die Nervenfasern und Ganglienzellen. Will man die Gewebe höherer Thiere ohne Anwendung von Reagentieu untersuchen, so thut man gut, sie gefrieren zu lassen, danu auf dem Gefriermikrotom zu schneiden und die Schnitte nach dem Aufthauen in indifi'erenteu Flüssigkeiten zu untersuchen. Bei allen Untersuchungen vermeide mau aber möglichst die Anwendung von Wasser, indem sich in demselben alle Gewebszellen mehr oder minder schnell verändern und zur genauen Untersuchung untauglich werden. Bei Geweben, in denen es mir sehr darauf ankommt, die innere Struc- tur der Zelleu möglichst zu erhalten, verwende ich niemals reines Wasser, sondern ich wasche diese Gewebe nach der Behandlung mit Reagentien selbst mit Wasser aus, dem entweder Alkohol oder einige Tropfen Säure zugesetzt worden sind. Als bestes Mittel zur sogenannten Erhärtung der Gewebe habe ich stets die Chromsäure in stärkeren Verdünnungen kennen gelernt. Kleinere Thiere, Embryoneu höherer Thiere, vor allen Dingen solche, welche nicht mit einem festen äusseren Skelett ausgestattet sind, bringe ich lebend in eine Vg- bis Yaprocentige Lösung von Chromsäure und lasse sie in derselben bis zum Absterben, dann setze ich noch einige I, 1. Brass: Die Methoden bei der Untersuchung tliierischer Zellen. 47 Tropfen coucentrirter Chromsäiirelösiing zu und halte das Präparat je nach seiner Stärke mehr oder minder lange in der Säure zurück, schliess- lich wasche ich es mit SOprocentigem Alkohol aus und bringe es dann zum Zwecke der vollständigen Wasserentziehung nach und nach in immer concentrirtereu, bis schliesslich absoluten Alkohol. Recht hübsche Resultate habe ich auch durch Anwendung der sclion oben erwähnten Mischung von Chromsäure, Platinchlorid und Essigsäure erhalten. In einzelnen Fällen setzte ich dieser Mischung auf circa 50 g Lösung noch 2 bis 3 Tropfen eiuprocentiger Ueberosmiumsäure zu. Die Färbemittel, welche ich bei Geweben anwende, bestehen theils aus Boraxcarmin-, theils in Ammouiakcarmin- oder in HämatoxyHnlüsuug. Es ist schwer zu entscheiden, welcher Tinctionsmethode der Vorzug zu geben ist; man hat sich in bestimmten Fällen stets selbst von der besten Färbeweise zu überzeugen. Ich habe seiner Zeit einmal den Satz ausgesprochen, dass Färbe- mittel falsche Bilder erzeugten. Dieser Ausspruch hat selbstverständlich bei der Richtung der histologischen Forschimg in unseren Tagen von allen Seiten Widerspruch erfahren. Ich bin aber nicht geneigt, den- selben irgendwie zu modificireu, sondern halte ihn vollständig aufrecht, werde mich aber an dieser Stelle bemühen, einige Gründe für die Rich- tigkeit des Ausspruchs beizubringen. Es ist die Richtung unserer Zeit, der sogenannten chromatischen Substanz der Zellen und den Verände- rungen, welche dieselbe diu'chläuft, die grösste Aufmerksamkeit zu schenken, ja mau hat die chromatische Substanz als das Wesentlichste innerhalb der Zelle bezeichnet und hat geglaubt, au dieselbe alle Vor- gänge, welche wir mit dem Ausdruck Leben belegen, verknüpft zu sehen. Ich bin diesen Ansichten entgegen getreten und will es jetzt versuchen, klar zu legen, iumeweit die chromatische Substanz überschätzt worden ist. Es muss natürlich auffallen, dass Färbemittel innerhalb der Zellen an verschiedenen Stelleu der Zellen in verschiedener Quantität abgelagert werden, dass also verschiedene Schichten verschiedene Mengen von den Färbstoffen möglichst fest zu halten vermögen. Vor allem sind es ein- zelne Theile des Kernes, welche sich sehr intensiv tingiren, und da die Theile gleichzeitig während der Zellvermehrung höchst charakteristische Form Veränderungen durchlaufen, so richtet mau natürlich das Augenmerk auf dieselben und sucht eine Erklärung für die so mannigfaltigen Umwand- lungen zu finden. Ganz von vornherein aber schon neigte man zu der Annahme, dass die chromatische Substanz, weil sie so coustant vorkommt und sich so intensiv zu färben vermag, auch grosse physiologische Eigenschaften in der Zelle auszuüben vermöchte, und man sah sie für 48 Brass: Die Methoden der Untersucliuiig thierischer Zellen. I, 1. den wichtigsten Tlieil des Zellkörpers au. Aber schon die Unregel- mässigkeit, mit der die chromatische Substanz in der Zelle abgelagert ist, Hess mich vermuthen , dass sie doch vielleicht nicht jene active Thätigkeit im Körper der Zelle ausübte, welche man bei ihr vorausge- setzt hatte. Durch meine weiteren Untersuchungen kam ich zu dem Schlüsse, dass diese Stoffe eingelagertes Nahrungsmaterial für die Zelle darstellten. Waren meine Voraussetzungen richtig, so musste es mir durch geeignete Präparationsmethoden gelingen, die Zellen auf irgend eine Weise von diesen Stoffen zu befreien, und schliesslich habe ich eine Methode angewandt, welche mich auch zum Ziele geführt hat und mir deutlich zeigt, dass meine Voraussetzungen die richtigen gewesen sind. Ich lasse nämlich die Zellen hungern dadurch, dass ich die Individuen schlecht ernähre, oder ich lasse sie systematisch aushungern. Bei nie- deren Thieren, bei Insecten, Würmern u. s, w. und auch bei niederen Wirbelthieren geht dies verhältnissmässig leicht; man braucht die be- treffenden Individuen nur in kältere Temperaturen zu bringen und kann sie so zwingen, all das Reservematerial, welches sie in ihrem Körper aufgespeichert haben, nach und nach zu verdauen. Man gewahrt dann ganz deutlich, wie zunächst die Körnchensubstanz innerhalb der mittleren Plasmaschichten aufgelöst und resorbirt wird und wie dann schliesslich auch jene Substanz, welche im Kerne aufgespeichert war und selbst das Kernkörperchen oder die Kernkörperchen nach und nach vollständig verschwinden. Um bei höheren Wirbelthieren diese Processe verfolgen zu können, habe ich Infectionsversuche bei denselben gemacht. So habe ich bei Papageien und einigen anderen Vögeln, bei Mäusen, Kaninchen u. s. w. Individuen mit Tuberkelgift inficirt und sie so ganz langsam ab- magern lassen, oder ich habe tuberculöse Individuen genommen und sie nur verhältnissmässig wenig gefüttert ; die Thiere werden äusserst mager, leben verhältnissmässig lange, und wenn man dann einzelne Gewebe untersucht, so findet man, dass die chromatische Substanz in denselben mehr oder weniger verschwunden ist, besonders waren es die Eizellen, bei denen man die oben angegebenen Veränderungen am klarsten sah. Ich habe Präparate von Ovarien, bei denen die chromatische Substanz innerhalb der Eizelle vollständig verschwunden ist, nur dort, wo Eizellen in der Nähe grösserer Gefässe gelegen haben, da gewahrt man noch in denselben Spuren von gefärbtem Nahrungsmaterial, die Kerne des Binde- gewebes u. s. Av. zeigen noch deutlich ihre ursprüngliche Beschaffenheit, sie färben sich sehr intensiv und beweisen dadurch, dass nicht etwa in der Präparationsmethode Fehler gemacht worden sind. Ich kann diese Methode, Zellen hungern zu lassen, entschieden nur empfehlen, denn sie I. 1. Brass: Die Metliodcn bei der üntcrsucliung tbieriscber Zellen. 49 wird die einzige sein, die iius darüber Aiifscliluss zu geben vermag, ob dio chromatisclie Bubstanz wirklich etwas Passives innerhalb des Zell- körpers darstellt. Bei parasitirenden Thieren und besonders jenen Sorten, welche innerhalb des Darmkanals leben, merkt man den Ein- fluss der Nahrungsentziehung, bei den Weichthieren auch noch sehr deutlich. Ich habe dadurch, dass ich z.B. Mehlwürmern wochen- und monatelang jegliche Nahrung entzog, die in ihnen schmarotzenden Gre- garinen , welche für gewöhnlich durch die zahlreich aufgespeicherte Nahrung undurchsichtig sind, vollkommen durchsichtig zu machen ver- sucht. Die Resultate, welche ich durch diese Präparationsmethode er- zielte, werde ich demnächst in der Fortsetzimg meiner „biologischen Studien" verötfentlichen. Eine vorläufige Mittheilung darüber ist schon in dem Zoologischen Anzeiger von Anfang December 1883 gegeben worden. Wenn ich gezwungen bin , feine Schnitte durch Untersuchungs- material zu machen, so gehe ich da stets möglichst einfach vor, denn die complicirten und verwickelten Einbettungs- nnd Schnittmethoden, wie sie heute üblich sind, vernichten zum Theil die feinere Structur der Zellen vollständig und sind ganz dazu angethan, falsche Bilder zu er- zengen. Ich halte es durchaus nicht für zweckmässig, Präparate, die man auf feineren histologischen Bau der einzelnen Zellen hin unter- suchen will, tagelang in flüssigem Paraffin liegen zu lassen und sie so vollständig mit Paraffin zu durchtränken, denn, sowie das Präparat er- kaltet, wird sich das Paraffin krystallinisch ausscheiden, und es wird dadurch die Schichten innerhalb der Zellen zerstören, indem Quetschun- gen und Contractionen vorkommen. Um dann das Paraffin später wieder zu lösen, wendet man häufig neben Xylol nnd Benzin auch Terpentinöl an. Ich habe aber gerade das TerpentiniU als ein Reagenz kennen gelernt, welches die einzelnen Zellen in höchst unregelmässiger Weise zum Schrumpfen bringt und dadurch sowohl die Structur der einzelnen Zellen, als auch die der Gewebe zerstört. Kann ich es nicht umgehen, irgend ein Präparat in Paraffin einzubetten , so färbe ich vorher das Präparat in toto, wasche es aus, bringe es in Alkohol und zwar nach und nach in immer stärkeren, aus dem absoluten Alkohol lege ich es in Nelken- oder Lavendelöl so lange, bis es vollständig von demselben durchtränkt ist und dann bringe ich es in Paraffin, welches nur^eine wenig höhere Temperatur als die seines Schmelzpunktes hat. Nach dem Erkalten des Paraffins schneide ich das Präparat sofort, lege die Schnitte ausgebreitet unter das Deckglas, löse das anhaftende Paraffin durch Xylol oder Benzin auf und setze dann Canadabalsam, welcher in Chloro- form oder Xylol gelöst ist, zu. Zeitschr. f. wiss. Mikroskopie, I, 1. 4 50 Brass: Die Methoden bei der Untersiiclmng tbierischer Zellen. I, 1. Die Einschlussmittel. Bei allen Einsclilnssmittelu für das mikroskopische Präparat ver- folgt man den Zweck, die allzustarke Lichtbrechung zu vermeiden, je- doch wird mau immerhin solche Einschlussmittel nehmen, welche nicht genau denselben Brechungsindex haben, wie die verschiedenen Proto- plasmaschichten des I'räparates. Man muss in einem jeden Einschlüsse die einzelnen Schichten immerhin noch genau von einander trennen können, und man wird gut tliun, wenn man feinere Untersuchungen machen will, die allerverschiedensten Einschlnssmittel in Anwendung zu bringen. Ich habe als solche gewöhnlich nebeneinander angewandt: reines Wasser oder halbprocentige Kochsalzlösung (ersteres niemals für losgelöste Gewebszellen, sondern nur für im Wasser lebende Protozoen), Speichel, Gummischleim, dem ich etwas Salicylsäure zugesetzt hatte, stark verdünntes Glycerin, Glycerin mit Essigsäure vermischt, wenig verdünntes Glycerin mit Spuren von freiem Ammoniak , welch letzteres später wieder durch hinzugefügte Essigsäure neutralisirt werden kann, endlich Schellacklösung, Sandarak und Canadabalsamlösung. Hatte ich tingirte Objecte, und kam es mir darauf an, nur die chromatische Sub- stanz in ihren Lagernngsverliältnissen zu untersuchen, so brachte ich auf die obere Linse des Beleuchtungsapparates einen Tropfen von jenem Oele, welches dem homogenen Immersionssysteme beigegeben ist, legte dann einen dünnen Objectträger von Crownglas auf und schloss das Präparat selbst in jenes Oelgemisch ein; wenn ich nun noch mit Systemen für homogene Immersionen arbeitete, so bekam ich Bilder von den tingirten Objecten, wie ich sie klarer und schöner niemals gesehen habe. Die Brechimgsiudices waren von der oberen Linse des Beleuch- tungsapparates bis zur unteren Linse des Objectivs ziemlich die gleichen nnd in Folge dessen traten die gefärbten Bestandtheile der Zellen voll- kommen frei und klar hervor, dabei bemerkte man dann auch, dass man sehr häufig Trugbilder gewinnt, wenn man tingirte Objecte nur in Einschlussmitteln untersucht, welche einen anderen Brechungsindex haben als das Crownglas der Objectträger und der Deckgläschen. Um die Differenzirungen in dem hellen fiirblosen Zellplasma nachzuweisen, habe ich als Einschlussmittel stets mit vielem Glücke ganz verdünntes Glycerin in Anwendung gebracht. Man mag es sich immer zum Princip machen, zunächst die Eigen- thümlichkeiten der zu nntersuchenden Objecte kennen zu lernen nnd je nach den Zielen, welche mau verfolgt, verschiedene Reagentien in An- wendung zu bringen. Mit einfachen Mitteln wird man wohl stets die I, 1. Baum garten: Beitr. z. Darstellnngsmetliode d. Tuberkelbacillen. 51 günstigsten Resultate erhalten, denn, wenn man erst einmal ein tliieri- sches Gewebe durch eine Reihe der verschiedensten Reageutien hin- durcligebracht hat, und wenn man schliessUch noch Färbemittel anwendet, so wird man sicher niemals richtige Bilder von jenen Vorgängen er- halten, welche sich im Inneren der Zelle an den eigentlich activ thätigen Plasma abspielen. In der Neuzeit hat mau den als Nahrungsmaterial aufgespeicherten Körnchensubstanzeu der Zellen ein zu grosses Gewicht beigelegt, und man mag die Resultate, welche man auf die verschiedenste Weise über die Structur dieser Zelltheile erhalten hat, nun endlich dazu anwenden, die activ wirksamen Theile der Zelle genauer zu studiren, das heisst, jenes üirblose, in mehreren Schichten innerhalb der Zelle eingelagerte Plasma genau zu untersuchen. Ich habe mir dies Ziel längst zur Aufgabe gesetzt, ich werde meine gewonnenen Resultate stets möglichst schnell publiciren und werde über die dabei in Anwendimg gebrachten Methoden in dieser Zeitschrift von Zeit zu Zeit weitere Mit- theilimgen machen. Beiträge zur Darstelliiügsmetliode der Tuberkelbacillen. Von Prof. Dr. med. P. Baumgarten in Königsberg i. Pr. Gleich in meiner ersten Mittheilung über die von mir unab- hängig von Koch ' entdeckten specifischeu Tuberkelbacterien 2 (Tuberkel- bacillen Koch's) hatte ich angegeben, dass es mir bisher in keiner Weise gelungen sei, die genannten Mikroorganismen durch die WEiGEEx'schen Bacterienfärbungen, selbst nicht mit Zuhilfenahme der KocH'schen Be- leuchtungsmethoden, kenntlich zu machen und hervorgehoben, dass durch diese Resistenz der gewöhnlichen Auilinfärbung gegenüber ein >) R. Koch, Die Aetiologie der Tuberciüose. Berl. kliji. Wochensclirift 1882, No. 15. 2) Centralbl. f. d. med. Wissenscli. 1882, No. 15. 4* 52 Baumgarten: Beltr. z. Darstellungsmetliode d. Tuberkelbacülen. I, 1. durchgreifendes Unterscheidungsmerkmal der von mir aufgefundenen Bacterien von allen anderen bekannten Schizomyceteuformen gegeben sei. Zu dem nämlichen Resultate war, wie sich herausstellte, Koch in Betreff der Tuberkelbacillen gelangt, und hatte dieser Forscher zu- gleich die Ansicht ausgesprochen, dass es nur bei Anwendung eines ganz bestimmten complicirten, von ihm beschriebeneu Färbungs- und Entfärbungsverfahreus möglich sei, die genannten Mikroorganismen im gefärbten Zustande darzustellen. Seitdem ist diese Ansicht die herr- schende geworden; das später von Ehelich empfohlene, jetzt ganz allgemein angewandte üntersuchungsverfahren ' ist bekanntlich nur eine Modification der KocH'schen Darstellungsmethode. In Folgendem soll gezeigt Averden, dass entgegen obiger Ansicht, es auch mit Hilfe der gewöhnli che u Anilinfärbungen gelingt, die Tuberkelbacillen klar und präcis zur Anschauung zu bringen: 1. Färbt man feine Schnitte tuberkelbacilleuhaltigen, in Alkohol, absolut, (oder MüLLER'sche Lösung und Alkohol, absolut, oder dünnen Chromsäurelösungen- und Alkohol, absolut.) gehärteten Gewebes 12 bis 24 Stunden bei Zimmertemperatur in stark verdünnten alkoholischen Methylviolettlösungen (hergestellt durch Eingiessen von 4 bis 5 Tropfen der concentrirten alkoholischen Lösung in ein [kleines] Uhrschälchen voll Aq. dest.), entfärbt sie danach, nach vorheriger Auswaschung in Aq. dest., 5 bis 10 Minuten in reinem Alkohol, absol., hellt sie sodann in Nelkenöl auf und bettet unverzüglich in eine Mischung von (chloroform- freiem) Canadabalsam und Nelkenöl (ana) ein, so sieht man, bei Unter- suchung der Präparate mit homogener Immersion Zeiss '/, 2 und offenem AsBE'schen Condensor, die Tuberkelbacillen als intensiv blau gefärbte Stäbchen innerhalb des blässer blau gefärbten Gewebes hervortreten. Etwaige andersartige, zufällig im Prä- parate mitvorhandene Bacterien siud durch Verschiedenheit der Form, Grösse und Anordnung ftist stets leicht von den Tuberkelbacillen zu unterscheiden. Bettet man nicht in die erwähnte Mischung, sondern einfach in Nelkenöl ein, so hält sich die Färbung der Tuberkelbacillen nur •) Büener's deutsche med. Wochenschr. 1882, No. 19. 2) Chromsäurepräparate, die bekanntlicli überhaupt Farbstoffe relativ schwierig aufnehmen, brauchen längere Zeit zur ausreichenden Tinction, die auch dann niemals so schön und intensiv ausfällt, wie bei Alkobol- und Müllek's Lösimgspräparaten. Man wende daher die Chromsäurehärtung nur an, wenn man gleichzeitig gewisse feinere Structurerscheinungen, z. B. Kern- theilungsfiguren, studiren will. I. 1. Baum gar ton: Ecitr. z. DarstcUungsmctliode d. Tubcrkclbacillen. 53 wenige Stunden, während die der accidentellen Bacterien sich tage- bis wochenlang conservirt, ein Umstand, durch welchen die Differential- diagnose zwischen beiden in zweifelhaften Fällen vollkommen sicher auf solchen Präparaten erledigt werden kann. — Setzt man die gefärbten Schnitte, vor der Entfärbung in Alkohol, absol., erst 5 Minuten einer etwa zur Hälfte gesättigten Lösung von Kali carbouicum aus, so ver- liert das Gewebe während des nachherigen Aufenthaltes im Alkohol mehr oder minder vollständig seineu Farbstoff, während die Tuberkel- bacilleu ihn behalten, so dass sie nunmehr um so leichter im Gewebe zu erkennen und aufzufinden sind. — Erwärmt man obige Methyl- violettlösung entweder nach Koch im Wärmeschrank bis 50" C. oder nach Rindfleisch über der Flamme, so kann man schon nach 10 bis 20 Minuten vollkräftige Tinctionen der Tuberkelbacillen erzielen. — Starke Mineralsäuren entziehen auch den in obiger Lösung gefärbten Tuberkelbacillen innerhalb gewisser Zeitgrenzen den Farbstoff nicht, während das Gewebe und die accidentellen Bacterien fast momentan entfärbt werden. 2. Legt man die nach 1. tiugirten und circa 5 Minuten in Alkohol, absol. entfärbten, auf 15 bis 20 Minuten in eine concentrirte wässerige oder besser essigsaure (Iprocentige) Lösung von Bismarckbrann, ent- wässert 5 Minuten in Alkohol, absol. und verfährt sodann weiter wie bei 1., so markiren sich die Tuberkelbacillen als intensiv blau gefärbte Stäbchen auf braunem Gewebsgruude. Alle übrigen von mir auf diese Weise behandelten Bacterien verlieren dabei den blauen Farbstoff und nehmen eine mehr oder weniger ausgesprochen braune Färbung an. Schaltet man die in 1. erwähnte Behandlung der Schnitte in Kali car- bouicum an geeigneter Stelle ein, so kommt die Braunfärbung des Ge- webes schneller und schöner zu Stande. Statt des Bismarckbrann kann man mit dem gleichen wesentlichen Erfolge rothe Anilinfarbstoffe oder auch Garminborax und Pikrocarmiuborax ^ verwenden. 3. Annähernd die gleichen Resultate kann man erreichen, wenn 1) Die bei der Benutzung dieser beiden letztgenannten Farbstoffe übliche nachträgliche Behandlung der tingirten Schnitte mit salzsaurem Glycerin kann auch hierbei mit Vortheil angewandt werden : Man legt die 5 Minuten mit Carmin- oder Pikrocarmiuborax getränkten Schnitte 5 Minuten in das ge- bräuchliche Salzsäure-Glyceringemisch (1 TL 25procentige CIH, 10 bis 15 Th. Glycerin), danach in Alkohol, absol. u. s. f. Bei Pikrocarmiuborax muss na- türlich zm' Erhaltung des gelben Farbtones P i k r i n alkohol und als Ein- schlussmasse Dammarharz statt Canadabalsam zur Verwendung kommen. 54 Baum garten: Beitr. z. Darstellungsmethode d. Tuberkelbacillen. I, 1. statt des M e t h y 1 violetts Gentia na violett benutzt wird; doch ist die Bacillenfarbe dann nicht so schön und kräftig wie nach Methylviolett- tränkung. Wenig geeignet ist das Fuchsin zu diesen Färbungen, weil bei dem längeren Verweilen der gefärbten Schnitte im Alkohol die rothe Bacillenfarbe stets stark mit ausgezogen wird. 4. Positive, zur Erkennung ausreichende Färbungen erzielt mau auch, wenn an Stelle der verdünnten alkoholischen ent- sprechend diluirte wässerige Lösungen applicirt werden; auch hier steht das Methylviolett in der Leistungsfähigkeit obenan. Bei An- wendung concentrirter wässriger Methylviolettlösung ist schon nach einstündiger Einwirkung in Zimmertemperatur der erste Beginn der Bacillentinction zu constatiren. 5. Alles was sub 1. bis 4. für Schnittpräparate angegeben wurde, gilt ohne Weiteres für D e c k g 1 ä s c h e n t r o c k e n p r ä p a r a t e. Da sich letztere ceteris paribus überhaupt leichter anfärben als erstere, so treten natürlich auch die oben beschriebenen Färbungen in sehr viel kürzeren Zeiträumen als den für die Schnitte angegebenen am Deck- glaspräparate auf. Wählt man stärker gesättigte Lösungen als die sub 1. bezeichnete, so kann man schon in % bis 1 Stunde ziemlich intensive Tinctionen der Tuberkelbacillen mit allen drei genannten Farbstoffen bei Zimmertemperatur erzielen. Lässt man nach kurzem, höchstens Iminutenlangem ' Auswaschen in Alkohol absol. etwa 5 Minuten eine concentrirte Bismarckbrauu- respective Methylenblaulösung einwirken und bettet, nach dem Abspülen des zweiten Farbstoffes in Aq. dest. und Trocknung sofort in die sub 1 erwähnte Eiuschlussmasse ein, so er- hält man das bekannte Bild der blau respective roth gefärbten Tuber- kelbacillen auf braunem respective blaugrünem Untergründe u. s. w. Aus Vorstehendem erhellt, dass es zur exacten Darstellung der Tuberkelbacillen weder des Alkalizusatzes 2, noch der Mitwirkung starker Säuren als Entfärbungsmittel, noch selbst einer Doppelfarbung bedarf, sondern dass die gewöhnliche einfache Anilinfärbung, genügend lange an- gewandt, dazu ausreicht. Die Fähigkeit, der Entfärbung durch Kali car- b onic. Widerstand zu leisten und dadurch um so deutlicher innerhalb des entfärbten Gewebes hervorzutreten, welche oben, als Hilfsmittel der Dar- 1) Da der Aufenthalt in Alkohol bei den Deckgläscheni)räiDaraten nur ganz kurz zu sein braucht, eignen sich für diese eben auch Fuchsinfärbungen (vergl. Satz 3). -) Resp. Carbolsäurezusatzes (Ziehl) Deutsch, med. Wochenschr. 1882, oder überhaupt irgend eines Zusatzes. I, 1. Baumgarten: Beitr. z. Darstellungsmethodc il. Tuberkelbacilleu. 55 Stellung mittels eiiifaclier Färbung, benutzt wurde, theilen die Tuberkel- bacilleu mit allen übrigen Bucterien ', darin liegt also durchaus nichts Besonderes. Freilicli sind bei diesen einfachen Färbungen die Tuberkel- bacilleu nicht durch ihre Farbe, sondern nur durch ihre Form, Grösse und Anordnung als solche charakterisirt, doch dürften diese morphologischen Kriterien (ohne deren Berücksichtigung man übrigens auch bei dem complicirten Färbuugsverfahren nach Koch-Ehrlich nicht auskommt, vergl. später) wohl in den meisten Fällen die Diagnose sichern. Für zweifelhafte Fälle ist überdies oben auf die Thatsache hingewiesen worden, dass im reinen Nelken öl einschluss die durch einfache Anilintinction gewonnene Bacillenfarbe binnen wenig Stunden schwindet, während alle übrigen Mikroorganismen, soweit bekannt, unter gleichen Verhältnissen die Farbe tage- bis wochenlang festhalten. — Weiterhin ist oben gezeigt, dass zur positiven DitFerenzirung der Tuberkelbacilleu von anderweitigen Bacterienspecies mittels ver- schiedener Färbung, auch nach der ein fa eben Anilinfärbung die Anwendung eines zweiten, durch Farbencontrast zugleich die Auffindung der Bacillen erleichternden Farbstoffes vollkommen Avirksam ist; auch eignen sich, wie bemerkt, zu solcher Xachfärbung nicht nur Anilin- sondern auch Carminfarben etc. Koch, der Entdecker des erwähnten hochwichtigen diagnostischen Effects der Doppelfärbung, war der An- sicht, dass zur Erlangung desselben die alkalische Reaction der ersten Farblösung nothwendig sei; dem widerspricht aber eben das Resultat obiger Versuche. Auch die von Ehrlich empfohlene Mitwirkung starker Säuren, als Entfärbungsmittel vor der Anwendung des zweiten Farb- stoffs ist, wie wir sahen, entbehrlich. Dass eine deutliche Darstellung der Tuberkelbacilleu durch Fär- bung anders als auf dem Wege des specifischen KocH-EHELicH'schen Verfahrens zu erzielen sei, hat man meines Wissens bisher nicht ange- nommen. Zwar hat Ziehl (1. c.) die Benutzung des Alkali für unnöthig erklärt, aber er hat an Stelle desselben einen anderen differenteu Zu- satz, die Carbolsäure, empfohlen ; ferner haben Lichtheim ^ und nach ihm De Giacomi ^ angegeben, freilich nicht ohne sofort AViderspruch 1) Yergl. KocH(Wunclinfectionskrankheiten), dem wir bekanntlicli die Ein- führung dieses trefflichen Hilfsmittels in die bacterioskopische Technik ver- danken. -) Lichtheim, Zur diagnostischen Verwerthung der Tuberkelbacilleu, Fortschr. der:Med. 1883, No. 1. 3) De Giacomi, ibid. 1883, No. 5. 5G Baumgarten: Beitr. z. Darstelhmgsmetliotle il. Tuberkelbacillcn. I, 1. vou Seiten Mexche's * und Fkiedläxder's ^ zu fiudeu, dass man die Tuberkelbacillen auch in einfjTclien Lösungen basischer Anilinfarben tingireu könne; zur eigentlichen Dar Stellung haben aber auch sie sich des EmLicH'scheu Säureverfahrens mit Herstellung einer Contrast- färbung des Untergrundes bedient. Man war eben der erst durch unsere Befunde als irrthümlich er^viesenen Meinung 3, dass die Tuberkelbacillen, trotz vollerreichter Tiuction, in dem einfach gefärbten Präparate wegen Mitfärbung des Gewebes nicht zur Wahrnehmung gelangen könn-ten. Neuesteus sind Pkiok'* und später Petri ^ darauf zurückgekommen, dass die Färbung auch mit einfsicher Gentinnaviolett- und Fuchsin- lösung, ohne Zusatz von Alkali (oder Carbolsäure etc.) gelänge; zur Darstellung der Bacillen haben jedoch auch sie, (die übrigens nur an Deckgläschenpräparaten arbeiteten, an denen sich die Tuberkel- bacillen, gleich allen anderen Bacterien, auerkanntermassen sehr viel leichter anfärben , als an Schnittpräparaten) , die Entfärbung durch concentrirte Säuren und die Coutrastfärbung des Untergrundes an- gewendet ^. Fkiedläjstder ' hatte gegen Lichtheim's und De Giacomi's Angaben angeführt, dass er mit den vou ihm benutzten Fuchsiu- und Gentianaviolettlösungen selbst nach 24stündiger Einwirkung nur ganz ungenügende Färbungen erhalten habe ; Lichtheim und De Giacomi müssten es daher mit anderen Farbstoffen als den seinigen zu thun gehabt haben, was leicht denkbar sei, da die Anilinfarben keine Stoffe von coustanter chemischer Zusammensetzung repräsentirten. Nach unseren, hier vorgelegten Beobachtungen dürfte jedoch die Differenz einen anderen Grund haben: Lichtheih giebt an, seine Färbungen mit ein- facher „concentrirter" Lösung vou Fuchsin und Gentiauaviolett, die durch Eingiesseu der gesättigten alkoholischen Farbstofflösung in Wasser gewonnen waren, erhalten zu haben. Fkiedläkdee dagegen ') Menche, Vortrag, gehalten in der med. Section des Niederrb. Vereins für Natur- u. Hcilk. zu Beim 1883. -') Feiedländkrr in Fortschr. der Med., 1883, No. 5. Notiz über die Fär- bung der Tuberkelbacillen, der Widerspruch Fkiedläkdek's gegen Lichtiieim's und De GrAcom's Angaben. •') Vergl. FiuEiiLÄNDEK, Mikroskopisclie Technik p. 56. -•) TiuoK, Berl. kUu. Wochenschr., 1883, No. 33. -0 Petei, Berliner kUii. Wochenschr., 1883, No. 48. ") Pkiok giebt übrigens an, dass zur „exacten" Färbung mit einfachen Farblösungen die Erwärmung vorzuziehen sei, was für das Methyl violett (welchen Farbstoff Prior nicht angewendet zu haben scheint) nicht zutrifft. (Vergl. oben Satz 1). ■) Friedländer, Fortschr. der Med., 1883, No, 5. I, 1. Baumgarten: Bcitr. z. DarstcHiingsmcthotlc d. Tubcrkelbacillen. 57 führt an, „wässrige" Lösungen der genannten Farbstoffe benutzt zu haben und sagt nichts ül)er den Concentrationsgrad. Nach obigen Mit- theilungen besitzen aber die (verdünnten) alkoliolisclieu Lösungen ein höheres Färbungsvermögen als die wässrigen und auch der Concentra- tionsgrad spielt danach eine erhebliche lioUe. Dass das Methyl- violett das beste bekannte Reagenz auf Tubcrkelbacillen ist, haben bereits früher Schuchaedt und Krause * hervorgehoben, sich hierbei auch auf eine gleichlautende mündliche Mittheilung Koch's berufend; noch auffallender als bei dem KocH-EHKiiicH'schen Verfahren tritt, wie aus Obigem (3) ersichtlich, der souveräne Werth grade dieses Farb- stoffes als Bacillenfärbemittel bei unseren einfachen Tinctionsmethoden zu Tage. Dass etwaige Differenzen in der Qualität der Drogue dieses Resultat beeinfiusst haben könnten, halte ich für ausgeschlossen, da ich es mit den aus verschiedensten Quellen stammenden Stoffen immer in gleicher "Weise erzielt habe. Wenn ich nun also nach meinen hier mitgetheilten neueren Er- fahrungen, meine frühere Ansicht über die N i c h t färbbarkeit der Tuber- kelbacillen mittels einfacher Aniliutinction zurücknehmen muss, so kann ich doch nach wie vor mit aller Bestimmtheit daran festhalten, dass die Färbbarkeit anderen Mikroorganismen gegenüber eine derart ver- schiedene ist, dass man diese Verschiedenheit zur Differeutialdiagnose benutzen kann. Es färben sich nämlich, wie oben bemerkt, am Deck- gläschen angetrocknet, die Tuberkelbacilleu bei Zimmertemperatur selbst in concentrirten Anilinviolettlösungen erst nach '/j- bis Ya stündiger Ein- wirkung leicht an, während alle übrigen Bacterienspecies, soweit be- kannt, darin sofort oder fast sofort intensiv tingirt werden. Selbst die Leprabacillen machen nach den Angaben Neissee's und Koch's hier- von keine Ausnahme. Es gewährt also dieses Verhalten die Möglich- keit, die Tuberkelbacilleu von allen übrigen Schizomycetenformen sicher zu unterscheiden und auf dieser Möglichkeit beruht mein früher ange- gebenes Verfahren-, die Tubcrkelbacillen in Sputis etc. nachzuweisen. Dieses Verfahren hat vor den positiven Färbungsmethoden, die Koch- EHELicH'sche Reaction nicht ausgeschlossen, zunächst den Vortheil, ein, soviel wir wissen, absolut pathognomonisches Resultat zu ge- währleisten, während bekanntlich auf die erstere nicht nur die Lepra- bacillen, sondern auch noch eine Reihe anderer Mikroorganismenformen in gleicher oder ähnlicher Weise reagiren ^ ; ferner aber den, dass sie ') Fortsctu'. der Med., 1883, No. 9 p. 278. «) Centralbl. für die med. Wissensch., 1882, No. 25. 3) Vergl. die citirten Abhandlimgeii von Lichtheim imd De Giacomi, 58 Baumgarten: Beitr. z. Darstellungsmethode d. Tuberkelbacillen. I, 1- gestattet, die Bacillen auch mit den gewöhnlichen Mikroskopen, selbst in vereinzelten Exemplaren , mit voller Sicherheit zu erkennen, während die positiven Färbuugsverfahren hierzu allgemein anei'kannter- maassen die Zuhilfenahme homogener Immersion und ÄBBE'scher Be- leuchtung unbedingt erforderlieh machen '. Die gern zugestandenen Nachtheile meines combinirten Kali-Verfahrens gegenüber den Me- thoden mit farbiger Darstellung der Bacillen beruhen darauf, dass es, zumal für den weniger geübten Mikroskopiker etwas leichter Ver- wechslungen der Bacillen mit andersartigen Objecteu, kleinen Kry- stallen , Partikelchen von elastischen Fasern - zulässt , als die letzt- genannte üntersuchungsmethode , deren Resultate selbst dem mikro- feraer die Mittheilungen von Babes, Histolog. Studien über Tuberculose (Pester med. chir. Presse No. 38, 1883) ferner Finklek und Eichlei;, Zur Erkennung der TuberkelbacUlen, Centralbl. f. klin. Med., 1883, No. 15, auch Petki, 1. c. 1) Wenn Weigert in seiner Polemik gegen mein Verfahren (Deutsch, med. Wochenschr., 1883, No. 29) bemerkt, dass man doch die gefärbten Tuber- kelbacUlen unter allen Umständen d. h. also auch mit den gewöhnlichen Mikro- skopen besser sehen müsse, als die ungefärbten, so übersieht er hierbei zwei Dinge: Erstens, dass die Tuberkelbacillen nach der, den ersten Act meiner Darstellungsmethode bildenden Kalibehandkmg nicht unerheblich grösser und voluminöser erscheinen, als nach der Anilinfärbung, und zweitens, dass die Auf- lösung des, die Bacillen verdeckenden „Structurbildes" (der Zellen, Kerne u. s. w.), welche an den der positiven Färbung unterworfenen Präparaten eben nur auf diop frischem Wege, mit Hilfe des ARisE'schen Condensors und homogener Immersion, geleistet werden kann, bei meiner Methode auf chemi- schem Wege, nämlich diu'ch die Kaliwirkung, erreicht wii'd. Dass man auch die ungefärbten Kalibacillen mit Benutzung guter Immersionslinsen und Abbe- scbem Condensor „besser" sieht, als mit gewöhnlichen Mikroskopen, bedarf wohl keines Beweises; natürlich darf man den Condensor hier nicht „offen", sondern nur mit Blenden wirken lassen. Da aber die Inanspruchnahme des Nutz- effectes des „offenen" Condensors, wie eben auseinandergesetzt, durch meine Präparatiou überflüssig gemacht wird, so kann es doch unmöglich als „Nach- theil" meiner Methode betrachtet werden, „dass sie nicht gestatte, die Vor- theile der Untersuchung mit offenem AßBE'schen Condensor auszunutzen", be- kanntlich derjenige Einwurf Weigert's, an dem er noch zuletzt, nachdem er die übrigen Einwendungen aufgegeben, festgehalten hat (vergl. Börner's Dtsch. med. Wochenschr., 1883, No. 31). -) Durch Vorausbehandlung der Deckgläschen mit starker Salzsäure und dann mit Chloroform kann man die Verwechslungsmöglichkeit mit Krystall- bildungen sicher ausschliessen. Die vorherige Entfettung diu-ch Chloroform empfiehlt sich auch für den Geübten, weil dadurch das Präparat gänzlich von den etwa vorhandenen, die Bacillen verdeckenden, Fettmassen befreit wird. Die Verwechslung mit Rudimenten elastischer Fächerchen dürfte von geübten Mikroskopikern wohl kaum begangen werden. I, 1. Baum garten: Beitr. z. Darstellimgsmetliode d. Tuberkelbacillen. 59 skopischen Auräuger weniger leicht Veranlassung zu Missdeutungen geben können, und dass es ferner der Auffindung und Einstellung ganz vereinzelter Bacillen etwas grössere Schwierigkeiten bereitet, als die Methoden mit farbiger Darstellung, weil ein farbiges Stäbchen, ceteris paribus ', beim Suchen immer etwas leichter ins Auge fallen wird, als ein ungetarbtes. Diese Nachtheile sind aber nicht derartige, nm die Vortheile des Verfahrens ganz preiszugeben; es eignet sich dasselbe vorzugsweise zur schnellen Orientirung: sind reichliche Bacillen vor- handen, so führt es sicher und schnell zum Ziele, und man hat dann nicht nöthig, die unbedingt umständlicheren und zeitraubenderen Fär- bungsmethoden anzuwenden ; sind die Bacillen spärlich, und findet man sie nicht gleich auf dem ersten Präparate mit meinem Kaliverfahren, so suche man danach nicht weiter, sondern prüfe das andere (oder die an- deren) Deckgläschen nach den Färbungsmethoden ; der erlittene Zeit- verlust ist dann so gering, dass er an sich kaum in Betracht kommt, vollends aber bei häufiger Untersuchung reichlich ausgeglichen wird durch den Zeitgewinn in den vorhin erwähnten Fällen mit schnellem positiven Resultate. So schliesst also die Werthschätzung und Be- nutzung des einen Verfahrens die Anerkennung und Verwerthung der anderen nicht aus. — Fassen wir schliesslich noch einmal in Kürze die hauptsächlichen Ergebnisse unserer die Tinctionsverhältnisse der Tuberkelbacillen be- treffenden Untersuchungen zusammen, so ist zunächst constatirt worden, dass die Tuberkelbacillen gleich allen übrigen Schizomycetenformeu durch die Behandlung mit einfachen basischen Anilinfarbstoffen nicht nur zu färben, sondern auch mittels dieser einfachen Färbung selbst auf Schnitt-Präparaten, ohne vorausgehende Entfärbung des Gewebes, deut- lich darzustellen sind ; und ferner, dass auch die, die Tuberkelbacillen von anderen Mikroorganismen durch Farbenverschiedenheit differenzirende Wirkung der Doppel färbuug sich in präciser Weise geltend macht ohne Alkali- (oder sonstigen) Zusatz zur ersten Lösung und auch ohne Säure- eiuwirkung vor der zweiten Färbung. Liegt hierin das hauptsächlichste theoretische Interesse der vorliegenden Mittheiluugen, so dürfen die- selben wohl aiich in praktischer Hinsicht eine Berücksichtigung bean- spruchen, insofern, als sie dem Histologen die Möglichkeit gewähren, bei Studien über die feinere Histogenese des Tuberkels und bei der Entschei- dung der Frage, ob neben den Tuberkelbacillen noch anderweite Mikro" ») D. h. also, wenn man beim Suchen nach den gefärbten Stäbchen Oelimmersiouslinsen und offenen ABBE'schen Condensor anwendet. GO Baurag arten: Beitr. z. Darstellungsmetliode d. Tuherkelhacillen. I, 1. Organismen in den Initialproducteu des tuberkulösen Processes auftreten, sich solcher Methoden des Nachweises der Tuberkelbacillen zu bedienen, welche nicht nur die Gewebe, insbesondere junge, zarte, zellige Elemente sehr viel weniger angreifen, als das KocH-EHRLicH'sche Färbungsver- ftihren, sondern denen auch nicht, wie dem letzteren, der berechtigte Vor- wurf gemacht werden kann, dass sie etwaige andere, in den Tuberkeln vorhandene Mikroorganismen unsichtbar machen oder gar zerstören könn- ten K Nicht dagegen scheinen mir die neuen Methoden, vorläufig wenig- stens, dazu geeignet, das KocH-EiiKLiCH'sche Verfahren dort zu ersetzen oder gar zu verdrängen, wo es sich um rein diagnostische Zwecke handelt ; in dieser Beziehung hat sich dasselbe so ausgezeichnet bereits in tausendfacher Untersuchung bewährt, dass nur dann Grund gegeben sein würde, es mit einem neueren zu vertauschen, falls dieses letztere grössere Sicherheit oder grössere Schnelligkeit des Nachweises oder beides zugleich gewährleisten könnte. Keines von beiden ist jedoch bei den Färbungen mit gewöhnlichen Farblösungen der Fall ; im Gegen- theil kommt mau mit der EHELicn'schen Reaction noch etwas schneller zum Ziele, als mit der blossen Doppelfärbung. Selbst die Weglassung des Auilinölzusatzes ^ kann ich bei Untersuchungen zu rein diagnostischen Zwecken nicht empfehlen ^; ich für meinen Theil habe entschieden den Eindruck gewonnen, dass die Färbungsenergie der Farb-Lösung ganz im allgemeinen durch den Anilinölgehalt gesteigert wird, und auf diesen Vortheil möchte ich den schwer färbbaren Tuberkelbacillen gegenüber nicht ohne besonderen Grund Verzicht geleistet sehen. Nur also, wo es auf gleichzeitige Verfolgung feiner histologischer Details, oder um gleichzeitige Feststellung des Mitvorhandenseins andersartiger Bacterien- species ankommt, sind die oben sub 1 bis 5 beschriebenen Methoden, aus den angegebenen Gründen, dem EnKLicH'schen Verfahren vor- zuziehen. >) Vergl. Klebs, Archiv für experim. Patliol., Heft 1 u. 2. 2) Davon, dass andere Zusätze zuverlässiger oder wirksamer seien, als das Anihnöl, habe ich mich nicht überzeugen können. 3) Entgegen Petki 1. c. I. 1. Schaarschmidt: Ueber d. mikrochemiscLe Eeaction cl. Solaniii. 61 lieber die mikroclieniisclie Reaction des Solanin. Von Dr. Julius Schaarsclimidt in Klausenburg. Um Solauin auf mikrocliemiscliem Wege uaclizuweiseu, benutze ich Schwefelsäure oder Salpetersäure. 0, Bach * erwähnt, dass Solanin mit Alkohol und Schwefelsäure eine schön rosen- bis kirschrothe Fär- bung zeigt; ich finde aber, dass die mikrochemische Eeaction einfach mit Schwefelsäure oder Salpetersäure viel sicherer und leichter eintritt. Das Solanin wurde auf diese Weise von mir bei folgenden Solana- ceen gefunden: 1. Solanum tuberosum 2. „ nigrum 3. „ Dulcamara 4. Capsicum annuum 5. Lycopersicum esculentum 6. Mandragora officinalis. Die Schnitte werden zur Auffindung des Alkaloides in einen Tropfen Salpetersäure oder (nicht allzusehr concentrirte) Schwefelsäure gelegt und sogleich genügend bedeckt unter das Mikroskop gebracht. Die Eeaction tritt in einigen Secunden auf. Die schöne rosenrothe Färbung wird besonders durch die Salpetersäure leicht und schnell her- vorgerufen, mit Schwefelsäure gelingt die Eeaction etwas laugsamer. Solanum tuberosum. Der Stengel, hauptsächlich aber die Knolle bilden den Hauptsitz des Solanin. In dem Stengel tritt die Eeaction in den subepidermoidalen koUenchj'matischen Zellschichten mehr oder weniger intensiv auf. Ebenso in den Kollenchymzellen auf der Oberseite der Blattstiele. Die Hauptader der Blätter zeigt auf ihrer Oberseite ebenfalls die Eeaction, der Solaningehalt vermindert sich aber fortwährend gegen die Blattspitze zu. In den Mesophyllzellen dagegen konnte kein Solanin nachge'vs'iesen werden. Am schönsten gelingt die Eeaction mit der Knolle, wenn dieselbe quer durchschnitten mit Salpetersäure benetzt ») 0. Bach, Ueber das Solanin (Journ. f. prakt. Chemie, Bd. VIT, 1873, p. 248). G2 Gierke: Färberei zu mikroskoinschen Zwecken. I. 1. wird ; es bildet sich nach einigen Secnnden am Rande ein rosenrother Sanm, in manchen Fällen treten sogar dem Fibrovasalsystem entsprechend röthliche Hecken oder radiale Streifen auf. Die mikroskopische Unter- suchnng zeigt, dass die unter dem Periderm liegenden fünf bis sechs Zellschichten die Träger des Solanin sind, man kann auch die Phellogen- schicht dazu rechnen. Auch die die Fibrovasalbündel umgebenden Zellen enthalten manchmal Spuren von Solauin. In der Wurzel zeigten nur manche subepidermoidale Zellen die Reaction. Bei den anderen Arten (S. nigrum, S. Dulcamara) und bei Capsicum, Lycopersicum , Mandragora sind ebenfalls die Kollenchym- schichten diejenigen, welche das Solanin enthalten. Die Reaction ge- lingt entsprechend dem Gehalte in verschiedener Intensität, manchmal ist sie, z. B. bei S. Dulcamara, auf dem Querschnitte mit blossem Auge wahrnehmbar, während Mandragora officinalis nur sehr schwach reagirt. Sehr leicht gelingt die Reaction bei Lycopersicum. Bei dieser Pflanze wurde das Solanin auch in den Blättern, nämlich in den äusser- sten Zellen des Schwammparenchyms aufgefunden. In der Frucht- schaale enthalten nur einige zerstreute Zellen nachweisbares Solanin. Wegen der vorgerückten Jahreszeit konnten andere Arten resp. andere Theile dieser Arten nicht untersucht werden. Ich will daher nur noch einige Angaben über Solanum nigrum machen. Bei dieser Art enthielt die äussere Epidermis der Kelchblätter Solanin in solcher Quantität, dass die Blätter, in Salpetersäure getaucht, auf der Ober- fläche ganz gefärbt erschienen. Färberei zu mikroskopischen Zwecken. Von Professor Dr. Hans Gierke in Breslau. In diesem Jahr (1883) ist ein viertel Jahrhundert vergangen, seit- dem eine Untersuchungsmethode in die histologisch-zoologische For- schung eingeführt wurde, welche für die Zoologie, für alle medicinischen Wissenschaften und — wenn auch nicht in demselben Maasse — für die Botanik von allerhöchster Wichtigkeit geworden ist, und welche mehr als andere Hilfsmittel des mit dem Mikroskop arbeitenden Forschers l, 1. Gierke: Färberei zirmikroskopisclien Zwecken. 63 zu den grossen Erfolgen der Neuzeit beigetragen hat. Ich meine die Methode des Färbens für mikroskopische Zwecke, d. h. die Behandhing der für die mikroskopische Untersuchung bestimmten Präparate mit Farbstoften, welche, eine verschiedenartige Verwandtschaft mit den ver- schiedenen Elementen derselben besitzend, diese durch grössere oder geringere Intensität oder gar durch deutlich sich unterscheidende Farben differenzirt. Zur Feier des fünfundzwanzigjährigen Bestehens dieser Technik sei mir vergönnt, einen Rückblick auf ihre Entwicklung zu werten. Wir werden sehen, wie sie aus bescheidenen Anfängen empor- wuchs, zuerst langsam mit wenigen guten Methoden vorlieb nehmend, dann aber in dem letzten Jahrzehnt mit gewaltiger Schnelligkeit; so, dass es fast ein Glück zu nennen wäre, wenn einmal für einige Zeit ein Stillstand in diesem Wachsthum eintreten wollte, wenn diese Periode ihren Abschluss fände, in welcher ein epidemisch gewordener Ehrgeiz die Forscher, zumal die jüngeren anstachelt, aus dem reichen Schatz der Farbenindustrie wieder einmal einen Stoff herauszueutdecken, welcher sich entweder direct oder doch wenigstens nach einigen Umgestaltungen für die mikroskopische Färbung „warm empfehlen" lässt, und so deren histologischer Vater zu werden. Meine Abhandlung würde über- mässig lang und unerträglich langweilig werden, wollte ich eine Ge- schichte aller dieser Empfehlungen schreiben ; wir können ohne etwas zu verlieren, über manche derselben hinweggehen '. Mit diesem geschichtlichen Ueberblick werde ich eine Besprechung der einzelnen Farbstoffe und des Princips wie der Technik ihrer An- wendung verbinden. Den Schluss der Arbeit soll dann eine möghchst ausführliche Zusammenstellung aller in die mikroskopische Technik ein- geführten Farbstoffe, der vielen Angaben ihrer Zubereitung für histolo- gische Zwecke und endlich der Vorschriften, wie sie für das Studium der Gewebe zu benutzen sind, bilden. Ich glaube, dass eine solche Ar- beit nicht werthlos ist und gerade in den ersten Heften dieser Zeitschrift ihren richtigen Platz findet. Um dieselbe nun möglichst nutzbar zu machen, habe ich die grosse Mühe nicht gescheut, bei den einzelnen Farbstoffen alle Originalarbeiten genau zu citiren, in denen irgend etwas Brauchbares hinsichtlich ihrer Verwendung zu finden ist. So ermögliche ich den Forschern, sich leicht in den ausführlichen ursprünglichen Origi- nalarbeiten Orientiren zu können. Ich weiss aus Erfahrung an mir selber und an Anderen, dass das Fehlen einer solchen Zusammenstellung ein 1) Besonders lasse icb die nicht unbedeutende Zahl derjenigen deutschen und besonders ausländischen Arbeiten ausser Acht, welche schon früher von Anderen besprochene Farbenmethoden ihrem Leser aufs Neue vorfiihren. 64 Gierko: Färberei zu niikroskopisclien Zwecken. I, 1. Mangel war, der sich nicht selten fühlbar machte. Mau hat ja sehr häufig den Wunsch, Genaueres über diese oder jene Methode zu erfahren und besonders zu ersehen, in welcher Weise jener Forscher sie ange- wandt hat, der sie zuerst in die mikroskopische Technik einführte. Und selbst die mit dem glücklichsten Gedächtniss Begabten werden bei der ungeheueren Fülle des Vorhandenen nicht gleich im Stande sein, die Zeitschriften und die Nummern der Bände, in denen das gerade Gesuchte zu finden ist, angeben zu können. Und die Hand- und Lehrbücher der mikroskopischen Technik befriedigen weder hinsichtlich der Vollständig- keit der Vorschriften zur Bereitung und Anwendung des Farbstoffs, noch machen sie den Versuch die Belegstellen zu nennen *. Mit den eigentlichen Farbstoffen vereinigt muss ich durchaus die Metalle, welche zur sogenannten Imprägnation der Gewebe gebraucht werden, abhandeln. Denn obschon dieselben in ihrer Wirkungsweise sich von den Farb- stoffen unterscheiden, so ist doch der Zweck ihrer Verwendung der gleiche. Auch sie sollen eine farbige Differenzirung der Elemente her- beiführen. — Tritt heute ein Laie in das Zimmer eines Histologen, so wundert er sich am meisten über die Herrschaft der Farbe in dem stillen For- scherraum. Nicht die seltsamen Apparate, das Mikroskop und die Mikro- tome mit ihren drohend aufgespannten Messern ziehen des Besuchers Blicke zunächst an ; sie werden durch die vielen bunten Dinge gefesselt. Einförmig und öde hatte er sich das Mikroskopirzimmer vorgestellt, da nach seiner Ansicht das wissenschaftliche Material in ihm erst bei min- destens hundertfältiger Vergrösserung sichtbar werde. Statt dessen herrscht in dem hellbeleuchteten Räume fröhliche Farbenpracht. Wohin man schaut, glänzen bunte Sachen. Im Schrank und auf den Tischen allerhand Flaschen, grosse und kleine Schaalen mit farbigen Substanzen und herrlich schimmernden Flüssigkeiten, und überall auf den Tischen kleine Glasplatten, auf denen in allen Regenbogenfarben prangende Ob- jecto befestigt sind. Das sollen die für das unbewaffnete Auge so un- scheinbar gedachten mikroskopischen Präparate sein? Die Verwunde- rung steigt wohl noch, wenn der Besucher sein Auge über die Etiquetten der Flaschen gleiten lässt und neben den zahlreichen Farben Gold und Silber angezeigt findet. Und von all dem bunten Zeug wandert sein verwirrter Blick auf den Benutzer desselben, an dem er zu zweifeln be- ') Am ausfülu'lichsten werden ohne Frage die Farbstoffe und ihreAnwen- dungsmethoden bei von Thakhoffer, ,das Mikroskop und seine Anwendung' (Stuttgart 1880) abgehandelt. r. 1. Gierke: Färberei zu mikroskopisclien Zwecken. 65 ginnt. Und was erst würde der Sanitätsrath Dr. Paul Niemeyek — der offenbar, wenigstens was die Histologie angeht, auch zu den Laien gehört — bei einem solclien Anblick sagen, da ihm schon bei der Lee- türe der Abhandlungen über die Tuberkelbacilleu so zu Muth ist, als hätte er es nicht mit Mediciuern, sondern mit Färbern und Leimsiederu (letzteres der zu Culturzwecken gebrauchten Gelatine wegen) zu thun'. Nun hier in seinem Arbeitszimmer neben seinem Mikroskop und unter den sichtbaren Resultaten seiner Arbeit wird der Forscher im schönen Gefühl des Stolzes über sein Können mit gutmüthigem Lächeln dem zweifelhaften Blick seines Gastes — der freilich nicht der erwähnte Dr. Paul Niebieyek sein dürfte — begegnen. Mit Leichtigkeit vermag er denselben durch Vorführung einiger für diesen Zweck besonders ge- eigneter Paradepräparate von dem Nutzen der Farben für den Mikro- skopiker zu überzeugen -. Peinlicher schon ist es, wenn man in grosser Gesellschaft bei Tisch den schützenden Handschuh entfernen und die in buntester Farbenpracht schillernden Hände den verwunderten aber keineswegs bewundernden Blicken seiner schönen Nachbarinnen vor- führen muss. Die Freude, welche man beim Arbeiten an dem intensiven Einwirken und der Haltbarkeit der Farbstoffe reichlich fühlte, wird jetzt einigermaassen gedämpft. Echt sind sie, das ist klar; leider nur zu echt, allen Bemühungen mit Seife und Bürste spottend. Sollten da die schönen Nachbarinneu nicht auf böse Gedanken kommen, wie jeuer Sanitätsrath ? Nun immerhin ! So ganz Unrecht werden sie ohnedies nicht haben. Es giebt schon Momente, in denen man sich selber gar zu sehr Handwerker dünkt; in denen mau sich über die gar zu grossen Zeitverluste ärgert, welche fortwährend durch das rein Technische, be- sonders durch das Färben entstehen. Die Sehnsucht nach grösserer Müsse für die Durchforschung der Präparate lässt Einen wohl zuweilen die umständlichen modernen Methoden über Anfertigung verdammen. Aber man meint es nicht so schlimm. Und schwerlich möchte man diese Färbetechnik entbehren, der man so Ausserordentliches verdankt. ') Aerztliclie Sprechstunden, Zeitschrift für naturgemässe Gesundheits- und Krankenpflege. Organ des hygieinischen Vereins zu Berlin von Dr. Paul NiEME^-EE. 2. Folge Bd. III, 1883, p. 17. -) Die grösste Bewunderung erregte ich bei solchen Gelegenheiten wohl mit Schnitten durch die Oberlippe dunkel gefärbter Katzen mit den Wurzeln der starken SchnuiThaare, welche in doppeltchromsaurem Kali und Chromsäure gehäi'tet, dann in Carmin gefärbt waren. Die überaus zierlichen Bilder in den prachtvollsten, zum Theil natürlichen, zum Theil durch die Chromsäure und in mehreren Nuancen durch das carminsaure Ammoniak bewirkten Farben sind in der That imponirende Paradepräparate. Zeitschr. f. wiss. Mikroskopie. I. 1. 5 6G Gierke: Färberei zu mikroskopischen Zwecken. I, 1. Was wäre heute die Histologie ohne sie ? Wie wollten wir uns heute ein Durchforschen der thierischen Gewebe denken ohne dieses Hilfsmittel? Doch was soll ich mir Mühe geben, dasselbe zu preisen? Werden doch alle Leser dieser Abhandlung, wenn sie auch nur Einiges von der histo- logischen Forschung wissen, ebenso wie ich von den Vorzügen dieser Untersuchungsmethoden erfüllt sein. Ist es doch nicht zu viel behauptet, wenn ich sage, dass die meisten grossen modei'nen Entdeckungen der Pathologie und Histologie ohne sie unmöglich gewesen wären *. Recht nützlich aber ist es für uns Jüngere, von Zeit zu Zeit einmal einen Blick auf den Zustand der Histologie vor 1858 zu werfen. Und wenn wir erkennen, was unsere Lehrer und Meister ohne unsere heutigen Methoden geleistet haben, so werden wir gut thun, den Hut tief vor ihnen abzuziehen. Wenn wir, gewöhnt, wie wir heute sind, den Farben- reactionen einen so ausserordentlichen Antheil an den Erfolgen der heutigen Forschung zuzuschreiben, uns vergegenwärtigen, wie viel be- reits die ältere histologische Wissenschaft ohne jene klargestellt hat; wenn wir die vor 1858 geschriebeneu Handbücher der mikroskopischen Anatomie ^ durchstudiren , so wird wohl der Gedanke in uns lebendig ') Weniger wichtig sind die Tmctionsmethoden für die Botanik, und finden wir daher auch, obschon ein Botaniker zuerst die Carminfarbung anwandte und beschrieb, später wenig Interesse unter den Jüngern dieser Wissenschaft für das mikroskopische Färben. So z. B. geht das für Botaniker geschriebene TortrefQiche Werk von Nägeli und Sciiwendenek: ,Das Mikroskop, Theorie und Anwendung desselben' Leipzig 1867 ganz kurz über das Thema der Farb- stoffe hinweg, indem es nur „Carmin, essigsaures Cochenilleextract und Anilin- farben" als in Verwendung anführt. In einer Anmerkung wird dann gesagt: „Für die Botanik ist derWerth derselben" (der Tinctionsmethoden) „nach den bisherigen Erfahrungen jedenfalls nicht hoch anzuschlagen". Später jedoch zog auch die botanische Forschung die Färbungen mehr in Anwendung und für gewisse Zweige dieser Wissenschaft können sie heute ebenfalls nicht mehr ent- behrt worden, um zu erkennen, wie die Werthschätzung der Tinctionsmethoden bei den Botanikern stieg, mag man die beiden Auflagen des von dem Botaniker Leopoi-11 Dippel verfassten grossen Werkes : ,Das Mikroskop und seine Anwen- dung' vergleichen. Die erste Auflage geht, obgleich sie 1872 erschien, d. h. zu einer Zeit, in welcher die Durchforschung der thierischen Gewebe schon die lebhafteste Anwendung von den Tinctionsmethoden machte, über dieselben kurz hinweg und bespricht sie in einer Art, dass man ersieht, ihr Verfasser macht sich nicht viel aus ihnen. Die neue Auflage dagegen, welche 1882 er- schien, behandelt das Capitel der mikroskopischen Farbstoffe mit grösster Aus- führlichkeit und Sorgfalt. 2) So z. B. KüLLiKEE, Mikroskopische Anatomie. Bd. II, Specielle Gewebe- lehre. Leipzig 1850 — 54 und Gerlach, Handbuch der Gewebelehre, 2. Auflage, Mainz, 1854. I. 1. Gierke: Färberei zu mikroskopischen Zwecken. 67 werden: ,,Der Scharfblick des Forschers und sein combinirender Geist vermag doch in der Histologie anch noch etwas". Und ich meine, Gott sei Dank, dass es so ist! Denn sonst sänken wir ja in der That zu Handwerkern herab und unsere Leistungen würden im genauen Verhältniss zur Güte der Farbe stehen. Und dies wäre um so schlimmer, als — es muss das harte Wort doch einmal ausgesprochen werden — unsere vorher so hoch gepriesene Methode doch keineswegs in wissenschaft- licher Weise angewendet wird und angewendet werden kann. Ich komme weiter unten darauf zurück, will aber doch schon hier darauf hinweisen, dass wir hinsichtlich der Theorie der Wirkung des Tinctionsmittels recht sehr im Dunkeln sind. Wir werden wohl Recht haben, wenn wir an- nehmen, dass wir es bei der Tinction mit einem chemischen Process zu thun haben, aber damit sind wir auch am Ende. Welche Stoffe sich da chemisch verbinden und wie sie es thun, können wir durchaus nicht sagen. Und leider müssen wir so den Spruch: „Probiren geht über Studiren" für das mikroskopische Färben gelten lassen. Darum aber thun wir sicherlich gut, uns nicht ganz allein auf dasselbe zu verlassen. Wir können ohne Zweifel die TinctionSmethode als eine objective Forschungsmethode ansehen und sie als solche ungemein hochschätzen. Aber wir sollen auch ja bedenken, dass wir sie noch nicht ganz be- herrschen, und ferner, dass man der subjectiven Methode des Forschens niemals entbehren kann. Ich sage dies nicht ganz ohne Grund, denn es scheint mir, als ob sich heute gar Mancher mit allzugrosser Sicherheit auf die Wirkungen der Tinctionsmethoden verliesse und allzuweit gehende Schlüsse aus ihnen ziehe. Nirgends wird so viel für mikroskopische Zwecke gefärbt wie in Deutschland. Und was in anderen Ländern an Tinctionsmethoden geübt wird, ist fast immer von Deutschen oder von in Deutschland ausgebil- deten Ausländern dorthin gebracht worden. Ich fand mehrfach gut durchgebildete americanisclie und englische Histologen und Zoologen, welche auf den ersten Universitäten ihres Landes studirt hatten und welche dennoch ausser einer Färbung mit Carmin und mit Anilinblau keine Tinctionsmethoden kannten. So findet man auch in den fremden Lehrbüchern der mikroskopischen Technik das Capitel, welches jene Methoden behandelt, stets \iel kürzer als in unseren deutschen Werken. So steht z. B. in Beale's grossem Werke: ,How to work with the Microscope' ', das die sonstige Technik mit grösster und in deutschen Büchern unbekannter Ausführlichkeit bespricht, über die Tinctionsme- thoden herzlich wenig. Ausser einigen Carmiulösungen scheint er nur 1) Fünfte Auflage, London und Philadelphia, 1880, p. 124 ff. 5* 68 Gierke: Färberei zu mikroskopischen Zwecken. I, 1. noch Auilinblau, die Anilinfarben Magenta und Solferino und Hämatoxy- lin zu kennen. Den letzten Farbstoff braucht er nicht in Form der in Deutschland so gewöhnlichen Kry stalle, sondern nur als Extract des Cam- pecheholzes. So auch begnügt sich der bekannte italienische Pathologe und Histologe Bizzozeko in seinem Handbuch der klinischen Mikroskopie mit der Angabe einer Vorschrift für Anwendung des ammoniakalischen Carmins ^, während ein deutsches Lehrbuch für die gleichen Zwecke eine ganze Reihe von Farbstoffen genannt hätte. Es sind daher auch von allen Dingen deutsche Forscher, welche die Tinctionstechnik aus- gebildet haben. Alle wichtigen sie betreffenden Entdeckungen sind von Deutschen gemacht worden, selbst der bedeutende französische Histologe Ranviek, ein Meister der Technik, hat in dieser Beziehung keine grossen Neuerungen schaffen können, er hat sich begnügt, die vorhandenen Me- thoden zu verbessern. Ganz allgemein wird Geklach, der Erlanger Anatom, als der Begründer der mikroskopischen Färbetechnik angesehen, da er mit der Entdeckung der tingirenden Kraft des Carmins und mit der Empfehlung dieses Stoffes als mikroskopisches Reagens ^, die Histologen anregte, diesen Stoff nach seiner Methode zu verwenden und weitere Experimente mit ihm und mit anderen Farben zu machen. In der That muss Geelach als Begründer der Tinctionstechnik angesehen werden, da die Histo- logen und Zoologen dieselbe auf seine Empfehlung hin übten, und sie nach Veröffentlichung der erwähnten Schriften sofort eine grosse Ver- breitung fand. Entdecker aber der Carminfärbung und damit der Tinctiousmethode überhaupt kann er auf keinen Fall genannt werden. Weit davon entfernt, seine grossen Verdienste hinsichtlich der bespro- chenen Technik schmälern zu wollen, muss ich doch hervorheben, dass er keineswegs der Erste war, welcher die Carminfärbung für mikro- skopische Zwecke anwandte und empfahl. Es ging eben hier im Kleinen, wie es mit grossen wissenschaftlichen Entdeckungen der Fall zu sein pflegt. Dieselben werden nicht ganz plötzlich und unerwartet gemacht, sondern sie pflegen durch andere ähnliche, aber nicht durch Erfolg gekrönte Versuche und Bestrebungen vorbereitet zu werden. Epochemachende Neuerungen drängen sich nicht einer Zeit auf, die >) Handbuch der klinischen Mikroskopie von Dr. Giulio Bizzozero. Dtsch. Uebers. Erlangen, 1883, p. 11. '^) J. Gerlach, Mikroskopische Studien aus dem Gebiete der menschlichen Morphologie, Erlangen 1858 p. 1 ff. und üeber die Einwirkung von Farbstoff auf lebende Gewebe von demselben. (Wissensch. Mitth. pbys.-med. Soc. zu Erlangen 1858 Heft I p. 5 ff). I, 1. Gierke: Färberei zu mikroskopischen Zwecken. 69 für sie nicht passt, sondern sie liegen gewissermassen in der Luft jener Zeit, in welcher sie sich so leicht Eingang verschaffen können. Sie sind schon halb geahnt worden und werden deshalb leicht verstanden. Diese allgemeinen Regeln also sind auch in der einfachen Geschichte unseres kleinen Gegenstandes zu erkennen. Schon lange vor Geklach's Publicationen wurden allerlei Versuche gemacht, mikroskopische Prä- parate durch Färbungen deutlicher zu machen. Es war ja auch sehr natürlich, dass man auf diese Idee kam. Denn einmal sah man fort- während wie die Chromsäure und ihr Salz, das doppeltchromsaure Kali, welche mau zum Erhärten der Organe schon damals fleissig gebrauchte, die Gewebe färbte und zwar nicht in gleichmässiger Weise, sondern diese Elemente vor jenen mehr hervorhebend. Dann besass man ja im Jod ein schon seit längerer Zeit beliebtes Mittel, um sehr entschiedene, wenn auch ganz beschränkte Farbenreactionen in den Präparaten her- vorzurufen. Endlich aber, und das ist die Hauptsache, gehörten schon damals zahlreiche P^arben in die Schatzkammer des Histologen. Uebte er doch die Injectionstechnik, d. h. er spritzte die Blutgefässe mit far- bigen an Leim oder andere Dinge gebundenen Stoffen aus. Und unter den zu diesen Zwecken gebrauchten Farben war eine, deren Eigen- thümlichkeiten früher oder später mit Sicherheit zur Tinctionsmethode führen mussten. Es ist diejenige, die dann auch den dauernden Kern- punkt jener bilden sollte, der Carmin. Während nämlich die übrigen Injectionsfarben, z. B. Berliner-Blau, Chromgelb, schwefelsaurer Baryt und andere anorganische Stoffe in feiner körniger Vertheilung angewandt wurden, benutzte man den Carmin meistens in einer besonderen Weise. Man löste ihn nämlich in Wasser, dem etwas Ammoniak zugesetzt wurde, die entstandene purpurfarbene Flüssigkeit setzte mau der in der Wärme gelösten Gelatine hinzu und tropfte endlich vorsichtig so viel Essigsäure zu, bis der Carmin wieder nach Neutralisation des Ammoniak ausfiel und nun in feiner körniger Vertheilung in der Injectionsmasse sich be- fand. War nun aber die Neutralisation nicht vollständig, blieb Am- moniak im Ueberschuss vorhanden, so diffimdirte das noch gelöste Car- minammoniak leicht durch die Gefässwandung hindurch uud tingirte die umliegenden Gewebe, die einzelnen Elemente in differenter Weise her- vorhebend. Und wenn gar zufällig Gewebestückchen in die nicht zur Injection gebrauchte Carminlösung geriethen, so färbten sie sich in gleicher Weise und konnten dem Forscher den Werth der neuen Me- thode verrathen. In dieser zufälligen Weise kam auch Gerlach auf dieselbe. Es war also gewiss nicht zu verwundern, wenn mehrere Mikroskopiker unabhängig von einander zur Färbung ihrer Präparate 70 Gierke: Färberei zu mikroskopischen Zwecken. I, 1. mit Carmin geführt wurden. Zuerst, so viel ich bei meinem eifrigen Bemühen, die ersten Versuche, Carmin als Tinctiousmittel zu verwenden, festzustellen, finden konnte, haben die Botaniker Göppert und Cohn * dies gelegentlich gethau. Um beim Studium der Rotation des Zell- inhaltes von Nitella flexilis diesen besser sehen zu können und besonders um zu constatiren, ob die Cilien der kleinen in demselben befindlichen kugiigen Körper (die Verfasser nennen sie Wimperkörperchen) sich bewegten oder nicht, setzten sie dem Saft Carminlösung hinzu. Sie bemerkten dabei, dass die erwähnten Wimperkörperchen sich viel dunkler roth färbten als die umgebende Flüssigkeit. Auch in Halle soll man schon vor 1858 mit Carmin tingirt haben, besonders bediente sich Welckek für das Studium der Kerne der Muskelfasern der käuf- lichen rothen Tinte, welche wohl aus Carminlösung bestand 2. In Eng- land hat der Lord S. Gr. Osbokne, welcher sich mit botanischen Studien befasste. Pflanzen in Carminlösung wachsen lassen. Er konnte beob- achten, dass sie sich in ihr färbten und dass vor allen Dingen die Zell- kerne dunkler als die übrigen Elemente tingirt wurden. Er berichtete im Juni 1856 ^ über diese Versuche. Eine viel grössere Bedeutung nun aber als diese erwähnten und mehr gelegentlichen Versuche sind die Bestrebungen Haetig's,. durch Färbung der pflanzlichen Gewebe mit Carminlösung und anderen Stoßen eine neue Untersuchungsmethode zu finden. Wie er selbst sagt, wurde er durch die obige Beobachtung Göppert's und Cohn's veranlasst, eine grosse Reihe von Untersuchungen in Bezug auf die Tinctionsfähigkeit der Gewebe und ihrer verschiedenen Elemente anzustellen. Ueber die Resultate derselben hat er zum ersten Mal im August 1854 berichtet* — also zu einer Zeit, wo Gerlach, wie er selber sagt (1. c.) — erst auf die Tinctionskraft des Carmin aufmerksam wurde. Er setzte aber später seine Untersuchungen noch weiter fort und kommt an verschiedenen Stellen auf sie zurück. So in dem gleichen Jahr in derselben Zeitschrift ^, dann in dieser im Jahr 1858 *^ und endlich •) GöppEET und Cohn, Ueber die Rotation des Zellinbaltes von Nitella flexilis. (Botan. Zeitg. 1843 Nr. 37). -) leb habe dies aus mündlicher Mittbeilung. ä) Vegetable cell structure and its formation as seen in the early stages of the growth of the wheat plant. (Trausactions of the Microsc. Soc. vol. V. 1856). ^) Chlorogen von Dr. Th. Hartig, Botan. Zeitg. 1854 Nr. 32. ä) jUeber die Functionen des Zellenkcrnes' von Dr. Th. Haetig (1. c. Nr. 33) und ,Ueber das Verhalten des Zellkerns bei der Zellentheilimg' (1. 0. Nr. 51). «) Botan. Zeitg. 1858 p. 877. I, 1. Gierke: Färberei zu mikroskopischen Zwecken. 71 in seinem Werk : „Entwicklungsgeschichte des Pflanzenkeims" (Leipzig 1858), wo er sehr ausführlich über die Methode und ihren Werth spricht. An Hartig's Arbeiten und durch sie hervorgerufen reihen sich Untersuchungen des hiesigen Apothekers Herrn Maschke. Auch er färbte zum Zweck botanischer Studien schon vor Geelach's Publication, liess allerdings die Resultate derselben erst 1859 drucken *. Durch Haktio's Behauptungen in Bezug auf die Theorie der Kernfärbung augereizt, unternahm er dann — ohne von Geelach's Publicationen etwas zu wissen — eine Reihe sehr interessanter Untersuchungen, indem er verschiedene Substanzen mit Carmin färbte ^. Ich komme weiter unten auf die Resultate dieser Experimente zurück. Wie methodisch und wissenschaftlich Haetig bei seinen Tinctionen verfuhr, erkennt man leicht bei der Leetüre seiner Arbeiten. Seine Resultate sind eigentlich weitergehend als die Geelach's. Auch er constatirte wie dieser, dass die Gewebselemente abgestorben sein müssen, um sich zu färben. Er beobachtete an den pflanzlichen Präparaten Alles, was Geelach an den thierischen fand. Er sucht die Wirkung des Carmins, die „Aufspeicherung" in den Kernen theoretisch zu erklären. Und er prüft sogar eine ganze Reihe von anderen Farbstoffen auf ihre tingi- renden Wirkungen hin, so den Saft von Phytolacca decandra, Lakmus (das er sehr empfiehlt), Gummigutt, Kupfervitriollösung, Zinnober, schwarze Tinte. Habe ich da Unrecht, wenn ich sage, Haetig ist der Entdecker der Tiuctionsmethoden? Aber wunderlicher Weise fanden diese Versuche nur spärliche Nachahmung und die Empfehlung der mikroskopischen Färbung fiel auf steinigen Boden. Die Saat ging nicht auf. Besonders die Histologen und Zoologen nahmen keine Notiz von jenen Angaben, obgleich doch damals die stets fortschreitende Specia- lisirung der Wissenschaften noch nicht so gewaltig war wie heute, und die Forscher, noch nicht so gedrückt von der ungeheueren Last des Materials des eignen Faches, eher einmal einen Blick auf die Schriften der verwandten Wissenschaften werfen konnten. Um so auffallender ist die gäuzliche Nichtbeachtung der HAETiG'schen Angaben, als dieser Forscher nicht etwa eine unbekannte Grösse, sondern ein berühmter. ') 0. Maschke, üeber einige Metamorphosen in den Zellen der reifenden Frucht von Solanum nigrum. Botan. Zeit. 1859 Nr. 22 und 23. Der Verfasser betont im Beginn seiner Arbeit, dass dieselbe schon 1857 in derselben Weise abgeschlossen gewesen sei, wie er sie jetzt drucken Hesse. -) 0. Maschke, Pigmentlösung als Reagenz bei mikroskopisch-physio- logischen Untersuchungen 1. c. Nr. 3 und Journ. f. prakt. Chem. v. Erdm.\nn imd Weetheb Bd. LXXVI, 1859, p. 37. 72 Gierke: Färberei zu mikroskopischen Zwecken. I, 1. anerkatiüter Vertreter seines Faches, und die Zeitschrift, welche sie brachte, ein vielgelesenes, verbreitetes Journal war. Doch die That- sache ist da. Nur Dippel nimmt in seinem Lehrbuch * die Priorität Haktig's hinsichtlich der Tinctionsmethoden in Schutz, sonst finde ich ihn nirgends erwähnt, wenn von diesen die Rede ist. Stets wird Gerlach als Entdecker derselben angegeben, Hartig ist nicht durchgedrungen. Daher habe ich auch die Macht der Thatsachen anerkennend, Gerlach den Begründer der mikroskopischen Färbung genannt und datire deren Beginn von seiner öffentlichen Empfehlung, die von so grossem Erfolg gekrönt wurde. Aber es schien mir nur gerecht, Hartig's grosse Verdienste in Bezug auf die Tinctionen wieder in das richtige Licht zu stellen und auf sie aufmerksam zu machen. Werfen wir nun, ehe wir auf die spätere Geschichte des Carmins als mikroskopischen Tinctionsfarbstoif eingehen, einen Blick aiif diese wichtige Substanz selber, auf ihre Eigenschaften und ihre Bereitungs- weise. Sie wird aus der Cochenille durch Kochen gewonnen. Coche- nille aber ist die im Handel und in der Industrie gebräuchliche Be- nennung eines Insects, des Coccus cacti, aus der Ordnung der Hemipte- ren und der Familie der Coccina (Schildläuse). Das kleine Thierchen (das Männchen misst durchschnittlich 1-5, das Weibchen 2 mm) lel)t auf verschiedenen Cactusarten, besonders dem Cactus Opuntia und ist ursprünglich in Mexico und Mittelamerica einheimisch. Die alten Mexicaner züchteten schon, lange bevor Cortez ihr Reich zerstörte, in sorgsamster Weise diese farbespendendeu , kleinen Geschöpfe. Von ihnen übernahmen die Spanier die Züchtung derselben. Sie machten sie zum Monopol und suchten die Verbreitung der Thierchen durch strenge Verbote der Ausfuhr zu verhindern. Dennoch wurde das kostbare Lisect bald nach anderen Gegenden verpflanzt uud dort ge- züchtet. So wird Cochenille jetzt ausser in Mexico auf den West- indischen Inseln, in Peru und Brasilien, auf den Canarisehen Inseln, be- sonders Teneriffa, auf Java und den Philippinen, ja in Algier, im süd- lichen Spanien uud auf Sicilien gewonnen. In Mexico wird ausser der künstlich gezüchteten auch die wild vorkommende gesammelt und als schlechteres Product in den Handel gebracht, in den übrigen Ländern kommt das Insect nur auf den für diesen Zweck gepflanzten und ge- pflegten Cactuspflanzen vor. Die Männchen, welche übrigens die Poly- gamie im höchsten Maasse betreiben müssen, da nur eins auf ca. 300 Weibchen kommt, werden nicht gebraucht, nur die letzteren werden ') 1. c. 1, Aufl. p 284; 2. Aufl. p. 715. I, 1. Gierke: Färberei zu mikroskopisclien Zwecken. 73 gesammelt. Da die Generationszeit nur sechs Wochen dauert, kann man besonders in den tropischen Gegenden mehrere Ernten im Jahr, liochstens aber fünf, halten. Die AVeibchen werden kurz vor dem Eier- legen als kugelrund angeschwollene Thierchen von den Pflanzen auf Tücher abgestrichen, getödtet und getrocknet. Das Tödten geschieht in den verschiedenen Ländern auf verschiedene Weise. Hier werden sie in heisses Wasser getaucht oder heissen Dämpfen ausgesetzt, dort werden sie in eisernen Pfannen über Feuer geröstet. In anderen Gegen- den wieder hat man besondere Oefen für diesen Zweck construirt; end- lich überlässt man auch den glühenden Sonnenstrahlen die Tödtuug. Der Farbstoff wird im Innern der Leibeshöhle erzeugt und scheint ein gleichmässig purpurngefärbter Saft zu sein. Bei mikroskopischer Be- trachtung erkennt man jedoch , dass iu einem vollkommen farblosen Saft ausserordentlich kleine, purpurne Körnchen enthalten sind. Diese also bilden den werthvoUen Farbstoff. Er ist durchaus nicht von gleich- massiger Güte in allen Thierchen. Grosse qualitative Unterschiede können je nach der Gegend, der Production, nach der Behandlung und nach der Zeit der Gewinnung (die erste Ernte, Zaccatilla genannt, liefert die beste Waare) constatirt werden. Die iu Mexico wild leben- den Thierchen unserer Coccusart, welche ebenfalls gesammelt und in den Handel gebracht werden, stehen hinter den cultivirten weit an Güte zurück. Natürlich ist der Preis der verschiedenen Sorten sehr un- gleich, und es soll der Cochenillehandel, wegen der Schwierigkeit der richtigen Schätzung, kein leichtes Geschäft sein. Die in Honduras ge- wonnene Zaccatilla steht in der Qualität allen anderen Sorten voran. Obgleich neuerdings die Anilinfarben der Cochenille grosse Concurrenz machen, ist der Handel mit ihr doch noch von grosser Bedeutung. Im Jahr 1880 betrug der Werth der Einfuhr von Cochenille in das Deutsche Reich etwas über 1 '/g Millionen Mark. Für verschiedene neuere Recepte der mikroskopischen Färbetechnik wird die Cochenille direct gebraucht. Bei weitem häufiger aber bedient man sich des aus derselben herge- stellten Farbstoffs, des C a r m i n s. Dieser wird fabrikmässig gewonnen, da aber die dabei nothwendigen Manipulationen grosse Erfahrung und Geschicklichkeit erfordern, um ein gutes Fabrikat herzustellen, so geben sich nur wenige Fabriken damit ab. Das Verfahren ist nicht überall ganz gleich, da man den Farbstoff entweder durch Zusatz von Alaun oder von Salpeter aus dem Rohproduct gewinnt. In einigen Fabriken kocht man 1 Theil Cochenille mit 10 Theilen destillirten Wassers 5 bis 6 Minuten hindurch, setzt Y, g bis yi4 Theil Alaun zu, erhitzt noch ein- mal kurze Zeit und lässt dann die Flüssigkeit einige Tage in flachen 74 Gierke: Färberei zu mikroskopischen Zwecken. I^ 1. Porzellangefässen an der Luft stehen. Hierbei scheidet sich der Farb- stoff aus und zwar zuerst die beste Sorte (etwa 3 bis 4 Procent der Masse). Nach ihrer Entfernung bildet sich noch im Lauf einiger Zeit eine kleinere Quantität einer geringeren Sorte. Nach einer anderen Methode der Darstellung wird 1 Theil Cochenille mit 75 Theilen Wasser 2 Stunden lang gekocht und dann ^2 Salpeter und 4 Minuten später Ys Sauerkleesalz zugesetzt. Dann wird wieder 10 Minuten lang ge- kocht, und hierauf lässt man den Carmin sich in Porzellangefässen ab- scheiden. Die erste Methode ist die gewöhnlichere, und findet man da- her im käuflichen Carmin stets ein wenig Alaun. Wenn nun schon die Cochenille in sehr verschiedenen Qualitäten vorkommt, so ist dies mit ihrem reinen Farbstoff noch viel mehr der Fall. Die Carminsorten unterscheiden sich ganz ungemein in Bezug auf Reinheit * und Güte. Dies wird von den Histologen häufig übersehen. Man verwendet viel- fach die erste beste in einer Droguenhandlung oder Apotheke käuf- liche Waare und wundert sich dann über die geringe Wirksamkeit des Stoffes. Man darf trotz des hohen Preises ^ nur die allerbesten Marken verwenden. Carmin Nakarete wird die beste moderne Waare genannt, sie kommt aber wieder in mehreren Marken vor. Leider muss auch ich glauben, was, wenn ich nicht irre, Czokor beklagt, dass neuerdings in der Bereitungsweise des Carmins sich irgend etwas geändert habe und derselbe in Folge dessen sich nicht mehr so gut für mikroskopische Zwecke eigne wie früher. Ich kann jetzt trotz aller Bemühung nicht wieder so sichere und gute Färbungen mit Carmin-Ammoniak erzielen wie früher. Chemisch gesprochen ist unser Farbstoff C arminsäur e zu nennen und hat die Zusammensetzung C, 7 Hj g 0, q • Gewiss wird Mancher finden, dass ich über Herkommen und Be- reitungsweise des Carmin gar zu ausführlich berichtet habe. Aber ich glaube, dass dieser Stoff es wahrlich verdient, dass die Histologen mit seiner Naturgeschichte etwas besser bekannt werden, als es bisher meistens der Fall ist ^. Wie viel verdanken wir gerade ihm, und sicher sind ^4 aller gefärbten Sammlungspräparate mit ihm angefertigt. Von ') Je geringer der Farbstoff, desto mehr Alaun enthält er. Den schlechteren Sorten sind auch viel Kreide und andere Stoffe beigefügt. 2) Nach dem Verzeichniss einer Grosshandlung kostet jetzt Carmin Nakarete. gute Marke, das Küogramm 60 M. Im Detail ist er natürlich viel theurer (etwa 80 M pro KUo). Schlechtere Sorten kann man für 15 M und darunter haben. 3) Begegnete mir doch einmal vor einem Jahre ein angesehener Histo- I, 1. Gierke: Färberei z« mikroskopischen Zwecken. 75 dem Forscher aber kann man wohl verlani^en, dass er den Stoff, mit dem er fast täglich arbeitet, nicht nur äusserlich kennt, sondern dass er auch mit seinen Eigenthümlichkeiten und seinem Herkommen genau ver- traut ist. Carminsäure ist im Wasser nicht löslich, wohl aber in Verbindung mit Ammoniak als carminsaures Ammoniak und mit Essigsäure als essigsaurer C arm in. In diesen Formen wird er hauptsächlich gebraucht. Spricht man ohne weiteren Zusatz von Carminlösung, so meint man wohl stets carminsaures Ammoniak. Lange Zeit wurde diese Verbindung allein gebraucht, und sie ist es gewesen, mit der Haetig und Gerlach experimentirten. Späterhin wurde Manches gegen sie eingewandt oder gar direct von ihr abgerathen. Dennoch hat sie nicht verdrängt werden können, und ist sie noch heute fast in allen mikro- skopischen Arbeitsräumen der Histologen, Zoologen und Botaniker zu finden. Weiter unten aber werden wir sehen, dass in den letzten Jahren Carminpräparate hergestellt wurden, welche doch der alten Form als Ammoniakverbindung sehr gefährliche Concurrenz machen. Bisher war mir die letztere als allgemeiner für alles zu verwendender Farbstoff bei weitem am angenehmsten. Ganz besonders aber halte ich das car- minsäure Ammoniak noch immer für das beste Tinctionsmittel des Cen- tralnervensystems, für das Geklach es auch in seiner ersten Publication hauptsächlich empfahl. Eine grosse Anzahl anderer Stoffe sind für die Färbung desselben dringend empfohlen worden, und für einzelne beson- dere Zwecke, wie z. B. die Sichtbarmachung des Fibrillennetzes in der grauen Substanz, ziehe ich auch andere Methoden vor. Aber für die Darstellung der weissen Substanz, für die Zellen mit ihren Ausläufern, für die Neuroglia etc. giebt es ganz entschieden kein besseres Mittel ^ Auch für viele andere Organe und Gewebe, dann für isolirte Elemente ist es von vorzüglicher Wirkung. Freilich hat man einige Vorsichts- maassregeln zu beachten, deren Vernachlässigung gewiss viel dazu bei- getragen hat, Diesen oder Jenen gegen unsere Verbindung einzunehmen. Zunächst muss man, wie ich schon erwähnte, sich nur des vorzüglichsten Carminpräparates bedienen. Dann ist es von grosser Wichtigkeit, — und dies habe ich nirgends sonst beachtet gesehen — dass man sich eine concentrirte Lösung vorräthig hält , von der man einige Tropfen in löge, der keine Aknung von der Verwandtschaft zwischen Cochenille und Car- min hatte. ') Neuerdings gebrauche ich allerdings ebenso gern carminsaures Natron, das genau dieselbe Wirkung hat. 76 Gierke: Färberei zu mikroskopischen Zwecken. I, 1. destillirtes Wasser giebt. Frische Lösungen wirken lange nicht so gut und können durch das in ihnen enthaltene freie Ammoniak sogar schaden. Ich zerreibe möglichst fein die käuflichen viereckigen Stücke, gebe Wasser und dann soviel Ammoniak hinzu, bis sich der Farbstoff ganz gelöst hat. Diese Lösung lasse ich einige Tage au der Luft in offener Schale stehen und filtrire dann. Die gewonnene, möglichst concentrirte Flüssigkeit lasse ich dann Jahre lang in verkorkter Flasche ruhen imd nehme sie, wenn möglich, erst nach zwei Jahren oder noch später in Gebrauch. Sie hat sich vorzüglich gehalten; ist ein wenig ausgefallen, so kann man ja filtriren. Freies Ammoniak ist aber nicht mehr vorhanden, auch nicht in den kleinsten Spuren. Ein beträchtlicher Theil desselben hat sich mit der Kohlensäure der Luft zu kohlen- saurem Ammoniak verbunden, das Uebrige ist entwichen. Die An- wesenheit dieser Verbindung ist nun aber von wesentlicher Bedeutung für eine gute Tiuction. Ich wusste schon lange, wie grosse Vortheile eine alte Carminlösung hat, schob dies aber allein auf ein Verdunsten des freien Ammoniak. In diesem Jahre aber wurde ich von Herrn Apotheker Maschke, welcher sein schon 1857 bekundetes Interesse für die Carmin- färbung nie verloren hatte, darauf aufmerksam gemacht, dass die An- wesenheit von kohlensaurem oder doppeltkohlensaurem Ammoniak die Färbung befi)rdere '. Ich habe darauf hin viele Versuche gemacht und kann nun behaupten, dass die alten Lösungen von carminsaurem Ammo- niak auch stets etwas kohlensaures oder doppeltkohlensaures Ammoniak enthalten ; und zweitens, dass diese Salze, wie übrigens auch andere Ammoniaksalze, die Färbung der Gewebe und ganz besonders der Zell- kerne sehr unterstützt. Sie wirken offenbar als Beize bei dem Process der Tinction. Ebenfalls sehr wichtig ist es, ganz ungemein verdünnte Lösungen des Carmin zu verwenden und die Präparate in ihnen 24 bis 28 Stunden liegen zu lassen. Die Flüssigkeit, mit der man tingirt, darf nur hellrosa gefärbt sein. Obgleich schon Geklach in seinen ersten Publicationen diesen Punkt stark betonte, wird doch häufig genug eine concentrirte Lösung, welche durchaus nicht so differenzirend wirkt, an- gewandt. Der grosse Vortheil der Carmintinction mancher anderen gegenüber besteht darin, dass ihr Gelingen nicht von einer bestimmten Vorbehand- lung der Präparate abhängig ist. Zwar findet man hier und da die ') Herr Maschke hat ebenfalls in letzter Zeit viele Versuche mit Carmin als Färbemittel gemacht und wird über dieselben baldigst Bericht erstatten. I, 1. Gierke: Färberei zu mikroskopischen Zwecken. 77 Augabe, dass in Cbromsäiire oder deren Salzen geliärtete Objecte für diese Färbemethode ungeeignet seien; das ist aber vollkommen unrichtig; nur muss die Erhärtung allerdings eine vorsichtige sein, zu starke Ein- wirkung der Chromsäure verdirbt die Präparate. Fi-isches und in allen möglichen Mitteln conservirtes und erhärtetes Material kann bei richtiger Behandlung der Carmiutinction unterworfen werden. Eine Ausnahme bildet nur das im Alkohol erhärtete Centralnervensystem, dies giebt ebenso- wenig mit unserem als mit anderen FarbstolFen brauchbare Präparate. Ja, will man recht gute Färbungen des Grosshirns erzielen, so muss man sogar jegliche Berührung des Präparates mit Alkohol vor der Fär- bung ängstlich vermeiden ; mau darf das Gehirn nur in Chromsalzen härten, muss ohne Alkohol, die Klinge des Messers nur mit Wasser be- netzend, die Schnitte anfertigen'. Endlich ist die Tinction mit ammo- uiakalischem Carmin deshalb auch so sehr zu preisen , weil sie die haltbarsten Dauerpräparate liefert. Es ist wahrlich ein Schmerz, wenn man nach Jahren die Schnitte, mit denen man sich so viele Mühe gegeben, und über deren gelungene, die Verhältnisse klar differen- zireude Färbung man sich so sehr gefreut hatte, hervorholt und sie ver- dorben findet. Diese, wie z. B. die Goldpräparate, sind zu dunkel, jene, wie die Hämatoxylinpräparate, fast farblos geworden. Auch die mit sauren Carminlösungen behandelten Schnitte können verblasst sein. Solche Trauer bereiten uns die mit carminsaurem Ammoniak — immer allerdings uuter den angegebenen Bedingungen — gefärbten Prä- parate niemals. Sie scheinen im Canadabalsam eingeschlossen für viele Generationen, für Kind und Kindeskinder bestimmt zu sein. Ich bemerke an meinen ältesten Präparaten, welche nun schon ein Decennium überdauert haben, nicht die geringste Veränderung; und bei Professor Geelach sah ich im vergangenen Jahre die ehr- wüi'digen Rückenmarksschnitte, welche, aus den ersten Jahren der Tinctionsmethode stammend, ihr füufundzwanzigjähriges Jubiläum fei- ern konnten. Auch sie waren unverändert geblieben und vorzüglich gefärbt. Der Anfang war gemacht ! Eine neue wichtige Technik gefunden ! Geklach's Empfehlungen hatten den besten Erfolg, und seine Methode gewann schnell zahlreiche Anhänger unter Histologen und Zoologen. Ueberall wandte man das carminsaure Ammoniak bei der Durchforschung ») Es wurde dies zuerst von Güdden imd seiner Schule betont. Ich habe mich von der Richtigkeit dieser Angabe sowohl in Guddek 's Laboratorium selbst als auch beim eignen Arbeiten überzeugt. 78 Gierke: Färberei zu mikroskopisclien Zwecken. I. 1. der Gewebe an und war mit der Wirkung zufrieden. Da war es sehr natürlich, dass man mm auch andere Farbstoffe, welche sich in Wasser oder Alkohol, vielleicht auch in Chloroform oder Aether lösten, probirte. Es mag wohl schwerlich einen bekannten Farbstoff gegeben haben, der nicht zu solchen Experimenten herangezogen wurde. Der Erfolg war zunächst nicht sehr gross. Man fand in den ersten sechziger Jahren keinen Farbstoff, der sich dem Carmin hinsichtlich der Tinctions- fähigkeit hätte an die Seite stellen können. Dieser färbte das thierische Gewebe überhaupt nicht recht, jener färbte zwar ganz intensiv aber diffus, und auf die Farbenschönheit allein kam es dem Forscher nicht an; er wollte differente Wirkungen haben. Dieselben wurden nun zwar durch diesen oder jenen Stoff erreicht — aber leider war es nur ein Augenblicksbild, es war nicht fixirt in den Elementen, und die Substanz, in welcher man das Präparat untersuchte oder einschloss, entzog ihm denselben wieder. Dann aber stiess man doch auf Farbstoffe, welche in der Wirkung dem Carmin ähnlich waren, wenn sie ihm an Güte auch nicht gleich kamen. Selbstverständlich gab man sich nicht die Mühe, alle die missglückten Versuche den Mitforschern durch Publica- tionen anzuzeigen. Aber gäbe es bei der Kürze der seitdem vergan- genen Zeit nicht hinlängliche Gelegenheit, sich mündlich zu informiren, so würde man doch aus einer Reihe von Schriften jener Jahre ersehen können , wie viel nach neuen Tinctiousmitteln gesucht und mit ihnen experimeutirt wurde. Da war es neben zahlreichen anderen Stoffen be- sonders Indigo, Lakmus, die Krappfarben Alizarin und Purpurin, die Auszüge der Farbhölzer, des Fernambuk- und des Campeche - Holzes und der Alcannawurzel, auf die man am meisten Vertrauen setzte. Und doch eigneten die meisten aus diesem oder jenem Grunde sich nicht, oder man hatte die richtige Methode noch nicht gefunden. So z. B. probirte Waldeyer 1863 den wässerigen Auszug des Campeche-Holzes, hauptsächlich um den Axencylinder der Nervenfasern ohne die ihn um- hüllenden Scheiden zu färben. Die Wirkung war eine so mangelhafte, dass er von seinem Gebrauche abrieth und ihm den Fai'bstoff der Al- cannawurzel vorzog. Nur wenige Jahre später, 1865 konnte Friedkich Böhmer das Hämatoxylin, eben den Farbstoff des Campecheholzes, als ein vorzügliches Tinctionsmittel empfehlen. Und dies drang dann auch durch und wurde neben dem Carmin das beliebteste. Der Misserfolg des Einen und der Erfolg des Anderen hing davon ab, dass dieser er- kannte, dass das Hämatoxylin in Gegenwart des Alaim eine bedeutend bessere Färbekraft besitzt als ohne ihn, was Waldeyer noch unbekannt blieb. Ob Böhmer zußillig darauf verfiel oder durch die Kenntniss, I, 1. Gierke: Färberei zu miki-oskopiscticn Zwecken. 79 dass Alaun in der Färberei (als Industrie) eine so grosse Rolle als Beizmittel spielt, darauf hingeleitet wurde, weiss ich nicht. Zu jener Zeit beschenkte die chemische Wissenschaft die civilisirte Menschheit mit einer neuen Art von Farbstoffen, die in kürzester Zeit eine ausserordentliche Wichtigkeit erlangen und in der Farbenindustrie eine förmliche Revolution hervorrufen sollten. Im Jahre 1856 kam die erste Anilinfarbe, das Mauvcin in den Handel, 1858 dann entdeckte Hofmann das Anilinroth und nun folgten von Zeit zu Zeit neue Ent- deckungen *. Allmählich lernte man alle Nuancen der Farbenscala aus dem Steinkohlentheer herstellen. Dass die Histologen zu ihren Tiuctions- versuchen auch bald die neuen, viel besprochenen Anilinfarben mit heranzogen, ist ganz selbstverständlich. Doch waren die Experimente zunächst von geringem Erfolg, mau erhielt nicht so differenzirte Prä- parate wie nach Carminfärbung. Waldeyek ^ war, soweit ich beim Quellenstudium eruiren konnte, der Erste, welcher Anilinfarben für die histologische Untersuchung empfahl, nachdem er lange Zeit hindurch mit Rosanilin (Anilinroth), Auilein (Aniünviolett) und Pariser Blau (Anilinblau) experimentirt hatte. Er mochte das neue Tinctionsmittel noch nicht über den Carmin stellen, empfahl es aber besonders wegen der schnellen Wirkung. In den sechziger Jahren aber machte die mikroskopische Verwendung der Anilinfarben geringe Fortschritte, man brauchte sie nur nebenbei und sie konnten durchaus nicht zu den Haupttinctionsmitteln gerechnet werden. Als solche und allgemein an- erkannt galten bis in die siebziger Jahre hinein nur Carmin und von 1865 bis 1866 an Hämatoxylin. So auch vermochte der ludigcarmin (indigschwefelsaures Kali), welchen Thieksch 1865 empfahl, als wirkliches Tinctionsmittel sich weder damals noch später viele Freunde zu erwerben. Man färbt wohl hier und da mit ihnen, aber doch ge- wissermaassen nur zur Abwechslung, ohne viel von ihrer Wirkung zu hoffen. Aber schon im folgenden Jahr erkannte ein durch sein unge- mein grosses Geschick in der Injectionstechnik ausgezeichneter For- scher, Chrzonszczewski ^ in dem ludigcarmin einen passenden Stoff für die Selbstinjection der Drüsencanälchen der Leber und fand in dieser *) Weiter unten folgt mehr über die Geschichte und die Chemie der Anüinfarben. ^) Waldeter, Untersuchungen über den Ursprung und Verlauf des Achsen- cylinders bei Wirbelthieren imd Wirbellosen etc. (Zeitschr. f. rationelle Med. 3. Reihe. Bd. XX, H. 3). 3) Chrzonszczewski in Arch. palhol. Anat. Bd. XXXV, 1866, u. Centralbl. f. d. med. Wiss. 1864, Nr. 38. 80 Gierke: Färberei zu mikroskopischen Zwecken. I, 1. Methode ein Hülfsmittel der mikroskopischen Forschung, welches für die Erkeimtuiss der histologischen und physiologischen Verhältnisse der Leber und der Nieren noch Ausserordentliches leisten sollte. Wir müssen nun aber doch noch einen grossen Fortschritt der Tinctions- technik aus der Mitte der sechziger Jahre erwähnen: die Methode der Doppelfärbuug. Ihre eigentlichen Triumphe freilich feierte dieselbe auch erst im nächsten Decennium. Natürlich, denn aus ihr musste sich um so mehr machen lassen, je mehr dazu geeignete Farben zur Verfügung standen. Und ganz besonders schöne differente Bilder geben ver- schiedene Anilinfarben zusammen mit Hämatoxylin, mit Carmin etc. Obgleich nun aber die ausserordentlichen Entdeckungen, welche wir als die Erfolge der Doppeltinction aus den letzten Jahren kennen, den sechziger Jahren versagt blieben, so wurde in ihnen doch eine Farben- mischung zur Begründung der Doppelfärbung entdeckt, welche bis in die heutigen Tage hinein zu den allerbeliebtesten Tinctionsmitteln ge- hörte. Es ist das Fikrocarmin, eine Verbindung aus Pikrinsäure und Carmin. Die Pikrinsäure selbst war wegen ihrer schönen und intensiven citronengelbeu Farbe ebenfalls wie alle möglichen anderen gefärbten Stoffe zu Versuchen herangezogen , aber man fand sie nicht vor- theilhaft \ Schwarz ^ war der Erste, welcher die Tinctionswirkung des Carmin und der Pikrinsäure combinirte. Er brachte die in ganz eigenthümlicher Weise vorbereiteten Präparate zuerst in Carmin und dann in Pikrinsäure. Durch den 1867 publicirten Bericht über diese Methode scheint PiAnviek auf die Idee gebracht zu sein, carminsaures Ammoniak und Pikrinsäure zu vermischen und diese Mischung zum Färben zu benutzen ^. Ihm wird daher auch das Verdienst, Pikrocarmin in die Tinctionstechnik eingeführt zu haben, gewöhnlich zugeschrieben. Eine Art der Doppelfärbuug war übrigens schon vor Schwakz ausgeübt' nämlich Präparate, welche durch Metallimprägnationen gefärbt waren, noch in Carmin zu bringen. So haben M. Schul tze und Rüdneff * ein Jahr vor Schwarz durch Osmiumsäure gebräunten oder geschwärzten Schnitten noch eine Carminfärbung verliehen. Und hier komme ich nun ') Ranviee, Technique microscopique (Arch. d. Phys. No. 2 p. 319 u. No. 5 p. 666). -) Schwarz, lieber eine Methode doppelter Färbung mikroskopischer Ob- jecte etc (Sitzungsber. d. k. k. Akad. d. Wiss. Wien. Bd. LV). •'') Ranvier, 1. c. ") M. ScHULTZE und RuDNEFF, Weitere Mittheilungen über die Einwir- kung der Osmiumsäuie auf thierische Gewebe. Arch. mikr. Anat. Bd. I, 1865, p. 300. I, 1. Gierke: Färberei /n mikroskopischen Zwecken. 81 zu einer Methode von allerhöclister Wichtigkeit. Wenn ich vorher meinte, dass in den sechziger Jaliren für die Tinctioustechnik nicht so epochemachende und auch niciit so zahlreiche Fortschritte gemacht wurden, wie in dem fünften und siebenten Decenuium unseres Jahrhun- derts, so gilt dies doch nur für die eigentliche Tinctiou mit gelösten Farb- stoffen. Die mikroskopische Färbetechnik enthält aber einen zweiten Zweig, die sogenaimte Imprägnation ' mit Metallsalzen. Diese steht an Wichtigkeit und Bedeutung gewiss nicht hinter der Tinction zurück, und verdankt gerade ihr die Wissenschaft eine Reihe von ganz ungemein schönen Entdeckungen. Und alles Wesentliche dieser Methode wurde in den sechziger Jaliren gefunden und publicirt, so dass sich nun dies Decenuium in Bezug auf unsere Technik in würdigster Weise den anderen an die Seite stellen kann. Historische Zusammenstellung der Literatur. Ich habe versucht, in der folgenden Zusammenstellung die ganze Literatur über Tinctionen und Imprägnationen aufzuführen; die ganze, d. h. alle Schriften, Aufsätze und Notizen, welche auch nur eiuiger- massen wesentlich und wichtig für unsere Technik sind. Eine Grenze musste gezogen werden, und Abhandlungen, in denen zwar die Färbe- methode, welche den Autoren als Hilfsmittel ihrer Forschung diente, genau und ausführlich auseinandergesetzt wird , aus denen aber für unsere Technik gar nichts Neues zu entnehmen ist, wurden fortgelassen. Ebenso wurden Em])fehlungen schon bekannter Methoden nur dann an- geführt , wenn sie entweder durch die wissenschaftliche Bedeutung der Empfehlenden AYerth haben, oder wenn sie in irgend einer Hinsicht die Kenntnisse in Betreff der empfohlenen Stoffe oder der besprochenen Methode erweitern. Dass auch Arbeiten, besonders des Auslandes, fehlen werden, welche nicht fehlen sollten, ist leider nicht unwahrscheinlich. Doch hoffe ich, dass von den deutschen hierher gehörigen Angaben wenige fehlen. Von den ausländischen konnte ich überhaupt nur die- jenigen aufzählen , welche in den bekannteren Zeitschriften zu finden sind, oder welche ihren Weg nach Deutschland, sei es auch nur in der Literatur gefunden haben. Wie ich aber mit grösster Bestimmtheit an- nehmen kann, werden im Auslande keine für uns brauchbaren Methoden angewendet werden, die uns gänzlich verborgen geblieben wären. Da ') Ich werde weiter unten über den Unterschied zwischen diesen Metho- den ausführlich sprechen. Zeitschr. f. wiss. Mikroskopie. I. 1. Q 82 Gierke: Färberei zu mikroskopischen Zwecken. I, 1. dies der erste Versuch ist, die Literatur der Tinctions- und Imprägua- tionsmethoden in möglichster Vollständigkeit zusammenzustellen, und ein zweiter wegen der grossen Mühe und in Rücksicht auf den ausserordent- lichen Zeitverlust nicht so bald angestellt werden wird, möchte es wohl im Interesse der Sache liegen , wenn Autoreu , deren auf die Färbe- technik bezüglichen und irgeud Wesentliches bringenden Notizen in der folgenden Tabelle fehlen, ihren Verfasser oder die Redaction der Zeit- schrift für wissenschaftliche Mikroskopie darauf aufmerksam machen und zugleich die Stelle, au welcher dieselben zu finden sind, nennen wollten. Solche Berichtigungen und Vervollständigungen könnten als Nachtrag veröffentlicht werden und würden den Werth der Tabelle we- sentlich erhöhen. Im Folgenden sind die mit runden Klammern () eingefassten Parthien Meinungsäusserungen des Verfassers, während das Uebrige als in dem Sinne der aufgezählten Forscher gesprochen ist. I. Carmin. Farbstoff der Cochenille. ErsteVer- Wendung. Car min- saures Ammo- niak. l)Göppert u. Colin. Ueber die Rotation des Zellinbaltes von Nitella Üexilis. (Bo- tan. Zeitung 1849. No. 37). 2) Hartig. Ghlorogen (1. c. 1854 No. 32). 3) Hartig. Ueber die Functio- nen des Zellenkerns (1. c. No. 33). Ei'ster Vei'such einer mikroskopischen Tinction. Zum Zweck der Differenzirung der Gewebe. H. färbt das Ghlorogen der Pflanzen mit Garmin und zum Vergleich mit einer Reihe anderer Farbstoffe. Versuch einer Erklärung der Tinction. Umfassende und sehr eingehende Unter- suchungen in Bezug auf die Fähigkeit der verschiedenen Elemente des Pflanzengewebes, Garmin zu binden. „Die Farbenaufspeiche- rung" kommt allein dem Kern zu. Sie ist in diesem an das Pfianzeneiweiss und an Leim gebunden. Versuche ausgewaschenen Kleber und Leim zu färben. Beide besitzen die Kraft, Farbstoffe aufzuspeichern, nicht so Gummi oder Schleim von Pflanzen. Bedingung aber für die Färbung der Zellkerne ist, dass die Pflanze oder wenigstens das zu tingirende Gewebe abgestorben ist. So lange die Zellen leben, färben sich ihre Kerne nicht. H. pro- phezeit der Färbemethode eine grosse Zukunft und empfiehlt sie. 1849 1854 I. 1. Giel-ke: Färberei zu mikroskopischen Zwecken. 83 Carmin- saures Ammo- niak. Lebende Pßanzen färben sich beim Wachsen i. Carmin- flüssig- Jceit. Carmin- saures Ammo- niak. 4) Hartig. Ueber das Yerhalten des Zellkerns bei der Zellentheilnng (1. c. No. 51). 5) Os- H. kommt auf seine Untersuchungsmethode zurück. Carmin- saures Ammo- niak. O. Hess Weizen in Carminlösung wachsen und fand dann die Gewebe gefärbt. (Also im Widerspruch zu Hartig). O's. Arbeit wird von Beai.e : How to work with the microscope er- wähnt, um zu zeigen, dass die Carmintinction schon vor Gerlach angewandt sei. Lord 8, G. borne. Vegetable cell struc- ture and its forma- tion. as seen in the early stages of the growth ofthe wheat plant. (Trans. Mi- crosc. Soc. vol. V, 1856 June). 6) Hartig. In dieser grossen Arbeit wiederholt H Entwicklungsge- Manches auf Carminfäi-bung Bezügliches aus schichte des Pflan- den früheren Abhandlungen. Er Hess Wasser- zenkeims. Leipzig algen, Charen, die Wurzeln der Hyacinthen 1858. zwiebeln und andere Pflanzen wochenlang in Carminlösung wachsen, ohne dass sie sich färbten. Nach der Tödtung derselben trat die Tinction sofort ein [p. 6]. Im Anhang [p. 154] erklärt er die Carminlösung für unentbehrHch bei solchen Untersuchungen wie er angestellt hat und giebt die Bereitungsweise der Lösung, an. Auch andere Farbstoffe z. B. Jod benutzte er. — ■ Diese Schrift führt Dippei. : „Das Mi kroskop" an, um Hautig's Priorität in Bezug auf die Tinctionsmethoden zu wahren. Die früheren Arbeiten scheint er nicht zu kennen Uebrigens haben auch einige andere Botaniker Haeti&'s Verdienste um die Tinctionsmethode hervorgehoben. MecHcin und Zoologie aber wissen nichts davon. 7) Gerlach. Schon 4 Jahre vor der PubHcation sah er IMikroskopische Stu- , bei Gelegenheit von Injectionen mit ammo- j dien aus dem Gebiet niakalischem Carmin, der in die Wandung der ; Gefässe diftundirt war, dass die Kerne sich i mehr färbten als die Zellen und Intercellular- stoffe. Dadurch angereizt, färbte er Schnitte : des Centralnervensystems mit concentrirter | Carminflüssigkeit, ohne hierbei schöne Erfolge | zu haben, da sich die Elemente nicht genug, differenzii'ten. Zufällig blieb einmal der Durch- schnitt einer Kleinhirnwindung in enorm ver- dünnter Carminlösung über Nacht Hegen und erkannte G. nun die ungemein diiferenzirende Wirkung einer solchen. der menschHchen I Morphologie. Erlan gen 1858. 1856 1858 8) Gerlach. Ueber die Einwir- kung von Farbstoff auf lebende Gewebe. (Wiss.Mitth.d.phys.- med. Soc. Erlangen 1858, p. 5). G. berichtet über seine Versuche, lebende thierische Gewebe zu tingiren. Dies gelang niemals. Todte Gewebe ziehen aus sehr ver- dünnten Carminlösungen allmähUch allen Farb- stoff heraus und sammeln ihn in sich an, und zwar am meisten in den Kernen und Kern- köq)erchen, weniger in dem Zellleib und am 1858 84 Gicvke: Färberei zu mikroskoijischeu Zwecken. I. 1. Substan- zen, wel- che sich mit Car- min fär- ben und nicht fär- ben. Er- klärung der Fär- bung. Carmin saures Ammo- niak. Oxdl- saurer Carmin. 9) Mcaschke. Pigmentlösung als Reagenz bei mikro- skopisch - physiologi- schen Untersuchun- gen. (Botan. Zeitg. 1859, No. 3; Journ. f. prakt. Chemie v. Erdmasn u. Wek- THER. Bd. LXXVI. 1859, p. 37). 10) Masclike. lieber einige Meta- morphosen in den Zellen der reifenden Frucht von Solanum nigrum. (Botan. Zeitg.l859,No.22f.). 11) Thiersch. Injectionsmassen von Thiersch und W. Müller. (M. S(;hultze's Archiv f. mikrosk. Anat. 1865, p. 149). wenigsten in der Zwischensubstanz. Derselbe lässt sich nicht wieder auswaschen. Es schei- nen also sich eigenthümliche Anziehungen zwischen dem Farbstoff und den Elementar- theilen geltend zu machen, über deren physi- kalische Gründe uns zunächst noch jede An- deutung fehlt. (In diesen beiden Arbeiten steht nichts, das nicht schon von HAraio in Bezug auf pflanzliche Gewebe gezeigt worden wäre.) M. kennt Geklach's Arbeiten nicht, nur die von Haktki. Er polemisirt gegen dessen theoretische Erklärung der Tinction und be- richtet über zahlreiche Versuche, die er in Bezug auf die Färbung organischer Körper anstellte. Hauptsächlich cxperimentirte er mit Carmin, dann aber auch mit anderen Farb- stoffen, z. B. Indigo. Er constatirt, dass es zwei Gruppen von organischen Körpern giebt, von denen die eine, deren sämmtliche Glieder zu der Proteinsubstanz gehören [Hornsub- stanz, Eiweiss, Leim], sich leicht mit Farb- stoffen verbindet, während die andere, deren Glieder zu der Cellulosefamilie gehören [Cellu- lose, pflanzliche Schlauch- und Bläschenmem- branen, Amylum, Zuckei", Schleim], keinen Farbstoff aufnehmen. Er empfiehlt am Schluss der Arbeit die Tinctionsmethode auf das Eifrigste „Pigmentlösung wird, ich bin dessen gewiss, in Zukunft ebenso unentbehrlich wie Jodlösung sein, und beide werden den Ehrenplatz neben dem Mikroskope mit dem ana- tomischen Messer theilen". (Diese interessante kleine Arbeit ist niemals be- achtet worden). M. theilt mit, dass er 1857 schon diese Untersuchungen abgeschlossen und niederge- schrieben habe. Er bediente sich für sie des Carmins. Carmin 1 Th. Liq. ammon. caust. 1 Th. Aq. dest. 3 Th. Von dieser Lösung 1 Vol. mit 8 Voll, einer wässerigen Oxalsäurelösung [1 : 22] zu mischen. Zu dieser Mischung 12 Voll. Alcohol. absol. Hierauf wird filtrirt. Das Filtrat kann nach Belieben durch Zusatz von Oxalsäure mehr dem Orangeroth, von Ammoniak dem Violett genähert werden Concentrii't färbt diese Flüssigkeit in we- nigen Secunden, wobei die Zellen sich am intensivsten tingiren. Will man langsamer I. 1. Gierke: Färberei zn mikroskopischen Zwecken. 85 Borax Carmin, Ulla- farbig. Carmin- saures Ammo- niak mit Glycerin und Alko- hol. 12) Beale. How to work with the Miscroscope. 5. Aufl. _ London 1880 und in einigen frü- heren Auflagen. färben, so verdünnt man mit Weingeist von 70 bis 80 Procent [bei Zusatz von Alcoh. absol. fallt saures oxalsaures Ammoniak aus]. Bei dilfiiser oder zu starker Färbung kommen die Schnitte in eine Lösung von Oxalsäure und Alkohol, in der sie sich aufhellen. Die Tinctionsflüssigkeit ist für alle Präparate zu empfehlen. Vorbereitung gleichgültig. Borax 4 Th. Aq. dest. 56 Th. Carmin 1 Th. 1 Vol. dieser Lösung mit 2 Voll. AJcoh. absol. zu vermischen, dann zu filtriren. Für durch Chromsäure entkalkte Knochen und Knorpel. Bei Ueberfärbung kann man auf- hellen in einer Lösung von Borax oder Oxal- säure in Weingeist. Carmin 10 Gran (0 6 g) Liq. Amnion, caust. V2 Drachme (3'75 g) Glycerin 2 Unzen (600 g) Aq. dest. 2 Unzen (60-0 g) Alkohol V2 Unze (15-0 g) Der Carmin wird zuerst im Proberöhrchen mit dem Ammoniak übergössen, stark ge- schüttelt. Dann für einige Minuten gekocht. Darauf lässt man abkühlen und giebt nach einer Stimde Wasser, Glycerin und Alkohol hinzu. Endlich filtrirt man und kann nun für Monate die klare Flüssigkeit aufbewahren, ohne dass sie leidet. Höchstens muss man einmal 1 oder 2 Tropfen Ammoniakflüssigkeit hinzusetzen, wenn Carmin ausfallen sollte. (B. ist ausserordentlich von dieser Form des carminsauren Ammoniaks eingenommen und stellt sie über alle anderen. Ich sehe diu-ch- aus nicht [und ich habe sehr viel mit ihr ge- färbt], dass sie irgendwie vor dem einfachen Carmin- Ammoniak Vortheile hat. Für Schnitte auf keinen Fall, da für diese eine möglichst starke Verdünnung am günstigsten wirkt und in einer solchen das Glycerin und der Al- kohol jener Färbeflüssigkeit gar nicht mehr in Betracht kommen. Für das Durchfärben, d. h. also für das Färben ganzer Stücke, die erst nach der Tinction in Schnitte zerlegt werden sollen, kann man sie freilich eher em- pfehlen, da sich dieselben in ihr besser halten als in dem einfachen ammoniakalischen Carmin in Wasser. Es wäre möglich, dass das Gly- cerin den Farbstoff' besser in grosse Stücke eindringen Hesse, hauptsächlich wii'kt aber in dieser Hinsicht der Alkohol). 1865 1866 (?) 86 Gierke: Färberei zu mikroskopischen Zwecken. I, 1. Essig- saurer Carmin. Carmin- saures Ammo- niah. Borax- Carinin. Ausge- faultes carmin- saures Ammo- niaJc. 13) Schweigger- : „g Seidel. CYON,-Ueberdie Ner- ven des Peritoneum. (Ber. d. Sachs. Ge- sells. d. Wiss. 1868, p. 125). 14) Rollet. Bemerkungen zur Kenntniss der Lab- drüsen und der Ma- genschleimhaut. (Unters, a. d. Inst. f. Physiol. u. Histol. Graz. Heft 2, 1871, p. 143). 15) Gr rancher. Technique mikrosko- pique. Des usages de la Solution am- moniacale de carmin en histologie. (Arch. de Physiol. t. IV p. 770). Cvox arbeitete im histologischen Labora- torium zu Leipzig und verwendete die von Schweigger-Seidel viel gebrauchte saure Car- minlösung, die er warm empfiehlt. Die Vorschrift Schweiggeb-Seidel's ist diese : Gewöhnliches carminsaures Ammoniak wird im Ueberschuss mit Essigsäiu'e versetzt, bis eine weinrothe Flüssigkeit entsteht. Die- selbe muss filtrirt werden. Die diffus gefäi-bten Präparate müssen in mit Salzsäiu'e angesäuertem Glycerin [1 : 200] gebracht werden. Der Farbstoff zieht sich dann auf die Kerne zurück, während das Protoplasma entfärbt wird. Die Päparate sind vor dem Einschluss sehr stark auszuwaschen. (Und dennoch nicht so haltbar wie die mit carminsaurem Ammoniak gefärbten). R. giebt mehrere Verfahrungsweisen, um 1871 Carminlösungen haltbarer zu machen, sodass sie bestimmte Mengen freier Säuren vertragen, ohne dass der Farbstoff gefällt wird. G. prüft die Elemente des thierischen Körpers auf ihr Verhalten gegen carminsaures Ammoniak. Er findet : Je energischer die Vi- talität einer Zelle, desto lebhafter färbt sie sich. Elemente, welche schon durch andere Mittel, z. B. durch Chromsäure, Pikrinsäure, doppelt chromsaures Kau, Chlorgold, Jod etc. gefärbt sind, nehmen Carmin gar nicht mehr oder kaum noch auf. Ebenso verhalten sich die mit physiologischem Farbstoff gefüllten Elemente, z. B. die rothen Blutkörperchen. Diese nehmen nach Entfernung des Hämo- globins den Carmin gern auf. (Gegen obige Behauptungen ist viel ein- zuwenden). 16) Woodwai'fl. Carmin 1 Th., gesättigte Boraxlösung 60 Th. The _ best mode of Vermischt mit dem doppelten Vol. Alkohol carmine staining the tissues. (Monthly Mi- crosc. Journ. vol. VIII p. 37). absolut. Er filtrirt, benutzt aber nicht wie Thierscii das Filtrat, sondern den Rückstand, d. h. Ki-ystalle von Borax-Carmin, die er wieder auflöst und färbt. 17) Betz. B. stellt starke Carminlösung so lange in die Methode, Sonne, bis ein schmutzigrother. flockiger Nie- feine Schnitte a. d. derschlag entsteht. Jetzt wird filtrirt und das Centralnervensystem Filtrat benutzt anzufertigen. '(Mit- theil, d. ärztl. Ver. Wien, 1872 Bd. I, p. 9). (Es ist dies der sogenannte „ausgefällte Cai'min". Er soll sich nun besser halten). 1, 1. Gierke: Färberei zu mikroskopischen Zwecken. 87 Carmin- saures Ammo- niak mit Draper's Tinte ver- setzt. 1. Car- minsaures Ammo- niak mit Alkohol. IL Hoy- er's alko- holische Carmin- lösimg. 18) Lieberkiilin. lieber die Einwir- kung des Alizarin auf die Gewebe des lebenden Körpers. (Sitzimgsber. d. Ge- sells. z. Beförderung d. ges. Naturwiss. Marburg, 1874. No. 3 p. 33). 19) Richardson. Mode of staining ani- mal tissues of a per- manent purple grey colour.(Quart. Journ. Älicrosc. Sei. 1874, p. 281). 20) Pouchet et Le^oft". Sur la iixation du carmin de Cochenille dans les elements anatomiques vivants. (Gaz. med. de Paris 1876, No. 52). 21) Hoyer. Beiträge ziu- anato- mischen und histo- logischen Technik. (Arch. mikr. Anat. Bd. XIII p. 649). Versuche, ob lebende Gewebe sich färben. Injectionen von Carmin - Ammoniak in den Rückenl}Tuphsack des Frosches. (S. oben). Carminlösung mit Draper's dichrotischer Tinte versetzt wird von R. sehr empfohlen. Die Bestandtheile dieser Tinte sind unbekannt. (Siehe 17 und oben den Text). H. meint, dass Zusatz von Alkohol die Wirksamkeit des Carmin-Ammoniak erhöhe. Darauf beruhe die Beliebtheit der BEALE'schen Lösung, denn das Glycei-in in derselben schade nur. Eine sehr intensiv färbende Carminflüssig- keit erhält er in folgender umständlichen Weise : Carmin im Kolben mit Alkohol, dem einige Procent Schwefelsäure beigemischt sind, über- gössen und bis zur Lösung erhitzt. Filtrirt und stark mit Wasser versetzt. Dem Filtrat wird Bleizucker so lange zugesetzt, als sich noch ein rosenrother Niederschlag von schwe- felsaurem Blei bildet. Sobald sich violette Niederschläge bilden, wird filtrirt, und zum Filtrat abermals so lange Bleizucker zugesetzt, als noch violette Niederschläge entstehen. Diese nun werden gesammelt, gut ausgewaschen und getrocknet, dann in ein wenig starkem Alkohol suspendirt und hierzu stark mit Schwe- felsäure angesäuerter Alkohol tropfenweise hin- zugesetzt, bis der Niederschlag sich entfärbt und der Alkohol intensiv roth geworden ist. Diese alkoholische Lösung färbt ungemein in- tensiv. 88 Gierke: Färberei zu mikroskopischen Zwecken. I, 1. Carmin- saures Ammo- niak durch Unter- stützun g der Wärme. Alkoho- lische Co- chenille- tinctur. Alaun- Carmin. Modifi- ' cirte Schiveig- yer - Sei- äeVsche saure Carmin- lösung. Alkoholi- sche Carmin- lösung. 22) Obersteiner. Technische Notiz. (Arch. mikrosk.Anat. Bd. XV p. 136). Carmin in kochender Essig- säure gelöst. 23) P. Mayer. Die VerwendlJarkeit der Cochenille in der mikroskopischen Technik. (Zool. Anz. 1878, No. 15 p. 345). 24) Grenadier. Einige Notizen zur Tinctionstechnik be- sonders zur Kern- färbung. (Arch. mi- krosk. Anat. Bd. XVI p. 463). 25) Grenadier. (1. c). 26) Grenadier. (1. c). 27) Sdmeider. Ueber die Auflösung der Eier und Sper- matozoen in den Ge- schlechtsorganen. (Zool. Anz. 1880, v. 12. Jan. u. 24. Mai). 0. färbt Schnitte des Centralnervensystems in der Wärme über dem Wasserbade und findet, dass sie sich ungemein schnell [2 bis 5 Minuten] und sehr distinct tingiren. Er lässt das Wasser des Bades kochen und setzt Car- minlüsung und Schnitte in einem Uhrschälchen den heissen Dämpfen aus. Die Lösung scheint er ziemlich concentrirt zu nehmen, giebt aber Näheres nicht an. (Ich habe diese Methode mehrfach geprüft und kann O.'s Angaben bestätigen. Ist man aber nicht geradezu auf Schnellfärbung ange- wiesen, so ist sie nicht zu empfehlen). Gepulverte Cochenille wird mit TOprocen- tigem Alkohol mehrere Tage infundirt, darauf filtrirt. Das Verhältniss ist 1 g Cochenille auf 8 bis 10 cc Alkohol. — Säurefreie Alkohol- präparate eignen sich zur Färbung. (Die weiter unten aufgeführte Abkochung von Cochenille mit Alaun ist weit empfehlens- werther). Eine wässerige Lösung von Alaun oder Alaun-Ammoniak [1 bis 5 Procent oder auch stärker] wird mit '/a bis 1 Procent gepulvertem Carmin 10 bis 20 Minuten hindurch gekocht und nach dem Erkalten filtrirt. Die purpur- farbene Lösung färbt sehr schnell und nur die Kerne ; auch bei langer Einwirkung tritt keine Ueberfärbung ein. Eine ein- bis zweiprocentige Boraxlösung [in Wasser] wird mit V2 bis ^/^ Procent Car- min gekocht. Die erkaltete Lösung tropfen- weise mit verdünnter Essigsäure versetzt, bis sie die Färbung der gewöhnlichen ammoniaka- lischen Carminlösung angenommen hat. Nach 24 Stunden wird filtrirt. Die Lösung färbt diffus. Um die Färbung auf die Kerne zu be- schränken, wird im Uhrschälchen, in dem 50- bis TOprocentiger Alkohol mit einem Tropfen Salzsäure sich befindet, gewaschen. In etwa 50 cc 60- bis 80procentigem Al- kohol, der mit 3 bis 4 Tropfen Salzsäure an- gesäuert ist, wird eine Messerspitze Carmin 10 Minuten gekocht. Nach dem Erkalten filtrirt. Auch die mit dieser Tinctur gefärbten Schnitte bedürfen noch einer Behandlung mit Salzsäure, um eine Kernfärbung zu zeigen, sonst sind sie diffus tingirt. (Die beiden letzten Carniintincturen bilden keine Vermehrung der werthvoUen Färbemittel). S. trägt in kochende Essigsäure von 45 Procent so viel Carmin, wie sich löst und färbt entweder mit dieser Flüssigkeit direct oder verdünnt sie bis zu 1 Procent. 1878 1879 1880 I. 1. Gierko: Färberei zu mikroskopischen Zwecken. 89 ÄlkohoH sehe Co- chenüle- Tinctur. Alaun- Cochenille Gröblich zerkleinerte Cochenille wird mit TOprocentigem Alkohol übergössen und mehrere Ta^e damit in Beriihruno- gelassen. Die Tinc- tur färbt nicht gerade stark, aber sehr discret. Carmin- saures Ammo- niak in Pulver- form. die übrigen Bestandtheile in den Kirschroth bis Dunkelroth ge- 28) P. Mayer. Ueber die in der Zoologischen Station zu Neapel gebräuch- lichen Methoden zur mikroskopischen Untersuchung. (Mitth. a. d. Zool. Stat. Neapel Bd. II p. 1 bis 27). 29) Czokor. 70 g Cochenille. 7-0 g gebrannter Alaun Die CocheuiUe-Car- zusammen in einer Reibschale fein veri'ieben. minlösung. (Arch. 1 Dazu 700 g Aq. dest. Das Ganze zum Sieden mikrosk. Anat. Bd. ' gebracht und auf 400 g eingekocht. Nach dem XVIII p. 712). ; Abkühlen wii'd eine Spur Carbolsäure [zur besseren Conservirung] zugesetzt imd dann filtrirt [vielleicht mehrere Male]. Die Flüssig- keit ist violett, hält sich etwa ein halbes Jahr und muss dann wieder filtrirt und mit Carbol- säure versetzt werden. Für alle Gewebe und nach allen Erhärtungsmethoden. Ausgezeich- netes Kernfärbemittel. Die Kerne nehmen etwa den Ton des Hämatoxylins an, M'ährend verschiedenen Nuancen von färbt werden. (In der That der beste Ersatz des carmin- sauren Ammoniak und als Kernfärbemittel diesem vorzuziehen. Es ersetzt besonders das Hämatoxylin und kann für die gewöhnlichen Zwecke allen anderen Tinctionsmitteln, be- sonders auch den Anilinfarben, vorgezogen werden. Besonders eignet es sich auch für Anfänger, für die Laboranten in den Instituten und für die mikroskopischen Curse. Für das Centralnervensystem ist es nur zu verwenden, wenn es auf die alleinige Darstellung der Kerne ankommt. Die Nervenzellen und ihre Ausläufer treten nicht hervor. Ein Uebelstand ist, dass sehr oft. besonders im Sommer, Nie- derschläge erfolgen. Ich filtrire daher fast regel- mässig vor dem Gebrauch). 30) Hoyer. h. hält mit Recht ein Trockenpräparat Beiträge zur histo- , des carminsauren Ammoniak, das sich jeden logischen Technik, j Augenblick in ganz bestimmter Menge ver- (Biol. Centralbl. Bd. wenden lässt und unbegrenzte Zeit hindui-ch II P- I'^)- ; aufbewahrt werden kann, für ein dringendes Bedürfniss. Um es herzustellen, löst er 1 g Carmin in 1 bis 2 cc starker Ammoniakfiüssig- keit imd 6 bis 8 cc Aq. dest., erwärmt so lange, bis das überschüssige Ammoniak sich verflüchtigt hat. [IVIan merkt dies daran, dass beim Sieden keine grossen Blasen mehr er- scheinen, sondern kleine. Auch wird die Flüssigkeit mehr hellroth]. Nach dem Erkalten wird filtrirt, und man erhält eine neutrale Lö- sung, welche mit ein oder mehr Procent Chlo- 90 Gierke: Färberei zu mikroskopischen Zwecken. I, 1. Carmin- saures Natron in Pulver. 31) Maschke. ralhydrat versetzt, aufbewahrt und wie ge- wöhnlicher Ammoniakcarmin verwendet werden kann. Die Lösung wird nun mit dem 4- bis Gfachen Vol. starken Alkohols versetzt. Ein hellrother massenhafter Niederschlag fällt aus. Dieser wird durch Abfiltriren gewonnen , ge- waschen und getrocknet und kann nun als Trockenpräparat dienen. Durch Zusatz von Alkohol mit etwas Gly- cerin und Chloralhydrat vermischt, kann man das Pulver in eine Paste verwandeln, die eben- falls sehr haltbar ist. Beide Präparate be- stehen aus vollkommen neutralem carminsauren Ammoniak. Sie besitzen eine ausgezeichnete Färbekraft und sind sehr bequem. (Eine vonHoYEu selbst dargestellte Probe wirkte als Tinctionsmittel sehr gut, von ihm an Geheimrath Heidenhain übersandte Prä- parate des Rückenmarks Hessen kaum etwas zu wünschen übrig. Durch den Handel be- zogenes, nach Hoi-ee's Vorschrift gefertigtes Carminpräparat war sehr viel geringwerthiger und hatte lange nicht die Tinctionsfähigkeit wie gutes gewöhnliches Carminammoniak). (Herr Apotheker Maschke in Breslau hat sich in letzter Zeit sehr viel mit Experi- menten im Interesse der Carminfärbung be- schäftigt. Er stellte verschiedene Carminprä- parate her. darunter carminsaures Natron in trockener Form. Mit diesem habe ich in letzter Zeit sehr viele Tinctionsversuche angestellt und fand, dass es nach Zusatz eines Ammon- salzes in sehr geringer Menge, z. B. des doppeltkohlensauren Ammoniak [ich halte eine gesättigte Lösung desselben vorräthig und füge beim Gebrauch auf eine kleine Uhrschale Car- minlösung 2 bis 5 Tropfen dieser Lösung hin- zu] ausgezeichnete Dienste leistet. Es lässt sich genau in gleicher Weise verwenden wie carminsaures Ammoniak nnd hat dieselbe Wir- kung. Es ist aber selbstverständlich viel be- quemer zum Gebrauch und hat den Vortheil, dass man bestimmte Quantitäten verwenden kann. Dies Präparat wie das HovER'sche eignen sich deshalb auch besonders für Doppelfär- bungen, zumal für Pikrocarminlösungen. Dem käuflich erworbenen HoYER'schen ziehe ich es aber entschieden vor). 1882 Ich lasse nun noch einige Carminpräparate folgen, von denen ich wohl den ersten Hersteller und Empfehler auzufiihreu vermag, ohne aber Jahres- zahl und Ort der Empfehlung angeben zu können. Einige von ihnen gehören zu den bekanntesten Carminpräparaten. 1, 1. Gierke: Färberei zu mikroskopischen Zwecken. 91 Essig- saurer Carmin. Neutrale Carrnin- färbung. Carmin- roth. ' 32) Frey. Das Mikroskop und die mikroskopische Technik. 7. Aufl. Leipzig 1881. (In der 3. Aufl. 18G8 noch nicht ange- geben). 33) Pei-ls. Nach mündlicher Mittheilung an Frey. In dessen .das Mikro- skop und die mikro- skopische Technik' 7. Aufl. 1881. 34) Rollet. Präpa- rate in Ameisen- säure zu waschen. 35) Ranvler. F. löst den Carmin 'gleich in der Essig- säure, setzt dann Wasser zu und öltrirt. P. findet, dass der gegenwärtig im Handel vorkommende Carmin (jedenfalls nicht alle Sorten. Von meinen besten Sorten löste sich so gut wie nichts in Wasser) an Wasser ge- nügenden Farbstoff abgiebt, um damit 2U fär- ben. Als gute Bereitiuigsweise wird empfohlen : Gepulverter Carmin wird auf dem Wasser- bade mit kleiner Flamme leicht gekocht und eine Stunde stehen gelassen. Dann wird filtrirt. Zuerst bleibt das Filtrat noch trübe. Man giesse daher dasselbe noch einmal auf dasselbe Filter, bis die Poren desselben sich etwas verstopfen und das Filtrat klar und schön roth wird. Die Flüssigkeit soll besonders Chi-omsäurepräparate besser färben als das carminsaure Ammoniak. (Ich kann diese Carminflüssigkeit dem guten und richtig angewandten carminsauren Ammoniak oder Natron durchaus nicht gleich stellen. Man erreicht keine discreten Fär- bungen). R. empfiehlt zum Färben das Carminroth in Wasser gelöst. (Kocht man die gewöhjüiche Carminsaure mit verdünnter Schwefelsäure, so zerfällt sie in einen nicht gährungsfähigen Zucker und in eine dunkelrothe Masse, das Carminroth CiiHijO-. Dies ist in Wasser und Alkohol leicht löslich. Es hat durchaus keine Vortheile vor der Carminsaure). R. empfiehlt, um diffuse Carmin färbungen distincter zu machen, die Schnitte anstatt in Essig- oder Salzsäure, in Ameisensäure zu bringen [Glycerin 100, Ameisensäure 1]. (Den zahlreichen in dieser Zusammen- stellung vorkommenden Einwänden gegen den Gebrauch des carminsauren Ammoniaks muss ich noch einmal entgegnen: 1) Ich habe concentrirte Lösungen desselben Jahre hindurch aufbewahrt, ohne dass Fäulniss auf- trat. Ich besitze noch einen kleinen Rest einer vor 8 Jahren angefertigten Lösung. Freilich stammten dieselben von vorzüglichem, vor vielen Jahren fabricirtem Carmin. 2) Die Färbungen gelingen, wenn man die früher erwähnten Vor- schriftsmaassregehi beachtet, vorzüglich. Gerade auch die Chromsäurepräparate tingiren sich leicht. 3) Das ]\Iisslingen beruht meistens auf der Methode oder auf der schlechten Qualität 92 Gierke: Färberei zu mikroskoynsclien Zwecken. I, 1. Carmin- saures Ammo- niak mit Uran- salzen. des Fabrikats. 4) Ein geringer Zusatz von Ammonsalzen [vielleicht auch anderen Salzen] erhöht die Wirkung ungemein und ist viel- leicht für dilferente Tinction nothwendig. In der alten ammoniakalischen Carminlösung be- findet sich bereits kohlensaui'es oder doppelt- kohlensaures Ammoniak, da das überschüssige Ammoniak sich mit der Kohlensäure der Luft verbunden hat). Obgleich, wie man aus meiner Zusammen- stellung ersieht, wahrlich genug Vorschriften für Carmintinctionen existiren und besonders viele Vorschriften, die man ohne jeden Schaden entbehren könnte, will ich hier dennoch eine anreihen, die ich bei Untersuchungen des Centralnervensystems in früheren Jahren viel angewendet habe. Sie empfiehlt sich beson- ders auch dann, wenn sich das Material nach allzulangem Liegen in Alkohol nach der Er- härtung in Chromsalzen, oder auch nach zu starker Einwirkung der Chromsäure in der Carminlösung allein nicht genügend tmgirt. Ich lege nämlich die Schnitte für 24 Stun- den in eine Iproccntige Lösung [wässerige] von salpetersaurem oder schwefelsaurem [ebenso gut ist auch salzsaures] Uranoxyd, wasche sie gut in Wasser ab [dies ist sehr nöthig, sonst fällt Carmin aus und die Körnchen beschmutzen die Schnitte], und bringe sie für 10 bis 24 Stunden in sehr verdünnte ammoniakalische Carminlösung. Die Präparate, welche durch das Uransalz nur leicht gelblich oder grünlich tingirt waren, färben sich dunkelpurpurn, die Kerne treten etwas deutlicher als bei der Färbung mit Carmin allein hervor, die Nerven- zellen und deren Fortsätze kommen ungemein schön hei-aus. Für andere Organe eignet sich die Methode zwar auch, hat aber da keine Vortheile vor der einfachen Färbung. Man kann auch eine dunkelpurpurfarbene Tinctions- flüssigkeit herstellen, indem man zu einer ver- dünnten Lösung des carminsauren Ammoniak etwas von einem der genannten Uransalze [1 : 100] hinzufügt und nach einigen Stunden filtrirt. Diese Flüssigkeit färbt Schnitte des centralen Nervensystems gleichfalls sehr inten- siv und discret. Ich ziehe aber die erster- wähnte, umständlichere Methode vor. (Carmin wird ausserordentlich oft für Doppelfärbungen benutzt. Siehe dort). 1872 1, 1. Gierke: Färberei zu mikroskopisclien Zwecken. 93 II. Hämatoxylin. Farbstoff des Campeclieliolzes. Wässe- rige Lö- sung des Farbstoffs aus Cam- pechehoh. Häma- toxylin mit Alkohol u/nd Alaun. 3G) AValdeyer. Untersuchungen über den Ursprung und den Verlauf des Achsen cylinders bei Wirbel thieren und Wirbellosen. Hexi.k und Pfeufer's Zeit- schr. f. rationelle Med. 3. Reihe Bd. XX p. 200). 37) Böhmer. Aerztl. Intelligenzb. f. Baiern 1865. No. 38. Häma- toxylin ohne Alaun. 38) Frey. j Die Hämatoxylinfär- bung. (Arcb.mikrosk. Anat. Bd. IV p. 345). W. probirt. den Achsencylinder der Nerven- fasern ausser mit Carmin und Anilinfarben auch mit den Farbstoffen der Alcannawurzel. I des Fernambuk- und des Campecheholzes zu fär- ' ben. Er erhält aber nur mit der Alcannaflüssig- i keit Resultate. Die wässerigen Extracte der bei- : den Farbhölzer färben zu Vieles , ausser dem i Achsencylinder auch das Nervenmark. Er kann daher diese Stoffe nicht empfehlen. 1) Hämatoxylin in Krystallen 0-35 g, Ale. absol. 100 g [Dunkelbraune, nicht dem Ver- derben ausgesetzte Flüssigkeit]. 2) Alumen depur. O'IO g, Aq. dest. 300 g. — Von der ersten Lösung werden einige Tropfen je nach der Stärke der gewünschten Concentration zu der zweiten zugegeben. Es entsteht eine tief blauviolette Flüssigkeit. (Man hält am besten die alkoholische Flüssig- keit für Jahre vorräthig. Auch die fertige Tinctionsflüssigkeit darf man nicht frisch ver- wenden, da die Präparate dann zu sehr nach- dunkeln. Man lässt sie vielmehr am Licht stehen, bis sie nicht mehr dunkler wird, d. h. mindestens 3 bis 4 Tage. Diese Flüssigkeit verdirbt nicht leicht, doch muss sie öfter, be- sonders im Sommer filtrirt werden. Die Vor- behandlung der Präparate ist gleichgültig, sie färbt ebenso energisch und schnell die in Chromsäure wie die in Alkohol erhärteten Präparate. Man hat sehr aufzupassen, um Ueberfärbung zu verhüten. Zwar kann man in diesem Fall mit Säuren [besonders Essig- säure] auswaschen; die Präparate sind dann aber weniger haltbar. Der Fehler des Tinctions- mittels liegt überhaupt darin, dass die Präparate, zumal die in Chromsäure erhärteten, im Lauf der Jahre verblassen). F. empfiehlt sehr die neue BönMER'sche Hämatoxyliiitinction. Für Präpai'ate. welche in Chromsäure, doppelt chromsaurem Kali und Kupfervitriol gehärtet sind, kann man die Lösung ohne Alaun anwenden. Die alkoho- lische Hämatoxylinlösung träufelt man einfach in Wasser imd färbt hiermit. F. meint, dass die Färbung der Chrompräparate auf dem Princip der von Levkauf in Nürnberg ausge- gebenen Schreibtinte beruhe. [Siehe Wagner's ehem. Technol. 3. Aufl. p. 532]. 1863 94 Gierke: Färberei zu niiki'oskopischen Zwecken. I, 1. Häma- toxylin zur Tinc- tion der animalen Wluslieln. Cam- peclieholz- Extract mit Alaun und Alko- hol. Häma- toxylin- präparate mit Salz- säure be- handelt. Häma- toxylin mit (Jhlor- calcium und Alaun. 39) Merkel. Der quergestreifte Muskel. (Arch. mi- krosk. Anat. Bd. IX p. 293). 40) Arnold. Logwood as a stain- ingmaterial for anim- al tissues. (Quart. Journ. Microsc. 1873 p. 86). 41) Lawson Talt. Journ. of Anat. a. Physiol.vol.IXp.250. 42) Kleinenberg. Angegeben in „Grundzüge der Ent- wicklungsgescliichte der Thiere" von FusTEK und Balfour deutsch von Ki.einen- BEEG Lpz. 1876. Cam- \ 43) Allej re Cook. pecheholz- ' Note on logwood extract staining Solution mit Alaun (Journ. of Anat. a. U.Kupfer- ■. Physiol. vol. XIV Vitriol. P- 140). M. fand , dass Blauholzextract ein sehr empfiiulliches Reagenz auf alles Doppelt- brechende in der Muskelfaser sei. Einfach- brechendes bleibt ungefärbt. Campecheholz mit 3fachem Vol. Alaun zerrieben. In Wasser ausgezogen und mit 74 seines Vol. mit 25procentigem Alkohol ver- setzt. (Kann das BüHMER'sche Hämatoxylin nur in dem Fall ersetzen, dass keine Krystalle zuj haben sind). L. T. empfiehlt, die Präparate nach der Hämatoxylinfärbung mit 4procentiger Salpeter- säure zu behandeln. Die Kerne erscheinen dann braun auf kirschrothcm Grunde. (Die Präparate sind durchaus unbrauch- bar für das Aufbewahren, da sie abblassen). Die Ki>EiNENBEKG'sche Hämatoxylinlösung wird folgendermaassen hergestellt : Man macht 3 Lösungen: 1) Eine gesättigte Lösung von krystallisirtem Chlorcalcium in 70" Alkohol, dem noch so viel Alaun, als sich lösen will, hinzugefügt wird. 2) Eine gesättigte Lösung von Alaun in 70" Alkohol. Diese zweite Lösung wird mit der ersteren in dem Ver- hältniss von 8 : 1 gemischt. 3) Eine concen- trirte Lösung von Hämatoxylin [Krystalle] a) in Alkohol oder b) in der Lösung 1. Von der Hämatoxylinlösung a oder b werden einige Tropfen zu der Mischung aus 1 und 2 ge- geben. (Für Embryonen besonders, für die sie zunächst empfohlen wird, leistet sie gute Dienste). Blauholz- (Logwood-) Extract 6 Th., Alaun 6 Th., Kupfervitriol 1 Th., Aq. dest. 40 Th., Thymol 1 kleiner Krystall. — Die ersten drei Bestandtheile werden in dem angegebenen Verhältniss zusammen in einem Mörser gut verrieben. Dann so viel Wasser hinzugesetzt, dass eine dünne Paste entsteht. Zwei Tage lässt man unter gelegentlichem Umrühren stehen, dann wird iiltrirt, und zum Conser- viren ein kleiner Krystall Thymol hinzugesetzt. — Die Lösung färbt frische und in Alkohol gehärtete Präparate. Für Chromsäureniaterial sind zu benutzen 8 Tropfen obiger Tinctur auf 120 Tropfen Aq. dest. und 1 Ti-opfen einer Iprocentigen Lösung von doppeltchromsaurem Kali. Für den Einschluss in Harzen sind die Präparate stark in absolutem Alkohol auszu- waschen, damit sie nicht ausbleichen. (Bleichen mit der Zeit doch mehr oder minder. Der Tropfen einer so verdünnten Lösung von doppeltchromsaurem Kali ist voU- 1872 1873 1875 1876 1879 I. 1. Gierke: Farberei zu mikroskopischen Zwecken. 95 Hüina- toxylin mit Chlor- calciiim und Alaun. Ghjcerin- Hämn- toxylin. Häma- toxylin mit Chlor- alumi- nium. Häma- toxylin mit alko- holischer Alaun- lösung. Häma- toxylin mit Alaun und Glycerin. 44) P. Älayer. Ueber die in der Zoologischen Station ! zu Neapel gebräuch- ' liehen 5lethoden zur mikroskopischen Untersuchung. (ilitth. d. Zool. Stat. Neapel Bd. IV p.l). 45) Renaut. Sur le uiode de prc- paration, et l'emploi de Teosine et de la glycerine hämatoxy- lique en histologie. (Arch. de Physiol. 1881, p. G40). 46) Dippel. Das Miln-oskop 2. Aufl.. 1882, Bd. I p. 719. 47) Friedländer. ^likroskopische Technik. Berl. 1882, p. 43. kommen gleichgültig, da ihm nicht die geringste Einwirkung zuzuschreiben ist. Das Salz kommt in einer 1300(Wfachen Verdünnung zur An- wendung). M. empfiehlt die KLEiuENBERG'sehe Me- thode der Hämatoxylinfärbung sehr. Er modi- ficirt die Vorschriit in ganz geringer Weise: 1 Vol. einer ganz conc. Lösung von Chlor- calcium und Alaun in 70" Alkohol wird noch mit 6 bis 8 Voll. 70" Alkohols verdünnt. In diese Losung giebt man beim Gebrauch je nach der gewünschten Concentration eine beliebige Anzahl von Tropfen einer ganz concentrirten Lösung von Hämatoxylinkrystallen in absolutem Alkohol. Vollkommen neutrales, recht dickflüssiges Glycerin wird mit Alaun gesättigt. Dazu Tropfen für Tropfen etwa V4 so viel concen- trirte alkoholische Hämatoxylinlösung. Ist zu viel Hämatoxylin zugesetzt, so trübt sich die Flüssigkeit, und man muss so lange Alaun- glycerin zusetzen, bis die Trübung aufhört. Dann zu filtriren. IMan bewahrt zunächst so auf, dass Licht zutreten kann, bis nach einigen Wochen kein Alkoholgeruch mehr wahrzu- nehmen ist. Dann wird nochmals filtrirt und nun kann die jetzt sehr haltbare Lösung ge- braucht werden. In 5 bis 10 Minuten färben sich die Präparate. Rexai t schliesst dieselben in einem Tropfen der Färbeflüssigkeit ein. (Das letzte Verfahren habe ich bei einigen Schnitten versucht. Die Präparate sind jetzt d. h. zwei Jahre nach der Anfertigung, noch ebenso intensiv gefärbt wie früher, das Glyce- rin ist entfärbt; und so sind sie recht gut. Anfänglich aber verhinderte die gleichfarbige Einschlussmasse ein scharfes Durchforschen des Schnittes). D. vereinfacht die Methode von Kleinen- üERG und stellt eine im Principe gleiche Lö- sung her. Gesättigte alkoholische Lösung von Chloraluminium mit 6 bis 8 Voll. 70procentigem Alkohol verdünnt. Alkoholische Hämatoxylin- lösung zugefügt. Auch eine Mischung von alkoholischer Alaun- und Hämatoxylin -Lösung, beim Ge- brauch mit 50- bis 70procentigem Alkohol oder auch Wasser verdünnt, gebraucht er. F. giebt in seiner kurzen Anweisung zur pathologisch - mikroskopischen Untersuchung eine Vorschrift, die sich von der obigen von Renaut eigentlich nur dadurch unterscheidet, dass er bestimmte Volumenzahlen angiebt. Sie lautet: Hämatoxylin 2-0 g. Alkohol 100-0 g, 1882 96 Gierke: Färberei zu mikroskopischen Zwecken. I, 1, Aq. dest. 1000 g, Glycerin 1000 g, Alaun 2-0 g. (Hämatoxylin wird ausserordentlich häufig zu Doppelfärbungen benutzt. Siehe dort). Ohne Angabe der Zeit der Empfelihmg. Wässe- rige Hä- matoxy- linlösung mit Alaun 48) Rindfleisch. Concentrirte wässerige Lösung von Hä- matoxylin und eben solche von Alaun. Beim Gebrauch von ersterer zur zweiten gegossen. ni. Molybdänsaures Ammoniak. Molyb- dänsaures Ammo- niak. Molyb- dänsaures Ammo- niak. 49) Merkel. VON Henle in sei- nem Handbuch der Nervenlehre des Menschen Brschwg. 1871 (Bd. HI d. Handbuch d. Anat. d. Menschen) mitge- theilt. 50) Krause. 1 Vol. einer ganz concentrirten Lösung von molybdänsaurem Ammoniak wird mit 1 oder 2 Voll. Wasser verdünnt, und 1 Messer- spitze Limatura ferri hinzugesetzt. Dann träufelt man langsam unter stetem Umrühren so viel officinelle Salzsäure zu, als nöthig ist, nm eine tief dunkelblaue, fast schwarze Fär- bung hervorzurufen. Der im Anfang des Säurezusatzes entstehende weisse , wolkige Niederschlag ist unschädlich und löst sich beim Umrühren wieder auf. Wird die Flüssig- keit aber braun statt blau, so ist sie un- brauchbar geworden. Die Lösung lässt man etwa 10 Minuten stehen und filtrirt dann. Besonders geeignet für Centralnervensystem, zumal verlängertes und Eückenmark. In 6 bis 15 Stunden sind die Schnitte gefärbt. In den Handbüchern der mikroskopischen Technik [z. B. Frey 7. Aufl., v. Thanhoffer, DippEL 2. Aufl.] wird Krause als Erfinder einer Methode, mit molybdänsaurem Ammoniak zu färben, angeführt. Er färbt in einer wässe- rigen Lösmig desselben von 5 Procent in etwa 24 Stunden. Die Färbung tiefblau. Durch 1- bisl'öprocentige Gerbsäure oder 20procentige Pyrogallussäure kann man die Schnitte nach- träglich braun färben. Er empfiehlt die Tinc- tion für Nervenapparate, Drüsen- und Flimmer- zellen. 1871 I, 1. Gicrke: Färl)erei zu mikroskopischen Zwecken. 97 IV. Krappfarben. Krapp- Fütte- rung. Krapp- Fütte- rung. Alizarin. Alkoho- lische Alizarin- lösung. wiss. Marbg, 51) Lieberkülin. MLTi.i.ER'sArcli.lS64. u. Ueb. d.Wackstluim des Unterkiefei's u. der Wirbel (Sitzber. d. Ges. z. Beförde- rung der ges. Natur- 18G7 No. 10). 52) Kölliker. Die normale Resorp- tion des Knochenge- webes. Lpzg. 1873. 53) Lieberkülin. 1) üeber die Ein- wirkiuig von Aliza- x'in auf die Gewebe des lebenden Kör- pers. (Marburger Sitzungsber. 1874, p. 33) u. 2) Ueber das Verhalten des Alizarin (1. c. p. 77). L. fütterte lebende Thiere mit Krapp ! 1864 zum Zweck des Studiums des Knochenwacbs-;, 1867 thums, da der Farbstoff mit der neu sich bildenden Knochensubstanz sich verbindet. K. benutzt Krapp zu demselben Zweck. Nach Fütterung von Tauben mit Krapp verband sich der Farbstoff mit den Kalksalzen der Knochen und nicht mit der organischen Grundsubstanz derselben. ]Man kann diese da-i her durch Kochen in Natronlösung entfernen, | ohne dass die Färbung leidet. Auch dui'ch Injection einer öprocentigen neutralen Lösung ^ von Alizarinnatrium in das Blut junger und alter Himde erzielt man Färbungen ; bei jungen] Thieren werden die ganzen Knochen, bei alten j nur die Innenflächen roth. Es findet einej chemische Verbindung des Farbstoffes mit dem [ phosphorsauven Kalk des Knochens statt, wäh-l rend der kohlensaure Kalk unberührt bleibt. 1 Aus dem Blut verschwindet das Alizarin sehr schnell; am dritten Tage ist es nicht mehr nachzuweisen. Ebenso tixirt es sich nicht in anderen Organen. Es geht in alle über und färbt sie, aber nur für einige Zeit, indem es wieder ausgeschieden wird. Es geht dabei in Lymphe, Galle, Speichel, Ham und Koth über. 54) Strelzoff. Bestätigung der Angaben Lieberkühn's, Genetisch - topogra- dass der Farbstoff des Krapp sich an die an- phische Unter- \ organische Substanz des Knochens bindet, suchungen des Kno- chenwachsthums. (Unters, a. d. pathol. Inst, zu Zürich, her- ausg. von Eberth. 1874, H. 2 p. 83). 55) Benczur. v. Tuanhoffer führt eine concentrirte al- An gegeben in koholische Lösung von Alizarin als von Benczcr V. TiiANHOFFER : Das für die Fäi'bung des Centralnervensystems an- Miki'oskop und seine ; gegeben an. Die Schnitte bleiben 24 Stunden Anwendung. | in der Lösung. Die Zellen und Axencylinder j der Präparate werden bräunlichroth gefärbt. I Die Zellkörper , Zellkerne und das ' Kern- körperchen , ebenso der Axencylinder wer- 1 den scharf tlifferenzirt. Zeitschr. f. wis9. Mikroskopie. T. 1. 98 (iicrke: Färberei zu mikroskopischen Zwecken. I, 1. Purpu- rin. 56) Ran vier. Des applications de la purpurine äl'histo- logie (Arch. d. Phys. 1874. p. 761). Purpurin mit Glyce- rin ohne Alkohol. 57) Grenadier. Nach den mikrosko- pischen Handbü- chern. 1874 Purpurin wird in kochender Alaunlösimg (1 : 200 Aq. dest.) aufgelöst. Dieser Flüssig- , keit wird dann V4 ihres Volumens Alkohol von ! 36" (wohl nach Cviitiee, gleich 90" nachTüAL-' LEs) zugesetzt. Die Lösung ist schön orange- i roth. Es färben sich in ihr die Kerne der Knorpel, das Bindegewebe, Cornea, Sehnen, Periost und die Knochen ganz intensiv. Die Grundsubstanz bleibt ungefärbt. Sehr zu empfehlen ist es für Rückenmark, das in doppeltchromsaurem Am- moniak gehärtet ist; Präparate dagegen aus Chromsänre und MüLLEß'scher Flüssigkeit fär- ben sich nicht gut. Im Rückenmark färben sich die Kerne des Bindegewebes und der Ca- pillaren roth, während die Kerne der Nerven- zellen farblos bleiben. Es ist daher ein IVIittel, Nerven- und Bindegewebe zu unterscheiden. I In eine Mischung von ganz reinem oder ? wenigstens sehr wenig verdünntem Glycerinl und 1 bis 3 Procent Alaun wird das Purpurin, eine Messerspitze auf 50 cc jener Flüssigkeit, gegeben. Nach 2- bis Stägigem Stehen zu liltriren. Der Vortheil gegen Ra.nvier's Purpurin- 1 lösung soll darin bestehen, dass sie sich länger hält und keine Niederschläge ausfallen. Sie | färbt in 10 bis 30 Minuten. V. Verschiedene Farbstoffe. Alcdnna. Weingei- stiger Auszug d. Alcanna- wurzel. Lal'iiius. 58) Waldeyer. Ueber den Ursprung und Verlauf des Axencylinders bei Wirbelthieren und Wirbellosen (Zeit- schr. f. rat. Med. herausg. v. H;:ni.e u. Ppeufer, 3. Reihe Bd. XX H. 3. 59) Dippel. Das Mikroskop 2. Aufl. p. 721. Hartlg. Siehe No. 2. W. empfiehlt eine wässerige Lösung des Farbstofi's der Alcannawurzel, um den Axen- cylinder der Nervenfasern isolirt in seinen Scheiden zu färben. Auch Alcanna in Ter- l^enthinöl leistete ihm gute Dienste, indem das Mark erblasste , der Axencylinder roth wurde. D. führt die weingeistige Alcannatinctur als Tinctionsmittel der Pflanzenhistologie an. Sie dient besonders zum Nachweis der Harze und der Fette, welche sie blutroth färbt und des Protoplasmas, welches sich rosa tingirt. Er meint, dass sie sich auch für die thieri- schen Gewebe empfehlen würde. Findet, dass es wie der Carmin sich in den Zellkernen der Pflanzen anhäuft. 1863 1882 1854 I. 1. Gierke: Färberoi zu mikroskopiscben Zwecken. 99 GO) Lawsoii Tait. On tlic freezing pro- cess for section-cutt- iiiü: and on varinus metbods of staining and moiinting sec- tions. (Journ. ot' Anat. a.Phys.vol.IXp.250). BotUolü- extract. ' L. T. verwirft die Anilinfarben und das „unzuverlässige" Carmin gänzlicli und emptlelilt am meisten Lakmus. Folgendes ist seine Voi'- schrift: Lakmuspulver in Wasser gekocht und tiltrirt, dann mit etwas Alkohol versetzt. Die tingirtcn Schnitte werden gieichmässig tief blau. Durch Zusatz einer sehr geringen Menge Salpetersäure wird die Farbe braunroth. Jetzt j wird der Schnitt schnell tüchtig gewaschen. ' Dann zeigt er die Kerne noch blau, das übrige Gewebe blass rosenroth. "Wässeriger oder alkoholischer Extract der Blätter des Rothkohles kann mit dem gleichen schönen Erfolg benutzt werden. Durch Zusatz von Ammoniak wird die Farbe glänzend grün, von Säuren purpurn. (Jedenfalls nur Augenblickspräparate. Zum ' Aufbewahren nicht geeignet). | 1875 Qiiinolein und Cyanin siehe unter Anilinfarben. VI. Indigschwefelsaures Natron (ladigcarmin). Indig- carmin in Oxal- säure- lösung. i.ER (Ar eh. mikr. Anat. Bd. I). 61) Thiersch. } Gesättigte Lösung von Indigcarmin in Lijectionsmassen von Oxalsäurelösung (1:22 bis 30 Aq. dest). Nach TinERscn u. W. Müi,- Belieben mit Weingeist zu venlünnen. Con- centrirt färbt es in wenigen Stunden intensiv blau. Die Kerne und Zellleiber werden tin- 1 girt. Der üeberschuss kann in alkoholischer Oxalsäurelösung ausgewaschen werden. Indig- carmin in den Körper lebender Thiere ge- bracht, wii'd von den Gewebselementen auf- genommen mid wieder ausgeschieden. Trotz- dem, dass wir es hier nicht mit einer Tinc- tion zu tbnn haben, lasse ich der Verwandt- schaft des Processes und seiner grossen Wich- tigkeit wegen die reiche Literatur hier folgen, ohne aber dieselbe zu analysiren. 62) Chrzonsz- czewski. 1) Centralbl. f. d. med. Wiss. 1864, No. 38. 2) Arch. pathol. Anat. Bd. XXXV p. 135. 63) Diaconow. In den Magen oder in Blut gebrachter Medicinisch - chemi- Indigcarmin wird von den Secretionszellen , sehe Untersuchun- der Leber und der Niere aufgenommen und gen hrsg. v. Hoppe- ausgeschieden. Andere Gewebe nehmen den Seyi.er. Berlin 1867, Farbstoff nicht auf, er geht auch nicht in die H 2 p. 245. Lymphe oder das Blutserum über. ; 7* 1865 C. begründet diese Methode, indem er! 1864 den Farbstoff in das Blut lebender Thiere 1866 spritzte und die Ausscheidung desselben in die Gallencapülai'en studii-te. 1867 100 Gierkc: Färberei zu mikroskopischen Zwecken. I, 1. 64) Heidenhain. 1) Arch. mikrosk. Anat. Bd. X p. 30. 2) Arch. f. d. ges. Phys. Bd. IX p. 1. Harns ausscheiden. 3) Hermann, Hand- buch d. Physiologie Bd. V. Physiologie d. Absonderungsvor- gänge p. 345. H. benutzt den Farbstoff in obiger Weise, um nachzuweisen, dass die Stäbchenzellen der gewundenen Harncanälchen der Niere die ge- lösten Stoffe, die Glomeruli das Wasser des 65) Arch. f. u. Phys p. 203, 77, 77, 465, 125; med. No. Arnold, path. Anat. . Bd. LXIV Bd. LXV Bd. LXVI Bd. LXVHl Bd. LXXIII Centralbl. f. Wiss. 1875, 41 u. 51. 66) Thoma. Centralbl. f. d. med. Wiss. 1875, No. 2. Arch. path. Anat. u. Phys. Bd. LXIV p. 394. 67) Küttner. Arch. f. path. Anat. u. Phys. Bd. LXV 1874 1875 1875 bis 1878 Die verschiedenen Arbeiten unter 65, 66, 67, 68 und 69 behandeln die Ausscheidung des indigschwefelsauren Natrons in den Kitt- substanzen zwischen den Epithelzellen und in den Saftcanälchen, besonders (65, 68, 69) des Knorpelgewebes. Küttner untersucht die AuS' p. 12, Bd. LXVI »^Scheidung des Farbstoffs in den Kittleisten der ' ' ' " " rLungenalveolen - Epithelien, Zeller (70) die Ausscheidung desselben in einigen Drüsen des Frosches. Den Apparat für die dauernde langsame Injection der Farbstofflösung in die Vena ab- dominalis des Frosches giebt Arnold 1. c. Bd. LXVI. 1875 1876 p. 12. Centralbl. f. d. med. Wiss 1875, No.41. 68) Gerlach. Centralbl. f. d. med. Wiss. 1875, No. 48. Ueber das Verhalten des indigschwefel- sauren Natrons in dem Knoipelgewebe lebender Thicre. Habitationsschritt. Erlangen, 1876. 69) Nykamp. Arch. mikrosk. Anat. Bd. XIV p. 492. 70) Zeller. Arch. path. Anat. u. Phys. Bd. LXXIII p. 257. Indigscliwefelsaures Natron wird auch hier und da für Doppelförbungeu benutzt. Siehe dort. (Schluss folgt in Heft 2). 1877 1878 I.l. Giltay: UcberVeröffentl. neuer Reactioiis- u. Tinctionsmethodcn. lül lieber die Art der VeröfFeiitlicliuiio' neuer Reactions- und Tinctionsmetliodeu. Von Dr. E. Giltay, Assistent am Botanischen Institut der Universität Leiden. Bei der grossen Bedeutung, welche die Mikrochemie für die Natur- wissenschaften hat, werden voraussichtlich immer mehr Reactions- metlioden bekannt und verötFentlicht werden. Die Art und Weise, wie das Letztere geschah, entsprach jedoch nur zu oft nicht dem Interesse Derjenigen, für welche die Veröffent- lichung bestimmt war. Bei der grossen Anzahl von Gegenständen, die man zu verfolgen, Methoden, die man zu versuchen hat, ist es wohl ein von Vielen ge- fühltes Desideratum, dass neue Reactionen, Tinctionsmethoden u. dergl. so präcise als möglich veröffentlicht werden, damit man sich in möglichst kurzer Zeit ein Urtheil über die Anwendbarkeit der betreffenden Methode für den eigenen Zweck bilden könne. Es sollten hierbei z. B. Farbenangaben (wenn sie von Einfluss sind) so correct als möglich geschehen und nicht nach ziemlich wechselndem Sprachgebrauch, sondern unter genauer Angabe aller Einfluss habenden Umstände (z. B. Beleuchtung, Dicke der Licht absorbirenden Schicht) und unter Vergleich mit bestimmten Farbenscalen wie Cheveeul's „Des Couleurs" (Paris, Bailiiere et fils, 1864). Wenn zu einem Reagenz Stoffe verwendet werden, deren Be- nennung über ihre Natur irgend welche Zweifel übrig lassen könnte, dann sollte wo möglich die chemische Formel hinzugefügt werden. Auch wäre dies zu empfehlen mit Hinsicht auf andere Nationen, aus ähnlichen Gründen, aus denen eine Pflanze am zweckmässigsten mit ihrem inter- nationalen lateinischen Namen bezeichnet wird. Wenn von irgend einer benutzten Substanz die chemische Zu- sammensetzung nicht genügend bekannt ist (wie z. B. bei vielen Farb- stoffen), dann sollte immer neben dem Namen auch die Bezugsquelle angegeben werden , weil Fälle vorzukommen scheinen, dass bei ver- schiedenen Fabrikanten unter demselben Namen verkaufte Stoffe in ihrer Wirkung verschieden sind. 102 G i 1 tay : Ueber Veröffentl. neuer Reactions- ii. Tinctionsmethoden. 1, 1. Vor allem jedoch sollten bei Reeeptur und Gebrauchsanweisung Ausdrücke wie „etwas", „ein wenig", „nach Bedürfniss", „einige Augen- blicke" u. s. w. ganz gebannt, und durch genaue Maass-, Gewichts- (resp. specifische Gewichts-) und Zeitangaben ersetzt werden. Es giebt zwar sehr wenige oder gar keine Reagentien, deren Zu- sammenstellung so empfindlich ist, dass eine ganz genaue Abmessung und Abwägung der Substanzen nöthig wäre. Derjenige jedoch, welcher ein Reagenz prüfen will, braucht ein genaues Recept, damit er nicht in der Unsicherheit sich befinde, ob ein etwaiges ungünstiges Resultat von einer verkehrten Auffassung obiger Ausdrücke herrühre. Es thut hier gar nichts zur Sache, ob das Recept innerhalb bestimmter Grenzen in un- endlicher Weise variirt werden könnte, um nichtsdestoweniger ganz gleiche Resultate zu liefern. Wenn die Grenzen angegeben werden könnten, innerhalb denen die Mengen der das Reagenz bildenden Sub- stanzen verwendet werden können, desto besser, denn das Recept wäre dadurch um so vollkommener, und praktisch wäre dabei noch gewonnen, dass man wüsste, in wiefern man, bei der Bereitung nach einem be- stimmten Mischverhältniss , ungenau verfahren könnte. Ist dies aber nicht der Fall, dann sollte hingegen eine Bereitungsweise genau be- schrieben werden, damit man bei der Bereitung Gewissheit habe, dass man nicht über jene Grenzen hinausgehe. Es wird wohl nicht nur ein Wunsch des Verfassers sein, dass in Zukunft Bereitung und Anwendung neuer Reagentien, ausschliesslich in einer solchen, exacten Weise ' beschrieben werden möchten. ') Von den neueren Schriften, die, soweit dies zur Zeit möglich ist, mit dem Wunsche des Verfassers im Einklang sind, sei die Mikrochemie im „Hilfs- buch" von Wilhelm Behrens hervorgehoben; thunlichst sind hier alle genaueren Angaben gesammelt worden. J- 1 Ecfcrate um! Besprechungen. X03 Referate und Bespreeliung^en. 1. Lehr- und Handbücher. Beferent: W. Behrens in Göttingen. Dippel, L., Das Mikroskop und seine Anwendung. Zweite umgearb. Aufl. I. Theil: Handbuch der allgemeinen Mikro- skopie. Braunschweig (Vieweg und Sohn) 1883. XV^III und 1030 pp. 8" mit 579 Figg. und 1 Tfl. 34 M Bis zum Beginn des Jahres 1883 besass man in Deutschland vor- züglich drei Handbücher für Mikroskopie, von denen es schwer war, zu entscheiden, welchem man den Vorrang geben sollte ; sie waren alle in ihrer Weise gut, wenn sie auch von etwas verschiedenen Gesichts- punkten aus geschrieben worden waren ; wir meinen die Werke von Haktixg, Dippkl und Nägeli u. Schwexdenek. Es Hess sich allerdings nicht leugnen, dass viele der in den genannten Werken beschriebenen Methoden, Apparate etc. antiquirt waren, was bei dem rapiden Fortschritt, den die Mikroskopie, besonders in Deutschland, in dem letzten Jahr- zehnt gemacht hatte, nicht Wunder nehmen Hess. — • Es waren zu- mal die bahnbrechenden Arbeiten Prof. Abbe's in Jena, der als Phy- siker und Mathematiker, also mit ganz anderer theoretischer Vorbildung, als sie dem Zoologen oder dem Botaniker gewöhnlich zu Gebote steht, in den letzten Jahren dem Mikroskop und den mikroskopischen Appa- raten seine ganze Arbeitskraft gewidmet hat, und der fast jährlich aus der bekannten ZEiss'schen Werkstätte in Jena neue Apparate hervor- gehen lässt, die in ihrer Einfachheit die Bewunderung des Mikroskopikers erregen. Abbe hat bereits eine Reihe von Artikeln über einzelne Mikro- skoptheile und ihre Theorie in der Jenaischen Zeitschrift, dem Journal of the Royal Microscopical Society, der Zeitschrift für Instrumenten- kunde etc. veröffentlicht, allein die ganze ABBE'sche Mikroskoptheorie war bislang zusammenhängend in ihrer Eigenartigkeit nicht dargestellt 104 Keferate und Besprechixngen. I. 1. worden. Um so dankbarer müssen wir es anerkennen, dass Prof. Abbe sich entschlossen hat, die Exposition seiner gesammten Theorie Prof. DiPPEL fiir das vorliegende Werk zur Verfügung zu stellen, und dass DippEL, sich streng an dieselbe haltend, die ersten Capitel der 2. Auf- lage seines mikroskopischen Handbuchs im ABBE'schen Sinne bearbeitet hat. Schon aus diesem Grunde würden wir jetzt keiuen Augenblick im Zweifel sein, dem neuen DiPPEL'schen Handbuche den Vorrang vor denen von Haeting und Nägeli u. Schwendenek einzuräumen •, allein auch die ganz selbständigen Arbeiten Dippel's in den folgenden Capiteln, die ungemein zahlreichen Erfahrungen eines der gewiegtesten Mikro- skopiker der Neuzeit, welche Dippel vor uns entwickelt, machen das Werk für jeden Mikroskopiker, der das Instrument, mit dem er arbeitet, von Grund aus kennen lernen will, zu einem unentbehrlichen Rathgeber, der ihn wohl selten oder nie im Stich lassen wird. Wir gönnen daher dem Werke von Herzen den Erfolg einer englischen Ausgabe, welche, wie wir hören, in Angriff genommen ist. Es kann nicht die Aufgabe eines kurzen Referates sein, mit dem Inhalte eines so umfangreichen Werkes auch nur in grossen Zügen be- kannt zu machen, vielmehr müssen wir uns hier darauf beschränken, aus dem reichen Inhalte das Eine und das Andere hervorzuheben. Der vorliegende Band ist in vier Bücher getheilt: 1. Theorie der Bilderzeu- gung und Beleuchtung, 2. Das Mikroskop. Theorie und Einrichtung, 3. Hilfsmittel zur mikroskopischen Beobachtung, 4. Gebrauch des Mikro- skopes. — Das erste Buch basirt also gänzlich auf Abbe's eigenartigen bezüglichen Anschauungen •, wir können hier nur einfach auf dieselben hinweisen, denn der Mikroskopiker von heute darf sich diesen An- schauungen nicht mehr verschliesseu, wenn er anders in seinen theore- tischen Ansichten auf der Höhe der Zeit stehen will. Die Ermittelung der Brennweiten der Systeme, der numerischen Apertur, des Corrections- zustandes sind Dinge, die, wie auch in der Vorrede ausdrücklich betont wird, jedem Mikroskopiker geläufig sein sollten. Diese Grundfactoren werden im ersten Buche zunächst theoretisch besprochen, im zweiten kommt dann Verf. auf ihre praktische Ermittelung zurück. — Das zweite Buch bespricht zuerst das einfache, dann das zusammengesetzte Mikroskop in seinen verschiedenen Theilen, nicht ohne vorher nochmals die Theorie jedes Theiles im Speci eilen zu discutiren. Daran schliesst sich die Besprechung des optischen Vermögens des Mikroskopes und dessen Prüfung, worauf dann die grosse Menge der neueren Mikroskope, sowohl der deutschen als der ausländischen Werkstätten, Revue passiren müssen und in ihren einzelnen Theilen, zumal bezüglich derLeistungs- I, 1. Referate und Besprechungen. 105 fähigkeit des optischen Apparates kritisirt werden. Gerade das Letztere macht diesen Abschnitt zu einem ganz hervorragend wichtigen Theile des Ganzen, da er dem Anfänger, welcher sich auf eigene Faust ein Instrument anschaffen will, zuverlässigen Rath ertheilt. — Nachdem sodann die Mikroskope zu besonderen Zwecken und die am Mikroskop anzubringenden und für die Beobachtung mehr oder minder unentbehrlichen Nebenapparate (Beleuchtungsvorrichtungen, iSpectral-, Polarisationsapparate, Camera lucida, Mikrometer) besprochen worden sind, wendet sich Verf. zu den für die Herstellung mikrosko- pischer Präparate nöthigen Hilfsmitteln, zumal der Bereitung der Rea- gentien. Das vierte und letzte Buch informirt sodann über den Ge- brauch des Mikroskopes, sowohl des Instrumentes und seiner Hilfsapparate, sowie über die Anfertigung der zur Beobachtung nöthigen Präparate. Mit grosser Vorliebe und in einer Ausführlichkeit, wie wir sie (das eingangs erwähnte Werk von Nägeli u. Schwendener aus- genommen) in anderen Büchern über Mikroskopie nicht finden, ist zu- mal die Anwendung des polarisirten Lichts bearbeitet worden, obgleich es in der Neuzeit den Anschein hat, als ob die Untersuchungsmethode pflanzlicher Gebilde im polarisirten Lichte, von der man sich seit der ersten bezüglichen Arbeit Hugo von Mohl's in der Botanischen Zeitung so viel versprach , die gehegten Erwartungen nicht erfüllen möchte ; wenigstens findet Ref. bei Verfolgung der botanisch-anatomischen Lite- ratur, dass die in Frage stehende Methode von den Botanikern sehr selten und in fast allen Fällen nur nebenbei angewandt wird, was doch gewiss nicht geschehen würde, wenn man nicht auf andere Weise eben- so gut oder besser zur Erkeimtuiss gewisser Structuren gelangen könnte. 3Iit Recht wird dahingegen den üntersuchungsmethoden im prismatisch zerlegten Lichte sehr grosse Aufmerksamkeit geschenkt; es scheint auch dem Ref., dass diese Methoden für die Botanik noch eine grosse Zukunft haben werden; haben uns doch erst ganz kürzlich die vortrefflichen Untersuchungen Engelmann's gezeigt, dass man jene Methoden zur Lösung gewisser physiologischer Fragen anwenden kann, deren endgiltige Beantwortung von grosser Wichtigkeit ist. Den Schluss des Werkes bilden Anweisungen für das Zeichnen mikroskopischer Präparate und die Herstellung der sogenannten Dauer- präparate. Die Ausstattung sowohl, wie die zahlreichen Abbildungen sind vor- züglich zu nennen. — Der Verf. hat uns die gewiss Viele interessirende Mittheilung gemacht, dass binnen kurzem von ihm ein Grundriss der Mikroskopie, für Anfänger bestimmt, erscheinen wird. 106 Referate und Besprechungen. I, 1. Bachmanu, Otto, Unsere modernen Mikroskope und deren s am mt liehe Hilfs- imd Nebenapparate für wissen- schaftliche Forschungen. München und Leipzig (Olden- bourg) 1883. 344 pp. 8» m. 175 Figg. 6 ifl In schroffem Gegensatze zu dem soeben besprochenen DiPPEL'schen Handbuche steht das vorliegende, wenn überhaupt ein so vortreffliches Werk, wie jenes, mit einem so traurigen Machwerke, wie dieses, ver- glichen werden kann. Der Verfasser, welcher durch sein 1879 er- schienenes Buch „Leitfaden zur Anfertigung mikroskopischer Dauer- präparate" bei nns nicht eben in gutem Andenken steht, hätte das vor- liegende Werk am besten solange ungeschrieben gelassen, bis er sich die nöthigen Vorkenntnisse für die Theorie und die Prüfung des Mikro- skopes angeeignet hätte. Der Schwerpunkt des Werkes gipfelt in dem Abschnitte: Die Mikroskope der Gegenwart p. 154 bis 279, in dem die verschiedenen Mikroskopmodelle der neueren Werkstätten abgebildet sind und ihr Preis angegeben wird. Die Abbildungen sind meist Cliches aus den Preiscouranten der Firmen und die beigegebenen Beschreibungen er- heben sich nicht über diejenigen, welche wir in den erwähnten Preis- couranten zu finden gewohnt sind. Es ist ganz unglaublich und geradezu scandalös, dass in diesem ganzen Abschnitte nicht ein einziges Wort über die Leistungsfähigkeit der von den einzelnen Werkstätten ge- lieferten Objective steht, wodurch sieh gerade der entsprechende Ab- schnitt des DiPPEL'schen Werkes so auszeichnet •, freilich um derartige Angaben zu machen, dazu gehört jahrelange Arbeit und, was ebenso wichtig ist, völlige Vertrautheit mit den theoretischen optischen Vor- kenntnissen. Wenn daher Verf. in der Vorrede über diesen Ab- schnitt selbstgefällig äussert, dass sein „Buch Anspruch auf Originalität machen kann und daher von allen Freunden mikroskopischer Forschung mit Vortheil in Gebranch genommen werden wird", so ist das erste allerdings in trauriger Weise wahr, das letzte wollen wir im Interesse unserer Wissenschaft nicht hoffen. — Die übrigen Capitel „Allgemeine optische Grundsätze, Optische Kraft des menschlichen Auges etc." können wir nach dem oben Gesagten hier mit Stillschweigen übergehen. — Dem Werke ist ein A n h a n g beigegeben : „Verzeichniss der bei mikroskopischen Untersuchungen zur Verwendung gelangenden Reagen- tien, Tinctions- und Imprägnationsmittel, Einbettungs- und Verschluss- mittel, mit Angabe ihrer Herstellungsweise beziehungsweise Zusammen- setzung und ihrer speciellen Verwendung". In für den Verfasser be- zeichnender Weise ist hier Alles bunt durch einander gewürfelt, nämlich I, 1. Referate und Besprechungen. 107 nacli (loni Alpli.ibete geordnet; z. B. : Kanadabnlsam, Karbolsäure, Karmin, Kocirs Methode der Bacterienfärbung, Kochsalz (!). Auch ab- gesehen von der Unvollständigkeit dieses Verzeichnisses schliesst sich dasselbe dem Hauptcapitel des Werkes würdig an. — Vor Ankauf wird gewarnt. Trutsit, Eugene, Traite eleraeutaire du Microscope. Pre- miere partie: Le Microscope et son emploi. XV et 322 pp. 8" av. 171 Figg. et 1 pl. Paris (Gauthiers- Villars) 1883. Der Verf., Conservator am Museum für Naturgeschichte zu Tou- louse, beabsichtigt, in dem vorliegenden Werke eine, elementare Be- schreibung des Mikroskopes sowie seines Gebrauches zu geben, welche zumal für Solche bestimmt sein soll, die, entfernt von Ceutralpunkten der Wissenschaft, bei Erlernung des Gebrauches jenes Instrumentes gänzlich auf sich selbst angewiesen sind. Es" kommt ihm nicht darauf an, vorweg die optischen Gesetze der Lichtbrechung, welche beim Stu- dium des Mikroskopes in Betracht zu ziehen sind, zu entwickeln ; er tritt daher sofort in medias res ein. — Nach einer kurzen historischen Ein- leitung behandelt er in der ersten Hälfte des vorliegenden Bandes die verschiedenen Arten der Mikroskope. Er beginnt mit dem einfachen Mikroskope, beziehungsweise den Loupeu und den Dou- bletts, den verschiedenen Loupenträgern und knüpft hieran die Bespre- chung der hauptsächlichsten Formen des Präpari r mikroskopes (französische Modelle, welche sich von den deutschen wenig unter- scheiden). Vom zusammengesetzten Mikroskope wird zunächst das Objectiv betrachtet, mit Beschreibung der verschiedenen Arten des- selben. Einige Seiten werden auch der Prüfung der Objective und den wichtigsten Testobjecten (Pleurosigma angulatum, Surirella Gemma) gcAvidmet. Bei dieser Gelegenheit schlägt Verf. auch ein bereits von Ranv^er benutztes Probeobject für mittlere Vergrösserungen vor, welches unseres Wissens in Deutschland zu diesem Zwecke nicht benutzt wird, nämlich isolirte Muskelfasern der Flügel von Wasserkäfern: „il faut qu'avec un grossissement superieur ä 300 diametres on y voie les disques sombres alteruativement epais et minces qui les caracterisent". Es folgt die Be- sprechung des Oculars, des Stativs, des Fusses, des Tisches, der Be- leuchtungsdiaphragmen und des Spiegels, des Tubus und der Einstel- lungsvorriehtiingen des optischen Apparates, Beleuchtungsvorrichtungen opaker Gegenstände, der Zeichenprismen, Spectraloculare etc. Sodann 108 Referate und Besprechungen. I. l. werden die Instrumente der wichtigeren französischen Firmen vorge- führt. Im zweiten Buche werden alsdann Regehi für den Gebrauch des Mikroskopes gegeben, wobei auch die Anwendung der Photographie und die Benützung der Projectionsmikroskope nicht ausgeschlossen werden. Zumal was Letzteres anbelangt, finden sich einige zu beach- tende Winke in dem Buche. Schliesslich behandelt der Verf., wie uns scheint, mit einer Vorliebe, die ein längeres Arbeiten auf diesem Gebiete verräth, die Anwendung jener Mikroskope, welche zur Untersuchung mineralogischer und geologischer Objecto dienen. So findet sich auch am Ende des Werkes ein beachtenswerther Anhang: Tableaux dichotomiques pour la determination microscopique des Clements raineralogiques des roches. A 2. Mikroskop und mikroskopische Apparate. Grunow's Camera lucida (Journ. R. Microsc. Soc. Ser. II vol. III, 1883, pt. 3 p. 423 — cfr. Amer. Monthly Microsc. Journ. 1882). Die vorliegende Camera lucida bildet, wie aus der beigegebenen Durchschnittszeichnung hervorgeht, eineCombina- tion der Camera lucida von Doy^re-Milne-Ed- wAEDs und von Prof. Abbe. Von der letzteren hat sie den aus zwei rechtwinkligen Prismen ge- .^%^ bildeten Würfel JL, über dem Ocular, von der __^__ - ersteren das drehbare Prisma H entlehnt. Wir haben, jenachdem wir es ansehen wollen , eine Camera lucida nach Doyeke-Milne-Edwards, bei welcher das einfache kleine rechtwinklige Prisma über dem Ocular durch den AsBE'schen Würfel ersetzt ist, oder eine Camera lucida nach Abbe, bei welcher das grössere Prisma von Doy^re- MiLNE Edwards die Stelle des Spiegels einnimmt. Das mikroskopische Bild wird durch die aus der versilberten Hypotenusenfläche des unteren Pris- mas (vom Würfel) herausgekratzte, %(, engl. Zoll ^=^1*27 mm im Durch- messer haltende Oeff'nung gesehen, während die Spitze des Zeicheustiftes zunächst an der Hypotenusenfläche des Prismas Tl nach dem Würfel A und dann an der innerhalb derselben befindlichen Silberschicht nach dem Oc I. 1. Keferate und Besprecbimgen. 109 Auge hin reflectirt wird. Im Ganzen und Grossen wird man mittels dieses Zeichenapparates die gleiche Wirkung erzielen, wie mittels der älteren Camera von Doyäke-^NIilne-Edwards, während die Stellung des »Spiegels bei der ABBE'schen Camera, wie a. anderem 0. schon von mir berichtet, das Zeichnen auf horizontaler Fläche ermöglicht, ohne dass — selbst an den äusseren Räudern des Sehfeldes — eine merkbare Ver- zerrung eintritt. Um Bild und Zeicheufläche etwa gleich beleuchtet zu sehen, müssteu an dem Instrumentchen, welches allerdings einen kleineren Raum einnimmt als die sonst in jeder Beziehung vorzuziehende AßBE'sche Camera lucida und insofern von Einzelnen dieser vorgezogen werden möchte, übrigens noch entsprechende Rauchgläser, wie bei der AßBE'schen Camera (etwa unterhalb des Prismas B) angebracht w^erden. J)r. L. Dippel. 3. Die Anwendung der Photographie zur Abbildung mikroskopischer Objecto. Beferetii: Professor Dr. B. BenecJce in Königsberg i. P. Der grosse Fortschritt, welclien die Photographie in den letzten Jahren durch die Herstellung äusserst empfindlicher Trockenplatten gemacht hat, und der Umstand, dass solche in vorzüglicher Qualität fertig präparirt zu erhalten sind und sich, ohne zu verderben, Wochen und Monate laug aufbewahren lassen, kann nicht verfehlen, manchen Mikroskopiker, der zwar den Werth der photographischen Darstellung längst erkannte, sich aber zur Erlernung und Anwendung des umständ- licheren feuchten CoUodiumverfahrens nicht entschliessen konnte, zur Benutzung der mikroskopischen Photographie anzuregen. Wie werth- voll gute Photogramme sowohl als Hilfsmittel bei der Arbeit (z. B. Auf- nahmen von Embryonen, die zur Anfertigung von Schnittserien benutzt werden sollen) wie zur Verständigung mit Fachgenossen und zur Illustration von Abhandlungen sein können, bedarf keiner weitläufigen Erörterung. Aber nur in seltenen Fällen ist es möglich, Fachphoto- graphen mit der Anfertigung solcher Aufnahmen zu betrauen, theils der Kosten wegen, und weil es oft unmöglich ist, ihnen ein Verständniss der Objecte beizubringen, theils weil zu solchen Aufnahmen dann immer nur fertig eingeschlossene Objecte würden gebraucht werden können, während der hauptsächliche Werth photographischer Aufnahmen für den mikroskopischen Forscher darin besteht, während der Beobachtung 110 Referate und Besprecliungcu. I, 1. von frischen, uiclit eingeschlossenen Objecten, die sich oft genug schnell verändern, augenblicklich ein genaues Bild zu fixiren. Die grosse Empfindlichkeit der neueren Trockenplatten macht es selbst bei ziem- lich starken Vergrösserungen möglich, auch bei trübem Wetter mit Gas- oder Petroleumlicht zu photographiren, und so ist es natürlich, dass in letzter Zeit eine längere Reihe von Artikeln über Mikrophotographie namentlich in englischen und amerikanischen Journalen nebst einigen selbständigen grösseren Arbeiten erschienen sind. Wir werden über diese neueren Mittheilungen bei der unzweifelhaften Wichtigkeit des Gegenstandes regelmässig kurz berichten und verweisen Diejenigen, welche sich selber praktisch mit der Mikrophotographie beschäftigen wollen, auf Geelach's in Deutschland bahnbrechend gewesene Schrift ' und auf die deutsche Bearbeitung der vortrefflichen Arbeit von Müitessier '^, da ein zu ausführliches Eingehen auf den Gegenstand des beschränkten Raumes wegen hier nicht möglich ist. Eine Eigenthümlichkeit der meistens dilettantischen Mikrophoto- graphen ist es von jeher gewesen, neue Apparate zu erfinden, von denen man nur zu oft sagen muss, dass das Neue daran nicht gut und das Gute nicht neu ist. Das gilt für die meisten der im Folgenden zu be- sprechenden Mittheilungen. Hauer's Phot omicrogr ap hie Apparat u s nennt das Journ. R. Microsc. Soc. Ser. II vol. III, 1883, pt. 4 p. 559 eine kleine, von einem eigenen Träger über einem beliebigen Mikroskop gehaltene Camera ohne jede Eigenthümlichkeit. Die Abbildung ist einer kleinen Broschüre von Hauer „Grundzüge der Mikrophotographie" Leipzig (0. Wigand) 1876 entlehnt. G. Smith's Apparat US for Mi cro -P hoto grap hy , der in dem Brit. Journ. of Photography beschrieben ist, bespricht das Amer. Monthly Microsc. Journ. vol. II, 1883, no. 6 p. 118 als ein „ingenious arrangement". An Stelle einer ordentlichen Camera werden ein Paar in einander verschiebbare Holzkisten angewandt. An dem einen Ende werden Objectiv und Objecttisch, am andern die matte Glasplatte resp. die empfindliche Platte angebracht „in a conveniant way, such as any person can devise". ') J. Gerlach, Die Photograpliie als Hülfsmittel mikroskopischer Forschung Leipzig (Engelmann) 1863. -) Die Photographie als Hilfsmittel mikroskopischer Forschung. Nach dem Französischen von Dr. A. Moitessier bearbeitet und erweitert von B. Bicxecke. ßraunschweig (Vieweg) 1868. I. 1. Referate uiul Besprechungen. Hl White, T. C, Pliotonncrogra])liy (Am. Montlily Microsc. Joiirii. vol. II, 1883, no. 5 p. 81). White placirt das mikroskopisclie Objectiv nebst Objecttisch, zwei Beleiichtiingslinspii und einer Petroleumlampe in einem seitlich mit einer Thlire versehenen Kasten. Eine hinter dem Objectiv angebrachte runde Oeffiiung lässt den Lichtkegel austreten, der dann in dem ganz ver- dunkelten Zimmer mittels einer auf einem Unterbau von Holzklötzen aufgestellten Visirscheibe resp. emplindlichen Platte aufgefangen wird. Für feinere Arbeiten als die Aufnahme von Fliegenrüsselu , von der hier die Rede ist, dürfte der Ertinder den Apparat selber kaum sehr praktisch finden. Walmsley's Photomicrographic Apparatus (Journ. R. Microsc. Soc. Ser. II vol. III, 1883, pt. 4 p. 556). Ein einfacher, aus einer langen Balgcamera und einem umgelegten Mikroskop mit Condensor bestehender Apparat, der in ganz gleicher Anordnung längst von zahlreichen älteren Mikrophotographen benutzt wird. Walmsley wendet eine Petroleumlampe mit einer grossen Be- leuchtungslinse zum photographiren an. Bei der grossen Länge des Apparates kann die Mikrometerschraube nur mittels einer um ihren Kopf laufenden und weiterhin über Rollen geführten Schnur bewegt werden. An Stelle der Visirscheibe wird bei der Einstellung des Bildes eine in einem Rahmen befestigte und für die Bildebene eingestellte Lupe angewandt '. Jolinsou, G. J., P ho tomi er ography (Microsc. News vol. III, 1883, no. 28 p. 113). Der in der photographischen Gesellschaft zu Manchester gehaltene Vortrag enthält im Wesentlichen nur allgemein Bekanntes. Statt der Visirscheibe wird auch von Johnson wie von Walmsley die Anwendung einer für die Bildebene eingestellten Lupe empfohlen. Beliufs Correction für den chemischen Focus hat Johnson an der Mikrometerschraube einen getheilten Kreisbogen und Index angebracht, eine Einrichtung, die selten von VVerth sein dürfte, weil bei starken Objectiven die Focus- differenz meistens gleich Null, bei schwachen aber häufig so gross ist, dass ein Theil einer Umdrehung der Mikrometerschraube zur Correction bei Weitem nicht genügt. Zur Erhöhung der Bildschärfe empfiehlt Johnson mit Recht die (keineswegs neue) Anwendung von Diaphragmen hinter dem Objectiv, welche keine erhebliche Verlängerung der Ex- positionszeit bedingen. ') cfr. Moitessier-Benecke p. 71. 112 Referate und Besprechungen. I, 1. I'ociissing the Image in photomicr ography (Microsc. News vol. III, 1883, 110. 32 p. 233). Empfehlung des Ersatzes der Visirsclieibe durch eine für die Bild- ebene eingestellte Lupe. Hitchcock, R., Photography and its value in micro- scopical investigations (Am. Monthly Microsc. Journ. vol. II, 1883, no. 2 p. 33, cfr. Journ. R. Microsc. Soc. Ser. II vol. III, 1883, pt. 4 p. 580). Die Photographie kann die Zeichnung nicht in allen Fällen ersetzen, da sie nur das Bild einer Ebene giebt, während der Zeichner die Be- ziehung der verschiedenen Ebenen des Objectes zu einander darstellen kann, auch sind manche Farben der Objecto für die photographische Aufnahme ungünstig. Wegen der Schnelligkeit und Genauigkeit der zu erhaltenden Bilder ist die Photographie aber doch, namentlich als Hilfsmittel bei der Arbeit, sehr wichtig, auch sind die neuen Trocken- platten z. B. für gelbe Strahlen viel empfindlicher als feuchtes CoUo- dium. Penetration in Obj ecti ves. (Microsc. News vol. III, 1883, no. 30 p. 172 cfr. Journ. R. Microsc. Soc. Ser. II vol. III, 1883, pt. 4 p. 579). G. E. Davis hält es für erforderlich, ausführlich auseinander zu setzen, dass auf der Visirscheibe und der empfindlichen photographischen Platte nur das Bild einer einzigen Ebene erscheint, während das Auge selbst bei feststehender Mikrometerschraube, vermöge seiner Accommoda- tionsfähigkeit in der Lage ist, bis zu einer gewissen Grenze auch ober- und unterhalb der eigentlichen Einstellungsebeue Liegendes wahrzu- nehmen, namentlich bei Anwendung schwacher Objective. Hitchcock, R., Instructions in dry plate photography. (Am. Monthly Microsc Journ. vol. II, 1883, no. 5 p. 84, uo. 6 p. 108, no. 7 p. 124). Besonders empfehlenswerth sind Carbutt's Trockenplatten, und zwar für Negative die Marke B, für Glaspositive die weniger empfind- liche Marke A. Für concentrirt vorräthig zu haltende, beim Gebrauch zu verdünnende Entwickler werden Vorschriften gegeben. Ist durch die blosse Entwicklung genügende Intensität erzielt, so wird mit Natron fixirt, ist eine Verstärkung mit Silber oder Quecksilber erforderlich ge- wesen, mit Cyankalium. Eine etwa sehr lehmgelbe Färbung der Schicht nach Pyrogallusentwicklung, welche ein langsames Copiren bedingen würde, wird durch Anwendung verdünnter Oxalsäurelösung verbessert. Für Herstellung von Glaspositiven auf Carbutt's „A"-Platten im Copir- I, 1. Eefcratc und Besprecliuiigen. 113 rahmen geuügt bei Gaslicht eine Exposition von 3 bis 5 Secunden. Die Positive für Projeetion sollen nicht zu dicht gemacht werden. Kiaer, C, P h o t o m i c r o g r a p h y b y 1 a m p 1 i g h t (Journ. K. Microsc. Soc. Ser. 11 vol. III, 1883, pt. 5 p. 721). Dr. C. Kiaer beschreibt sein Verfahren bei Verwendung von Petroleumlicht zu photographischen Aufnahmen auf Trockenplatten. Mit dem nassen CoUodiumverfahren sind ihm selbst bei ganz schwachen Objectiven keine Aufnahmen gelungen, bei Anwendung von Trocken- platten erhält er mit einem Sonueubrenner (Petroleum) selbst mit starken Objectiven und von gelben und braunen Objecten schnell gute Bilder. Er wendet ein grosses NACHEx'sches Mikroskop an, welches unter einem Winkel von 30" geneigt ist, und stellt die Lampe dicht vor den Spiegel mit Anwendung von Beleuchtungslinsen von 8 bis 9 cm Brennweite und ö'/a cm Durchmesser. FocusditFereuz hat er nicht beobachtet und zieht das Lampenlicht dem Sonnenlicht vor, weil es keine luterferenzerschei- nuugen zeige (die bei Sonnenlicht sehr leicht durch den Beleuchtungs- apparat zu vermeiden sind) und nicht durch hohe Temperatur die Objecte beschädige. 4. Präparationsmethoden im Allgemeinen. Freiizers, ThrelMl's und ScMUibaum's Methoden zur Fest- legung von Präparaten auf dem Obj ecttr äger mit nachfolgender Färbung (Feenzel, J., Beitrag zur mi- kroskopischen Technik. Zool. Anz. Bd. VI, 1883, p. 51; cfr. Journ. R. Microsc. Soc. Ser. H vol. ÜI, 1883, pt. 2 p. 302. — Fkenzel, J., Neuer Beitrag zur mikroskopischen Technik. Zool. Anz. Bd. VI, 1883, p. 422; cfr. Journ. de Microgr. t. VII, 1883, p. 438; Journ. R. Microsc. Soc. Ser. II vol. III, 1883, pt. 5 p. 735. — Theelfall, A., A uew method of mounting sections. Zool. Anz. Bd. VI, 1883, p. 300; cfr, Journ. de Microgr, t. VII, 1883, p. 438, — Schällibaum, H,, Ueber ein Verfahren, mikroskopische Schnitte auf dem Objectträger zu fixireu und daselbst zu färben, Arch. mikrosk. Auat. Bd. XXI, 1883, p. 689 ; cfr. Journ. R. Microsc. Soc. Ser. E vol. III, 1883, pt. 5 p. 736). Da die Methode von Dr. Giesbrecht zur Festlegung von Schnitten auf dem Objectträger eine dieser Operation voraufgehende Tinction der Zeitschr. f. wiss. Mikroskopie. I. 1. 8 114 Referate und Besprechungen. I, 1. zu schneidenden Objecte verlangt, es aber oft von Vortlieil erscheinen kann , die Färbung erst nach dem Festlegen vorzunehmen , sind in neuester Zeit mehrere — selbstverständlich auch zum Festlegen von Schnitten aus vorher in toto gefärbten Objecten verwendbare — Me- thoden ersonnen worden , um auch diese letzte Verfahrungsweise mit Aussicht auf Erfolg zu ermöglichen. Dr. J. Feenzel empfiehlt statt der Schellacklosung eine Lösung von Guttapercha in Chloroform (1 : 100), welche in gebrauchsfertigem Zustande von Beyrich in Berlin bezogen oder auch eigenhändig be- reitet werden kann, indem man Guttapercha in Chloroform und Benzin löst, absetzen lässt, wenn sich die Flüssigkeit geklärt hat und fast farb- los geworden ist, filtrirt, dann das Filtrat unter öfterem Umschütteln zwei bis drei Wochen bei Seite stellt und nach Verlauf dieser Zeit nochmals von dem etwa gebildeten Bodensatze abfiltrirt. Die Lösung, welche eine solche Consistenz haben muss, dass sie sich nur langsam über die Glasfläche ausbreitet, wird auf die Mitte des sorgfältig ge- reinigten Objectträgers in dünner Schicht aufgetragen und diese nach dem Trocknen mit dem Präparat belegt. Die weitere Behandlung richtet sich dann nach der Einbettungsweise der Schnitte. Wenn die Objecte in Paraffin oder eine Paraffiumischung (Dr. Frenzel verwendet eine Mischung von 4 Theilen Paraffin und 1 Theil Vaseline) eingebettet waren, so werden die Schnitte zunächst mit Alkohol betropft, um sie aufzurollen und flach auf der mit der obigen Lösung bestrichenen Fläche des Objectträgers auszubreiten. Eine folgende, fünf bis zehn Minuten dauernde Erwärmung auf 25** bis 50" C. dient dazu, das Guttapercha klebend zu machen und die Schnitte festzu- legen. Ist dies nach Wunsch gelungen, so setzt man den Objectträger 5 bis 10 Minuten lang der Luft aus und bringt ihn dann zur Lösung des Paraffins etwa ebenso lange oder bis zu '/j Stunde in ein Gefäss mit einer ausreichenden Menge absoluten auf 30 •* bis 40" C. erwärmten Alkohols. Nach Weglösung sämmtlichen Paraffins wird das Präparat zunächst in TOprocentigeu, dann nach und nach in schwächeren Alkohol, endlich in Wasser gebracht und dann einer geeigneten Färbungsmethode unterworfen. Die gefärbten Schnitte werden hierauf in der bekannten Weise ausgewaschen, dann zur Entfernung des Wassers in Alkohol ge- bracht, mit einigen Tropfen Nelkenöls bedeckt und endlich in Canada- balsam oder Dammarlösung eingeschlossen. Hatte man in das in neuerer Zeit häufig verwendete Celloidin einge- bettet, so werden die auf die Guttaperchaschicht aufgelegten Schnitte, um sie festzulegen mit Benzin oder Chloroform betropft, nach dem Trocknen I, 1. Referate und Besprccbimgen. 115 gefärbt und wie im ersteren Falle weiter behandelt, wobei das Celloidiu durch das Nelkenöl gelöst wird. um bei der beschriebenen Verfahrungsweise die Anwendung heissen Alkohols zu vermeiden, hat R. Theelfall dieselbe dahin abgeändert, dass er statt einer Guttaperchalösuug eine düuue Lösung von Kautschuk in Benzin anwendete, mit welcher der Objectträger in ähnlicher Weise Übergossen werden soll, wie die photographischen Platten mittels CoUo- diums. Die Schnitte werden auf die getrocknete dünne Kautschuk- schicht aufgelegt und darauf der Objectträger bis zu dem Schmelzpunkt des Paraffins erwärmt, wodurch erstere auf die Kautschuklage hinab- fallen und festsitzen. Zur Weglösung des Paraffins wird Xaphtha oder ein leichtes Paraffinöl angewendet und mittels absoluten Alkohols aus- gewaschen. Die weitere Behandlung bleibt dieselbe wie oben ge- schildert. Nach Dr. Feexzel hat dieses Verfahren den Nachtheil, dass das Kautschuk nicht so gut anhaftet und trocken wird, sowie dass sich dasselbe in dem Lösungsmittel für Paraffin, namentlich aber in dem empfohlenen Naphtha, schneller löst als Guttapercha. Um indessen der THRELFALL'scheu Methode, welche immerhin in manchen Fällen Vortheil bieten kann, mehr Sicherheit des Erfolges zu verleihen, räth er, dieselbe in folgender Weise abzuändern. Nachdem die Schnitte auf der Kautschuklage geordnet sind, wird der Objecträger wenige Minuten auf höchstens 50** bis 55" C. erwärmt, dann nach völliger Abkühlung eine grössere Menge Naphtha über die Schnitte gegossen und rasch darüber laufen gelassen, bis diese fast trocken erscheinen. Auf diese Weise soll keine Gefahr vorhanden sein, dass sich grössere Schnitte lösen, und es kann die weitere Behandlung erfolgen. Sind die Schnitte sehr zart, so gewährt die Behandlung wie sie nachfolgend bei der modificirten GiESBEECHT'schen Methode be- schrieben wird, die nöthige Sicherheit gegen etwaige Verluste. Wo die obigen Methoden nicht anwendbar sind, da empfiehlt Dr. Feekzel folgendes Verfahren. Nach der GiESBEECHx'schen Me- thode festgelegte Schnitte werden mit Terpentinöl behandelt, um das Paraffin zu lösen und, nachdem ersteres verdunstet oder mittels Chloro- forms ausgewaschen ist, zur Festlegung mit einer dünnen Schicht von Guttaperchalösung (durch Auftropfen) bedeckt, welche in die Objecte nicht eindringt und anderen Flüssigkeiten in dieselbe zu difi"udiren ge- stattet. Ist das Guttapercha etwas angetrocknet, dann können die Präparate wie oben weiter behandelt, gefärbt und eingeschlossen werden. Nach H. ScHÄLLiBAUM soll eine Lösung von Schiessbaumwolle in Nelkenöl oder Lavendelöl, welche man erhält, wenn man, (je nach 8* 116 Referate und Besprechungen. I, 1. dessen Consistenz) einen Raumtlieil Collodiiim mit drei bis vier Raum- theilen eines der genannten flüchtigen Oele mischt und tüchtig durch- schüttelt. Die erhaltene klare Lösung, welche bei gewöhnlicher Tem- peratur längere Zeit flüssig bleibt und an der Glasfläche gut haftet, wird mittels eines Pinsels in dünner Schicht über dem Objectträger ausge- breitet und das flüchtige Oel, nachdem die Schnitte aufgelegt sind, mittels massiger Erwärmung über dem Wasserbade im Verlauf von fünf bis zehn Minuten verdunstet. Die so festgelegten Schnitte können tage- lang mit Terpentin, Chloroform, Alkohol und Wasser behandelt werden, ohne dass Gefahr von Verlust durch Loslösuug vorhanden wäre, und es lässt sich die Färbung in einer der üblichen Weisen vollziehen, indem mau dabei die Färbeflüssigkeiten in möglichst verdünntem Zustande an- wendet und nicht zu lange einwirken lässt. Entsteht bei der Festlegung durch Verwendung einer zu concen- trirten Lösung oder Auftragen einer zu dicken Schicht eine Trübung zwischen den Schnitten — welche übrigens den Präparaten keinen Schaden bringen soll - — , so kann diese dadurch leicht beseitigt werden, dass man mit einem mit Nelken- oder Lavendelöl befeuchteten Pinsel mehrmals zwischen ihnen durchfährt. Was diese Methode besonders erapfehlenswerth macht, ist der Um- stand, dass dieselbe nach den Erfahrungen ihres Erfinders für alle Ein- bettungsmassen und für den Einschluss in Harze, wie in Glycerin mit gleich gutem Erfolge verwendbar ist. Dr. L. Dippel. Pfitzer, E., Ueber ein Härtung und Färbung vereinigen- des Verfahren für die Untersuchung des plasma- tischen Zellleibes (Ber. Dtsch. Botan. Gesellsch. Bd. I, 1883, H. 1 p. 44). Verf., welchem die zur Härtung und Färbung bis jetzt üblichen Manipulationen zu umständlich waren, bemühte sich, ein neues Ver- fahren ausfindig zu machen und glaubt dies in einer Mischung einer conceutrirten wässerigen Pikrinsäurelösung mit einer kleinen Menge wässeriger Nigrosinlösung gefunden zu haben. Nigrosin ' löst sich leicht in Wasser mit tief violettblauer Farbe, langsam in Alkohol und scheint in absolutem Alkohol unlöslich zu sein. Die tief olivengrüne Mischung tödtet sehr schnell ohne erhebliche Contraction ; bei stark wasserhaltigen Objecten fügt man einige Pikrin- säurekrystalle hinzu, um eine Verdünnung des Härtungsmittels zu ver- meiden. Nach einigen Stunden der Einwirkung der Nigrosin-Pikrin- *) Qualität I, von Trojimsdoeff in Erfurt bezogen. I. 1. Referate und Besprechungen. 117 säure legt man die beliaudclten Objecto in Wasser oder gewöhnlichen Spiritus, wodurch Pikrinsäure und das gelöste Nigrosiu entfernt werden ; die Tinction der plasmatischen Theile bleibt unverändert. Die Tinction ist eine sehr langdauernde. Die Färbung steht im Verhältnisse zur Diclite der Plasmaköruer, so dass dünne Plasmaschichten kaum wahrnehmbar, die Zellkerne und Nucleolen aber sehr intensiv blau gefärbt werden. Gewöhnliche Cellu- losemembranen sowie Stärkekörner werden nicht gefärbt. Die Färbung wird sehr rein, wenn man die fertigen Präparate in concentrirtes Glycerin überträgt, oder wenn man verdünntes Gly- cerin sich langsam auf den Präparaten concentrireu lässt. Am schönsten zeigt sich die Färbung , wenn man die in Alkohol ausgewaschenen Präparate zuerst mit Nelkenöl behandelt und dann in Harzen (in Ter- pentinöl gelöstem Dammarharz oder Canadabalsam) einschliesst. Con- tractioneu werden dabei vermieden , wenn man mit Alkohol stark verdünntes Nelkenöl durch Verdunstung des Alkohols sich concentrireu lässt. Die wässerige Nigrosin-Pikrinsäure eignet sich sehr gut, um Orga- nismen unter dem Deckglase augenblicklich zu tödten, zu fixiren und zu färben. Eine alkoholische Nigrosin-Pikrinsäure stellt man her, in- dem man Krystalle von Pikrinsäure und ein Stückchen Nigrosin zu- sammen mit Alkohol übergiesst. J. E. Weiss. 5. Präparationsmethoden für specielle Zwecke. A, Niederste Thiere und Pflanzen. Marpmann, G., Die Spaltpilze. Grundzüge der Spaltpilz- oder Bacterienkunde. Halle (Buchh. d. Waisenh.) 1884. 193 pp. kl. 8» m. 25 Holzschn. Aus diesem Werkchen • fällt in unser vorliegendes Gebiet nur das Capitel „Untersuchungsmethoden" p. 107 bis 113, und zwar behandelt dasselbe zuerst die Färbetechnik, sodann die Reiucultur- m e t h d e n der Bacterien. Färhetechnik (seit Weigert 1875). Bacterien lassen sich sowohl in Flüssigkeiten als in Schnitten färben und können als Dauerpräparate 1) Welches übrigens eine recht brauchbare, kurze Zusammenstellung für den Mediciner zu sein scheint. Ref. 118 Referate und Besprechungen. I, 1. in Canadabalsam , Glycerin und Glyceringelatine, Kaliumacetat einge- schlossen werden. Man wendet zum Färben Hämatoxylin oder Anilin- farben an. I. Hämatoxylin (giebt baltbare Präparate). Lösung: Lignum campescbianum raspatum wird mit Aether Übergossen, so dass derselbe alle Holztbeilchen bedeckt ; zu der resultirenden Lösung setzt man tropfenweis öprocentige Alauulösung, bis eine gesättigt dunkelviolette Färbung entsteht. — Zu färbende Schnitte (resp. am Deckglas einge- trocknete Schizophyten) lässt man in der Lösung eine halbe Stunde liegen, wäscht mit Wasser ans und schliesst in Canadabalsam oder Glycerin ein. IL Anilinfarben. Als solche sind für Bacterientinctionen in Gebrauch Methylviolett (BBBBB), Methylenblau, Gentianablau, Fuchsin- rotli , Diaraantroth , Magentaroth , Auilinbraun (= Triamidoazobenzo- chlorid), Anilin-Vesuvin, Nigrosin, Anilingrün, Methylgrün, Chrysoidin — die braunen Farbstoffe für solche Bacterieu, welche photographirt werden sollen. Mit Methylviolett färbt man in einer alkoholischen Lösung, von der man einige Tropfen in 15 g Wasser gebracht hat (Einschluss in Kaliumacetat oder Balsam, nicht in Glycerin). In neuester Zeit sind besonders die Tuberkelbacillen studirt worden, deren Tinction auf verschiedene Weise geschehen kann ; 1. Koch: Schnitte oder Trockenpräparate werden 24 Stunden in eine Lösung von 200 Th. Wasser, 1 Th. concentrirte alkoholische Methylenblaulösimg, 0*2 Th. lOprocentige Kalilauge gelegt, werden in Wasser abgespült, in eine frisch filtrirte, concentrirte, wässerige Vesuvin- lösung gebracht, in Alkohol abgespült und eingeschlossen. 2. Ehrlich: Eine gesättigte wässerige Lösung von reinem Anilin wird mit einer der oben erwähnten Anilinfarben geschüttelt, so dass eine concentrirte Auflösung entsteht, und durch ein nasses Filter filtrirt. Man lässt die Präparate 24 Stunden liegen, wäscht aus imd behandelt mit einer Lösung von 1 Th. offic. Salpetersäure in 2 Th. Wasser, bis die Färbung (des Schnittes) verschwunden ist. Sodann wäscht man wieder ab, entwässert mit Alkohol und untersucht im Wasser, wobei die Bacillen stark gefärbt erscheinen. Nach Weigert förbt man mit 2procentigem Methylviolett in O'öprocentigem Ammoniak und weiter nach Ehrlich. Diese Präparate conservireu sich in mit Bergamottöl versetztem Canadabalsam. 3. GiBBEs pulverisirt 2 g Magentakrystalle in einer Eeibschale, setzt 3 cg reines Anilin, 20 cg Alkohol (spec. G. = 0*830) und 20 cg Wasser zu. In dieser Lösung bleiben die Präparate 15 bis 20 Minuten, I. 1. Referate und Besprechungen. HO werden dann mit Salpetersäure 1 : 2 Wasser behandelt und mit einer ooncentrirteu wässerigen Chrysoidinlösung nachgefärbt, mit Alkoliol ent- wässert und in Balsam eingeschlossen. Noch besser soll die Färbung gelingen, wenn man die Magentalösung noch mit dem lOfachen Vol. Wasser verdünnt und durch 24 Stunden färbt. Ptcinculturmethoden. Diese geschehen in sterilisirten Nährlösungen, welche bestehen aus 1 Th. LiEBio'schem Fleischextract mit 100 Th. Wasser (oder 3 Th. Gelatine mit 1000 Th. Wasser) und 0-25 Th. Ammoniumphosphat — oder 1 Th. Fleischextract, 3 Th. Zucker und 100 Th. Wasser. Zur Sterilisation werden dieselben in einem kleinen verschliessbaren messingenen Dampfkessel (Buchner) ca. 1 Stunde lang auf etwa 100" C. erhitzt, wobei die Culturgefässe mit Wattepfropfen verschlossen sind. Man bringt dann schnell die Impfprobe hinein, die man auf die Weise gewinnt, dass man von der Flüssigkeit mit einer Bacterienvegetation, in der die rein zu züchtende Form in Mehrzahl den anderen Formen überlegen, eine so starke Verdünnung herstellt, dass auf 5 bis 10 cg je eine Spaltpilzzelle kommen würde. Ueberträgt man dann je 5 cg in reine, sterilisirte Nährlösung, so ist es wahr- scheinlich, von zehnmal die Hälfte Reinculturen zu erhalten. Hat man auf diese Weise keine Reinciiltur bekommen , so sind jedenfalls die gewünschten Pilze in den Proben angereichert und werden bei einer zweiten oder dritten Uebercultur den gewünschten Erfolg ge- währen. Bacillus subtilis (Heubacterie) wird nach Roberts reincultivirt, in- dem man Heu mit möglichst wenig Wasser eine Stunde lang bei 36" C. digerirt, dann die Flüssigkeit durch ein Drahtsieb colirt und bis zum spec. Gew. 1-006 (1'004 Büchner) verdünnt, neutralisirt und in einem Kolben mit Watteverschluss eine Stunde lang im langsamen Kochen erhält. Behrens. Keut's und Berthol (l's Methoden, Algen und Infusorien mit- tels Jodlösung zu fixiren (Kent, W. S., Manual of the Infnsoria ; cfr. Journ. R. Microsc. Soc. Ser. II vol. HI, 1883, pt. 5 p. 730. — Beethold, G., Beiträge zur Morphologie und Physiologie der Meeresalgen. Pringsheim's Jahrb. f. wiss. Bot. Bd. XIII, 1882, p. 704; cfr. Journ. R. Microsc. Soc. Ser. II vol. III, 1883, pt. 3 p. 451; Amer. Naturalist vol. XVU, 1883, p. 456; Am. Monthly Microsc. Journ. vol. IV, 1883, uo. 8 p. 157). Kent empfiehlt die Anwendung der Jod-Jodkaliumlösung als Er- satz für die Ueberosmiiimsäure, da sich dieselbe, abgesehen von ihrer 120 Referate und Besprechungen. I, 1. angenelimen Verwendbarkeit, auch durch in mancher Beziehung bessere Wirksamkeit vor dieser auszeichnen soll. Die Vorschrift zur Dar- stellung der in Verwendung zu nehmenden Lösung, von welcher der die Infusorien enthaltenden Flüssigkeit eine geringe Menge zugefügt wird, lautet : Man bereite eine gesättigte Lösung von Jodkalium in destillirtem Wasser und füge metallisches Jod so lange zu, als dasselbe noch gelöst wird. Die so erhaltene Lösung ist dann zu filtriren und soweit mit destillirtem Wasser zu verdünnen, bis sie gelbbraune Farbe angenom- men hat. Eine gesättigte Lösung von Jod in Meerwasser, welche durch Zu- satz von einigen Tropfen concentrirter alkoholischer Jodlösung zu dem ersteren erhalten wird, hat Beethold in seinen „Beiträgen zur Mor- phologie und Physiologie der Meeresalgen" a. a. 0. als ausgezeichnetes Fixirungsmittel für die letztgenannten Organismen empfohlen. Die Algen werden etwa Y2 bis 1 Minute in der Fixirungsflüssigkeit ge- schwenkt, dann sofort in öOprocentigen Alkohol gebracht und dieser mehrmals und zwar so lange gewechselt, bis alles Jod — in der Regel schon nach Zeit von einigen Minuten — entfernt ist. Hierauf kann man zu der weiteren Behandlung, Färbung u. s. w. schreiten. Statt der alkoholischen Lösung liesse sich auch wohl die ganz gesättigte wässerige Jodkaliumlösimg zur Bereitung der Meerwasserlösung verwenden. Wie sich der Zusatz der Jodlösungen zu dem Süsswasseralgen ent- haltenden Wasser in Bezug auf die Fixirung des Zellleibes verhält, hat Ref. bis jetzt noch nicht eingehend studirt. Nach einigen flüchtigen Versuchen dürften aber auch wohl hier gute Resultate erzielt werden. Br. L. Dippel. Klebs, Georg", Organisation einiger Flagellatengruppen und ihre Beziehung zu Algen und Infusorien (Unters, aus d. Botau. Institut zu Tübingen B. I, 2, 1883, p. 233 — 262 m. 2 Tfln.). Aus dieser umfangreichen Abhandlung führen wir als für unsere Zwecke interessant Folgendes an: 4r Culturen von Euglenen. Bei diesen, wie überhaupt bei Algenculturen ist es von Bedeutung, nur auffallendes Licht zuzulassen; das einseitig einfallende Licht wirkt ungleichmässig und die Licht- empfindlichkeit tritt dabei sehr störend mit ins Spiel (p. 290). Ausge- kochter Torf mit Nährsalzlösungen getränkt wird als gutes Substrat für Euglenen- und Algenculturen empfohlen (p. 268). Zur Tödtuug derCilien dient Carminsäure (in Wasser löslich). I, 1. Eeferate und Besprechungen. 121 man kann dadurch sehr leicht jede Cilie für sich tödten, die Cilie er- starrt sofort und wird abgeworfen ; die Euglenen selbst dagegen halten sehr lange aus. Aehnlieh wirken verdünnte Salzlösungen (p. 256). Membran. Das chemische Verhalten der Membran der Euglenen ist ein specitisch und graduell verschiedenes. Besonders untersucht wurde der Einfluss von Fermenten, und zwar des Pepsins und der Fäulnissbacterien. Bei Euglena viridis verschwindet im Pepsin die Membran nach 24 Stunden fast ganz, bei Phacus-Arten bleibt sie tage- lang scheinbar unverändert. Es wird durch das peptonisirende Fer- ment aus der Membran der Euglenen ein Bestandtheil entfernt, ein anderer bleibt in der ursprünglichen Structur zurück. Der erstere dürfte zu der Gruppe der Eiweissstotfe gehören, der andere mag als Zellhautstoff bezeichnet werden (p. 242). Die Membran der Euglenen ist für die verschiedensten Substanzen schwer durchlässig, selbst in so momentan tödteuden Mitteln wie Iprocentige Chromsäure lebt E. spirogyra noch merkliche Zeit, bisweilen bis zu einer Minute. In Nigrosin undlndigcarmin lassen sich Euglenen viele Wochen hindurch cultiviren, den Farbstoff nehmen sie aber niemals auf. Doch ist es bei E. spirogyra gelungen, lebende Exemplare mit Hämatoxylin blau zu färben. Nicht bloss die Höckerreihen sondern die ganze Mem- bran war dunkelblau und die Euglenen bewegten sich unzweifelhaft. Die lebenden Exemplare wurden zuerst mit 0-5procentiger Clilornatrium- lösung behandelt, dann wurde Iprocentige Chromsäure zugefügt. Nach einigen Secunden der Einwirkung wairde beides ausgewaschen und wässerige Hämatoxylinlösung hinzugesetzt. Einfach in wässeriger Hämatoxylinlösung cultivirt, leben die Euglenen sehr lange ohne sich zu färben (p. 243). Die Membran der Euglenen zeichnet sich durch ihre relativ sehr geringe Fähigkeit aus, Farbstoffe einzulagern. Es zeigt sich innerhalb der Artenreihe eine allmähliche -Abnahme der Fähigkeit, wenn man von E. viridis ausgeht. Die Membran färbt sich noch mit Carminpräparaten, ähnlich mit Eosin, Anilinblau (E. deses, E. Ehrenbergii sehr schwach, die der Phacusarten nicht mehr). Ein sehr allgemeines Färbemittel ist Hämatoxylin, in welchem die Membranen blau werden. Durch Chlorzinkjod oder Schwefelsäure werden sie gelb bis braun. — Die ganze Membran der Euglenen besonders in ihren Höckern ist mit Eisenoxydhydrat imprägnirt, wodurch sie ihre gelbe bis fast schwarze Farbe erhält. Die Membran zeigt eine graduelle Verschieden- heit in der Quellungsfähigkeit. Am quellungsfähigsten ist die Membran von E. viridis, mit concentrirter Essigsäure verquillt sie so stark, dass nach Hinzufügen von Alkohol sie nicht mehr scharf begrenzt sichtbar 122 Referate und Besprechungen I, 1. ist; sehr gering ist die Quelhing selbst in Kali und Schwefelsäure bei Phacus pleuronectes (p. 241). — Zur Trennung der Höckerfäden der Euglenenmembran wird Pepsin angewendet. Es greift die Membran an, nicht aber die Höckerfäden (p. 240). Cytoplasma. Es gelingt nicht, das Cytoplasma* von der Mem- bran durch Salzlösungen zu trennen, selbst wenn man gesättigte Koch- salz- oder 40procentige Chlorcalciumlösuug anwendet. Am einfachsten durch mechanischen Druck, durch Alkohol bewirkt man ebenfalls die Trennung, am besten dann, wenn man die Euglenen schon vorher ge- tödtet hatte (p. 242). Pulsirende Vacuolen. Durch wasserentziehende Substanzen kann man die Vacuolen in Stillstand überführen, wobei sich eine merk- würdige Dilatation der Hauptvacuole zeigt. Bei Anwendung lOpro- centiger Chlornatriumlösung verkleinert sich die Hauptvacuole, indem auch ihr Wasser entzogen wird. Alkaloide veranlassen eine enorme Dilatation. In schwefelsaurem Chinin wurde nur bei Phacus pleuronectes und P. pyrum eine schwache Vergrösserung der Hauptvacuole beobachtet, die Regel ist es nicht (p. 248). Paramylon. Als Lösungsmittel wird Kali und Schwefelsäure empfohlen, von ersteren genügt eine ßprocentige Lösung, letztere muss sehr concentrirt sein (80 Vol. engl. Schwefelsäure auf 100 Vol. Wasser). Paramylon quillt nur in seinen Lösungsmitteln, charakteristisch ist es dabei, dass Lösung und Quellung fast zusammen fallen. In öOprocentiger Kalilösung bleiben die Paramylonkörper unverändert, in 6procentiger quellen sie stark, sich sofort auflösend (p. 270). Schaarschmidt (Klausenburg) . Schaarschmidt, Julius, Beiträge zur näheren Kenntniss der Theilung von Synedra Ulna(Nitzsch) Ehrenb. (Magyar Növenytani Lapok VII, 1883, Nr. 6 u. 7, p. 51). Zum Fixiren der Theilungsstadien von Synedra wird Pikrinsäure oder absoluter Alkohol benützt. Zur Entfernung der über- flüssigen Säure werden dann die Zellen längere Zeit mit Wasser in be- kannter Weise behandelt. Zur Färbung dienen Eosin und Hämatoxylin, während letzteres die Zellhaut sowie die plastischen Theile färbt, zeichnet sich Eosin dadurch aus, dass es nur das Proto- plasma t i n g i r t. Die auf solche Weise gefärbten Präparate halten sich gut in Glyceriu. Schaarschmidt (Klausenburg). 1) Steasburgee, üeber Theilungsvorgang der Zellkerne. Bonn 1882 p. 4. I, 1. Referate und Besprechungen. 123 Wille, N., lieber die Zellkerne und die Poren der Wände bei den P h y c o e h r o m a e e e n (Ber. Dtsch. Botan. Gesellsch. Bd. I, 1883, H. 6 p. 243). Verf. beobachtete in den Zellen der Tolypothrix lanata (Desv.) Kütz. nach der Behandlung mit verdünnter Essigsäure deutlich den Umriss des Zellkerns, in dessen Innerem sich ein bis zwei stark licht- brechende Körnchen zeigten, welche oft ein eckiges und unregelmässiges Aussehen hatten. Viele Färbemittel waren nicht anwendbar; Essigsäure und Methylgrün hatten keinen Einfluss, selbst nicht nach längerer Ein- wirkung einer concentrirteren Lösung. Eosin färbt den ganzen Zell- inhalt, den Nucleus und Nucleolus jedoch stärker. Verdünnte Häma- toxylinlösung hatte nach IGstündiger Einwirkung denselben Effect wie Eosin; concentrirtere Hämatoxylinlösung jedoch zeigte nach 20 Stunden den Nucleolus intensiv blau, den Nucleus schwach blau, den Zellinhalt kaum, die Scheiden jedoch wieder deutlich gefärbt. Bei Stigonema compactum (Ag.) fand Verf nach der Behandlung mit Chlorzinkjod und verschiedenen, nicht näher angegebenen Färbe- mitteln, dass die einzelnen Glieder der perlschnurartigen, von einer dicken Scheide umgebenen Zellreihe durch eine einfache, sehr zarte Membran getrennt sind. J. E. Weiss. jB. Zoologisches, Weigert, C:, Ueber eine neue Untersuchungsmethode des Centralnervensystems (Centralbl. f. d. med. Wiss. Bd. XX, 1882, Nr. 42 und 43 p. 753, 772). Die Berichte über die Untersuchungsmethoden des Nervensystems können nach des Ref Ansicht nicht besser eingeleitet werden als durch ein Referat über die wichtigste Arbeit, die in den letzten Jahren auf diesem Gebiete erschienen ist, die Arbeit von Weigeet. Das Verfahren, nun seit einem Jahre bekannt, verdient das Lob, das ihm fast Alle, die sich damit beschäftigt, in vollem Maasse spenden. Noch ist es nicht in den weiteren Kreisen bekannt und geübt ; mögen diese Zeilen dazu bei- tragen, dass immer mehr Forscher sich damit vertraut machen. Die bisherigen Untersuchungsmethoden des Centralnervensystems leiden an mancherlei Unzuträglichkeiten. Bei der gebräuchlichsten Färbung, derjenigen in Carmin, werden meist nur die groben Nerven- fasern, sowie die dickeren Ausläufer der Ganglienzellen gefärbt, und 124 Referate und Besprechungen. I. 1. auch das mir an gut gelungenen Präparaten, die durchaus nicht so sicher zu bekommen sind. Die feinen Fasern, Avelche nicht von einer breiten Marlcscheide umgeben sind, namentlich die der grauen Substanz, werden oft durch die Carminfärbung eher undeutlicher, da die Zwischen- substanz sich genau in demselben Tone färbt wie die Fasern selbst. Wer z. B. kann sich rühmen mit der Carminmethode wesentlich bessere Bilder von den genannten Fasern bekommen zu haben, als diejenigen, welche Stilling von ungefärbten , in Alkohol untersuchten Schnitten giebt. Ganz dasselbe gilt für die bisher gebräuchlichen Theerfarben (Anilinblau, Nigrosin, Indulin, Eosinfarben). Die Methoden, welche mehr zeigen, die Kalimethode, die Xylol- aufhellung, die Vergoldung und die Ammoniak-Osmiumsäurebehandlung geben entAveder nur vergängliche Bilder, oder lassen sich nur bei abso- lut frischen Geweben anwenden, sind ausserdem meist capriciös. Die neue, von Weigekt eingeführte Färbung zeigt ausser allem Detail vollkommenster Carminpräparate noch eine Menge feinster, bis- her zum Theil unbekannter, zum Theil nur mit Gold oder Xylol nach- zuweisender Fasern in den nervösen Centralorganen. Alle sind scharf und wundervoll roth gefärbt. Ein erstaunlicher, den meisten Unter- suchern bislang unbekannter Reichthum an zarten, sich im Netz kreuzen- den Fädchen entliüUt sich z. B. in der grauen Substanz des Rücken- markes ; wunderbar, auch für den Geübten, ist das Bild, welches die nervendurchzogene Olive, welches die Raphekreuzung in der Medulla oblongata bietet. Vor einiger Zeit wurden von Schiefeeedeckeb, mehrere Abbildungen von Rückenmarksschnitten mitgetheilt, welche Präparate wiedergaben, die im Goldbade besonders gelungen, in seltener, vielleicht einziger Weise, gelungen waren und vieles bis dahin Dunkle im Faser- verlauf besser verständlich machten. Das „Gelingen" solcher Präparate ward besonders hervorgehoben und ihre Vollkommenheit mit Recht als Grund zur Veröffentlichung bezeichnet. Die Goldmethode ist auch heute noch nicht sicherer und noch nicht weniger capriciös. Aber Alles, was man in diesen besten Goldpräparaten sieht, kann man auf leichtere Weise und besser noch durch die WEiGEEx'sche Färbung deutlich vor- treten lassen. Die Färbung wird in folgender Weise ausgeführt : Schnitte, die nicht über 0*025 dick sein dürfen, kommen zunächst auf eine Stunde in eine gesättigte wässerige Lösung von Säurefuchsin (Schaale I)'. Im Säure- 1) Fuchsin S No. 130 aus der badischen Anilin- und Sodafabrik, in kleinen Quantitäten zu beziehen durch Herrn Dr. Gküblek, Leipzig, Dufourstrasse 17. I, 1. Referate und Besprechungen. 125 iuchsiu ist das färbende Princip eine Säure, im Gegensatze zum ge- wöhnlichen Fuchsin, bei welchem dasselbe durcli eine Base repräsentirt wird. Die Schnitte gleichen dann etwa gut gefärbten Carmin-, Nigrosin- oder Auilinbhiupräparaten. Das Bild wird aber in ganz auffallender Weise verändert, wenn man die Schnitte, nachdem man den diffus anhaftenden Farbstoff in einer grossen Schaale (Schaale II) mit Wasser abgespült hat, in eine al- koholische Kalilösung bringt (Schaale III). Diese bereitet man für den vorliegenden Zweck so: Mau bringt in 100 cc Alkohol absolut. 1 g Kali causticum fusum. Dann wartet man 24 Stunden, bis sich das, was darin überhaupt löslich ist, gelöst hat. Von dieser alka- lischen Stammflüssigkeit nimmt man auf je 100 cc Alkohol 10 cc und in diese Lösung bringt man die Schnitte. Dieses Auswaschen ist der wichtigste Act und muss genau abgepasst werden. Mau sieht, wenn man die Schnitte auf einem Spatel ausgebreitet in die alkoholische Kalilösung bringt, sogleich eine Wolke von rothem Farbstoff austreten. Man bewegt nun den Schnitt etwas, und sobald die erste Andeutung der grauen Substanz eintritt, nimmt mau ihn heraus und bringt ihn in eine grosse Schaale (Schaale IV) mit reinem Wasser. Dieses W^asser darf keine Spur von Säure enthalten, weil sonst die Differenzirung wieder schwindet, hingegen schaden geringe etwa am Spatel haftende Kali- alkoholmengen nichts. Der Schnitt wird darin so lange abgespült, bis keine rothe Wolke mehr von ihm geht. Jetzt bringt mau ihn uocli ein- mal in eine Schaale mit reinem Wasser (Schaale V) uud sieht zu, ob jetzt die grauen Theile des Schnittes heller sind als die rothen. Ist dies der Fall, imd ist dabei der Schnitt noch roth, so ist die Procedur gelungen und beendet. Ist der Schnitt zu blass, so muss man ihn noch einmal färben ; ist die graue Substanz noch nicht durch hellere Farbe dift'erenzirt, so muss der Schnitt wieder auf kurze Zeit in die Kalilösung zurück und wieder von neuem in den Schaalen IV und V abgespült werden. Die Schnitte, deren Färbung gelungen ist, kommen dann in Alkohol zum Entwässern und werden in der üblichen Weise mit Nelkenöl und Canada- balsam behandelt. Schnitte aus Celloidiu-Einbettung soUteiy mit Xylol statt Nelkenöl behandelt werden. Diese müssen übrigens, um vollkommen entwässert zu werden, nach einander in zwei Alkoholschaalen kommen. „Trotz der vielen hierbei in Anwendung kommenden Schaalen", sagt Verf., „ist die Färbung durchaus nicht complicirt, es kommt eben bei ihr nur auf eine gewisse Accuratesse und Sauberkeit an". Ref., der nun seit f unf ^Monaten mit dem WEiGERT'schen Verfahren arbeitet, kann das vollauf bestätigen. Hat mau sich die Schaalen einmal ausgelegt 126 Referate und Besprechungen. I, 1. und gefüllt, so wandert jeder Schnitt binnen wenigen Minuten hindurch von Nr. II bis Nr. V resp. VI und VII (Alkohol absolut.). Bei so behandelten Schnitten sind nur die Nervenfasern roth gefärbt. Die Ganglienzellen, Zwischensubstanzen, Pia etc. variiren in ihrer Tinc- tion je nach der mehr oder weniger weit getriebenen Auswaschung mit Kali-Alkohol von einem ganz blassem Aussehen bis zu einer exquisit bläulichen Färbung. Sind schon die so erhaltenen Bilder von einer überraschenden Klarheit und Schönheit , so übertreffen Schnitte , die ausser mit Säurefuchsin noch nachträglich mit Hämatoxyliu behandelt wurden. Alles was wir bisher an Färbungen im Centraluervensystem leisten konnten. Die rothe Nervensubstanz liegt eingebettet in die blass- blaue Bindesubsta«?z mit ihren violetten Kernen. Die rothe Färbung, welche die Nerven annehmen, liegt weder in der Markscheide, noch in dem Achsencylinder, sondern in einer der Markscheide peripher anliegenden körnigen Masse, die an den Nerven- fasern, wo gar keine deutliche Markscheide zu erkennen ist (in der grauen Substanz) den Achsencylinder dicht umgiebt. Diese „erythro- phile Substanz" (möglicherweise ein Product der Einwirkung härtender Chromsäure auf den centralen Nerv ; Ref.) findet sich in den peripheren Nerven, die eine ScHWANN'sche Scheide haben, nicht in continuirlicher Lage. Deshalb ist das Verfahren für solche zunächst noch nicht zu be- , nutzen ; ebensowenig bietet es Vortheile für die Untersuchung der End- orgaue peripherer Nerven. Auf dem Querschnitt eines Nerven in den weissen Strängen des Rückenmarks sieht man nicht das bekannte Sonnen- bildchen, sondern es zeigt sich zu innerst der blassblaue Achsencylinder, dann folgt nach aussen eine helle Schicht Mark und um diese herum liegen mehrere Ringe oder ein Ring der rothgefärbten Substanz, manch- mal auch nur ein Halbring. Zu solchen Färbungen sind nur Präparate brauchbar, welche in doppeltchromsaurem Kali , oder in Flüssigkeiten, welche dasselbe ent- halten (MüLLEE'sche Flüssigkeit, EELicKi'sche Flüssigkeit) gehärtet wurden und so lange darin verweilten, dass sie schön braun wurden. Blassbrauixe oder gar in Alkohol grün gewordene Stücke geben die Fär- bung nicht. (Man kann sie aber, wie Ref. fiind, auch an ihnen sehr vollkommen hervorrufen, wenn die Schnitte vor der Färbung für fünf Minuten in Salpetersäure 1 : Wasser 20 kommen ; dort werden sie blass, perlmutterglänzend, färben sich aber dann binnen zwanzig Minuten in der Fuchsinlösung. Leider sind so hergestellte Präparate nicht haltbar). Ganz vollkommene Präparate erhält man übrigens nur von Organen, welche ganz frisch eingelegt und sorgfältig gehärtet sind. Die I, 1. Referate und Besprechungen, 127 Stücke sind nur oberflächlich mit Wasser abzuspülen. Solche, die nicht ganz frisch in MüLLEß'sche Flüssigkeit kamen, oder die nicht sorgfältig genug behandelt wurden (bei denen z. B. die Lösungen nicht oft ge- wechselt Miirdeu), ergeben zwar eine Tinction der gröberen oder auch der feineren Fasern der weissen Substanz, aber das dichte Fasergewirr der grauen Substanz ist nicht oder nur unvollkommen darzustellen. Edinger {Frankfurt a. M.). Weigert, C, Ueber Schnellhärtung der nervösen Ceutral- orgaue zum Zweck der Säurefuchsinfärbung (1. c. Nr. 46 p 819). In der gewöhnlichen MüLLER'schen Flüssigkeit härten Rückenmarke statt in acht Wochen, schon in acht bis zehn Tagen, wenn man die Härtung im Brütofen bei 30 bis 40" Temperatur vornimmt. Man thut dabei gut, der Flüssigkeit (nach Klebs) Campher hinzu- zufügen, weil sonst leicht Mikroorganismen sich bilden. Noch schneller (schon nach ca. vier Tagen) gelingt aber die Erhärtung im Brütofen, wenn man nicht die MüLLEK^sche, sondern die EExicKi'sche Flüssigkeit benutzt. Sie besteht aus 2^/^ % ^^^i bichromicum und '/a % Cuprum sulfuricum und härtet auch ohne Benutzung höherer Temperatur sehr rasch (in acht bis zehn Tagen). Edinger. Deecke, Mikrotome. — Cutting and mounting sections through the entire human brain. (Journ. R. Microsc. Soc. Ser. II vol. III, 1883, pt. 3 p. 449. — cfr. Proceed. Amer. Soc. Microsc. 5th. anu. meetiug, 1882, pp. 275, 279.) Das „neue" Mikrotom gleicht in fast allen wesentlichen Theilen dem GuDDEN'schen. Nur am Messer finden sich einige Neuerungen. Es ist an ihm durch eine besondere Stellung der Schneide ermöglicht, dass beim Schneiden unter Alkohol auch der grösste Theil seiner Unter- fläche fortwährend angefeuchtet wird. Die Resultate scheinen gut. Verf. giebt an, dass der Geübte bei einer Schnittserie durch ein ganzes mensch- liches Gehirn nicht mehr als 2 bis 3 % Verluste habe. Die Schnitte werden sofort auf einen Bogen glasirtes Papier geschwemmt und mit diesem als Unterlage weiter behandelt, gefärbt, entwässert etc. Das Papier löst sich schliesslich auf dem Objectträger noch immer leicht vom Präparate. Edinger. 128 Referate und Besprecliungen. I, 1. C Botanisches, Brefeld's Culturmetlioden zur Untersuchung der Pilze in Bkefeld, 0., Botanische Untersuchungen über Schimmelpilze Heft IV p. 1 bis 35. (Leipzig 1883). Es giebt wohl kaum einen Mykologeu, der durch seine Unter- suchungen in kurzer Zeit eine so reiche Fülle von neuen Beobachtungen resp. Entdeckungen zu Tage gefördert hat, als Brefeld. Dass dies geschehen konnte, lieg-t aum grossen Theile mit an den von ihm ange- wendeten Culturmethoden, die wir in Folgendem vorführen wollen. An die für eine exacte Untersuchung der Pilze geeigneten Methoden stellt Beefeld die Anforderung, dass das Pilzindividuuni, sei es gross oder klein, von einem einzigen Keime ausgehend, schrittweise in allen Phasen seines Lebens bis zurück zum Ausgangspunkte, bis zur Spore, verfolgt werden könne. Da die Pilze in der Natur in undurchsichtigen Medien leben und darin der Untersuchung nicht oder nur theilweise zu- gänglich sind, galt es, Substrate für ihre Entwicklung zu schaffen, in welchen eine coutinuirliche Beobachtung des Pilzes und somit die Durch- führung einer geschlossenen Entwicklungsgeschichte (mit Ausschluss jeder Fehlerquelle) möglich war, die also die Mängel des natürlichen Substrates, Undurchsichtigkeit und Uuzugäuglichkeit für die Beobachtung, aus- schlössen. Er bereitete zunächst für seine Pilzculturen diese Bedingungen erfüllende künstliche Nährlösungen. Für Anfertigung derselben giebt er folgende Winke : Ein Substrat, auf dem der Pilz in der Natur vor- kommt, wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch ein geeignetes Substrat für die Entwicklung des Pilzes abgeben, und in vielen Fällen gelingt es, eine Nährlösung durch Auskochen des Substrats herzustellen. So ist der Mist von kräuterfressenden Thieren ein höchst ergiebiger Nährboden für die verschiedensten Pilzformen, und ein Decoct daraus, klar und pilzfrei gemacht, giebt eine ganz vorzügliche Culturlösung für sehr viele, wenn nicht die meisten Pilze ab. Man rührt den Mist mit Weisser zu einem dicken Breie an und lässt diesen einige Stunden im Dampfbade stehen. In der nach dem Erkalten abfiltrirten Flüssigkeit ist die Lösung hergestellt. Freilich ist sie in diesem Zustande noch nicht frei von allen Pilzkeimen. Dies wird sie erst durch längeres Kochen oder nach wieder- holtem Aufkochen in längeren Pausen, oder besser und leichter nach eintägigem Aufenthalte in einem Dampfbade. Verhindert man erneuten Zutritt vou Pilzkeimen aus der Luft durch geeigneten Verschluss, so bleibt das Decoct nnbegrenzte Zeit hindurch unveränderlich. In gleicher Weise kann man haltbare Nährlösungen aus süssen Früchten gewinnen. Zu die- 1, 1. Referate und Besprectiungeü. 129 sem Zwecke zieht man am besten die getrockneten zerschnittenen Früchte, z. R. Pflaumen, Rosinen etc. mit kaltem Wasser aus nnd macht dann den klarliltrirten Auszug durch Auskochen pilzfrei. Eine grössere Ver- wendbarkeit lässt sich noch durch Absättigen der freien Säure mit Am- moniak erzielen, da die aus den Früchten stammende freie Säure bei vielen Pilzen die Entwicklung hemmt. Für den praktischen Gebrauch ist es bequem, die Nährlösung im Grossen in Kolben , im Kleinen in Reagenzröhrchen auszukochen, die schon vorher mit einem Glasstabe zum Herausnehmen der Tropfen versehen und mit melirfacher Lage von Fliesspapier verdeckt sind, oder in kleinen Spritzflaschen, aus denen man leicht einzelne Tropfen entnehmen kann. In der Regel genügt ein ein- maliges Aufkochen nach jedem Gebrauche, um sie in der Länge der Zeit pilzfrei und klar zu erhalten; ja auch dieser Mühe ist man über- hoben, wendet man zur Aufbewahrung der Culturlösungen besondere mit Hähnen versehene Glasgefässe an. Eine bequeme Nährlösung ist weiter Bierwürze, doch ist sie schwer zu klären und bildet ausgekocht neue Niederschläge. Ferner leistet eine Abkochung von Hefe mit grösserem oder geringerem Zuckerzusatze, eine stark verdünnte Lösung von Fleisch- extract mit oder ohne Zucker gute Dienste. Endlich kann man die mannigfaltigsten Compositionen aus organischen und anorganischen Be- standtheileu gemischt und in beliebigen, für den Einzelfall besonders bemessenen Verhältnissen berechnet, anwenden. Bei dergleichen Lö- sungen ist abei' besonders noch darauf zu achten, ob sie sauer oder ba- sisch reagiren. Manche Pilze sieht man in sauren Lösungen gut gedeihen, von anderen tritt nicht einmal die Keimung von Sporen ein, sobald nur eine Spur von Säure sich vorfindet. Um die Culturen rein zu erhalten, also die aller Orten in der Luft verbreiteten Pilzkeime auszuschliessen, hat nach Bkefeld der Forscher sich bei seinen Untersuchungen die weitere Aufgabe zu stellen, die Utensilien rein und die zutretende Luft keimfrei zu erhalten und reine Sporen auszusäen. Die Reinigung der Utensilien erzielt man durch Siedehitze des Wassers, Ausglühen, längeres Einlegen in lOprocentige Salzsäure und darauf folgendes Abbrühen in destillirtem Wasser. Die Bildung des Staubes, die ja vornehmlich durch Trockniss und Bewegung der Luft begünstigt wird, ist möglichst durch Erschwerung der Trockniss zu vermeiden, indem der nach aussen gut abgeschlossene Culturraum im Innern feucht erhalten wird. Bkefeld sagt darüber selbst : „Je weniger auderweit in diesem Räume verkehrt wird, je ausschliesslicher er den speciellen Zwecken der Pilzcultur dient, je grössere Reinlichkeit man beobachtet, umsomehr wird die Bildung des Staubes im Innern und das Eindringen desselben von aussen ver- Zeitschr. f. wiss. Mikroskopie. I. 1. 9 130 Referate und Besprecliungen. 1, 1. mieden werden können. In einem besonders ausgewählten und mit zweckmässigen Einrichtungen und Vorkehrungen, den Staub zu besei- tigen und seine Biklung im Innern zu verhüten, versehenem Räume, kann es nicht schwer fallen, die Luft fast ganz pilzfrei zu er- halten imd so die grosse Fehlerquelle einer unreinen Atmosphäre bei den Pilzculturen nahezu auszuschalten". Von grösseren Pilzen vermochte Bebfeld leicht reines Sporeumaterial zu gewinnen, wenn er die Sporen auf reinen Objectträgern oder Uhrgläsern auffing oder in Papierkapseln, welche einen Tag lang in einem auf 150" erhitzten Räume gelegen hatten, einsammelte. Bei kleinen Schimmelpilzen war dies schwieriger, besonders dann, wenn mehrere Formen durcheinander wuchsen. Er suchte dann durch wiederholte Culturen auf festem, pilzfreiem Substrate oder in be- sonders zusammengesetzten Lösungen die Form vorher möglichst zu isoliren und erhielt meist schon nach der dritten und vierten Cultur reines Aussaatmaterial, das in reinen Papierkapseln an trocknen Orten Jahre lang aufbewahrt werden konnte. Die Isoliruug eines einzelneu Keimes für die Cultur zeigte bei reinem Material keine Schwierigkeit mehr. Er mengte zu diesem Zwecke eine kleine Menge Material gleich- massig mit Wasser und zwar mit so vielem, dass in dem mit einer Nadelspitze aufgenommenen Tropfen nur ein Keim zu finden war. Bei sehr kleinen und sehr wenig charakteristischen Sporen benutzte er statt Wasser Nährlösung, und leitete die Aussaat erst nach dem ei'sten Keimuugsstadium ein. Für das Studium der Fadenpilze empfiehlt er, zunächst Objectträgerculturen zu machen. Die Objectträger werden nach ihrer Beschickung auf einer Leiter von Ziukblechstreifeu placirt und mit einer Glocke bedeckt ; um den Innenraum mit Wasser gesättigt zu erhalten, wird die Glocke innen mittels eines Pulverisators voll kleiner Tröpfchen geblasen. Freilich stirbt trotzdem infolge von Ver- dustung des Culturtropfens der Keimling oft lange vor dem Ende seiner Entwicklung ab, und auch die Invasion fremder Keime ist nicht gänz- lich zu hindern. Um die Verdunstung zu verhüten, kann statt Wasser Caraghen oder Gelatine zur Nährlösung benutzt werden. Derartige Cultiu'cn lassen sich dann auch umdrehen, wodurch das Einfallen fremder Körper besser verhütet wird. Endlich kann man auch seine Zuflucht zu besonderen Objectträgern nehmen, in denen die Verdunstung der Nähr- lösung und die Invasion fremder Keime von vornherein unmöglich ist, ohne dass aber die Möglichkeit einer contiuuirlichen Betrachtung beein- trächtigt wird. Sehr geeignet für viele Fälle fand Bbepbld die Kammern von Recklinghausen, wie sie Geissler in Berlin anfertigt, doch ge- nügten sie nicht für alle Fälle. Als weit besser bezeichnet er solche I, 1. Referate und Besprechungen. 131 von einer anderen Form, die er dann anch fernerhin stets benützte. Die- selben haben keinen capillaren Ranm und werden vom dünnsten Glas in Deckglasdicke gemacht, so flach auf beiden Seiten, dass immer ein gleichniässiger Ueberzug entsteht und auf der glatten, gleiclimässig dicken Fläche die Fixirung eines Keimes mit starken Trockensystemen tagelang ohne Störung möglich wird. Man saugt die reinen Kammern voll und stellt nun die einzelnen, auf den Innenwänden in dem dünnen Ueberzuge von Nährlösung haften gebliebenen Keime ein. Diese Kammern sind besonders auch für Spaltpilze behufs Untersuchung derselben bis zu den kleinsten den Trockensystemeu überhaupt zugänglichen Formen herab, anwendbar. Auch Hefe- und kleine Schimmelformen lassen sich bequem darin untersuchen; endlich sind sie aber aucli sehr anwendbar für Keimversuche, besonders wenn für dieselben ausser der geeigneten Nährlösung bestimmte höhere Wärmegrade nöthig sind. Der für all die beschriebenen Vorbereitungen nöthige Zeitaufwand wird durch die rapide Entwicklung der Pilze ausgeglichen. Spielt sich doch der Entwicklungsverlauf sehr vieler in wenigen Tagen ab. Freilich liegt darin auch wieder die Gefahr, die einen Pilze, die sich als Fehler eingeschlichen haben, mit anderen , die man cultiviren will , zu ver- wechseln. Unreine Culturen schliessen immer mit Penicillium , Mucor, Hefe oder Spaltpilzen ab. Die Culturmethoden für grössere Pilzformen mit länger dauernder Entwicklung anlangend, so findet Beefeld die grösste Schwierigkeit in der Bekämpfung der Spaltpilze, die zum kleineren Theile aus der Luft, zum grösseren durch die benutzten Utensilien eingeführt werden. Nur wenn die Utensilien vor der Benutzung geglüht, die Objectträger in verdünnter Salzsäure aufbewahrt wurden und die Nährlösungen einen Tag im Dampfbade gestanden hatten, wenn ferner das Aussaatmaterial mit grösster Vorsicht gewonnen und die Cultur in einem möglichst staub- freien Räume vorgenommen wurde, gelang es, die Bacterien auszu- schliessen_und den vollkommenen Entwicklnngsabschluss der ausgesäeten Pilze zu erreichen. So liessen sich nicht blos Tausende von Culturen der verschiedensten kleinen Basidiomyceten auf Objectträgern zu Ende führen, sondern auch grosse Askomyceten in allen Entwicklungsstadien des vegetativen und fructificativen Lebens verfolgen. Oft Hess sich hierbei die Beobachtung machen, dass in sauren Lösungen seltener Stö- rungen durch Bacterien auftreten, und es schien vortheilhafter, solche, wenn sie vom Pilze vertragen werden, anderen vorzuziehen. Massigere Pilzformen reichten natürlich mit der geringen Nährstoffmenge auf dem Objectträger nicht aus, tiir sie waren Culturen auf festem Substrate 0* 132 Referate und Besprechungen. 1, 1. nöthig, da solches eine üppige Ernährung ermöglicht. Hierbei war es in vielen Fällen möglich, Substrate zu schaffen, so reich an Nährstoffen, wie sie die Natur nicht bietet und dadurch Entwicklungsstadien zu er- reichen, die in der Natur nicht oder nur selten zur Entwicklung ge- langen. Dabei fällt noch ins Gewicht, dass jede Mitconcurrenz von anderen Pilzen ausgeschlossen bleibt. In diesen Cultureu konnten gleich- zeitig auch Beobachtungen nach anderen Richtungen gemacht werden, die sonst kaum zur Beachtung gelangt wären, wie z. B. die mannig- fachen Wirkungen, welche das Licht auf die Pilzpflanzen ausübt. Für die massigeren Pilze ist auch wieder das nächstliegende Aussaatmaterial der Mist kräuterfressender Thiere. Derselbe wird mit Wasser zu einem dünnen Brei aufgeweicht und die Mischung einen Tag lang gut verdeckt im Dampfbade gehalten. Der flüssige Theil wird abgegossen, um als Nährlösung benutzt zu werden ; das Feste dient, in einer reinen, mit breitem Glasdeckel verdeckten Krystallschale ausgebreitet, als Substrat. Einen noch ergiebigeren Nährboden bildet ungesäuertes Brot, das 24 Stunden lang einem Luftbade von 150^0. ausgesetzt gewesen ist. Während die Anwendung von Nährlösungen oder anderen Nähr- substraten der Ausgangspunkt für Pilzculturen und mykologischen Unter- suchungen bildet, die von der einzelnen Spore in geschlossener Folge hergeleitet werden sollen, giebt es nun auch Fälle, wo die Nährlösung völlig ausgeschlossen bleibt, wie bei Sklerotien und sklerotialen Zu- ständen von Fruchtköi'pern (Dauermycelien etc.). Kleinere keimen oft schon nach einigen Tagen auf dem W^assertropfen des Objectträgers. Bei längerer Keimdauer ist eine feuchte Kammer anzuwenden. Grössere Fruchtkörper lässt man auf gut ausgekochtem Filtrirpapier in gut ver- decktem Uhrglase, grosse Sklerotien auf grobem Kiessaude keimen. I)r. 0. E. B. Zimmermann {Chemnitz). Leitgeb, H., Ueber Bau und Entwicklung einiger Sporen (Ber. Dtsch. Botan. Gesellsch. Bd. I, 1883, H. G p. 246). Im Laufe der Untersuchung über den Bau und die Entwicklung von Sporen giebt der Verf. an, dass die Sporen von Preissia, Duvallia, Reboulia, Fimbriaria, Plagiochasma eine durch Chlorzinkjod stark quel- lende und sich bläuende Intine besitzen, die von einer ihr dicht an- liegenden, cuticularisirten Haut, die Verf. als Exine bezeichnet, um- schlossen ist. Bei Sphaerocarpus bedingt die Einwirkung der Chromsäure, wie schon Petounickow gezeigt hat, die Abhebung der Tetradeuhaut bei längerer Einwirkung, stärkere Chromsäure aber hebt, wie auch schon Petounickow nachwies, diese Tetradeuhaut rasch ab und löst sie, und I. 1. Referate und Besprechungen. 133 die nun tVcieu Sporen lassen deutlich die cuticularisirte Exine und die Tntine mit Celhilosereaction erkennen. Die Erkennung der einzelnen Schichten der Sporenniutterzellenmembran ermöglicht der Verf. durch Anwendung von Chlorzinkjod. J. E. JVcis.'^. Haberlaiidt, G., Ueber die physiologische Function des C e n t r a 1 s t r a n g e s im L a u b m o o s s t ä m m c h e n (Ber. Dtsch. Botan. Gesellsch. Bd. I, 1883, H. 6 p. 263). Verf. benutzt bei seinen Wasserleitungsversuchen eine wässe- rige Eosin lös ung nach dem Vorgehen Elfvings, um die physiolo- gische Function des Centralstranges im Laubmoosstämmchen festzu- stellen. J. JE. Weiss. Priugsheim, N., Ueber Cell ulinköm er, eine Modification der C el lulose in Körner form (Ber. Dtsch. Botan. Gesellsch. Bd I, 1883, H. 6 p. 288 m. 1 col. Tfl.). In den Schläuchen der Saproleguien und Achlyen treten Körner auf, welche der Verf. C el lul in körne r nennt. Die wichtigeren mikro- chemischen Reactionen dieser Körner sind : 1. Jod färbt sie nicht blau und Jodlösungen bringen an ihnen keine der bekannten Farbentöne der Jodstärke hervor. 2. In allen gebräuchlichen Lösungsmitteln der Fette und Harze sind sie vollkommen unlöslich ; durch absoluten und diluirten Alkohol und Aether werden die Cellulinkörner nach wochenlanger Behandlung nicht verändert. 3. Sie zeigen keine Reaction von proteinhaltigen Körpern ; so werden sie durch Jod weder gelb noch braun, durch Salpetersäure allein oder durch Salpetersäure und Ammoniak oder Kali nicht gelb, durch das MiLiiON'sche Reagens nicht roth gefärbt; sie speichern Farbstoffe nicht auf, so nehmen sie Carminlösungen und Anilinroth gar nicht an und von Hämatoxylin und Anilinblau werden sie nur unter Umständen schwach gefärbt. 4. Kaustische Alkalien, wie concentrirte Kalilauge, zeigen in der Kälte selbst nach Wochen keine Einwirkung; nach längerem Kochen jedoch werden sie blasser und unscheinbarer. 5. Concentrirte Salpetersäure und Salzsäure scheinen bei gewöhn- licher Temperatur schwach darauf einzuwirken ; man kann sie in Salpeter- säure und der ScHULZE'schen Mischung kurze Zeit erwärmen ; bei län- gerem Kochen werden sie sehr blass und unscheinbar. 6. Sie lösen sich schon in massig conceutrirter Schwefelsäure (1 H,; SO4 : 1 H., 0) bei gewöhnlicher Temperatur, wie manche Cellulose- membranen. 134 Referate und Besprechungen. I, 1. 7. Ebenso lösen sie sich leicht ohne Rückstand sofort in wässe- riger, nicht zu verdünnter Chlorzinklösimg. 8. Sie lösen sich nicht bei unmittelbarem Einbringen in Kupfer- oxydammoniak, selbst nicht bei längerer Einwirkung. Diese Reactionen gelten für alle Zustände der besprochenen Körner. Die morphologischen Charaktere und die mikrochemischen Reactionen deuten auf eine Verwandtschaft mit Stärkekörnern und Zell- membranen hin. Diese Cellulosemodification, vom Autor „Cellulin" genannt, nähert sich der Fibrose von Feemy. Der wesentliche chemische Charakter des C e 1 1 u 1 i n s besteht in der ausserordentlichen Löslichkeit in wässeriger Chlorzinklösung und in verdünnter Schwefelsäure. Die Cellulinkörner unterscheiden sich von der Membran der Saprolegnien, indem die Membranen der Saprolegnien sich durch Chlor- zinklösung bläuen, während die Cellulinkörner sich darin lösen; ferner lösen sich die Membranen von Achlya und Apodya leicht in frisch be- reiteter, ammoniakalischer Kupferoxydammoniaklösung nach vorher- gehendem Kochen in Salpetersäure oder nach Erwärmung in Salpeter- säure und Kalichlorat, während bei gleicher Behandlung die Cellulin- körner nur in ihren inneren Schichten aufquellen. Die Cellulinkörner sind chemiscli von den Stärkekörnern verschieden. Die älteren Stadien der Cellulinkörner zeigen eine Schichtung ; der Kern scheint von der dichteren Substanz gebildet, ebenso wird die äusserste Schicht von dichter Substanz gebildet. J. E. Weiss. Molisch , H.1I1S , U e b e r den mikrochemischen Nachweis von Nitraten und Nitriten in den Pflanzen mit- tels Diphenylamin oder Brucin (Ber. Dtsch. Botan. Gesellsch. Bd. I, 1883, H. 3 p. 150). Während Borodin und N. A. Monteverde durch Behandlung der Pflanzenschnitte mit Alkohol den Salpetergehalt zu bestimmen suchten, verwendete der Verf. das von den Chemikern in letzter Zeit zum Nach- weise sehr kleiner Mengen von Nitraten und Niti'iten empfohlene Diphenylamin und Brucin um auf mikrochemischem Wege die Gegenwart der genannten Stickstoff Verbindungen zu constatiren. Diphenylamin wurde in einer Lösung von '/, o„ bis '/, o g iu 10 cc reiner Schwefelsäure angewendet bei der Prüfung frischer Schnitte; bei eingetrockneten Schnitten wendet man sehr concentrirte Lösungen an; die Anwesenheit von Nitriten oder Nitraten giebt sich durch eine tiefblaue Färbung zu erkennen, die längere oder kürzere Zeit an- dauert, um dann zu verschwinden oder ins Braungelbe überzugehen. I, 1. Referate und Bespi-echiingen. X35 Sind sehr geringe Spuren dieser Salze vorhanden, so lässt man die Schnitte auf dem Objectträger erst eintrocknen und behandelt dann mit recht concentrirter Diphenylaminlösung. Brucin in einer Lösung von y,o g in 10 cc reiner Schwefelsäure angewendet, ruft eine hochrot he oder rothgelbe vergäng- liche Färbung hervor, die jedoch bei Anwesenheit von geringen Spuren der genannten Salze nicht deutlich ist. In beiden Fällen kann die Reaction von Nitraten oder Nitriten her- rühren. J E. Weiss. Giltay, E., üeber das Verhalten von Hämatoxylin gegen Pflanzenmembranen (Sitzimgsber. d. k. Acad. d. Wiss. Amsterdam. Sitzung vom 27, Octbr. 1883 p. 2). Herr Professor Sueingak berichtet über diese Arbeit des Ref., deren Resultate sich kurz folgendermaassen zusammenfassen lassen: 1. Wie bekannt färbt Hämatoxylin intensiv die Zellkerne und weiter die meisten angehäuften plasmatischen Theile. 2. Stark gefärbt werden alle unverholzten und unverkorkten Wände. 3. Es werden auch die Hyphenwände bei mehreren Pilzen tingirt. 4. Gefärbt wird die Intercellularsubstanz der Tunica enterna von Tunicaten. 5. Nicht gefärbt werden alle vollkommen verholzten oder ver- korkten Wände und ebensowenig die cnticularisirten Membranen. 6. Bei der Färbung erfahren die Wände keine merkliche Quellung oder Veränderung. 7. Die gefärbten Präparate können längere Zeit conservirt werden. Besonders die beiden letztgenannten Eigenschaften bilden vor dem bekannten ScHxrLZE'schen Reagenz entschiedene Vorzüge, und Ref ist durch viele vergleichende Beobachtungen zu der Ueberzeugung ge- kommen, dass Hämatoxylin unter Berücksichtigung des sub 1 genannten, als specifisches Reagenz auf Cellulosewände zu verwenden und sogar in den meisten Fällen dem Chlorzinkjod vorzuziehen ist. Bereitung und Anwendung sind wie folgt: Von einer Lösung von 7 g Hämatoxylin in 50 cc absolutem Alko- hol, welche vorräthig zu halten ist, werden 5 cc zu einer ^procentigen Alaunlösung gefügt. Diese Lösung trübt sich bald, sodass vor dem Ge- brauch etw\as filtrirt werden muss. Es ist gut, sich die Lösung etwa eine Woche vor dem Gebrauche anzufertigen. Das zu färbende Präparat wird 5 bis 15 Minuten, wenn mau eine starke Färbung wünscht, stets 10 bis 15 Minuten in dem Farbstoff ge- lassen. 136 Referate und Besprechungen. I, 1. Die weitere Behaudhmg ist verschieden. Wünscht man eine sehr intensive Tinction, dann wird das Präparat erst in absohitem Alkohol entwässert nnd dann in Nelkenöl (Brechungsindex circa 1*54) überge- bracht. Entsteht bei dem Ueberbringen in Alkohol ein tropfenförmiges Präcipitat, dann wird der Schnitt während z. B. 10 Secunden in Wasser gebracht und dann in absolutem Alkohol entwässert. Leidet durch das Nelkenöl die Sichtbarkeit des ungefärbten Präparats etwas zu viel, und ist eine weniger intensive Färbung genügend, dann wird das Prä- parat in Wasser gewaschen und in verdünntes Glycerin (Brechungsindex = 1*40) gebracht. Ein Bild, welches ungefähr zwischen jenen beiden die Mitte hält, wird geliefert durch Lein- oder Ricinusöl (Brechungs- index circa 1-47). Dr. E. Giltay. Schwarz, Frank, Die Wurzelhaare der Pflanzen. Ein Bei- trag zur Biologie dieser Organe (Unters, aus d. bot. Inst. Tübingen Bd. I, 2, 1883, p. 135 bis 188 m. 1 Tfl. u. 3 Holzschn.). Die Membran der Wurzelhaare besteht aus zwei Theilen , einer inneren scharf abgegrenzten Schicht, die sich mit Chlorzinkjod meist blau färbt , und einer äusseren , im ungefärbten Zustande schwer zu unterscheidenden veränderlichen Schleimlage. Dieselbe färbt sich mit Chlorzinkjod gelblichbraun, sie entspricht der Cuticula oberirdischer Pflanzentheile. Besonders schön sieht man die Zweischichtigkeit der Wurzelhaarmembran an den Haaren von Taxus baccata. Die innere Lage erscheint auf dem optischen Querschnitt roth, die äussere blau. Will man diese Schleimschicht bei anderen Pflanzen nachweisen, so ist es nothwendig, nur in sehr trockener Erde gewachsene Haare zu unter- suchen, da bei etwas grösserer Feuchtigkeit ein zu starkes Aufquellen event. eine Lösung resp. Vertheilung des Schleimes eintritt. Jod, Jod- schwefelsäure, verdünnte Anilinlösungeu färben nicht, dagegen wird diese gummöse Schicht durch eine wässerige oder besser noch alkoho- lische Lösung von Carminsäure schön roth '. Sehr vortheilhaft ist auch die Färbung mit Anilinschwarz (Nigrosin), wodurch die Gallerthülle violett erscheint. Will man andere Anilinfarben anwenden, ist es noth- wendig, die Wurzeln 12 bis 18 Stunden in einer Tanninlösung liegen zu lassen, giebt man dann z. B. Methylgrün zu, so erscheint die innere >) Die aus Cochenille dargestellte Carminsäure eignet sich vor- züglich zur Färbung von gummösen Substanzen Etwas weniger gut färbt Carthamin, man löst etwas von diesem Farbstoff in wenig kohlen- saurem Natron und neutralisirt sodann mittels Citronensäure. Besonders schön wird Cellulose tingirt (Schwarz 1. c. p. 143). I. 1. Referate und Besprechungen. 137 Membran mehr g'elblicli, während die äussere gummöse Schicht bhiss- grün erscheint. Nacl» längerem Liegen (14 Stunden) in dem Farbstoif nahm die äussere Membran eine mehr blaue Farbe an, wodurch sie sich noch besser abhob. Hämatoxylinlösung (zu gleichen Theilen Wasser und Alkohol) färbte die innere Membran röthlich, die äussere Schicht violett (p. 142). Schaar Schmidt (Klausenburff). Gibelli, Giuseppe, N u o v i s t u d i s u 1 1 a m a 1 a 1 1 i a d e l C a s t a g n detta dell' inchiostro. Bologna 1883 (p. 8 bis 11). Im Bast, im Phelloderm und in der Borke, manchmal auch im Holz- parenchym und um den grösseren Holzgefässen des Stammes, wie auch im Holztheile und in der Rinde der Wurzel der an „malattia dell' inchiostro" erkrankten Castanienbäume findet sich Ellagen säure iu Sphärokrystallen. Diese sind im Wasser und Alkalien löslich, im kohlen- saurem Kalium lösen sie sich mit gelber, in concentrirter Salpetersäure mit granatrother Farbe auf. Eiseuchlorid erzeugt grün-schwarze und salpetersaures Silber rothbraune Färbung. Schaarschm idt {Klaiisenhnrg). Oliyier, Louis, Les procedes operatoires en histologie vegetale. (Extrait de la Revue des Sciences nat.). Paris (Savy) 39 pp. 8». Ein kurzer Abriss dessen, was man gewöhnlich als Botanische Mikrochemie bezeichnet. Verf. sagt, dass, während in der Zoo- logie die Mikrochemie schon sehr ausgebildet sei, diese Methode der Untersuchung in der Pflauzenhistologie noch „tres-rudimentaire" wäre. In wie weit dieses zutrifft, wollen wir hier nicht entscheideu ; wir wollen nur hinzufügen, dass die Ptlanzenhistologie, die doch nicht sehr rudi- mentär genannt werden kann, gerade soviele mikroskopische Methoden besitzt, als sie nöthig hat. Verf. theilt das Werkchen in 7 Capitel : 1. Aufhellung, 2. Fixi- rung der Formen, 3. Contraction , 4. Präcipitation , Krystallisation, 5. Lösung, Zerstörung, 6. Färbung, 7. Conservirung. Unseres Erachtens ist dieses die denkbar unglücklichste und unpraktischste Eintheilung, die es giebt; hätte Verf. die des PouLSEN'schen Buches ' beibehalten, an das er sich sonst enge hält, so würde er besser gefahren sein; bei der Eintheilung des Verf. muss nothgedrungen Alles auseinaudergerissen werden. Die zahlreichen Citate scheinen meist nach Poulsen gemacht zu sein ; wenigstens müsste Verf., wenn er selbständig in der ein- schlägigen Literatur gearbeitet hätte, doch auf die zahlreichen wichtigen *) V. A. Poulsen, Botanische Mikrochemie, übers, v. Müllee, Cassel 1881. 138 Referate und Besprechungen. I, 1. Abhandlungen, auch französischen, gestossen sein, die Poulsen nicht citirt. Auf die bekannten Thatsachen des Inhaltes selbst einzugehen ist hier nicht der Ort; wir wollen nur die folgenden Bemerkungen machen: Verf. benutzt, um Pflanzenschnittc aufzuhellen, 36procentigen Al- kohol, dem er tropfenweise concentrirte Salpetersäure zusetzt, bis sich Dämpfe von Uebersalpetersäure entwickeln, er steckt den Alkohol dann an und erhitzt das Gemisch, um es noch mehr zu concentriren (!). GuiGNAKD (1880) wendet Chromsäure an, um Zellkerne im Embryo- sack von Mimosen zu fixiren (wievielprocentig, wird nicht gesagt; cfr. übrigens Steasbueger, Zellbildung u. Zelltheiluug 1880 p. 172 f., Flem- MiNG, Flesch u. A. — also nichts Neues). Die Ueberosmiumsäure (p. 8) zur Fixirung von Protozoen haben nicht ViGNAL und Ceetes zuerst angewendet ; sie ist zu diesem Zwecke in Deutschland seit .Jahren in Gebrauch; viele Forscher empfehlen sie dazu übrigens nicht. Die Nachweisuug der Saccharose von Bonnier (p. 13) bedarf der Bestätigung ; jedenfalls ist die Methode nur für wenige Fälle anwendbar. Bei Besprechung der Anilinfarben wird vorzugsweise der Bacterien- färbung von Koch gedacht, während diese Farbstoffe doch auch sonst in der Pflanzenhistologie die ausgedehnteste Anwendung finden. Die HANSTEiN'sche Methode der Anilinfärbung wird überhaupt nicht erwähnt. Die „Corps pigmentes" also Chlorophyll nebst seinen Modificationeu und die anderen Pflanzenfarbstoffe werden auf 14 Zeilen (!) abgehandelt, obgleich das Studium dieser Stoffe, wie Verf. sagt : „presente un grand interet pour la physiologie, l'agriciüture et l'industrie". Uebrigens ist uns nichts Neues oder Erwähnen swerthes aufgefallen. Die ganze Abhandlung ist im Journ. R. Microsc. Soc. Ser. II vol. III, 1883, pt. 5 p. 741 übersetzt, welche Uebersetzung jetzt auch von den Microsc. News abgedruckt wird. Behrens. D, Miner ologisch-Geologisches. Eefereuf: Professor Dr. A. Wichmann in Utrecht. Cohen, E., Sammlung von Mikrophotographien zur Ver- anschaulichung der mikroskopischen Structur von Mineralien und Gesteinen, aufgenommen von J. Geimm in Offenburg. Stuttgart (Schweizerbart) 1879 — 83. I, 1. Referate und Besprechungen. 139 Die vorliegenden Tafeln gehören zweifellos zu dem Besten, was bisher in der photographischen Wiedergabe mikroskopischer Objecte geleistet worden ist. — Auf 80 Tafeln zu je vier Photographien finden sich die wichtigsten Erscheinungen, welche die Mineralien und Gesteine unter dem Mikroskope darbieten, zusammengestellt; z. B. charakteri- stische Krystalldurchschnitte, Mikrolithe, Gruppirung derselben, Kry- stallite, Einschlüsse, Anordnung derselben, Spaltung, Schlagfiguren, Streifung, Zonarstructur, Zwillingsbildungen, Verwachsungen, Aggrega- tionsformen, diverse optische Erscheinungen, Umwandlungserscheinungen, Aetzfiguren, mikrochemische Reactionen, Kieselfluorverbindungen, Mikro- structur einiger Gesteine u. s. w. Die betreffenden Objecte sind mit grosser Sorgfalt ausgewählt. Der 10. Lieferung (mit der das Werk seinen vorläufigen Abschluss findet) ist ein ausführliches Inhaltsverzeichniss beigegeben, welches in dreifacher Form zusammengestellt ist und zwar 1. nach der Art der Erscheinungen, 2. nach den Mineralien und 3. nach den Gesteinen. Die Orientirung wird hierdurch sehr erleichtert. Becke, F., Ueber die Unterscheidung von Augit und Bronzit in Dünnschliffen (Tschermak's Mineralog. und petrogr. Mitthlg. Bd. V, 1883, p. 527). Die vor fünf Jahren von Bertkand, Klein und Lasaulx fast zu gleicher Zeit vorgeschlagenen Methoden, um das Miki-oskop in ein Pola- risationsinstrument mit convergentem Licht umzuwandeln, haben trotz der mannigfachen sehr nützlichen Dienste in ihrer Anwendung bei der mikroskopischen Gesteinsanalyse doch nicht ganz den in sie gesetzten Erwartungen entsprochen. Ein Uebelstand besteht momentan darin, dass bei grosser Dünne der Präparate eine Intensitätsabnahme der Interferenzerscheinungen eintritt , die sichere Beobachtungen ausser- ordentlich erschwert. Wo derartige Hindernisse nicht vorhanden sind, liefert diese Methode — und das zeigt auch die vorliegende Arbeit — gute Resultate. Der Verf. theilt seine Beobachtungen über das Verhalten der Au- gite und Bronzite im convergenten polarisirten Lichte (c. p. L.) und im parallelen polarisirten Lichte (p. p. L.) mit und beschreibt des Näheren die sich in den verschieden orientirten Schnitten darbietenden Inter- ferenzerscheinungen, Die sich ergebenden Unterschiede werden in der nachfolgenden Uebersicht wiedergegeben : 140 Referate und Besprechungen. I, 1. Bronzit (rhombisch). 1. Form meist längere Säulen mit stumpf dachförmiger Endigung. Quer- schnitt breit rechteckig durch Vor- walten von ooPoo (100) und ooPoo (010) mit durch coP (110) abgestumpf- ten Ecken. Spaltrisse nach ocP, sel- tener nach cx)Poc oder ooPoc. 2. Querschnitte zeigen im p. p. L. gelblich-weiss I 0, Auslöschung nach den Rechteckseiten. Im c. p. L. ver- waschenes schwarzes Kreuz, das sich beim Drehen öffnet, und entweder gar keine, oder nur Spuren von Lemnis- caten am Rande des Gesichtsfeldes. Austritt der 4- Mittellinie. 3. Längsschnitte nach ooPoo (100) gelblich-weiss 1 0, gerade Auslöschung, Austritt der ^Mittellinie. Tnterferenz- bild ähnlich wie beim Querschnitt. 4. Längsschnitte nach ooPoo (100). Interferenzfarben braunroth 10 bis blau II 0. Gerade Auslöschung, im c. p. L. kein Axenbild. 5. Schnitte senkrecht zur opti- schen Axe sind schmal rechteckig und zeigen im c. p. L. blos die Hyperbel. 6. Zwillingsbildung ist selten. Knieförmige Berührungszwillinge nach Domenflächen mPoo (okl), manchmal zu mehreren, sternförmigen Krystall- gruppen ähnlich. Augit (raonoklin). 1. Form gedrungene Säulen, häufig mit schiefer Endigung. Querschnitt meist achteckig durch gleichmässige Entwicklung von ooPoo (100), oopoo (010) und ocP (110). Spaltrisse nach 2. Querschnitte genau _[^ zur Prismenzone zeigen im p. p. L. blau bis roth II 0. Auslöschung nach zwei Seitenpaaren des Achtecks. Im c. p. L. das Bild einer optischen Axe am Rande des Gesichtsfeldes mit dunkler Hyperbel und 1 oder 2 farbigen Ringen. 3. Längsschnitte nach ooPoo (010) haben oft schiefe Umrisse, schiefe Au slöschung , hohe Interferenzfarben bis gelbgrün III 0, kein Axenbild im c. p. L. 4. Längsschnitte nach ooPcxd (100) Interferenzfarben blau-roth II 0, gerade Auslöschung. Ein seitliches Axenbild im c. p. L. am Rande des Gesichts- feldes oder wenigstens deutlich mehrere Ringe. 5. Schnitte _]_ zur optischen Axe sind schief achteckig , ähnlich den Querschnitten, oder sie gleichen den Längsschnitten nach ooPoo (100). Im c. p. L. dunkle Hyi^erbel und ein oder zwei Ringe sichtbar. 6. ZwUlingsbildimg sehr häutig nach ocFoo (100) oft in Gestalt ein- geschalteter Lamellen. E, Technisches. Berthold, Tictor, Ueber die mikroskopischen Merkmale der wichtigsten Pflanzenfasern (Fachzeitg. f. Waarenk. 1883, Nr. 3 p. 14). Verf. weist Cellulose und Holzstoff in den Textilfasern nach durch I. 1. Keferate luul Besprecliuugen. 141 die bekannte Jod-Schwefelsäure-Methode. Die Reagentieu bereitet er auf eine von der üblichen etwas abweichenden Weise, nämlich : Jodlösung, lg Jodkalium in 100 g Wasser gelöst und solange Jod zugesetzt, bis die Lösung gesättigt ist und einige Jodblättchen am Boden des Gefässes zurückbleiben, Schwefelsäurelösung. 2 Voll, reinstes Glycerin und 1 Vol. Wasser werden in einem Gefäss unter Umrühren und möglichster Ab- kühlung des Gefässes nach inul nach mit 3 Voll, concentrirter englischer Schwefelsäure versetzt. Die zu untersuchenden Fasern werden auf dem Objectträger kurze Zeit der Einwirkung der Jodlösuug überlassen, dann entfernt man letztere mit Filtrirpapier und setzt 1 bis 2 Tropfen der Schwefelsäure- lösung zu. Die Reagentieu ändern mit der Zeit ihre Concentration ; die Jod- lösung muss dann erneuert werden, die Schwefelsäurelösung kann ge- wöhnlich durch Zusatz einiger Tropfen Schwefelsäure wieder brauchbar gemacht werden. Um Fasern im Längsverlaufe zu untersuchen, macerirt sie Verf. durch halbstündiges Kochen in einer Lösung von 10 Th. Soda oder Pottasche in 100 Th. Wasser, wäscht nach dem Kochen gut mit Wasser aus, zerreibt zwischen den Fingern, trennt die einzelneu Bastfasern auf dem Objectträger mit einer Nadel und bedeckt mit Glycerin und Deckglas. Zur Herstellung der Querschnitte werden die macerirten Fasern durch Reiben zwischen den Fingern möglichst parallel gelegt, mit einer dicken Gummilösung, der man einige Tropfen Glycerin zugesetzt hat, bestrichen und durchtränkt, zwischen zwei Korke gelegt, etwa 24 Stunden eintrocknen lassen und geschnitten. Die Beobachtung geschieht zu- nächst in Glycerin, dann unter Zuhilfenahme obiger Reagentien. Behrens. Tiemaiin, Untersuchung des Wassers auf entwicklungs- fähige Mikroorganismen (Verhandl. dtsch. Gesellsch. f. öffentl. Gesimdheitspflege zu Berlin, 1883. Im Manuscript ver- vielfältigt und den Mitgliedern des X. hygienischen Congresses in Berlin als Festgabe gewidmet). Prof. TiEMAKN theilt folgende neue Methode der mikroskopisch- bacteriologischen Untersuchung des Wassers mit : Es werden je 200 cc Wasser in sorgfältig gereinigte, durch heissen Dampf desinficirte, mit ebenso desinficirtem Wattepfropf verschlossene Gläser gefüllt. Zur Entnahme des Wassers diente eine vor jedesmaligem Gebrauche mit 142 Referate und Besprechungen. I, 1. destillirtem Wasser mehrmals ausgespülte Pipette. Ein Tropfen des vorher stark geschüttelten Wassers wird auf ein Deckglas gebracht, dieses mit nach unten gerichtetem Tropfen auf einen hohlgeschliffeuen Objectträger gelegt und bei lOOfacher, darauf bei öOOfacher Vergrösse- rung durchgemustert. Mehrere derartige Präparate werden auch unter Schutz trocknen gelassen. War der Tropfen (nach 15 bis 20 Minuten) verdunstet, so wurde die Substanz unter den Deckgläschen mit Methylen- blaulösung gefärbt, abermals getrocknet, in Canadabalsam eingelegt und bei ÖOOfacher Vergrösserung untersucht. Die Bacterien erscheinen blau gefärbt. Um die Zahl der im Wasser befindlichen entwicklungsfähigen Or- ganismen zu bestimmen, wird eine bestimmte Menge Wassers (Viooo Tropfen bis 10 Tropfen) mit sterilisirter Nährgelatine vermischt. Die Tropfenzahl wird stets mit derselben graduirten Pipette, die vorher aus- gekocht und mit destillirtem und mehrmals mit dem zu untersuchenden Wasser ausgespült wurde, abgemessen. Jede Probe wird mit 10 cc \ erflüssigter Gelatine augestellt, die im kalten Räume auf einer voi-her durch Hitze sterilisirteu Glasplatte ausgebreitet wird. Unter einer feuchten Glocke im temperirten Zimmer entwickeln sich Colonien von Mikroorganismen, die an verschiedenen Stellen der Platte bei SOfacher Vergrösserung pro Quadratcentimeter gezählt werden. Die Durch- schnittszahl der gefundenen Werthe multiciplirt mit dem Flächenraum der ausgebreiteten Gelatine giebt die Zahl der in der Probe enthal- tenen entwicklungsfähigen Mikroorganismen und daraus wird die Zahl derselben pro Cubikcentimeter Wasser berechnet. Zur Zählung benützt man eine in Quadratcentimeter getheilte Platte, welche unter die Probe- platte gelegt wird. Controlversuche mit destillirtem Wasser ergaben, dass die Fehler- quellen der Methode sich in sehr engen Grenzen bewegen. Die gefun- denen Werthe sind immer geringer, als sie der Wirklichkeit entsprechen, weil oft mehrere Colonien sich decken und weil nicht alle Mikroorga- nismen zur Entwicklung kommen. Dr. J. Moeller. I, 1. Neue Literatur. 143 Neue Literatur.^ 1. Lehr- und Handbücher. Bachmanii, Otto, Unsere modernen IVIikroskope und deren sämmtliche Hilfs- und Nebenapparate für wissenschaftliche Forschungen. München und Leipzig (Oldenbourg). 1883. XV u. 344 pp. 8". Mit 175 Abbild. 6 Mk. Behrens, AV., Hilfsbuch zur Ausführung mikroskopischer Untersuchungen im Botanischen Laboratorium. Braunschweig (C. A. Schwetschke und Sohn) 1883. XII. u. 398 pp. 8». Mit 132 Figg. und 2 Tflu. 12 Mk. [Cfr. auch Bull. Soc. Beige de Microsc. t. IX. 1883 no. V. p. 63 n. VII p. 249. — Journ. R. Mcrosc. Soc. Ser. 11. vol. III., 1883, pt. 2 p. 285. — Botan. Centralbl. Bd. XV, 1883, p. 85. — Fachztg. f. Waareuk. 1883 No. 3 p. 16]. Bizzozero, G., Handbuch der klinischen Mikroskopie. Autorisirte deutsche Ausgabe von A. Lustig und S. Berxheimer. Erlangen (Besold) 1883. XII. und 251 pp. 8". Mit 47 Figg. und TU lith. Tfln. 8 Mk. , Manuel de Microscopie cUnique, avec des Instructions sur l'emploi du microscope en medicine legale et sur les Operations etc. Traduit de l'italien par Ch. Fikket. Bmxelles (Manceaux) 1883. XII. und 359 pp. 8". Mt 47 Figg. und VII Uth. Tfüi. 10 Fr. [Cfr. auch Bull. Soc. Beige de Mcrosc. t. IX. 1883 no. VIIL pag. 101]. 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Die bei der Redaction eingehenden Beanticortungen werden unverzüglich dem Fragesteller übermittelt und später ■ — falls sie allgemeines Interesse haben — in der Zeitschrift zum Abdruck gebracht. Wir bitten um recht fleissige Benutzung des „Fragekastens"). Man bittet um gütige Mittlieihmg von Erfahriingeu beim Sclineiden botanischer Objecte mittels Mikrotom und besonders über die Anwen- dung von Einbettungsmasseu bei weichen oder in Alkohol gehärteten, weichen Pfianzentheilen. Dr. E. Giltaij (Leiden). Band I. Heft 2. Die Verwenduno' des elektrisclien Grlüliliclites zu mikroskopisclieu Untersucliimgen und mikro- pliotogTapliisclien Darstellung-en \ Von Hofrath I)r. Theodor Steiu in Fraiikfuit a. M. Hierzu 7 Holzschnitte. Man hat den elektrischen Strom zu Beleuchtungszwecken in der mikroskopischen Technik schon seit vielen Jahren in Benutzung ge- zogen und zwar um mit Hilfe von Projectionsapparaten mikroskopische Objecte an der weissen Wand eines Auditoriums einer grösseren Zu- hörerschaft anschaulich zu machen. Der Fortschritt in der Construc- tion der Objective gestattete, auch auf diesem Wege feinere Structur- verhältnisse der Beurtheilung zu unterziehen. Jedoch fanden die be- züglichen Leistungen ihre Grenze in einer etwa SOfacheu Linearver- grösserung. Wenn auch die Bilder mittels eines mikroskopischen Pro- jectiousapparates , sei es des Sounenmikroskops , sei es des elektri- schen Projectionsmikroskops in ganz colossalen, in das Vieltausendfache gehenden A^ergrösserungen an die Wand des Auditoriums geworfen wurden, so handelte es sich immer nur um ein Anseinandertreten der Zeichnung, jedoch niemals um eine grössere Definition der einzelnen Gewebsformen, es traten durch die Vervielfachung des Durchmessers feinere Details des Objects nicht hervor. ') Vorläufige Mittheilungen über denselben Gegenstand finden sich in der Zeitschrift des elektrotechnischen Vereins zu Wien (Octob. 1883) und in der Elektrotechnischen Kundschau (Dec. 1883). Zeitschr. f. wias. Mikroskopie. I. 2. 11 1G2 Stein: Die Verw. d. elektr. Glüljliclites zu mikrosli. Unters. I, 2, Das elektrische Licht, welches auf diese Weise Verwendung fand, war dasjenige des VoLTA'schen Lichtbogens, welcher bekanntlich mittels eines Lichtregulators zwischen zwei, je nach der Stärke des Stroms ihre gegenseitige Stellung regulirenden Kohleuspitzen in namhafter Intensität erzeugt werden kann. Das seit einigen Jahren zu elektrischen Beleuchtungszwecken verwandte elektrische Glühlicht eignet sich zu der- artigen Demonstrationen weniger, weil die Lichtintensität der bisher fabricirten Kohlenglühlichtlampen eine 10- bis 50-faehe Normalkerzen- stärke nicht zu übersteigen pflegt und diese Lichtkraft selbstverständlich für Projectionszwecke nicht ausreichen würde. Dagegen kam man auf die Idee, das Kohlenglühlicht zu mikroskopischen Untersuchungen mittels des gewöhnlichen, zusammengesetzten Mikroskops zu verwenden. Die ersten Untersuchungen, welche in dieser Richtung gemacht wurden, geschahen auf der Münchener Elektricitätsausstellung 1882, woselbst von der wissenschaftlichen Commission die erwähnte Beleuchtungsart sowohl zu anatomischen und mikroskopischen, als auch zu spectro- skopischen Arbeiten benutzt wurde. An der Prüfung über die Brauch- barkeit des elektrischen Lichtes zu solchen Untersuchungen betheiligten sich damals die Professoren Kühne, von Voit, Kuppfer, Ritdinger und BoLLiNGEE. „In allen Fällen war das Licht genügend zu den feinsten mikroskopischen Beobachtungen und für die stärksten Vergrösserungen, dabei frei von den bekannten Nachtheilen anderer künstlicher Beleuch- tungen, wie dem Vorwiegen des Gelb und der bei grösserer Annäherung lästigen Wärmestrahlung. Das Licht wurde ebenso wie eine Studir- lampe verwendet. Das schwächste Licht von 16 Kerzen genügte noch in Entfernung von Im; die grösste Intensität von 60 Kerzen erwies sich ausreichend zum Ersätze des besten disponiblen diff'usen Tages- lichtes, wenn das Licht, durch eine Sammellinse parallel gemacht, auf den Spiegel fiel. Es wurden alle möglichen Präparate : Muskeln, Nerven, Epithelien, Knochen, Haut, Embryonen, Bacterien-Objecte, Diatomeen und dergleichen untersucht. Besonders aber überraschte das imtadel- hafte Bild der rothen Blutkörperchen, als desjenigen Objectes, das der künstlichen Beleuchtung bisher am meisten widerstrebte. Das Spectrum der Glühlampen ist in den Regionen des Blau und Violett unvergleich- lich intensiver, als dasjenige jeder anderen künstlichen Lichtquelle"'. Die Münchener Versuche brachten mich schon im Winter 1882 auf die Idee, das elektrische Glühlicht in Anbetracht des Umstandes, dass 1) Officiellcr Bericht über die im Königlichen Glaspalaste zu München 1882 stattgehabte internationale Elektricitäts-Ausstellung. München 1883, p. 23G. I, 2. Stein: Die Verw. d. clektr. Glülilicbtcs zu mikrosk. Unters. 163 es im Verliiiltnisse zu seiner Lichtkraft äusserst wenig Wärmestralileu entsendet, zur directen Beleuchtung des mikroskopischen Objectes in der Weise zu verwenden, dass ich es in Form einer kleinen Glühlicht- larape unter den Objecttisch an Stelle des Beleuchtungsspiegels an- brachte. Da es indess damals noch keine so kleinen Kohlenglühlicht- lämpchen gab, Hess ich mir von dem renommirten Fabricanten elektri- scher Glühlichtlanipen C. H. F. Müller in Hamburg kleine, ca. 1 cm lange und 3 mm weite Glüldichtlämpchen anfertigen, in welchen statt des durch den elektrischen Strom in Weissgluth gebrachten Kohlen- fadens eine Platinspirale Verwendung fand. Während ich mit den ein- schlägigen Untersuchungen noch beschäftigt war, erschien in dem Journale der Royal Microscopical Society zu London ' ein Artikel von C. H. Stearx, welcher in der Sitzung der genannten Gesellschaft vom 10. Januar 1883 ein mit elektrischem Kohlenglühliehte montirtes Mikro- skop demonstrirte. Ich wandte mich deshalb wiederholt an den oben er- wähnten deutschen Fabricauten, welcher mir auch in bereitwilligster Weise Kohlenglühlichtlampen für meine Zwecke anfertigte, die ich in ähnlicher Weise, wie es Stearx gethan hat, mit einigen namhaften Modificationeu zu mikroskopischen Untersuchungen verwendet habe. Die in natürlicher Grösse in Figur 1 und 2 abgebildeten Lämpchen können aus gewöhnlichem, oder auch, um das Auge nicht zu blen- den, für schwache Vergrösse- rungen aus Milch- oder Opalglas hergestellt sein. Die Adaptirung an das Mikroskop ist eine höchst einfache und kann, wie ich im Laufe dieses Aufsatzes des Nähe- ren noch auseinandersetzen werde, in zufriedenstellender Weise mit äusserst geringen Kosten be- werkstelligt werden. Wir sehen in Figur 1 bei Ä ein kleineres, bei C ein grösseres derartiges elektrisches Kohlenglühlichtlämpchen in natür- licher Grösse abgebildet. Dieselben bestehen aus einer, zu diesem Zwecke sehr regelmässig geformten Glaskugel, in deren Mitte, genau centrirt, ein kleiner, an Platindrähten befestigter Kohlenbügel zu sehen 1. ') Cfr. Journ. R. IMicrosc. Sog. Ser. II vol. III, 1883, pt. 1 p. 29. 11* 164 Stein: Die Verw. d. elektr. Glühliclites zu mikrosk. Unters. I, 2. ist, dessen beide Enden mit den ausserhalb der Glaskugel ersichtlichen Oesen f und e verbunden sind. Das Lämpchen wird in die Spirale B mit seinem Halse hineingedrückt und an die Haken f und e' eingehängt. Die Spirale drückt das Lämpchen nach oben und vermittelt dadurch einen innigen Contact der Oesen f e mit den Häkchen f e'. Die Häk- chen stehen mit zwei Leitungsdrähten m und n in Verbindung, welche in eine Hartkautschukschraube eingelassen sind, welch letztere, wie in Figur 2 bei a und e ersichtlich ist, an ein an das Mikroskop ange- brachtes Charnirgelenk aufgeschraubt wird. Um ein derartiges Lämp- 1,2. Stein: Die Verw.d. clcktr.Glüblichtcs zu mikrosk. Unters. 165 eben zum prächtigen Weissglühen zu veranlassen, genügt der Strom aus zwei BuNSEN'schen oder GKOVE'schen Elementen von je 20 cm Höhe oder zweier gleichgrosser GRENET'scher Tauchelementc, wie ein solches bei G in Figur 6 bei dem daselbst abgebildeten, mikrophotographischeu Apparate zu sehen ist. Die elektrische Glühlampe Figur 1 C hat einen- etwas grösseren Kohlenbügel, und müssen, um dieselbe in genügende Wirksamkeit treten zu lassen, drei Elemente benutzt werden. Man kann, um einen grösseren Lichteffect nach einer Richtung hin zu er- zielen, ein Stück der Kugeloberfläche der Lämpchen, wie bei d ersicht- lich, von aussen mit Spiegelfolie belegen lassen, so dass das Licht des Kohlenbügels direct und zwar in Folge der Kugelgestalt der Lampe zum Theil in parallelen Strahlen auf das Object geworfen wird, lieber die Qualität der Lichtstrahlung wird des Weiteren noch berichtet wer- den. Die Oesen f und ß dieser Lampe werden in gleicher Weise, wie diejenigen des kleineren Lämpchens, an die Zuleitung befestigt. In Figur 2 sehen wir ein grösseres Lämpchen a und ein kleineres Lämpchen e an einem eigenthümlich aufgestellten Mikroskope befestigt. Das betreffende Instrument ist mit seinem Fusse ^Sauf einen Holzkasten (D) geschraubt, welcher eine ähnliche Form hat, wie die Kästen der Prä- parirmikroskope. Sowohl die Lampe a als auch die Lampe e sind, um solchen eine nach jeder Richtung hin lenkbare Bewegung zu gestatten, an mit Kugelcharnieren versehenen Stäben befestigt. Da das Mikro- skop eine zusammenhängende Metallmasse darstellt, so kann solches für die eine Leitung, z. B. die positive, benutzt werden und kann man da- durch einen Leitungsdraht ersparen, während der negative Draht hinten an dem Mikroskopstativ emporläuft und seine gut isolirten Abzwei- gungen neben dem Charniergelenke nach den beiden Lampen abgiebt. Der aus der Batterie kommende Strom tritt bei p und n in den Apparat ein. Von n führt ein verdeckter Leitungsdraht direct an den Fuss des Mikroskops, während die in die Klemmschraube p endende Leitung, be- vor dieselbe zu den Lampen tritt, erst einige Nebenapparate durchläuft, die in dem Kasten CD angebracht sind und ihrerseits wiederum mit den Knöpfen 7, 71, 777 links und den Knöpfen 1 bis 7 rechts, über welchen bei g und f Kurbelcontacte schleifen, in Verbindung stehen. Die Kurbelcontacte bei f und die mit denselben in Verbindung stehen- den Drahtspiralen bei i stellen zusammen einen Spiralrheostateu dar, welcher den Zweck hat, den Strom nach Belieben zu verstärken oder abzuschwächen. Bei Benutzung einer kleinen Batterie von zwei Ele- menten ist, wie wir später sehen werden, diese Einrichtung überflüssig. Hat man aber eine grössere Batterie in Verwendung, die auch noch zu 166 Stein: Die Verw. cl. elektr. Glüblichtes zu mikrosk. Unters. I, 2. anderen Zwecken, als zur Beleuchtung eines Mikroskopes dienen soll, so würde ein derartiger Strom für die Lämpchen zu stark sein und die- selben zerstören. Es ist daher für solche Zwecke eine Einrichtung nöthig, mittels deren mau den Strom nach Belieben reguliren kann. Der Rheostat vli i besteht aus sieben Neusilber-Drahtspiralen von ver- schiedener Dicke, welche dem Strome einen verschiedenen Widerstand entgegensetzen , wodurch die elektrische Energie in Wärme umge- wandelt, dadurch in zweiter Linie der Strom geschwächt wird und in geringerer Intensität zu den Lampen gelangt. Die Vorrichtung hat aber ausserdem noch den Zweck, einen verschiedeneu Helligkeitsgrad in der Lampe nach Belieben zu erzeugen, welcher sich nach der ange- wandten Vergrösserung zu richten hat. Es ist leicht begreiflich, dass man bei einer sehr starken, viel Licht absorbirenden Lnmersionslinse ein stärkeres Licht nöthig haben wird, als bei der Anwendung eines schwachen Systems. Würde man aber bei einem schwachen Systeme das kräftigste Licht benutzen, so würde das beobachtende Auge hiervon ebenso geblendet werden, wie bei der Benutzung directen Sonnenlichtes mittels eines Hohl- oder Planspiegels. Man wird demnach bei einer mikroskopischen Untersuchung zuerst die Kurbel f auf dem Knopf 1 ruhen lassen und allmählich über die verschiedenen Knöpfe weiter drehen, bis man in der Lampe den Lichtgrad, den man eben zu der vorliegenden Untersuchung nöthig zu haben glaubt, erreicht hat. Das bei g abgebildete Kurbelsystem hat nur den Zweck, den Strom umzuschalten und zwar geht der Strom, wenn die Kurbel g auf dem Knopfe I steht, in die obere Lampe a ; wenn die Kurbel auf dem Knopfe II steht, geht der Strom in die Lampe e, währenddem, wenn die Kurbel (; auf dem Knopfe III steht, der Strom in keine der beiden Lampen eintritt, sondern direct in den Objecttisch B. Alle Leitungen führen durch den Knopf r und von hier durch ein aus mehreren Drähten bestehen- des Leitungskabel nach der 3. Schraube c, von wo aus sich der Strom an die verschiedenen Stellen des Mikroskops, je nachdem man die Kurbel g dreht, vertheilt. In den Objecttisch B habe ich zwischen die beiden Platten eine in Figur 3 besonders abgebildete Platinspirale eingelassen, welche sich bei Durch- I, 2. Stein: Die Voi'w. d. clcktr. ülülilichtcs zu mikrosk. Unters. 1G7 treten des Stroms erwärmt und dadurch die Luft, welche sich in der Oeff- nnug des Objecttisches befindet, und in zweiter Linie das Object selbst auf einen höhereu Temperaturgrad bringt. Je nachdem ein Strom von grösserer oder geringerer Quantität die bei d (Figur 2) in den Objecttisch einzu- schiebende Platinspirale durchströmt, wird dieselbe mehr oder weniger erhitzt und dadurch ein höherer oder niederer Temperaturgrad in der auf diese Weise als „elektrisch heizbarer Objecttisch" zu bezeichnenden Vor- richtung erzeugt. Die Differenz der Temperatur kann man gleichfalls mit dem Spiralrheostaten fv h ?, je nachdem die Kurbel/" auf einem der Knöpfe ruht, reguliren. Was das Messen der erzielten Temperaturhöhe anbelangt, so ist es ein Leichtes, auf dem Objecttische in nächster Nähe des Objectes entweder ein Metallspiral-Thermometer oder eine thermo- elektrische Säule anzubringen, wie solche in Figur 4 und 5 abgebildet und welche folgendermassen construirt werden können. Das Metall-Thermometer, Figur 4, besteht aus einem äusseren Streifen von Messing s und einem inneren von Eisen r, welche an ein- 40 50 60 4. ander gelöthet sind. Das Ende h der Spirale ist mittels der kleinen Lenkstange c an dem kurzen Hebelarm f7, welcher den Zeiger eh trägt, befestigt. Letzterer bewegt sich leicht und frei auf der Zeigerachse a:; bei Veränderung der Temperatur wird der Zeiger eh infolge Ausdehnung oder Zusammenziehung der Spirale bewegt und zeigt auf der Scala f (j des Ziflferblatts den Wärmegrad der Temperatur der Spirale, beziehuugs- 168 Stein: Die Verw. d. elektr. Glühlichtes zu mikrosk. Unters. I, 2. weise der die Spirale umgebenden Luft an. Die Scala fg ist in 100 Grad (Celsius) getheilt. Ein derartiger Apparat ist in unserer Figur in natürlicher Grösse abgebildet und kann mit Leichtigkeit zwischen der Objectplatte und der durch den elektrischen Strom zu erhitzenden Platin- spirale und zwar um die mittlere Oeffnung des Objecttisches (m Figur 4) herum angebracht werden, so dass die Scala unter dem vorderen Rande desselben heraussieht und man auf diese Weise die Temperatur vorn am Tische ablesen könnte. Figur 5 zeigt eine thermoelektrische Vorriclitung zur Messung der Temperatur. Bei n befindet sich eine kleine Scheibe aus Eisen e und Neusilber n ; die Metalle sind concentrisch verlöthet und geht von den- selben eine Doppel- drahtleitung nach e' und n' und von hier- aus nach einem ent- fernten Galvanometer (Multiplicator) g. Je nachdem die Tempe- ratur des Object- tisches steigt oder fällt, wird ein ent- sprechender elektri- scher Strom in der auf den Objecttisch aufzu- schraubenden thermo- elektrischen Verbin- dung entstehen und 5. das Galvanometer ent- sprechend ausschla- gen. Durch geeignete vorangehende Messungen des Einflusses be- stimmter bekannter Wärmegrade auf die thermoelektrische Verbindung müssen die Gradausschläge des Galvanometers verglichen werden, um den Ausschlag des Winkels der Magnetnadel dadurch in bestimmte Wärmegrade übersetzen zu können. Was nun die Beleuchtungstechnik mittels der Lämpchen a und e selbst anbelangt, so dient, was schon aus dem Bilde ersichtlich ist, die grössere und kräftigeres Licht ausstrahlende Lampe a zur Beleuchtung von oben für opake Gegenstände, während die Lampe e zur Durch- leuchtung transparenter Objecte von unten bestimmt ist und auch dem- nach an Stelle des Beleuchtungsspiegels angebracht wurde. In allen 1,2. Stein: Die Verw.d.elektr. Glühlichtes zu mikrosk. Unters. 169 den Fällen, wo man eine sehr intensive Belcnchtiing mit möglichst parallelen Strahlen zu haben wünscht, ist die Benutzung des Lämp- chens e am Platze, vorausgesetzt, dass sich in dem Tische des Mikro- skops eine Abbk'scIic Liusencombination, wenigstens aber ein Dujakdin- scher Condensor befindet. Das Lämpchen ist so construirt, dass es glühend einen höchst intensiv leuchtenden Punkt darstellt. Wird nun dieser leuchtende Punkt der kleinen elektrischen Lampe so nahe an den Condensor gebracht, dass er sich in dem Brennpunkte des letzteren befindet, so werden selbstverständlich die auf den ad hoc regulirten Condensor fallenden Strahlen auf seiner Jenseite parallel das Object treffen und zwar in einer so bedeutenden Intensität, wie man ein Gleiches mit einer anderen, durch Spiegelreflex erzielten, künstlichen Beleuch- tung kaum wird erreichen können. Einen weiteren Vortheil dieser Art der Beleuchtung sehe ich hauptsäclilich in der unübertrefflichen Ruhe des Lichtes. Ausser zur Beleuchtung über und unter dem Objecttische, wie aus der Abbildung ersichtlich, kann man in höchst einfacher Weise die obere Lampe auch in Anbetracht ihrer freien Beweglichkeit zur Be- leuchtung eines verticalen Illuminators verwenden, indem man in diesem Falle nur nötliig hat, das Lämpchen vor die seitliche, über dem Objectiv- system befindliche Lichtöffuung des Illuminators zu bringen und hier durch Nähern oder Entfernen den richtigen Punkt herauszufinden, von wo aus in geeigneter Weise durch Vermittlung der beweglichen Spiegelfläche des Illuminators das ruhige Licht der Lampe in den Trichter des Mikroskoptubus und auf das zu untersuchende Object ge- worfen wird. Ich habe die Vorrichtungen in der geschilderten Weise construirt und ausführen lassen, um alle Eventualitäten der Anwendung des elek- trischen Lichts beziehungsweise des elektrischen Stromes zu mikro- skopischen Beleuchtungs- und Untersuchungszwecken zu prüfen. Ich gestehe gerne zu, dass ich vielleicht in meiner Eigenschaft als Elektriker dem praktischen Histologen für Beschaffung eines derartigen compli- cirten Instrumentariums etwas zu viel zumuthete. Von diesem Gedanken geleitet, habe ich auch eine einfachere Construction für die betreffenden Einrichtungen ausführen lassen, um es einem Jeden zu ermöglichen, sich mit ganz geringen Kosten praktisch von dem Werthe des elektri- schen Glühlichts für mikroskopische Arbeiten zu überzeugen. Eine solche Einrichtung ist in Figur 6 abgebildet. Wir haben hier ein hc'ifr/ zum Umlegen eingerichtetes Mikroskopstativ, an welchem der Spiegel abgenommen und durch die Glühlichtlampe l ersetzt ist. Dieselbe erhält ihren Strom aus einem Tauchelemente G von 25 cm 170 Stoiii: Die Verw. d. elektr. GlühUclitcs zu raüii'osk. Unters. I, 2 I, 2. Stein: Die Vcrw. d. clcktr. Glühlichtes zu raikrosk. Unters. 171 Höhe mit doppelten Plattenpaaren und einer kräftigen elektromotorischen Füllung versehen '. Zwei derartige Elemente genügen, um ein elektrisches Glühlicht- lämpchen von lyo bis 2 Volts Spannung in Weissgluth zu versetzen. Der Strom geht von den Klemmschrauben p und n nach den Klemm- schrauben p' und n' und von hier aus durch die isolirten Leitungsdrähte s nach dem Glüh- lichtlämpchen ?, welches nun in der oben ge- schilderten Weise sein Licht mittels Condeu- sors auf das auf dem Objecttische ersicht- Hche Object wirft. Bei r ist ein an dem Mikroskopstativ auf- und abschiebbares, löffei- förmiges Instrument ersichtlich, welches dazu dient, das Glühlichtlämpcheu, ohne solches, wenn es während der Action für das An- rühren zu warm geworden ist, anfassen zu müssen, höher und tiefer, je nach Bedarf des Beleuchtungseffects, stellen zu können. Man kann übrigens auch das Glühlichtlämpcheu separat moutiren (Figur 7), indem man solches auf ein mit Charuiergelenk versehenes, stark 7. gebautes und aus zwei in einander verschieb- baren Messingröhren bestehendes Stativ bringt und es auf diese Weise in freier Beweglichkeit unter oder über dem Objecttische des Mikro- skopes je nach Bedarf anbringt. Ich habe auf der Abbildung dieser einfachen Vorrichtung (Figur 6) das Mikroskop A mit einem mikrophotographischen Aufsatze B wieder- gegeben. Derselbe wird mittels der Schraube c, nachdem er über den Mikroskoptubus geschoben ist, festgespannt, die Metalle der Tauch- elemeute bei dem Knopfe e in die Flüssigkeit heruntergedrückt, das Licht erzeugt und mittels desselben auf der Einstellscheibe der photo- graphischen Camera a h das Bild des Objectes entworfen , welches mittels der den Tubus regulirenden Stellschraube d eingestellt und mittels der auf dem Bilde nicht sichtbaren Mikrometerscbraube auf seine ') Die benutzte Bichromatlösung besteht aus 250 g doppelchrorasauren Kali's für je 1 Liter Wasser, in welche Lösung 250 cc chemisch reine Schwefelsäure in dünnem Strahle und unter stetem Umrühren allmählich ein- gegossen werden. Die elektromotorische Kraft, welche die Lösung in einem GKENEx'schen Tauchelemente von 25 cm Höhe erzeugt, ist bei frischer Füllung eine verhältnissmässig sehr hohe, sie beträgt im Mittel ca. 1-5 bis 2 Volt. 172 Stein: Die Verw, d. elektr. Glühlichtes zu mikrosk. Unters. I, 2. höchstmögliche Schärfe gebracht wird. Mit dieser einfachen Vorrich- tung wurden vorzügliche mikrophotographische Aufnahmen angefertigt und werde ich demnächst einige derselben in meinem soeben in zweiter Auflage imter der Presse befindlichen Werke : „Das Licht im Dienste wissenschaftlicher Forschung" publiciren. Die Resultate sind insbeson- dere in Anbetracht des höchst einfachen Mechanismus so überraschend zufriedenstellende, dass einzelne Fachgenossen, welchen ich diese Me- thode der Bildgebung in praxi vordemonstrirte , und die früher wegen der Umständlichkeit des Verfahrens die intensivsten Gegner der Mikro- photographie gewesen sind, im Augenblicke zu enthusiastischen Gönnern dieser Methode umgewandelt wurden. Es ist aber auch in der That in neuerer Zeit in Folge der Einführung der Bromsilber-Gelatine-Trocken- platten die mikrophotographische Thätigkeit eine so leichte und wenig zeitraubende geworden, dass es als ein Unrecht bezeichnet werden muss, wenn nicht jeder Mikroskopiker sich für die Folge mit der Handhabung der betreffenden Methoden vertraut macht. Die ganze Mühe beruht auf der Anschaffung der fertig präparirten und Monate lang ihre Empfind- lichkeit wahrenden Trockenplatten, dem Ankaufe einiger Hartkautschuk- oder Porzellanschalen , sowie an Cliemikalien einige hundert Gramm schwefelsauren Eisenoxyds und Oxalsäuren Kalis. Letztere Chemikalien werden nach bestimmten Vorschriften in Wasser gelöst, zur Entwicklung des Bildes benutzt. Es ist sehr wichtig, die Trockenplatten von einer zuverlässigen und soliden Firma zu beziehen , da Minimaldifferenzen in der Darstellungsweise eine total verschiedene Empfindlichkeit der Platten erzeugen, und man a priori sicher sein muss, dass alle in Verwendung ge- zogenen Platten die ganz gleichen Eigenschaften besitzen. Ich habe von den verschiedensten Finnen des In- und Auslandes im Laufe der letzten Jahre Trockeuplatten für mikrophotographische Zwecke in Verwendung gezogen, jedoch in erster Linie diejenigen aus der Fabrik des Chemikers Dr. C. ScHLEussNER in Frankfurt a. M., welche sich auch durch beson- dere Preiswürdigkeit auszeichnen, als absolut zuverlässig erkannt. Auch den Copirprocess haben die Fabrikanten photographischer Bedarfsartikel dem Mikrophotographen sehr bequem gemacht, indem fertig präparirte lichtempfindliche Papiere stets zu haben sind. Man kann solche in den verschiedensten Farben von der bekannten Handlung photographischer Bedarfsartikel RoMAnsr Talbot in Berlin (N. Auguststrasse 68) in zu- verlässiger Waare beziehen. Mit dem oben beschriebenen einfachen mikrophotographischen Apparate • und den erwähnten Trockenplatten ') Die Einrichtung elektrischer Glühlichtbeleuchtung kann mit einer Aus- I, 2. Stein: Die Verw. d. elektr. Glühlichtes zu mikrosk. Unters. 173 und Chemikalien können Vergrösserungen bis zu 200 linear ausgeführt werden, während für mikrophotographische Darstellungen stärkerer Dimensionen schon die complicirteren Instrumentarien, wie solche Seibeet in Wetzlar, Zeiss in Jena, Kloexne & Müller in Berlin u. A. liefern, nothwendig sind. Aber auch hier dürfte die Einführung des elektrischen Glühlichtes im Vereine mit Trockenplatten sehr zu empfehlen sein, denn wenn auch durch Steigerung der Vergrösserung die Lichtintensität be- deutend abnimmt, so reicht sie trotzdem für mikrophotographische Zwecke selbst bei den stärksten Vergrösserungeu deshalb hin, weil die Trockenplatteu eine unbegrenzte Zeit der Exposition aushalten. Eine Regel lässt sich für letztere nicht geben ; man muss die Expositionszeit ausprobiren und die Erfahrung muss den Einzelnen lehren, wie lange er die Platte dem Lichte exponiren muss, um ein hübsch durchgearbei- tetes Bild zu erzielen. Ist nämlich die Platte zu kurz exponirt, so treten nicht alle Details des Bildes hervor, und ist sie zu lange, d. h. über- exponirt, so verflauen die Lichter uud Schatten ineinander — das Bild wird grau und ausdruckslos. Bei schwachen Vergrösserungeu ist es ein Leichtes, die richtige Expositionszeit ausfindig zu machen, weil dieselbe zwischen dem Bruchtheile einer Secunde und 15 bis 20 Secunden, je nachdem man eine 20- bis lOOfache Vergrösserung mittels der oben erwähnten Glühlichtbeleuchtung erzielen will, variirt. Bei Anwendung stärkerer Linsensysteme aber und mithin bei stärkeren Vergrösserungeu steigt die Expositionszeit schon von einer halben bis zu 10 bis 12 Minuten und hier müssen natürlich verschiedene Experimente gemacht werden, um das Richtige herauszufinden. Hat man aber einmal das entsprechende Zeitmaass gefunden, so bleibt solches für dieselbe Linse und dieselbe Beleuchtung, welch letztere in Anbetracht der Eigenschaft gäbe von 18 bis 24 M (einschliesslich zweier Glühlichtlampen) für jedes Mi- kroskop bestritten werden. Ich empfehle Denjenigen, welche derartige Vor- richtungen sich machen lassen wollen, die Firaia „Elektrotechnisches Institut Richard Blänsdorf in Frankfurt a. M.", durch welches auch die einfache mikro- photographische Einrichtung, welche in Figur 6 abgebildet ist, ebenso wie die zugehörigen Tauchelemente bezogen werden können. Der Preis eines mikro- photographischen Aufsatzes nebst Einstellscheibe und zwei zugehörigen photo- graphischen Casetten beläuft sich auf ca. 30 M. Eine vollständige mikrophoto- graphische Einrichtung, bestehend aus dem oben erwähnten Aufsatze nebst Einstellscheibe und Casetten, einem Dutzend fertig präparirter Trockenplatten, den nöthigen Chemikalien ziu- Hervorrufung, den übrigen Utensilien, als Schale, Copirrahmen und präparirten Papieren für den Copirprocess etc. wird von obiger Firma für GO bis 70 M geliefert. 174 Stein: Die Verw. tl. elektr. Glübliclites zu mikrosk. Unters. I, 2, des Kohlenfadens, bei einem bestimmten Strome eine bestimmte Licht- intensität auszustralilen, immer die gleiche ist, dasselbe. Ich habe mit meinem grossen horizontalen mikrophotographischen Apparate, mit welchem ich, nm ein Beispiel anzuführen, die Feldchen von Pleurosigma angulatiim bei directer Aufnahme (ÖOOfache Linear- vergrösserung) bei einer Expositionszeit von 70 Seeunden durch Glüh- liclitbeleuchtung dargestellt, zu diesem Zwecke ganz einfach eine Glüh- lichtlampe von 5 Volts Spannung hinter den Condensor des Objecttisches in dessen Brennpunkte festgeschraubt. Was endlich das elektrische Kohlenspitzenlicht (VoLTA'scher Licht- bogen) anbelangt, so ist solches selbst bei Anwendung der besten Regu- latoren für mikrophotographische Zwecke nicht verwendbar. Durch die beständige Arbeit au den Kohlenspitzen und die durch dieselbe be- dingte Unruhe des Lichtbogens geräth das auf der matten Scheibe der photographischen Camera entworfene Bild in eine fortwährend zitternde Bewegung, eine Erscheinung, die auf einer grossen, durch das elektri- sche Projectionsmikroskop beleuchteten hellen Fläche dem beschauen- den Auge weniger zur Empfindung kommt. Während sich über die Verwendbarkeit des elektrischen Glühlichts zu mikroskopischen Untersuchungen im Vergleiche mit anderen küustlichen Beleuchtungsarteu streiten lässt und triftige Gründe für und wider geltend gemacht werden können, so bin ich überzeugt, dass die Einführung dieser Art von elektrischer Beleuchtung zum Zwecke mi kr o- p ho tograp bischer Darstellungen in ganz kurzer Zeit eine all- gemeinere werden wird, und dass Jeder, der einmal diese Methode praktisch in Anwendung gezogen hat, zu keiner anderen der höchst mühsamen und umständlichen künstlichen Beleuchtuugsweisen mehr seine Zuflucht nehmen dürfte. I. 2. F 1 e s c li : "Welclie Auss. bietet d. Einf. tl. elektr. Lichtes in d. Mikrusk. 175 "Welche Aussicliten bietet die Einfüliruno' des elektrisclieii Lichtes in die Mikroskopie? Von Dr. Max Flescli in Bern. Die Versuche, welche in der jüngsten Zeit gemacht werden, elek- trische Beleuchtung zu mikroskopischen und mikrophotographischen Arbeiten zu verwerthen, insbesondere aber die auf Einführung eigener, dem genannten Zwecke dienender Apparate gerichteten Bestrebungen VAN Heurck's und Steaen's * dürften es angezeigt erscheinen lassen, die Aussichten, welche aus der praktischen Benutzung jeuer Vorrich- tungen erhofft werden können, kurz zu erörtern; competenten Fach- männern wird natürlich die ausführliche Besprechung der in Betracht kommenden physikalischen Fragen vorzubehalten sein. Die Entscheidung über die Brauchbarkeit einer Lichtquelle zu mikroskopischen Zwecken ist aus denselben Erwägungen abzuleiten, welche über die maximale Leistuugsföhigkeit des Mikroskopes Aufschluss geben. Im wesentlichen ist hierbei die Qualität des Lichtes, beziehungs- weise der Reichthum desselben zu kurzwelligen Strahlen massgebend. „Die Unterscheidungsgrenze des Mikroskopes, welche unter den gegen- wärtigen Verhältnissen nicht weiter gesteigert werden kann, liegt also für die gebräuchliche Beleuchtungsweise so, dass sie unter den günstig- sten Umständen für noch zulässige, äusserst schiefe Beleuchtung über ') Vergl. VAN Heürck, La lumiere electrique ai^pliquee aux recherclies de la micrographie (Bull, de la Soc. Beige de Microsc. 1881 — 1882. p. LIX) ; ferner Stearn. Qu the use of incandescence lamps as accessories to the Microscope (Journ. R. Microsc. Soc. Ser. II vol. III p. 29). — Dem erstgenannten Autor gebührt jedenfalls die Priorität nicht nur der Anwendung, sondern auch der sachlichen Begründung seiner Versuche (dieselben sind bereits am 25. Februar 1882 publicirt) ; Stearn hat zuerst eigens dazu angefertigte, kleine Glühlämpchen in Anwendung gezogen; auch hat er zuerst den — jedenfalls noch nicht ge- nügend motivirten — Versuch gemacht, die Apparate am Mikroskopstativ selbst zu fixiren. Stein's spätere Publication (Elektrotechnisch ausgerüstetes Mikro- skop, Zeitschr. des elektrotechn. Ver. "Wien. II. 7 v. 15. Oct. 1883, S. A.) ist im wesentlichen, soweit die Anwendung des elektrischen Lichtes in Betracht kommt, eine Copie nach Stearn. 17G Flesch: Welche Auss. bietet d. Einf. d. elekt. Lichtes in d. Mikrosk. 1, 2. den Betrag von ^g, bei rein centraler aber über ^/^ der Wellenlänge (etwa 0*55 jx) des weissen Lichtes nicht hinausgeht. Mittels Beleuch- tung durch homogenes blaues Licht von etwa 0*43 [x Wellenlänge (FEAUNHOFER'sche Lluic 6r) würden sich unter den gleichen Beleuch- tungsverhältnissen die obigen Beträge höchstens auf etwa Ym und ^jq dieser letzteren, d. h. auf etwa 0*15 [i und 0'30 ^ herabdrücken lassen" ^ Die Möglichkeit, welche sich aus dem Vorstehenden ergiebt, die Leistungs- fähigkeit des Mikroskopes durch Anwendung des blauen an Stelle des weissen Lichtes zu erhöhen, wird es wünschenswerth machen, Beleuch- tungseinrichtungen einzuführen, Avelche die Anwendung monochromati- schen Lichtes erleichtern. Van Heurck hat dies auf Grund von Mit- theilungen Abbe's bereits zur Erklärung der günstigen Resultate, welche er mittels des elektrischen Glühlichtes erzielte, in präciser Weise dar- gestellt: ,.0r comme il a ete demonstre par les mensurations faites par M. le Professeur Abbe dans les divers eclairages mouochroraatiques que le pouvoir separatem" d'un objectif d'une ouverture donnee, croit dans le meme rapport, que la longeur d'onde de la lumiöre employee diminue, il en resulte, que la lumiere electrique doit montrer plus facile- ment les details delicats que la lumiere jaunätre du gaz ou des lampes" 2. Dass dieselben Strahlen, welche das Maximum der Leistungsfähigkeit des Mikroskopes bedingen , auch die für photographische Zwecke günstigsten sind, ist hinlänglich bekannt ; van Heukck hat dies ausführ- lich besprochen und genaue Vorschriften über Mikrophotographie unter Anwendung des elektrischen Glühlichtes und der Trockenplatten in dem mehrerwähnten Aufsatze schon bei der ersten Empfehlung jener Be- leuchtungsmethode mitgetheilt. Als eine wesentliche Bedingung, die von einer guten Mikroskopir- lampe erfüllt werden muss, ist demnach der Reichthum des Lichtes an *) DippEL, Das Mikroskop und seine Anwendung I. Th. AUgemehie Mikro- skopie p. 324. Eine sehr hübsche gemeinverständliche Darstellung der in Be- tracht kommenden theoretischen Grundlagen verdanke ich einem, mir von dem Verf. vor längerer Zeit übersendeten Vortrage W. Flemming's (soviel ich weiss in den Mittheilungen des physiologischen Vereins zu Kiel enthalten). „Einiges über Bau und Leben der Zellen und von der Grenze des Sichtbai'en". Speciellere Behandlung jener Fragen — leider, wie ich gestehen muss, der mathematischen Begründung wegen mir nur znm Theil zugänglich — bieten die Abhandlungen von Abbe (in M. Schultze's Archiv 1874, Jenaer Sitzungsberichten und Journ. E. Microsc. Soc.) und Helmholtz, Die theoretische Grenze für die Leistungsfähig- keit der Mikroskope (Poggendorpp's Annalen, Jubelband 1874 p. 557). ^) L. c. p. Lxvm. 1,2. F 1 e s c li : Welche Auss. bietet d. Einf. d. elekt. Lichtes iii d. Mikrosk. 177 kurzwelligen Strahlen zu bezeichnen. Dieser ist bekanntlich bei glühenden Körpern von dem Hitzegrad abhängig; erst bei 1500" C. entsenden die- selben hellblaue, bei 2000" violette Strahlen. Für das elektrische Glüh- licht wird dies in der Weise zur Geltung kommen, dass je nach der Strom- stärke dieselbe Lampe ein Licht von grösserem oder geringerem Ge- halte an kurzwelligen Strahlen liefern wird. Vergleichende Bestimmungen darüber hat 0. E. Meyer '■ ausgeführt. Ihre Ergebnisse enthält die folgende Tabelle, deren Zahlen das Verhältniss angeben, in welchem die Helligkeit des elektrischen Bogenlichtes, des Glühlichtes einer durch eine GßAMME'sche Maschine gespeisten EDisox'schen Lampe und des Gaslichtes zu derjenigen der Sonne steht, wenn die letztere durch Polarisation so weit abgeschwächt ist, dass die Helligkeit des gelben Lichtes jedesmal gleich gross ist; leider decken sich die Angaben Meyek's nicht genau für die drei untersuchten Lichtsorten. Elektr. Bogenlicht. Elektr. Ülühlicht. Gaslicht. Roth 2-09 Gelb 1-00 Grün 0-99 Blaugrün Blau 0-87 Violett 103 1-48 4-07 100 , 100 0-62 043 0-29 0-21 0-23 017 015 Aeusserstes Violett 1"21 In allen untersuchten Arten künstlichen Lichtes bildet das rothe Licht einen verhältnissmässig grossen Antheil; sie erscheinen, verglichen mit der Sonne, röthlich gelb statt weiss, am wenigsten das Bogenlicht, am ausgesprochensten das Gaslicht, das GlühUcht hält die Mitte. Am reichsten an kurzwelligen Strahlen ist das Bogenlicht ; es bedarf keiner Erörterung, dass dieses für die Benutzung zu histologischen Arbeiten aus vielen Gründen kaum geeignet sein dürfte. Der grössere Gehalt des Glühlichtes an blauen Strahlen gegenüber dem Gaslicht ist, wie die Tabelle zeigt, in der Hauptsache ein relativer. — Gleichwohl dürfte ') 0. E. Me\-er, Ueber die Farbe des elektrischen Lichtes (Centralbl. f. Elektrotechnik, herausg. v. Uppekbors Bd. V No. 21 p. 457). — Andere An- gaben bezüglich des Glühlichtes konnte ich nicht erhalten ; für das Bogenlicht finden sich solche in „Schellen, Die magnet- und dynamo-elektrischen Maschi- nen etc. Köln 1884" ; letzteres Werk enthält eine ausführliche, gleichwohl aber auch dem gleich mir nicht speciell Vorgebildeten verständliche Darstellung des elektrischen Beleuchtungswesens. Den Herren Professor Dr. Forster und Telegraphenadjunct Rothen in Bern, welchen ich die Kenntniss der betrefi"en- den Schriften schulde, sei hier bestens gedankt. Zeitschr. f. wiss. Mikroskopie. I. 2. 12 178 Flesch: Welche Auss. bietet d. Einf. d. elekt. Lichtes in d. Mikrosk. I, 2. demselben bei den von van Heurck erzielten günstigen Resultaten eine wesentliche Rolle zukommen, weil eine absolut grössere Liebtmenge bei Anwendung des Glühlichtes nutzbar gemacht werden kann (vgl. u.) — Van Heueck schreibt die guten Resultate, welche er erhalten hat, neben jenem Vorzuge der grösseren Intensität des Lichtes zu: „L'in- tensite specilique de la lumifere electrique etant beaucoup plus con- siderable que celle des autres lumieres artificielles, on obtient un eclairage süffisant avec un pinceau lumineux beaucoup plus etroit que celui qu'il faudrait employer pour obtenir la meme intensite lumineuse avec l'eclairage par le gaz ou par la lumiere diffuse du jour". Wir dürften danach aus der Anwendung des Glühlichtes manche Vortheile erwarten: es wird das Arbeiten mit monochromatischem Licht wesentlich erleichtert werden, da bei der grossen erreichbaren Intensität der Beleuchtung der mit der Absorption eines grossen Theiles der Strahlen verbundene Lichtverlust sich ausgleichen lässt. Hierbei kommt noch in Betracht, dass es wegen der verhältnissmässig geringen (übrigens durchaus nicht zu vernachlässigenden) Wärmestrahlung mög- lich ist, die Lampe dem zu erhellenden Objecte sehr nahe zu bringen, ohne dass das Präparat gefährdet oder der Mikroskopirende durch die strahlende Wärme belästigt wird. Letzteres verdient besondere Be- achtung; hat doch der angedeutete Missstaud der Gas- und Petroleum- Lampen schon mehrfach zur Construction eigener zum Theil sehr com- plicirter Mikroskopirlampen geführt. Weitere Vorzüge bilden die Rein- heit der Farben, die bei complicirten Tinctionen, soweit ich aus wenigen Proben mit Bogen- und Glühlicht entnehmen kann, ausgezeichnet schön zur Geltung kommen — endlich die grosse Ruhe und Gleichmässig- keit des Lichtes. Zur Technik der Glühlicht-Beleuchtung möge darauf hingewiesen werden, dass nur bei sehr intensivem Glühen des Kohlenfadens, d. h. also bei relativ grossen Stromstärken der entsprechende Gehalt an blauen und violetten Strahlen erzielt wird, dass aber — wie ich aus münd- licher Mittheilung von Herrn Prof. Schiff in Genf und eigenen Er- fahrungen entnehme — es alsdann leicht geschehen kann, dass der J'aden zerstört wird. — Von Wichtigkeit wäre es, dass die in Ge- brauch stehenden Vorrichtungen zur Monochromatisirung verbessert würden; bis jetzt werden zu diesem Zwecke benutzt: Einschaltung farbiger Glasplättchen zwischen Spiegel und Präparat (Altmann ', >) Altmann, R., Einige Bemerkungen über histologische Technik etc. (Arch. f. Anat. u. Physiol, Anat. Abthl. 1881. p. 219—224). 1,2. Flesch: Welche Auss. bietet d. Einf. d. elekt. Lichtes in d. Mikrosk. 179 Flesch *) ; Deckgläser aus blauem Glas zwischen Präparat und Object * ; mit fiirbigeu Flüssigkeiten gefüllte Tröge mit planparallelen Glaswänden zwischen Lampe und Spiegel (Pfitzxer ^) ; mit farbigen Lösungen (Sub- strat Glycerin oder Nelkenöl) gefüllte hohle planconvexe Beleuchtungs- linsen (Deby '') ; Schusterkugel, gefüllt mit Kupfersulfatlösung 15 : 600 H2 (Kittex ^) oder Kupferoxydammoniaklösung (Strasburger), Hart- nack's Beleuchtuugsapparat für homogenes farbiges Licht ^ u. a. m. Vom theoretischen Standpunkte aus würde nur die letztgenannte und ihr verwandte Vorrichtungen ausreichen; für die Praxis dürften jedenfalls neue Versuche zu machen sein , um eine möglichst vollkommene und doch leicht zu handhabende und an jedem Mikroskop anzubringende Einrichtung zu erzielen. Aus dem Vorstehenden dürfte hinlänglich hervorgehen, nach wel- chen Pachtungen Vortheile aus der Anwendung des elektrischen Lichtes für den Histologen zu erwarten sind. Vor Allem erwünscht wird die Beschaffung geeigneter Elektricitätsquellen sein. Vorläufig werden dazu auf chemischem Wege erzeugte Ströme dienen müssen , da wohl kaum Institute, noch weniger Private sehr bald in die Lage kommen werden, auf mechanischem Wege producirte Ströme zu benutzen. Geeignete Glüh- lampen sind bereits ziemlich verbreitet in Gestalt der als TROuvi;'sche *) Flesch, M. . Beleuchtungsvorrichtung zum ^likroskopiren bei künst- lichem Lichte (Sitzungsber. d. phys. med. Gesellsch. Würzburg. Jahrg. 1882 p. 37). -) Dieselben werden von Trachsel-Chrozet. Succ. Geneve 63 e Place des Grottes vertrieben ; es ist mir nicht mehr erinnerlich von wem die Empfehlung derselben — mh- dm-ch Herrn v. KiiLLiKER in Würzburg gezeigt — ausgeht. 3) Pfitznee, W., Beobachtungen über weiteres Vorkommen von Karyo- kinese (Arch. f. mikrosk. Anat. Bd. XX p. 127). — Ppitznee verwendet mono- chromatisches Licht in eigenthümlicher Anordnung in der Art. dass er dem Gesichtsfelde durch das oben erwähnte Verfahren eine der Eigenfarbe des (künstlich tingirten) Präparates complementäre Färbung ertheilt. *) Deby, J., Receipts for microscopists (Amer. Monthly Microsc. Journ. Vol. II p. 24). Anfertigimg der Linsen bei J. BROTraiuG. *) Kittex, F., Hollow glass sphere as condensor (Journ. R. Microsc. Soc. Ser. II vol. n. p. 112 nach Science-Gossip). — Die Vorrichtung ist schon länger allgemein bekannt und in Anwendung. 6) DippEL. Das Mikroskop etc. 2. Aufl. Bd. I p. 603. - Es ist mir, da mh- die betreffenden Apparate noch nicht zugänglich waren, nicht bekannt, wie weit Rollett's und Ahbe's Spectropolarisatoren (vgl. darüber Dippel 1. c.) sich zur monochromatischen Beleuchtung eignen; jedenfalls würde auch für sie der hohe Preis und die Schwierigkeit der Anpassung an die kleineren Stative der Einführung hinderlich sein. 12* 180 Flesch: Welche Auss. bietet d. Einf. d. elekt. Liclites in d. Mikrosli. I. 2. Photoplior zu Laryngoskopen etc. verwendeten Apparate. Durch eine Demonstration von Herrn Dr. Sahli im Berner Aerztlichen Bezirksverein hatte ich Gelegenheit, eine prächtige Beleuchtimg mittels eines solchen Apparates, der einfach vor den Spiegel des Mikroskops gelegt wurde, zu sehen ; zweckmässige Stative als Träger des kleineu SwAN'schen Lämp- chen hat bereits Stearx abgebildet. Jedenfalls sind alle zur Erleich- teruug der Anwendung dienenden Versuche dankenswerth ; es mag in- dessen fraglich sein, ob der Vorschlag van Heurck's, das Mikroskop nach Wegnahme des Spiegels auf eiueu die Lampe enthaltenden Kasten über derselben aufzustellen vor dem Stearn's, die Lampen (je eine zur Beleuchtung mit durchfallendem , beziehungsweise auffallendem Licht) und Stromwender direct an dem Stativ anzubringen, den Vorzug verdient. Fast sollte es scheinen, als ob, von mikrophotographischen Zwecken abgesehen, vorläufig noch die histologische Praxis erforderte, dass das Stativ frei, also nicht befestigt au Leitungsdrähten, be- weglich bliebe, die Lampe etc. als Nebenapparat be- handelt w ü r d e. Der Gewinn an Leistungsfähigkeit des Mikroskopes, welchen uns das elektrische Licht nach den Erfaliruugen van Heurck's in der That in Aussicht zu stellen scheint, uöthigt jedenfalls, den Ver- suchen zur Einführung von zweckdienlichen Nebenapparaten auch da sorgfältige Aufmerksamkeit zu widmen, wo vielleicht augenblicklich das eigentliche Bedürfniss der Praxis noch nicht den Ausgangspunkt für deren Construction gegeben hat. Zum Schlüsse sei noch der Anwendung des elektrischen Bogen- lichtes zu Deraonstrationszwecken gedacht; in dieser Hinsicht wird das elektrische Licht, als Bogenlicht für Untersuchungszwecke trotz seines grossen Reichthumes an blauen Strahlen aus naheliegenden Gründen nicht leicht verwerthbar, sicher noch weite Verbreitung finden, nach- dem durch eine der jüngsten Zeit entstammende an anderer Stelle im Detail zu referirende Publication Stricker's * die Möglichkeit dargethan ist, auch die mittels starker Vergrösserungen erzeugten Bilder durch Projection objectiv zu demonstriren. Durch Einschaltung einer Wasser- säule zwischen den Lichtbogen und das Präparat ist die, bei früheren ähnlichen Versuchen störende Erhitzung des letzteren beseitigt. Die Vor- lesungen finden in einem durch elektrisches Glühlicht erhellten Audito- rium statt ; einfache Drehung eines Schlüssels leitet den die Glühlichter speisenden Strom nach dem Bogenlicht; Verdunkelung des Auditoriums ') Stricker, S. , üeber das elektrische Licht als Hülfsmittel für den mikroskopischen Unterricht. Wiener medicinische Jahrbücher 1883, S. 463 - 475. I. 2. Ludwig: Ueber die spectroskopische I'nters. iihotogener Pilze. 181 einerseits, Entstehung des Projectionsbildes andererseits werden durcli denselben Handgriff des Vortragenden momentan ohne jeden Zeitverlust erreicht. Nach den Mittheilungen Stkicker's ist die Hoftnuug erlaubt, dass das elektrische Licht die Ausdehnung objectiver Demonstrationen auf das gesammte Gebiet der Histologie ermöglicht. Der Kostenpunkt wird hier nicht so schwer ins Gewicht fallen ; kann doch, wie die Vereini- gung der in getrennten Gebäuden befindlichen Institute für Physik, Phy- siologie und Pathologische Anatomie in Würzburg dies bereits praktisch ausgeführt hat, derselbe Apparat einer Reihe, von Instituten gemeinsam dienen. Ueber die spectroskopische XJntersucliiiDg' photogener Pilze. Von Dr. F. Ludwig in Greiz. Bisher hat der Botaniker den Mikrospectralapparat fast nur be- nutzt, um Farbstoffe bei höheren oder niederen Pflanzen nachzuweisen und ihrer physikalischen Natur nach zu untersuchen. Im Folgenden soll gezeigt werden, wie dieser Apparat auch zur Untersuchung der Emissiousspectra mit Erfolg verwendet werden kann. Bekanntlich giebt es nicht nur eine Reihe grösserer Hutpilze, welche durchweg phos- phoresciren, wie Agaricus olearius DC, Ag. Gardneri Berk., Ag. igneus Rumph., Ag. noctilucens Lev. Ag. Emerici Berk. ', Ag. Lampas Berk., Ag. candescens F. v. Mueller^ u. A., sondern auch eine Anzahl von Pilzen, deren Mycelien (besonders im Stadium der Rhizomorpha- und Sklerotienbildung) leuchten und andere Stoffe in „Lichtfäule" versetzen, wie Agaricus melleus Fl. Dan., Trametes piui etc., welche die Phos- phorescenz des Holzes, Collybia tuberosa Bull. ', welcher die Phos- phorescenz faulender Hutpilze, von Laub, Coniferennadeln, Zweigen, >) Ueber die zugehörige Literatur cfr. Lipwig, Ueber die Pbosphorescenz der Pilze und des Holzes (Hildburgh. 1874), sowie: Pilzwirkungen (Osterprogr. d. Gymnas. zu Greiz 1882). 2) Nach den Beobachtungen von Dr. J. G. 0. Teppee in Adelaide in Süd- Australien. ; 3) Ludwig in Botan. Centralbl. Bd. XII, 1882, p. 104, 182 Ludwig: Ueber die spcctroskopische Unters, photogener Pilze. I, 2. Moos etc. verursacht, und schliesslich habe ich gezeigt, dass die Phos- phorescenz des Fleisches und der Seefische einzig und allein durch einen winzigen Pilz, Micrococcus Pflügeri Ludwig ', verursacht wird. Die Phosphorescenz der Milch, des Speichels, Eiters 2, Schweisses etc., welche hie und da beobachtet wurde, rührt vermuthlich gleichfalls von (anderen, noch nicht untersuchten) Spaltpilzen her. Das unbewaffnete Auge kann über die Natur des schwachen Phos- phorescenzlichtes dieser Pilze sichere Auskunft nicht ertheilen, insofern die jeweiligen subjectiven Gesichtserscheinungen die wahre Farbe öfter verdecken, und bei der Bezeichnung sehr lichtschwacher Farben die Urtheile bedeutenden individuellen Schwankungen unterworfen sind ; hier kann sichere Auskunft allein das Spectroskop ertheilen. Zudem ist es oft schwer, mikroskopisch bei lichtfaulen Substanzen den Urheberpilz richtig zu bestimmen. Dass auch da das Spectroskop zu Hilfe kommt und so noch ein besonderes botanisches Interesse bean- sprucht, zeigen die Resultate meiner bisherigen Phosphorescenzstudien. Die Analyse des Phosphorescenzlichtes ergiebt eine, den dabei betheiligten Pilzen entsprechende Verschieden- heit desselben. Die Anwendung des Spectralapparates überhaupt bei Phos- phorescenzerscheinungen verdanken wir wohl hauptsächlich Becqueeel, der die Phosphorescenzspectra anorganischer, durch Insolation, Erwär- mung etc. phosphorisch werdender Körper näher untersucht und be- schrieben hat ^. Es treten danach bei unorganischen Körpern die verschiedensten Verhältnisse auf. Neben continuirlichen Spectren giebt es da eine Reihe der verschiedensten discontinuirlichen. So hat Uran- nitrat helle Streifen auf C, C Ya D (sehr hell), D schwach, D '/g E, E, E V2 F, F, F '74 G; grüner Flussspat auf C, C % D (sehr hell), D '/e E, D Va E, D % E; Diamant einen hellen Schein zwischen B und C, nach D hin allmählich abnehmend, einen hellen Schein mit ver- waschenen Rändern zwischen D und B imd einen ähnlichen zwischen F und G; Arragonit ein ähnliches Phosphorescenzspectrum, nur mit einem hellen Schein zwischen C und D und einem solchen zwischen D und F, der breiter ist als der beim Diamanten. Im Lichte der Schwefel- ») Hedwigia 1884, No. 3. Cfr. Pilzwirkimgen p. 11. — Guoy und Gaimabd sahen auch den eitern- den Rücken einer Meerschildkröte, der die Schilder abgerissen waren, phos- phoresciren. ^) Becquerel, La lumiere t. I p. 207. I, 2. Ludwig: Ueber die spectroskopische Unters, photogener Pilze. 1^3 Verbindungen des Strontium, Baryum, Calcium finden sich alle Spectral- farbeu von Roth bis Violett vor, während die Edelsteine besonders gelbes oder blaues Licht aussenden. Die merkwürdigste Beobachtung Becquekel's besteht darin, dass Farbe und Helligkeit des Lichtes nicht nur von der Temperatur abhängen, sondern auch von der Art wie die Schwefelverbindungen dargestellt wurden, ja sogar von der molecularen Beschaffenheit der Salze, aus denen sie dargestellt wurden. So liegt das Spectrum des Schwefelcalcium im Oraugegelb bei seiner Darstellung aus dichtem Kalk, aus Kreide im Gelb, aus Kalkspath im Grün, aus Marmor und dichtem Arragonit im Violett. Das Mikrospectroskop, das auch zu diesen Untersuchungen unorga- nischer Körper geeignet ist, ist zum Nachweis der Lichtsorten bei spontaner Phosphorescenz organischer Körper, so viel ich weiss, nur bei einigen Leuchtthieren angewandt worden, z. B. -bei Lampyris noctiluca, deren continuirliches Spectrum nach Dr. Meldola * reich an blauen und grünen Strahlen, verhältnissmässig arm an rotheu und gelben ist. Bezüglich der Phosphorescenz der anfangs erwähnten Pilze und durch sie verursachten Lichtfäule ist eine Angabe Achakd's von Interesse. Derselbe führt nämlich in einer Abhandlung ^ über das Leuchten des faulen Holzes als besondere Eigenschaft desselben an, dass „sein Licht nicht durch gefärbte Gläser dringt und sich durch ein Glasprisma nicht in Farben zerlegen lässt". Wie es scheint, hat man sich durch diese Angabe Achakd's abschrecken lassen, da nach ihm keine Ver- suche, das Phosphorescenzspectrum des Holzes etc. zu untersuchen, ge- macht worden sind. Doch gehen wir nunmehr auf die Untersuchung der Phosphorescenz- spectra der Pilze selber ein und behandeln wir 1. Die Zeit der Beob- achtung, 2. Den Gebrauch des Mikrospectroskopes und die Art der Beobachtung, 3. Erläuternde Anwendungen des Bisherigen. 1. Zeit der Beobachtung. Man hat behauptet, dass die spontane Phosphorescenz durch das Tageslicht aufgehoben oder geschwächt werde, und Schmakda sagt ') Meldola, Spectrum of the light of the glowworm (Nature Vol. XXVI No. 667). ^) Achard in Nouv. Mem, de l'Acad. Roy. de Berlin 1783, p. 98. 184 Ludwig: Ueber die spectroskopische Unters, photogener Pilze. I, 2. noch in seiner Zoologie ', in der die Phosphorescenz der Thiere ziem- lich eingehend besprochen ist, dass Leuchtthiere dem Sonnenlicht aus- gesetzt und dann plötzlich in einen dunklen Raum gebracht, nicht gleich phosphoresciren, sondern erst nach einiger Zeit. Beides ist irrig, wie ich mich wiederholt bei den verschiedensten lichtfaulen Körpern über- zeugt habe. Diese phosphoresciren bei Tag so gut wie in der Nacht. Pilze, Holz, Fleisch, die dem Tageslicht ausgesetzt waren, fingen, ins Dunkle gebracht, ebenso schnell zu leuchten an, wie die gleichen Objecte, die ich während des Tages in einem dunklen Kasten hielt und erst im dunklen Zimmer hervorholte. Freilich schienen sie beide nicht sofort zu leuchten, sondern erst nach 4 bis 8 ^^ in einzel- nen Fällen erst nach mehr als 10 Minuten, aber nicht aus dem Grunde, den ScHMAKDA angiebt — dieser ist offenbar für die aus dem dunklen Kasten hervorgeholten Objecte falsch — sondern weil das beobachtende Auge bei Tage so von Nachbildern, Lichtwolken und anderen subjec- tiven Erscheinungen erfüllt ist, dass jene lichtschwachen Objecte nicht sofort Eindruck machen. Erfordert also bei Tage schon die blosse Wahrnehmung des Phos- phorescenzlichtes der Pilze ein besonders vorbereitetes Auge, so gilt dies erst recht für die Vornahme von Arbeiten mit dem Mikrospectral- apparat. Das Augenschwarz hat, selbst wenn es von Lichtwolken völlig frei ist, noch eine gewisse photometrische Intensität, vermöge deren sich eben das Sehen im dunkelsten Raum noch vom Nichtsehen (etwa der Em- pfindung die der Finger oder das Hinterhaupt hat) unterscheidet. Nach den Untersuchungen Volkmann's war die photometrische Intensität des Augenschwarzes für dessen Auge gleich der Helligkeit einer schwarzen Sammtfläche, die in 9 Fuss Entfernung von einer gewöhnlichen Stearin- kerze erleuchtet wird ^ und sie ist für jedes andere Auge besonders zu bestimmen. Mit Hilfe des FECHNER'schen („WEBEE'schen") psycho- physischen Gesetzes lässt sich daraus die Intensität des Phosphorescenz- spectrums bestimmen, die das Auge eben noch wahrzunehmen vermag. Aus eben diesem Gesetz folgt aber auch, dass bei einer Intensitäts- änderung des Augengrundes, der stets additiv wirkt, der äussere Reiz in gleichem Verhältniss wachsen muss, wenn er noch gesondert unter- •) Wien 1877, p. 98. 2) Bei Ag. melleus nach 4 Minuten, bei Micrococcus Pflügeri nach 4 bis 6 Minuten. •'') Cfr. Fechnee, Psychophysik Bd. I. I, 2 Liuhv g: Ueber die spectroskopische Unters, photogener Pilze. 185 schieden werden soll. Nun ist bei Tage der Zustand der Sehnerven ein weit erregter als am Abend, so dass man nicht erwarten kann, olinc langen Aufenthalt im Dunkeln, Gleiches zu sehen, wie am Abend. Nimmt man noch die Lichtwolken (von den Nachbildern ganz abge- sehen) hinzu, welche bei Tag lange das Gesichtsfeld überziehen und wohl eine mehr als lOOfache Intensität von dem Augenschwarz besitzen, so wird man verstehen, dass auch die intensivste Phosphorescenz durch diese hindurch unwahruehmbar ist, dass erst Minuten vergehen müssen, bis man überhaupt zu sehen anfängt. Zuletzt, wenn die Wolken an Umfang abnehmen, macht es nicht selten einen ähnlichen Eindruck, als wenn die Gestirne des Abends plötzlich zwischen den Lücken der vor- beiziehenden Wolken hindurchblicken. So klar sieht man momentweise die helUeuchtendeu Stellen des phosphorescirenden Objectes. Sind die Wolken einmal verschwunden, so sieht man das Object klar und deut- lich, als ob ein Schleier vom Auge gezogen wäre. Aber die schwächer phosphorescirenden Stellen werden des zu hellen Augengrundes halber öfter auch dann noch nicht sichtbar. Hat man nicht viel Ruhe, Geduld und ein sehr empfindliches Auge, so thut man gut, Phosphorescenz- beobachtungen bei Tage überhaupt nicht zu machen. Die Mitte der Nacht schien mir von vornherein die geeignetste Beobachtungszeit zu sein, weil das Auge, das aus dem Schlafe erwacht, am längsten grellen Lichtern fern geblieben ist, aber dem war nicht so. Zwar dauert es in der Nacht nicht so lange, als bei Tage, bis das Auge den ersten Phos- phorescenzschein wahrnimmt, aber für Spectralbeobachtungen ist mein Auge beim nächtlichen Erwachen nicht viel besser dispouirt als bei Tage. Träume seheinen den Zustand der Sehnerven in der Nacht oft noch erregter zu machen als bei Tag, wenigstens treten die Lichtwolken beim ersten Oeffnen des Auges viel lebhafter hervor. So bleibt denn der Abend als die geeignetste Zeit übrig. Während der Dämmerung klingen die Tagesbilder langsam ab, das Auge wird oft gänzlich frei von allen störenden Einflüssen. Gehe ich aus der Dämmerung in das Zimmer, in dem die Beobachtungsobjecte stehen, so sehe ich — auch wenn es noch so hell ist, dass ich die Umrisse der Objecto im Dämmerungslicht noch erkenne — die Phosphorescenz so- fort und deutlicher als bei Tag. Nun ist es Zeit, die Läden zu schliessen und den bei Tage zurechtgestellten Spectralapparat zu benutzen. Es stört mich nun auch nicht mehr beträchtlich, wenn ich eine Zeit lang an meiner Arbeitslampe (Petroleum) im Nebenzimmer gesessen habe. — Dass das Auge seine guten und schlechten Tage und Stunden hat, brauche ich ebenso wenig zu betonen, als dass Uebung dasselbe empfind- 186 Ludwig: Ueber die spectroskopische Unters, photogener Pilze. I, 2. lieber macht. Das Licht der von Collybia tnberosa in Lichtfäule ver- setzten Rindenstückchen und des Collybiamycels selbst, welche ich so- fort nach Eintritt ins Zimmer sah, sah mein College, Herr Schöbee und dessen Gattin erst fünf Minuten später, dann aber deutlich und ununter- brochen. 2. Beobachtungsmethoden. Bei der Untersuchung des Spectrums benutze ich den Soeby- BKowNiNG'schen Mikrospectralapparat mit Vergleichsprisma und Mess- apparat. Bei schwacher Objectivvergrösserung und erweitertem Spalt ist die Einstellung des Objectes zu bewerkstelligen (die Phosphorescenz erstreckt sich fast stets über die Pilzzellen hinaus auf das Substrat), später kann man, besonders bei wenig intensivem Phosphorescenzlicht, das Objectiv wieder abnehmen. Das Spectrum ist meist schon nach kürzerem Aufenthalt im Dunkeln sichtbar, schärfer tritt es aber nach einiger Zeit hervor. Es empfiehlt sich daher, einen bequemen Sitz vor- her zurecht zu machen, auf dem man ruhig ausharren kann. Da jede Beleuchtung des Zimmers auf längere Zeit die Schärfe des gewonnenen Spectrums beeinträchtigt, so habe ich zur annähernden Be- stimmung der Grenzen des Spectrums, wo dieses continuirlich ist, zu- nächst die Durchlässigkeit des Lichtes durch einen Satz farbiger Gläser, deren Absorptionsspectrum ich im Voraus bestimmte, unter- sucht. Die Farbe des Lichtes Hess sich meist durch Combination der durchlässigsten Gläser sicher bestimmen. Die genauere Lage des Spectrums wurde dann durch directe Beobachtung desselben unter An- wendung absorbirender durchsichtiger Substanzen mit bekannten Ab- sorptionslinien (direct oder durch das Vergleichsprisma) gewonnen. Es dienten dazu, zunächst die erwähnten Glasplatten und Stoffe mit einseitiger oder beiderseitiger Endabsorption , wobei die Einengung des Phosphorescenzspectrums durch die bekannten Absorptionsstreifen zu beachten war; oder absorbirende Substanzen mit bestimmten mittel- gelegenen Absorptionsbändern wie salpetersaure Didym- und Erbin- lösung, Fuchsinlösung, Urannitrat etc., die zum Theil die Lage der FRAUNHOFER'schen Linien (z. B. Urannitrat F, hypermangansaures Kali Eb, F etc.) bestimmen, zum Theil wenigstens die Ausdehnung des Spectrums durch Vergleich annähernd erkennen Hessen. Bei der direct en Beobachtung ohne Gläser stand mir anfangs kein Messapparat zur Verfügung, ich suchte daher die Lage des Spectrums und seiner Theile (das betreffende Spectrum war discontinuirlich) in sehr primitiver Weise zu bestimmen, indem ich durch Drehen der I, 2. Ludwig: Ueber die spectroskopische Unters, photogener Pilze. 187 Prismen den Schnittpunkt der Axe mit dem Spectrum und das Ver- liältniss der rechts und links davon gelegenen Theile aufsuchte und dann jenen Punkt in gleicher Weise bei dem Spectrum einer Kerzen- flamme bestimmte. Die ControUe durch farbige Gläser war hier die Hauptsache. Später gelang es mir, bei hellerer Phosphorescenz mittels Vergleichsprisma das Dämmerungslicbt mit den schärfsten Featinhofek- schen Linien zum Vergleich heranzuziehen. — Den Messapparat er-, leuchtete ich anfangs durch ein Stückchen phosphorescirenden Holzes, kam aber bald davon ab und verwende nun für Mikrometer wie für Vergleichsprisma ein Nachtlicht (die Linien des Natrium, Thallium und auch die sehr charakteristischen des Kohlenwasserstoffes Hessen sich hier zum Vergleich heranziehen). Das Dreieckchen darf nicht zu hell erleuchtet sein. Bei dieser Beobachtung bei Licht ist Auge und Object durch Schirme und dichte Tücher zu schützen, die richtige Aufstellung des Nachtlichtes und womöglich auch die Ablesung am Mikrometer ist durch eine zweite Person zu besorgen. — Noch sei erwähnt, dass mittels des Vergleichsprismas auch ver- schiedene Phosphorescenzen mit einander verglichen wurden. 3. Einige Anwendungen. Trametes pini (?), Rhizomorphen und Mycelhäute an frischem leuchtenden Wurzelholz von Fichten ', Ich brachte (Anfang Februar 1874) einige der hellsten Stücke des phosphorescirenden Myceliums — das Holz war fiir diese Versuche, wie es mir damals schien, zu lichtschwach — unter den Mikrospectralapparat im ganz dunklen Zimmer mit verschlossenen Fenstern. Das Spectrum war sehr licht- schwach und ohne bestimmte Farben ; anfangs sah ich nur einen schwachen bläulichen Schimmer, indessen waren nach zweistündigem Aufenthalt im Dunkeln die Umrisse des Spectrums deutlich. Ich be- merkte jetzt eine Menge dunkler Linien und einen breiten dunklen Streifen in dem sonst hellen Spectrum. Durch Drehen der Prismen und Vergleichen mit dem Spectrum eines angezündeten Kerzenlichtes fand ich den Anfang des Phosphorescenzspectrums beim Hellblau, von wo es sich bis ins Ultraviolett erstreckte. Die dunklen Linien lagen im Hollblauen, während das breite dunkle Band in dem noch sichtbaren ultravioletten Theil zu liegen schien. Auch mit blossem Auge sah ich nach mehrstündigem Aufenthalt im Dunkeln das Licht ') Cfr. Ludwig, Phosphorescenz der Pilze p. 23. 188 Liujwig: Ueber die spectroskopische Unters, photogener Pilze. I, 2. deutlich hellblau, während es mir bei offenen Fenstern weiss er- schienen war. Ein rothes und violettes Glas Hessen gar kein Licht des phosphorescirenden Mycels durch, während das schwächere durch das geöffnete Fenster dringende Strassenlicht durch beide Gläser sichtbar war. Sehr wenig Licht drang durch das dunkelblaue Glas, das auch das Kerzenlicht sehr abschwächte, etwas besser Hess das orangefarbene und ziemlich gut das grüne Glas das Licht durch. Fast ungeschwächt ging dieses endlich durch das hellblaue Glas, welches vom Kerzenlicht nur äusserst wenig durchliess. Die Com- bination der vier letzten, allein für das Phosphorescenzlicht durch- lässigen Gläser liess das durchscheinende Licht hellblau erscheinen. Die Absorptionsspectra der Gläser sind a. a. 0. beschrieben. — Die Helligkeit des Lichtes bestimmt sich daraus, dass Mycelstücken von etwa 1 qciu ihr lebhaft scintillirendes' abwechselnd hell auf- leuchtendes und verschwindendes Licht in .3 m Entfernung eben noch zeigten. Ägaricus melleus Fl. Dan. und das von ihm in Lichtfäule ver- setzte Holz haben zumeist ein ruhiges weiss lieh es Licht mit einem Stich ins Grünliche. Sein Spectrum ist continuirlich und reicht von ca. 45 bis 76 der SoRBY-BROw^N'schen Scala (für D = 50, E = 72*1, b = 76*1). Bestimmt wurde dasselbe durch Vergleich mit dem Dämmerungslicht, durch absorbirende Substanzen bekannter Absorptionslage, durch den Messapparat (Nachtlicht) und durch bunte Gläser. Es sei hier bemerkt, dass, abgesehen von den Beobachtungen bei Trametes pini, stets derselbe Satz von Gläsern benutzt wurde, deren Absorptionsspectra hier nicht weiter erörtert werden sollen. Die Durchlässigkeit für das Tageslicht ist aus folgender Reihenfolge zu ersehen : orange roth violett blau grün Für das Hallimaschlicht ist die Ordnung der Durchlässigkeit: orange grün (ziemlich gut) ») TuLABNE bemerkte auch bei Ägaricus olearius ein ähnliches, bewegtes Licht (wie es auch der Phosphor zeigt). I, 2. ' Ludwig: Ueber die spectroskopisclie Unters, photogener Pilze. 189 violett (schwach) blau (noch schwächer) roth (undurchlässig). Das grüne Glas engt das Spectrum beiderseits etwas ein. Xylaria Hypoxylon. Nachdem schon ältere Schriftsteller und neuerdings Crijö die Phosphorescenz dieses Pilzes behauptet, trug ich, um diese Angaben zu controlliren, von verschiedenen Stellen um Greiz trocknes und von dem Pilz in FäUle versetztes Holz, beide mit den Rhizomorphen und Xylostroma desselben ein (von Barthmühle-Steins- dorf bei Jocketa 29. IX. 83, vom Zaschberg bei Pohlitz 2. IX. 83, von Steinhübel-Schlödenmühle am 16. X. 83). Holz und Mycel leuchteten theils sofort, theils — wo keine Rhizomorphabildung vor- handen war — nach einigen Tagen, wenn es an feuchtem Ort aufbe- wahrt wurde (in der Botanisirtrommel leuchtete das am ersten Tag dunkle Holz noch nach 14 Tagen und später). Das Licht, das durch die Gläser geht: orange (am besten, aber mit beträchtlicher Schwächung) grün (weniger) violett (bedeutend weniger) blau (sehr wenig), durch roth nicht hindurch geht, erscheint dem blossen Auge grün- lich-gelb bis grünlich. Sein Spectrum ist continuirlich, reicht von ca. 55 bis 85 der bei Agaricus melleus erwähnten Scala, ist also nach dem Blauen zu verschoben gegen das des Hallimasch wie auch die gleichzeitigen Beobachtungen beider Spectra durchs Vergleichs- prisma zeigten. Im Dunkeln kann man die beiderlei Mycelien resp. davon befallenen Hölzer am Geruch unterscheiden (Hallimaschholz hat Knoblauchgeruch), auch hat Xylaria weniger intensives Licht. Collyhia tuherosa Bull, deren Sklerotien bildendes Mycel nicht nur selbst leuchtet *, sondern auch die Fähigkeit besitzt, Nadeln, Blätter, Zweige, Borke, Moos, die es durchwuchert, und faule Pilze, auf denen es wohnt, in der Umgebung phosphorescent zu machen, lässt das Licht durch orange gut, grün ziemlich gut, durch violett etwas, nicht durch roth und blau. Spectraluntersuchuugen habe ich hier der geringen Intensität des Lichtes besonders bei den durch ihn •) Cfr. Ludwig, Ein neuer phospL. Pilz, Collybia tuberosa Bull. (Botan. Centrbl. Bd. XIL 1882. p. 104). 190 Ludwig: Ueber die siiectroskojnscbe Unters, photogener Pilze. I, 2. liclitfaulen Substanzen halber nicht angestellt. Die Intensität beträgt ca. y,7 bis y2o derjenigen des noch in 2*20 m sichtbaren Hallimasch- lichtes. Micrococcus Pflügeri Ludwig. Der Urheber der sehr spora- disch auftretenden Phosphorescenz des Fleisches, die schon im Jahre 1592 eingehender beobachtet wurde und dann bis in die Neuzeit immer und immer wieder Aufsehen erregte ', ist nach meinen Ver- suchen unzweifelhaft identisch mit der der sehr häufig auftretenden Phosphorescenz der Seefische und lässt sich von diesen beliebig auf jede Fleischsorte übertragen. Ich habe diesen Pilz, dessen Zellen in lebhafter Bewegung und Theilung begriffen sind, bald zu zwei oder vier, bald in Stäbchen bildenden Reihen auftreten, mit obigem Namen versehen 2. Das Licht des „lichtfaulen" Fleisches erscheint dem blossen Auge von der Farbe des auf eine weisse Wand fallenden Voll- mondlichtes und ist (1 qm) auf 1'85 bis 2-50 m Entfernung wahr- zunehmen. Die Ordnung der Durchlässigkeit ist blau gelb grün violett. Am besten geht das Licht durch die Combinationen blau- gelb und blau-grün, roth ist undurchlässig. Die Bacterien treten ähnlich wie der chromogene Micrococcus prodigiosus (Ehkenbeeg) zuerst in zer- streuten Zoogloeen auf, die ein helleres Licht ausstrahlen, als das später gleichmässig lichtfaule Fleisch. Sie sind zur Untersuchung des Spectrums zu benutzen. Die Eindämmung des Spectrums (Blau dämmt es von der Seite des Roth zur Hälfte ein etc.), die Anwen- dung von Vergleichsprisma und Messapparat ergiebt eine Ausdehnung des continuirlichen Spectrums von der Gegend der P'EAUNHOFEK'schen Linie b bis ins Violette. — Die Spectra der zahlreichen grösseren Hutpilze sind noch zu unter- suchen. Dass dabei praktischere Wege eingeschlagen werden können und eingeschlagen werden, ist mir nicht zweifelhaft. Trotzdem glaubte ich die vorstehenden Methoden mittheilen zu sollen. Vielleicht dass sie dazu beitragen, dass die mikroskopische Technik auch dem neuen Zwecke entsprechende Umänderungen der Mikrospectralapparate und Spectrophotometer ausfindig macht. •) Cfr. Ludwig, Pilzwirkungen p. 10 ff. «) Hedwigia 1884, Nr. 3. I. 2. Hansen: Ueber d. Zählen mikrosk. Gegenstände in d. Botanik. 191 Ueber das Zählen mikroskopisclier Geg-enstäude in der Botanik. Von Dr. Emil Chr. H.inseu, Vorstand des Physiologischen Laboratoriums Carlsberg, Kopenhagen. Hierzu 6 Holzschnitte. Schon seit einer langen Reihe von Jahren haben die Aerzte imd Thierpliysiologen bei ihren Studien eine Zähhmg der Blutkörper unter- nommen und dadurch bedeutungsvolle Resultate erhalten. Mehrere Methoden haben sich folglich nach und nach in dieser Richtung ausge- bildet. In der neuesten Zeit ist es namentlich Malassez und Hayem, welche sich hierin verdient gemacht haben, und der von letzterem in Verbindung mit Nachet construirte Apparat wird jetzt am häufigsten benutzt. Eine ausfiihrliche Darstellung, auf welche "Weise man in der Medicin und Thierphysiologie solche Zählungen unternommen hat, findet sich in mehreren Abhandlungen der neuesten Zeit und wird daher an dieser Stelle nicht gegeben werden. Vor wenigen Jahren ist Hayem's und Nachet's schöner Apparat jedoch auch in den Dienst der Botanik getreten und hat sich hier ebenfalls sehr werthvoll gezeigt. Es ist das Ziel gegen- wärtiger Abhandlung, einen üeberblick darüber zu geben, wie und zu welchem Zwecke er auf diesem Gebiete angewendet worden ist. Da man jedoch bei botanischen Untersuchungen auch eine Zählung mikroskopi- scher Gegenstände auf anderem Wege als mittels des kürzlich erwähnten Apparates unternommen hat, so werden die hierbei angewandten Me- thoden gleichfalls besprochen werden. Im Frühjahre 1877 lenkte Professor Panüm in Kopenhagen meine Aufmerksamkeit auf den damals kurz zuvor von Hayem und Nachet construirten Apparat zur Zählung der Blutkörper und zeigte mir in seinem Laboratorium, wie man ihn zur Bestimmung der Vermehrungs- schnelligkeit gewisser mikroskopischer Organismen anwenden kann. Die Richtigkeit der Behauptung jenes Herrn wurde auch durch die Ver- suche, welche ich sogleich mit Saccharomyces cerevisiae und mit einigen Bacterienformen anstellte, völlig bestätigt. Die Versuche wurden kurz erwähnt in einer kleinen Mittheilung, welche ich in demselben Jahre 192 Hansen: üeber d. Zählen mikrosk. Gegenstände in d. Botanik. I, 2. in der dänischen Zeitschrift für populäre Darstellungen aus der Natur- wissenschaft veröffentlichte, und im nächsten Jahre gab Pantjm selbst einige Erläuterungen hierüber '. Die Methode wurde jetzt auf dem Carlsberger Laboratorium zuerst von R. Pedeesen und danach von mir zu einer grösseren Reihe Unter- suchungen über die Vermehrung der Hefezellen, wenn sie sich unter verschiedenen Verhältnissen befinden, benutzt ^. Diese Arbeiten lenkten die Aufmerksamkeit des Auslandes auf die neue Anwendung des Zählapparates, und schon im Jahre 1880 finden wir ihn mit grossem Eifer bei den Studien, welclie DELBKtrcK, Hayduck und Durst unternahmen, angewendet: „Die Bestimmung der Hefe durch Zählung", „Ueber Wachsthum und Gährwirkung der Hefe nach Beob- achtungen in der Praxis mit Hülfe der Zäldmethode", „Einige Beob- achtungen über den Eiufluss der Spaltpilze auf die Entwicklung und die Gälirwirkung der Hefe", „Hefezählung aus der Praxis" ^. Hierdurch wurde die Methode zugleicli in die Praxis der Spiritus- fabrication eingeführt. Wir werden jetzt den Apparat und das Verfahren, welches bei solchen Untersuchungen wie den eben erwähnten angewendet wird, be- schreiben. Ein wesentlicher Theil des Appparates ist das Objectglas (s. neben- stehende Figur 1, a), worauf ein kleiner abgegrenzter Raum gebildet ist , der dadurch entsteht , dass eine mit einem kreisförmigen Aus- schnitte versehene Glas- platte von genau be- stimmter Dicke auf dem Glase befestigt ist (6). In dem kreisförmigen Raum wird ein Tropfen mit den Zellen, welche j gezählt werden sollen, angebracht. Dieser Tro- pfen darf nicht über den abgegrenzten Raum hinausfliessen, muss aber doch so gross sein, dass er in Berührung mit dem Deckglas (c) kommt, 1) Nord. med. archiv. 1878, Bd. X No. 4. 2) Compte-rendu des traveaux du laborat. de Carlsberg vol. I, livr. 1 — 3 1878—1881. •■') Zeitschrift für Si)iritusindustrie 1880. Aucb in M^vercker's Handbuch der Spiritusfabrication 3. Aufl., 1883. I, 2. Hansen: Ucber d. Zälilen niikrosk. Gegenstände in d. Botanik. 193 wenn dieses aufgelegt wird. Wird nun ein hinlänglicli dickes, plange- sclilitfenes Deckglas angewendet, so wird die Höhe der Flüssigkeits- säule im Blutzählungsapparat von Hayem-Nachet überall dieselbe sein, nämlich 0*2 mm. Zeiss in Jena hat jedoch auch in den letzten Jahren solche Objectgläser mit dünneren, ringförmig ausgeschnittenen Glas- platten verfertigt, deren Dicke, mit einer Genauigkeitsgrenze von 0*001 mm, nur 0*1 mm ist. Nachdem die Hefezellen im Anfange des Versuches in die be- treffende Nährlösung übergeführt worden sind, werden sie hier durch Schütteln oder Umrühren gleichmässig vertheilt, und, wenn ihre Anzahl nicht zu gross ist, wird sodann ein Tropfen der Mischung in den er- wähnten Raum auf das Objectglas gebracht. Die so erhaltene Flüssig- keitsschicht wird durch Projection eines in das Ocular des Mikroskopes eingesetzten Mikrometers, welches in IG gleich grosse quadratische Felder eiugetheilt ist, in kleine Prismen abgetheilt, deren Höhe 0*2 mm oder 0*1 mm (je nachdem man die erste oder die letzte der oben er- wähnten Kammern anwendet), und deren Grundfläche die Projection eines der Quadrate des Mikrometers ist. Um die oft anstrengende Zäh- lung zu erleichtern, findet sich in jedem der Quadrate wieder ein Strich ; hierdurch bekommt das Auge einen Anhaltspunkt, und es wird möglich mit Genauigkeit zu zählen. Die Flüssigkeit muss ein solches specifisches Gewicht haben, dass die Zellen sich darin gleichmässig vertheilt halten können; aber ihr specifisches Gewicht soll doch zugleich etwas geringer sein als das der Zellen, so dass diese, wenn sie einige Minuten gestanden haben, sich auf das Objectglas hinabsenken können. Bei den Nährlösungen, von denen hier die Rede ist (Würze, ziemlich verdünnte Fruchtsäfte und Zuckerlösungen u. s. w.) wird dies im allgemeinen der Fall sein. Wenn nur von Relationen die Rede ist, so ist es natürlicherweise gleichgültig, einen wie grossen Cubikinhalt Flüssigkeit mau untersucht, vorausgesetzt, dass er in derselben Versuchsreihe stets derselbe ist. Der so ein für alle Mal gewählte Cubikinhalt wird passend die V o 1 u m e n- einheit genannt. Nachdem der Apparat eine gewisse Zeit lang auf dem Tische des Mikroskopes in Ruhe gelegen hat, damit die Senkung der Zellen vor sich gehen kann, schreitet man zur Zählung der Anzahl von Zellen, welche sich in jedem der Quadrate des Gesichtsfeldes befindet. Man wird jedoch immer einige Zellen wahrnehmen, welche nicht innerhalb der Quadrate selbst liegen, sondern auf den Grenzlinien dieser, so dass sie eben so gut zu dem einen als zu dem anderen der zwei Nachbar- Zeilschr. f. wiss. Mikroskopie. I. 2. 13 194 Hansen: Ueber d. Zählen mikrosk. Gegenstände in d. Botanik. I. 2. quadrate gerechnet werden können. Ist mau in solchen Fällen nur consequeut, so kann es selbstverständlich gleichgültig sein, welchen Regeln man folgt. Wenn die Anzahl der Zellen so gross ist, dass die Zählung nicht sicher und genau ausgeführt werden kann, dann muss die betreffende Mischungsflüssigkeit verdünnt werden. Der Grad der Verdünnung muss natürlicherweise genau bestimmt und mit in die Be- rechnung aufgenommen werden, wenn man aus der gefundenen Anzahl Zellen in der gewählten Volumeueinheit der verdünnten Flüssigkeit die Anzahl derselben in der Volumeueinheit der nicht verdünnten Flüssig- keit berechnet. Da man bei dieser Berechnung die gefundene Zahl mit der Verdüunungszahl multiplicireu muss, wodurch ein möglicher Fehler in der gefundenen Zahl folglich auch multiplicirt wird, so ist es einleuchtend, dass man nicht mehr verdünnen darf als unbedingt noth- wendig. Durch Anwendung eines Objectglases mit einer Flüssigkeits- säule von 0-2 mm wird die Verdünnung in bedeutenderem Maasse statt- finden dürfen, als wenn mau mit einer Flüssigkeitssäule von nur 0' 1mm arbeitet. Von der Verdünnungsflüssigkeit wird nicht nur ein solches specifisehes Gewicht im Verhältniss zu der beim Versuche benutzten Nährlösung und den sich darin befindenden Hefezellen, dass diese durch Umrühren sich in der Mischungsflüssigkeit gleichraässig vertheilt halten können, gefordert, sondern zugleich auch, dass sie dazu beitragen soll, die sich häufig zusammenballenden Zellen zu trennen. Das Schütteln und Umrühren allein ist nämlich nicht immer hinreichend. Ausserdem ist es auch nothwendig, dass durch Zusatz gewisser Stoffe die Schaum- bildung, die namentlich dann hervortritt, wenn Nährsubstrate wie Würze benutzt werden, eingeschränkt wird, und dass gleich bei diesem Zusätze die Gährung und Vermehrung der Zellen unterbrochen wird. Verdünnte Schwefelsäure (1 Gewichtstheil starke Schwefelsäure auf 10 Gewichts - theile Wasser) erfüllt im ganzen diese Forderungen ; Chlorwasserstoff- säure, Ammoniak und Natronlauge lassen sich auch anwenden ; ich fand aber bei meinen zahlreichen Versuchen, dass Schwefelsäure vorzuziehen sei. Wird eine verhältnissmässig starke Verdünnung gefordert, so wird man, nachdem 1 oder 2 Volumen verdünnte Schwefelsäure hinzu- gesetzt sind, destillirtes Wasser als weitere Verdünnungsflüssigkeit hin- zufügen können. Die Fehler, welche sich bei der Zählung geltend machen, rühren theils von der Präparation, theils von der Zählung selbst her. Bei der Präparation muss man namentlich sorgfiiltig darauf achten, dass die Maasse mit der grössten Genauigkeit genommen werden, und dass für eine gleichmässige Vertheilung der Zellen in der betreffenden Flüssig- I, 2. Hansen: Leber d. Zählen mikrosk. Gegenstände in d. Botanik. 195 keit gesorgt ist, bevor der Tropfen in die Kammer des Objectglases übergeführt wird. Wie das Präparat fertig gemacht wird, ist oben er- wähnt. Bei Untersuchungen über die Vermehrungsverhältnisse der Hefezellen wird mau in der Regel mit einer grösseren Menge Flüssig- keit in einem Kolben, der so eingerichtet ist, dass fremde Organismen, so lange der Versuch dauert, fern gehalten werden können, operiren. Wenn mau annehmen darf, dass die Zellen durch Schütteln gleichmässig vertheilt worden sind, so werden schnell Proben herausgesucht, die mau darauf in passendem Verhältnisse mit der Verdünnungsflüssigkeit ver- mischt. In der so erhaltenen Mischungsflüssigkeit sucht man dann durch ümrühi'en eine, soweit möglich, gleichmässige Vertheilung der Zellen zu einhalten, und wenn dies geschehen ist, wird der Tropfen schnell für den Zählungsapparat herausgenommen. Hierzu benutzt man mit Vortheil eine Haarröhre. Will man jedoch ganz sicher gehen, so darf man sich nicht damit begnügen, eine Portion der Mischungsflüssigkeit zu machen, sondern man muss das ganze eben beschriebene Verfahren wiederholen, indem mau zwei Portionen macht und von jeder derselben Tropfen zur Zählung herausnimmt. Um hierbei Fehler zu vermeiden, ist es natürlicherweise von Wichtigkeit, zu wissen, in wie vielen ver- schiedenen Feldern man die Zellen zählen muss, um eiue richtige Mittel- zahl zu erhalten. Dies wird versuchsweise eruirt, indem man das Zähleu so lauge fortsetzt, bis es sich zeigt, dass die weiteren Zahlen ohne wesentlichen Einfluss auf die Mittelzahl bleiben. lu meinen Versuchen fand ich im allgemeinen, dass die Zählung in 48 oder 64 der kleinen Quadrate (also 3 oder 4 Mal das grosse Quadrat) hinreichend war. Hayduck musste jedoch in seinen Versuchen jedes Mal eine grössere Anzahl Zählungen vornehmen. Bei all den Versuchen, welche nach dieser Methode augestellt worden sind, hat es sich gezeigt, dass sie genaue Resultate giebt, und es kommt hierzu, dass eine Bestimmung mit einer geringen Menge Material uud in einer verhältnissmässig kurzen Zeit ausgeführt werden kann. Die Bestimmung einer Hefemenge durch Wägen ist dagegen bekannter Weise eine sehr langwierige und sehr ungenaue Operation. Wenn man aber auch von den Fehlern der Wägmethode absehen würde, so kann sie doch nicht bei Untersuchungen über die Vermehrung der Hefe- zellen, wo es ja lediglich darauf ankommt, die Anzahl dieser zu bestimmeu, angewendet werden. Nur wenn das Gewicht der Hefezellen dasselbe unter verschiedeneu Verhältnissen wäre, könnte man das Gewicht der Hefe als einen Ausdruck der Anzahl von Hefezellen betrachten, es ist aber gar kein Grund vorhanden, dass dies in Wirklichkeit Statt hat. 13* 196 Hansen: Ueber d. Zählen mikrosk. Gegenstände in d. Botanik. I, 2. Umgekehrt köuneu wir folglich auch nicht von der Zahl einer ge- wissen Menge Hefezellen auf das Gewicht dieser schliessen. Nägeli hat freilich das mittlere Gewicht einer Hefezelle zu 0-000000 000 5 g angegeben; allein Hayduck's Versuche zeigen, dass diese Berechnung bei weitem keine allgemeine Gültigkeit hat. Bei dem oben beschriebenen Apparat von Hayem-Nachet befand das Netzmikrometer sich im Oculare ; man liat jedoch auch Zählkammern, in deren Boden dasselbe eingeritzt ist. Nach Thoma's Anweisung werden solche bei Zeiss verfertigt. Die Flüssigkeitssäule in diesen Kammern bekommt eine Höhe von 0-1 mm, und die Mikrometereinthei- lung erstreckt sich über ein Quadratmillimeter, welches Avieder in kleine Quadrate von 0-05 mm Seitenlänge eingetheilt ist. Es können freilich Fälle gedacht werden, wo man die zuletzt besprochenen Kammern den anderen vorziehen wird, aber etwas eigentlich Neues bieten sie nicht dar. Wünscht man den Cubikinhalt der Volumeneinheit, deren Zellen man zählt, kennen zu lernen, so braucht mau bei letzterer Einrichtung die Berechnung nicht auszuführen, welche bei Anwendung der erstgenannten Kammer zur Bestimmung des Werthes der Oculareintheilung ge- fordert wird. In den mykologischen Werken mehrerer Autoren finden sich An- gaben der Vermehrungsschnelligkeit verschiedener Mikroorganismen in Objectträgerculturen. Zu diesen wird die eine oder die andere Form der sogenannten feuchten Kammern benutzt, und man stellt das Objectiv auf die Zelle ein, deren Entwicklung und Vermehrung man verfolgen will. Auf diese Art wird man natürlicherweise auch im Stande sein, die An- zahl der neugebildeten Zellen und die Zeit, welche ihre Entwicklung forderte, zu bestimmen; namentlich ist dieses verhältnissmässig leicht zu Anfang des Versuches; später, wenn die Vermehrung weiter fortge- schritten ist, wird es jedoch schwieriger und zuletzt oft unmöglich. Wie vorzüglich diese Methode auch für die entwicklungsgeschichtliche Unter- suchung ist, so beschränkt ist auch die Bedeutung, welche sie für die experimentelle Physiologie hat. Hier ist man nämlich nur im Stande, die Versuchsanordnung in geringem Grade zu variiren, und da man mit nur kleinen Mengen operiren kann, so ist es in der Regel nicht möglich, die gewünschten chemischen und ph3^sikalischen Analysen zu unternehmen. In dieser Richtung steht der Forscher dagegen ganz anders da, wenn der Zählapparat benutzt wird. I, 2. Hansen: Ueber d. Zählen mikrosk. Gegenstände in d. Botanik. 197 In der neueren Zeit sind an verschiedenen Orten zahlreiche Analysen des Lnftstaubes angestellt worden, namentlich um die sich darin befind- lichen Mikroorganismen kennen zu lernen. Auch hat man versucht, durch Zählung die Anzahl, welche sich in einem bestimmten Cubikinhalt Luft beftmd, zu bestimmen. Zu diesem Zwecke wurde früher gewöhn- lich das Aeroskop angewendet. In den letzteren Jahren ist es besonders MiQUEL ', welcher damit gearbeitet hat. Sein Apparat (Figur 2) ist eine Modification des von Pouchet, Maddox und Cunningham be- nutzten. Er besteht hauptsächlich aus einer Glocke .4, von deren Scheitel eine Röhre C ausgeht, in welche die Luft eingesogen und darauf ge- messen wird. Im untersten, oflFenen Theile der Glocke ist ein hohler Kegel B mit einer sehr feinen Oeffnung in der Spitze eingeschraubt , und über diesem ist wieder eine dünne Glasscheibe, ein Deck- glas Z), angebracht, welches mit einer Mischung von Gly- 2. cerin und Glykose bestrichen ist. Eben an dieser kleberigen Flüssigkeit setzt sich der Staub ab, welcher in der Luft enthalten ist, die durch den Kegel von unten einströmt. Die hierin sich findenden Mikroorganismen werden durch Zählung bestimmt, jedoch nicht die Bacterien. Zu diesem Zweck werden mittels einer Nadel, welche vorher durch eine Flamme gezogen ist, die Staubpartikeln gut mit der kleberigen Flüssigkeit vermischt, und, wenn dies geschehen ist, wird die hierzu benutzte Nadelspitze mit einem Tropfen einer ähnlichen, aber reinen Flüssigkeit, welche dann schliesslich auch auf das erwähnte Deckglas angebracht wird, gereinigt. Alsdann wird es in der Weise auf das Objectglas gelegt, dass die aufgefangenen Staubpartikeln mög- lichst gleichmässig im Präparate vertheilt werden, welch letzteres man dann unter das Mikroskop bringt. Die Zählung geht hier nun auf die Art vor sich, dass man in den verschiedenen Theilen die sich im Ge- sichtsfelde befindliche Anzahl bestimmt um die ^littelzahl zu finden. Hieraus bestimmt Miquel dann, indem er das Verhältniss zwischen der Grösse des Gesichtsfeldes und des Präparates kennt, die ganze Anzahl der gegenwärtigen Mikroorganismen. Gegen diese Zählmethode können jedoch Einwendungen erhoben werden. Es wird z. B. nicht immer ') Annuaire de Tobscrvatoire de Montsouris pour les ans 1879 — 1882. 198 Hansen: Ueber d. Zählen mikrosk. Gegenstände in d. Botanik. I, 2. l\ möglich sein, auf die angegebene Art die sich in Glycerin und in der Zuckei'lösung befindlichen Körper auch nur annähernd gleichmässig zu vertheilen, was erforderlich ist, um mit einiger Sicherheit und nicht allzu grosser Mühe die wahre Mittelzahl finden zu können. Hierzu kommt noch, dass die Bestimmung der in der kleberigen Flüssigkeit auf- gefangenen Organismen und Körperchen in vielen Fällen geradezu un- möglich sein wird. In seinen statistischen Untersuchungen der Bacterien des Luft- staubes wendete Miquel ein anderes Verfahren an, indem er nämlich Culturversuche unternahm. Die Nährlösung, welche aus neutralisirtem Fleischextract bestand, wurde in einen kugelförmigen Ballon (b) mit zwei gegenüberliegenden Röhren (Figur 3) gebracht, von welchen die eine (a) gebogen war und die andere (/") an der Ausmüudungsstelle mit einem Filter (c, d) aus Asbest versehen war. Letzterer diente dazu, um wenigstens einige der Organis- men , welche in der eingesogenen Luft mit durch die Flüssigkeit schlüpfen, aufzufangen. Es wurde nämlich die Luft in die gebogene Röhre hineingeführt und verliess den Ballon durch die mit dem erwähnten Filtrirapparat ver- sehene. Wenn die Aspiration abgeschlossen war, so wurde der Asbest-Filter in die Flüssigkeit hinuntergespült, worauf man den Apparat in einen Thermostaten bei imgefähr 30" C. hinein- stellte, d. i. eine Temperatur, welche unter den angegebenen Verhältnissen für die Ent- wicklung der meisten Bacterien günstig zu sein schien. Um die sich in der Luft befind- lichen 'Bacterien zu zählen , wendete Miquel Durch eine vorhergegangene Probe soll der Ex- perimentirende sich Kenntniss von dem Volumen Luft verschaffen, welches an der angegebenen Stelle im Stande ist, die Hälfte der zum Versuche angewendeten Ballons zu inficiren. Wenn die eingesogene Luftmenge zu gering ist, um wenigstens einen der Ballons zu inficiren, so wird man selbstverständlich gar keine Auskunft über die Anzahl der Bacterien erhalten können, wenn dagegen die Luftiuenge zu gross ist, so werden alle schnell mit verschiedenen Arten gefüllt werden, von welchen oft eine einzelne die Oberhand gewinnt und ganz und gar die Schwachen zurückdrängt. Um auch die weniger Kampftüchtigen in den Stand zu setzen, sich zu entwickeln, muss man versuchen, eine jede der Formen folgende Methode an. I, 2. Hansen: Febcr il. Zählen mikrosk. Gegenstände in d. Botanik. 199 für sich einzuführen