1 r SP j * * , ■ ■ |r - •„-* ' *&? \& • ' ****** «>* .1 L . & ■■ -_> ryT f-; . 5 • t# .,*. £^# .W- I Abhandlungen herausgegeben vom NatDrwisseHsrMlichen Verein zu BREMEN. XVIII. Band. Mit 25 Tafeln und zahlreichen Abbildungen im Texte. BREMEN. Franz Leuwer. 1906. - Inhalt. Erstes Heft. Ausgegeben im April 1905. Seite Franz Buchenau: Dammhagen. Ein Beitrag zur nordwestdeutschen Landeskunde, (mit einer Abbildung im Texte) 1 F. Koenik e: Hydrachniden aus der nord westdeutschen Fauna (mit TafelT und 3'± Abbildungen im Texte) 14 J. D. Alfken: Zur Kenntnis einiger nord westdeutscher Bienen ... 69 A. C. Oudemans: Acariden von Bovkum und Wangeroog. (Parasitidae, Thrombidiidae, Oribatidae) IX. Serie der , .Notes on Acari' (mit Tafel II- VIII) 77 Georg Bitter: Parthenogenesis und Variabilität der Bryonia dioica (mit Tafel IX und X) 99 J. D. Alfken: Die Förstersche Monographie der Bienen - Gattung Hylaeus F. (Latr.) = Prosopis F. und die Prosopis - Sammlung Försters 108 J. D. Alfken: Über einige Bienen -Arten Thomson's 125 J. D. Alfken: Die Gruppe der Andrena varians K '29 J. D. Alfken: Die von P. Knuth auf seiner 1898/99 untern ommenen Reise nach Java, Japan und Kalifornien gesammelten Lepidopteren und Hymenopteren und die von diesen besuchten Pflanzen . . 132 K. Pfankuch: Einige seltene Schlupfwespen aus Bremens Umgegend 139 E. Lemmermann: Über die von Herrn Dr. Walter Volz auf seiner Weltreise gesammelten Süsswasseralgen (mit Tafel XI) .... 143 W. O. Focke: Änderungen der Flora an der Nordseeküste 175 W. 0. Focke: Oenothera ammophila 182 W. 0. Focke: Tragopogon praecox 187 A. Hansen: Der Wind und die Flora der ostfriesischen Inseln . . . 190 Hans Voigts und A. C. Oudemans: Zur Kenntnis der Milben-Fauna von Bremen (mit Tafel XII— XIX) 199 W. 0. Focke: Die Nomenklatur der pflanzlichen Kleinarten, erläutert an der Gattung Rubus 254 W. 0. Focke: Über Geum Japonicum 264 CarlGeissler: Verzeichnis der inJBremen und Umgegend vorkommenden Libellen 267 W. 0. Focke: Hans Voigts 274 W. 0. Focke: Vor fünfzig Jahren 276 Zusätze zu Arbeiten in Heft 1 des XVIII. Bandes 280 Anhang: Jahresbericht für das Jahr 1903—1904. Jahresbericht für das Jahr 1904—1905. Ausgegeben im April 1906. Seite • - \ i flehen aus der Erstarrung 281 (tische Rosen (mit Tafel XXI) .... 298 bei Bremen und Umgebung auf- radflügler Orthoptera genuina) 301 Beitrag zur Florula Zevenensis 310 D Wümme (mit Tafel XX) 320 »rinteodent Werner Bertram .... 341 benau: Eine Besteigung der ürigna herbosa 351 Ibelm Stucken 361 \\ ind Iv. Sartorius: Zur Kenntnis des 365 :i. Elaphomyceten und Gasteromyceten ächland 370 Die Cladonien des nord westdeutschen Tieflandes daeeinseln (mit Taf. XXII— XXV) ... 384 abildung bei Alectorolophus major 457 ml -n im Bremer Walde bei Axstedt . . . 462 ann: I>ie Pilze der Juncaceen 465 he «'arten zu Bremen 490 Adolf Bastian 498 t Adolf Bastians Beziehungen zu Bremen .... 504 '■'lühende Keimpflanze 507 schütz 508 _ 512 lit für das Jahr 1905—1906. ~ Abhandlungen herausgegeben vom Naturwissenschaftlichen Verein zu BREMEN. XVIII. Band, 1. Heft. Mit 19 Tafeln und zahlreichen Abbildungen im Texte. ■ »• •*• BREMEN. G. A. v. Halem. 1905. Dammhagen. Ein Beitrag zur nordwestdeutschen Landeskunde. 1 ) Mit einer Abbildung im Texte. ö LIBRARY NEW YORK Franz Buchenau. BOTanical, GARDEN Ungefähr in der Mitte zwischen Stubben und Sandstedt, an der Grenze von Geest und Moor, erhebt sich auf einem in die Wiese hinausgeschobenen Warfe das rötlichgraue, in seinen einfachen aber grossen Verhältnissen imponierende Schloss Hagen der Bremischen Erzbischöfe. Als Zwingburg gegen die Osterstader Bauern erbaut,- verlor es bald diese Bedeutung, blieb aber ein wichtiger Stützpunkt der erzbischöflichen Macht in jener Gegend und zugleich Sommersitz und Jagdschloss der Erzbischöfe. Im Laufe der Zeit wurde ihm die Erniedrigung zum Gefängnisse nicht erspart, aus der es vor etwa fünfzig Jahren erlöst und zu der beneidenswerten Dienstwohnung eines Justizbeamten umgestaltet ward. Für die grosse Welt aber blieb es, fern von den belebten Wegen des Verkehres: der Eisenbahn und dem Weserstrome gelegen, verschollen. Da ich in der Lage war, das Schloss uuter befreundeter Führung zu besuchen, so sei mir gestattet, das mächtige Bauwerk und den Ort, welcher unter seinem Schutze entstanden ist, dem Leserkreise d. Bl. mit einigen Zeilen zu schildern. Mein Freund, Herr Forstmeister W. Heinzmann zu Hagen, hatte auch die Güte, diesen Aufsatz durchzusehen und namentlich seine sachlichen Angaben zu prüfen. Ihm, der jetzt leider schon nicht mehr unter den Lebenden weilt, auch an dieser Stelle herzlichen Dank zu sagen, ist mir eine liebe Pflicht. Fr. B. Der alte Fürstensitz der Bremer Erzbischöfe zu Hagen unfern Sandstedt ist durch die hannoversche Eisenbahnpolitik vom Welt- verkehr abgeschnitten worden. Diese Politik suchte bekanntlich überall „Anschlüsse" herzustellen. Statt die Mittelpunkte des Verkehres durch möglichst gerade Schienenwege zu verbinden, bog uud krümmte sie die letzteren, um wo möglich zwei Wege mit ineinander zu vereinigen und dadurch an Kosten zu sparen. So ^entstanden die Gabelpunkte Lehrte und Wunstorf östlich und westlich '""'von Hannover. Auf diese Weise wurde die Bremen -Bremerhavener O} ') Teilweise bereits abgedruckt in der Weser - Zeitung vom 5. und >£6. Juni 1903. 2E Februar 1904. XVIII, 1 ! mbahn von der geraden Linie weg weit nach Osten gebogen, um in den künstlichen Knotenpunkte Stubben den Anschluss an eine \ rbindungsbahn Dach Stade zn gewinnen. v ii Stubben liegt Dammhagen in südwestlicher Richtung LS km entfernt Zwölf Kilometer Chaussee gilt heute als eine fast unerträglich la Strecke. Etwas näher an Hagen (11 km) liegt Station Lfibberstedt, aber der dorthin in ziemlich Bber Kinne und Axstedt führende Weg ist erst zom k I le chaussiert. • Nach Westen hin hat Dammhagen bindnng (10 km) mit Sandstedt in der reichen jch. Aber anch die dortigen Marschen besitzen (ausser dem bisjetzl nur unbefriedigende Verkehrswege und erstreben durch eine Sekundarbahn den Anschluss an das deutsche Eisenbahnnetz. Die Benennung des Platzes hat mehrfachen Wechsel erfahren. In den alteren Geschichtsquellen wird er stets Castrum Hagen (Schloss Hagen) genannt. Im Volke wurde nach und nach die eichnung hammhagen üblich, zur Unterscheidung von dem etwa drei Kilometer entfernten alten Dorfe Hagen (Dorfhagen). Der jetzige Ort Hagen (in der Nähe des castrum Hagen, oben auf der gen) ist sicher erst in der zweiten Hälfte des Mittelalters und in langsamem Wachstum entstanden. In hannoverscher Zeit kam für ihn die Bezeichnung Amthagen auf, während das Schloss nun mehr und mehr zurücktrat. Jetzt wird der fleckenähnliche Ort Dhnlich schlechtweg Hagen oder auch wohl Hagen bei Stubben Mint; die Post pflegt dem „Hagen" zum Unterschiede von vielen anderen Orten desselben Namens den Zusatz: „Postbezirk Bremen" •■ii. if der Strecke von Stubben bis Hagen wird die Geest von drei Kachtalern in nordwestlicher Richtung durchfurcht. Stubben selbst an der Hillerbeke, welche oberhalb Wolthöven entspringt. Sechs Kilometer westlich folgt das Tal der Gakau. Nach deren Über- schreitung gelang! man bald in das hochgelegene uralte Dorf Bramstedt, en weisse Kirche ein Wahrzeichen für die ganze Gegend bildet. war Jahrhunderte laug der kirchliche Mittelpunkt der weiten -ml, bis mich und nach bei zunehmender Bevölkerung und der Wohlhabenheit ein Kirchspiel nach dem anderen sich von ihm ablöste. Noch vier Kilometer weiter westlich begrüssen uns die ersten Hauser des sehr freundlichen Ortes Hagen, der fast ittf dem rechten Ufer der Drepte liegt. Dieses Flüsschen Neuenlande in die Weser. Die Billerbeke und die einigen sich mit der Lune, welche, von Kirchwistedt und dt kommend, nach westnordwestlichem Laufe oberhalb f, der bekannten Kune-Plate gegenüber, sich in die Weser Noch heute sind weite Strecken der Geest zwischen illerbeke und Gakau, sowie zwischen Gakau und Drepte mit Heide kt; aber die Kultur greift bereits überall nagend in die Heide Hagen liegt, wie bereits erwähnt, fast ganz auf dem östlichen I fer der Drepte; nur im Südwesten, an der Strasse nach 1 ,l " ,| "< - ! "' 1 ' der (,| > ''i'< wenig über das Flüsschen hinüber. In nordwestlicher Richtung aber erstreckt er sich bis an die Drepte uad zwar bis an eine besonders enge Stelle des Flusstales, einen echten Pass, welcher jetzt von der Chaussee auf einer Steinbrücke überschritten wird. Das jenseitige linke Ufer steigt dann rasch wieder zur vollen Höhe der Geest an. Sie ist aber hier nur noch zwei bis drei Kilometer breit, und fällt dann in steilem Abstürze, dem bekannten „Weissen Berge", zur Marsch hinab. Dieser „Weisse Berg" lässt sich als wenig unterbrochener Zag nach Süden hin bis Utlede und Meienburg verfolgen. Bereits im Jahre 1110 wird der Ort „Hagen" in einer Urkunde genannt, welche die zum Kirchspiel Bramstedt gehörenden Ortschaften aufzählt. Dieses „Hagen" ist aber zweifellos das bereits erwähnte Dorfhagen. Das weitausgedehnte Kirchspiel Bramstedt bildete damals einen Bestandteil der Grafschaft Stotel. — Unser heutiges Hagen aber ist erst später unter dem Schutze des erzbischöflichen Zwingschlosses Dammhagen entstanden. Dieses feste Haus ward während der Stedinger Unruhen, welche etwa um das Jahr 1180 begannen, wahrscheinlich also durch Erz- bischof Hartwig IL (1184 — 1207) angelegt und erfüllte seine Bestimmung, einen festen Stützpunkt gegen die Osterstader Bauern (Osterstedinger) zu gewähren, in vortrefflicher Weise. Es liegt nahe dem Abhänge der Geest, aber schon im Flusstale der Drepte inmitten einer grossen Wiesenfläche. Bei seiner Erbauung verfuhr man so, dass zunächst von der Geest aus ein reichlich zweihundert Schritt langer, oben 5, unten 10 Meter breiter Fahrdamm in die Wiese eingeschüttet wurde. Er liegt mit seiner Kappe jetzt etwa anderthalb Meter über der Wiese und bildet mit seiner Allee stattlicher Linden und einigen ehrwürdigen alten Eichen einen schönen Zugang zu dem Schlosse. Wie viel imposanter muss aber früher diese Baumhalle gewesen sein, als sie gleich der Riensberger Strasse bei Bremen ganz aus Eicheuriesen bestand! Leider hat man vor etwa 70 Jahren einen grossen Teil der letzteren weggehauen und sie durch Linden ersetzt, welche sich zwar kräftig entwickelt haben, aber doch in keiner Weise zu dem übrigen Landschaftsbilde pussen. Nach Herstellung des Dammes wurde an seinem Ende ein nahezu kreisförmiger Warf von fast hundert Meter Durchmesser aufgeschüttet. Er erhielt eine Grundlage von Geestmaterial; auf dasselbe wurde Marscherde aufgefahreu. In drückenden Frohnfuhren mussten die Bauern von den doch immerhin nicht ganz nahen Marschen die fruchtbare Erde in solchen Mengen herbei fahren, dass sie noch jetzt den Hügel mehrere Splitt tief bedeckt. Der ganze Warf wurde mit einem, etwa fünf Meter breiten Graben umgeben, dessen Erd- material auch noch zu seiner Erhöhung diente; er erhebt sich bis zu vier Meter Höhe über die benachbarte Wiese. Der Graben erhielt eine solche Breite, dass er auch mit dem Klubenstock nicht übersprangen werden konnte. Die Aue, welche von dem etwa drei Kilometer entfernten Orte Dorfhagen herkommt, versorgte ihn mit Wasser. Über die Graft führte eine Zugbrücke nach dem Damme hin, welcher dem Schlosse seineu Namen gab. So war dasselbe 1* ror der Erfindung des Scbiesspulvers eine sehr feste Anlage, solange nicht der Winterfrost den Graben durch Eis überbrückte. Sicher werden rieh aber am inneren Rande des Grabens noch Pallisaden erhoben haben, welche auch dann noch den Zugang sperrten und überdies den Scharfschützen der Besatzung als Deckung dienten. Die in geringer Entfernung durch die Wiesenniederung fliessende Drepl trag natürlich auch noch viel zur gesicherten Lage von Schlosa Hagen bei. Bier auf diesem Warf erhob sich nun bald das noch jetzt stehende feste Haus Hagen, ein äusserlich schmuckloser, aber in imponierenden Formen aufgeführter Backsteinbau von 30 Meter Länge bei 10 Meter Breite. Er enthält grosse Kellerräume, zwei etwa 1 Meter hohe Stockwerke und ein auffallend steil ansteigendes Ziegeldach. Die Wände, aus sehr grossen Ziegelsteinen aufgeführt, Bind 130, in den Kellern sogar 160 cm dick; sehenswert sind die machtigen Wölbungen der Kellerdecke. Natürlich fehlt auch hier nicht die Sage von einem unterirdischen Gange, welcher aus dem Keller unter dem Damme durch nach der benachbarten Geest geführt haben soll. Im östlichen Giebel war früher eine Kapelle, in welcher Öfters Rir die Bewohner des Schlosses, sowie für Einwohner von Hagen und Cassebruch Gottesdienst gehalten wurde. Im übrigen enthalt das Haus zahlreiche, für einen hochherrschaftlichen Haushalt genügende Räume. Besonders ansprechend ist aber der im zweiten Sil ick nach Süden hin gelegene Saal, annähernd nach den Verhältnissen des goldenen Schnittes konstruiert, mit einer weiten Aussicht über den Garten und die angrenzenden Wiesen und Moorflächen bis hin zu den Höhen von Utlede. — Auch die für die Wirtschaft erforder- lichen Nebengebäude sind vorhanden. Der Zugang zu dem Schlosse von dem Damme her wird beschattel von einem sehr alten kolossalen Rosskastanienbaume von reichlich vier Meter Stammumfang. Seine Krone hat einen Durch- messer von 30 Schritt. Ein in wenig über Mannshöhe abgehender, schwach gewölbter Ast von 190 cm Umfang bildet mit seinem Laubdache eine grosse natürliche Halle, in welche von der Geestseite her ein kaum mannshoher Eingang führt. Der Ast hat eine Stütze erhalten müssen, welche ihm das gewaltige Gewicht tragen hilft. „Tausendjährig" nennt das Volk diesen imposanten Baum, ohne zu bedenken, dass die erste Rosskastanie in Deutschland 1588 von Clusius in Wien gezogen wurde, der die Samen aus Konstantinopel erhalten hatte. (Heimisch ist die Rosskastanie, wie erst vor kurzer Zeil ermitteil worden ist, in den Wäldern des nördlichen Griechenland). Ob das jetzt vorhandene Gebäude sogleich nach der Auf- BChüttung des Warfes aufgeführt wurde, mag zweifelhaft erscheinen. Wenn wir erfahren, dass die Osterstader Bauern im Jahre 1212 das Haus Hagen belagerten, so mag damals vielleicht noch ein provisorischer Fachwerkbau dort gestanden haben. Indessen weist die Konstruktion des Gebäudes doch jedenfalls auf die erste Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts hin, in welcher Zeit der Backsteinbau Bich ja übe- Norddeutschland verbreitete. Diese Zeitbestimmung wird um so wahrscheinlicher, als der Erzbischof das um das Jahr 1200 am Weserufer bei Farge erbaute Schloss Witteborg am 28. März 1221 der Stadt Bremen hatte überlassen müssen, welche es dann schleifte. Dem Erzbischof musste also sehr daran liegen, in den Kämpfen mit den Osterstader Bauern einen andern festen Stützpunkt zu besitzen, als welcher das feste Haus Hagen besonders geeignet erscheint. Die Osterstader Bauern wurden aber bekanntlich im Jahre 1233 unterworfen und durch ein schreckliches Blutbad zum nicht geringen Teile ausgerottet. Darauf erfolgte dann im folgenden Jahre die Niederlage ihrer berühmt gewordenen Stammesgenossen auf dem linken Weserufer, der Stedinger Bauern, in der Schlacht bei Alten- esch (1234). Nach der Herstellung des Friedens und der erzbischöflichen Autorität in den Marschen diente Schloss Hagen nicht nur als Stützpunkt der erzbischöflichen Macht, sondern auch den Erzbischöfen selbst vorübergehend als Erholungsaufenthalt. Gerne lagen sie von hier aus der Jagd in den weiten Wald- und Heiderevieren ob, und manchmal mag über die Zugbrücke ein glänzender Zug zur Falkenjagd ausgezogen sein, da die Flächen der Geest reich an Falken, die der Marsch und des Moores reich an Reihern waren. — Der erzbischöfliche Vogt wohnte in späterer Zeit in einem grossen Gebäude auf der benachbarten Geest, unmittelbar neben der Staleiche, in der jetzigen Oberförsterei. Bei der Auswahl des Platzes für das erzbischöfliche Schloss wird noch ein anderer Gesichtspunkt zu Gunsten der jetzigen Stelle schwer in die Wagschale gefallen sein, nämlich die unmittelbare Nähe einer alten Dingstätte. Hier war wohl sicher eine heidnische Kultusstätte, ein Hünengrab oder ein Opferaltar, vermutlich von einem Ringe gewaltiger Feldsteine umgeben. Hier fand im Schatten der Staleiche („Staleke") Volksgericht statt, bei dem der Graf von Stotel und seine Schöffen Recht sprachen über Eigentum und über Leben und Tod. Wenn die Erzbischöfe auch das alte Volksgericht fortbestehen Hessen, so musste ihnen doch daran liegen, es unter die Beobachtung und den Einfluss ihres Vogtes zu bringen, welcher in dem Schlosse residierte. Noch jetzt steht die Staleiche dicht neben der Oberförsterei. Es ist ein alter, nur von drei Männern zu umspannender Baum. Die Krone ist in 12 Meter Höhe (der Überlieferung nach durch einen Blitzschlag) abgebrochen, und der Stumpf vielfach entrindet. Aber im Stamme lebt noch die treibende Kraft, wie die frisch grünenden Äste beweisen. Es mag sein, dass die alte, zuerst in einer Urkunde aus dem Jahre 1248 erwähnte „Staleke" nicht mehr existiert und der jetzige, immerhin auch schon sehr alte und sagenumwobene Baum an deren Stelle getreten ist. In wie hohem Grade übrigens die Staleke als das alte Wahrzeichen Hagens gilt, geht auch daraus hervor, dass sie sogar im Amtssiegel geführt wurde. (Siehe die umstehende Abbildung.) Hermann Allmers hat das Leben und Treiben des Volksgerichtes unter der Staleiche in seinem Cyklus von Marschenbildern so lebendig (vielleicht nicht ganz historisch richtig, aber jedenfalls sehr poetisch) geschildert, dass ich nicht widerstehen kann, dieses Gedicht hier einzuschalten. Die „Staleke" zu Hagen im Jahre 1898, vom Amtholze (Osten) aus. l ) ') Diese Abbildung ist von der Redaktion der Zeitschrift „Nordwest" gütigst eur Verfügung gestellt. — Neben dem Stamme des Baumes steht tmeister Heinzmann mit einer seiner Töchter, im Hintergrunde an der Scheune der Pferdeknecht. Bauerngerieht unter der „Stahleiche" zu Hagen. Zu Hagen — Dort ist ein uralt heil'ger Raum, Dort steht ein uralt heil'ger Baum. Ein Zaun umhegt ihn wie ein Ring, Dort halten sie Gericht und Ding In schönen Maientagen. Zu Hagen — Da ruft des Stierhorns mächt'ger Schall, Dann stellen sich die Manneu all, Die Sachsen links, die Friesen rechts, All' freigeborenen Geschlechts, Das Schwert darf jeder tragen. Zu Hagen — Da nehmen ihren Stuhl von Stein Der Graf und seine Schöffen ein. Der Bote ruft bei Namen rings Die Friesen rechts, die Sachsen links, Nach jedem thut er fragen. Zu Hagen — Da knien sie hin und beten dann: „Hilf Gott zum Rechte jedem Mann!" Dann hebt der Graf den Stab empor: „Mit Gott denn Kläger, tritt hervor, Thu' deine Sache sagen!" Zu Hagen — So hielten sie Gericht und Ding Dort unter'm Eichbaum in dem Ring. Das dauerte der Tage drei, Und manches Mal, wenn es vorbei, — Ein Kopf ward abgeschlagen Zu Hagen. — In der ersten Zeit nach der Gründung des festen Hauses Hagen hat es an mancherlei Streitigkeiten mit den Grafen von Stotel nicht gefehlt. Diese Reibereien erreichten erst ein Ende, als die Grafen im Jahre 1248 die Vogtei Bramstedt an Erzbischof Gerhard II. abtraten. Die Abtretungsurkunde ist charakteristischer Weise datiert: Actum juxta castrum Hagen prope quetcum vulgariter Staleke nuncupatum in die beatae virginis et martyris. (Verhandelt bei Schloss Hagen nahe der Eiche, welche vom Volke Staleke genannt wird, am Tage der seligen Jungfrau und des Märtyrers). Das gräfliche Haus starb ein Jahrhundert später, im Jahre 1350, aus. Aus der weiteren Geschichte von Dammhagen sind uns manche kleine Züge überliefert; namentlich kennen wir die Namen von 8 einer ganzen Reihe erzbischöflicher Vögte, unter denen natürlich auch die in dem benachbarten Orte Cassebruch ansässige Familie von Wersebe vertreten war. Ferner erfahren wir von wiederholten Verpfandungen des Schlosses (mit seinen Einkünften), Geldgeschäften, wie sie im Mittelalter ja so oft vorkamen. Die Summe von 500 (i .Idgulden, um welche Erzbischof Albert im Jahre 1389 Hagen an den Grafen Christian von Oldenburg verpfändete, lässt erkennen, dass die Einkünfte und Gefälle sehr bedeutend gewesen sein müssen. Im Jahre 1362 zog sich der Administrator des Erzstiftes, Dom- dechant Moritz von Oldenburg, auf das ihm als dauernden Sitz eingeräumte Schloss Hagen zurück, nachdem er von Erzbischof Albert, dem Sohne des Herzogs Magnus von Braunschweig, besiegt worden war. Noch einmal, im Jahre 1434, ward Hagen einem Fürsten als Ruhesitz angewiesen, diesmal dem Erzbischof Nicolaus, Grafen von Delmenhorst, welcher infolge einer verfehlten Regierung und gehäufter Schuldenlast auf seine Würde verzichten musste. Nicolaus aber zog sich nicht dorthin, sondern nach Delmenhorst zurück. Zweimal wurde, soweit mir bekannt geworden ist, Schloss Hagen nach erfolgter Belagerung eingenommen. Zuerst erfolgte die Ein- nahme durch Bremer Bürger im Jahre 1307 in dem Kriege, welcher mit der Austreibung des Stiftsadels aus Bremen anfing, dann erst wieder im dreissigjährigen Kriege. 1644 hatten die Schweden eine Besatzung von 200 Mann in die kleine Festung gelegt; das Schloss wurde aber von den kaiserlichen Truppen erstürmt und die Besatzung zu Gefangenen gemacht. Glücklicher Weise wurde aber bei keiner dieser kriegerischen Aktionen das Schloss eingeäschert oder gründlich verwüstet. Aber auch einen hohen Festtag erlebte das Schloss. Es war am 25. Oktober 1575, als der Bremer Erzbischof Heinrich von Sachsen-Lauenburg sich dort mit Anna von Broich, der Tochter des Bürgermeisters von Köln durch den Schlossprediger Gade trauen liess. Als Zeugen waren dabei zugegen: Ursula von Lynnes, der Hofmarschall Jost von Knesebeck und der Vogt von Hagen: Reinhard von Bothmer. Dieser Schritt kam dem Domkapitel in Bremen so unerwartet, dass es den Beschluss fasste, fernerhin dürfe sich kein Bremischer Erzbischof, auch wenn er lutherisch sei, mehr verheiraten, ein Beschluss, den dann freilich die Geschichte mit eiserner Faust weggewischt hat. — Anna von Broich erwies sich freilich nicht als eine treusorgende Landesmutter. Sie machte sich vielmehr so unbeliebt, dass sie nach dem am 23. April 1585 zu Bremervörde erfolgten Tode ihres erst fünfunddreissigjährigen Gemahls kaum den Misshandlungen der Bevölkerung entging. Als Wittum ward ihr dann das Gut Beverstedtermühlen überwiesen, auf welchem sie bis an ihr Lebensende wohnte. Nach dem dreissigjährigen Kriege liess man die Festungswerke um Dammhagen verfallen. Das Schloss war gegenüber den ver- besserten Feuerwaffen unhaltbar geworden. Es wurde nun der Sitz eines schwedischen Amtmannes. Vorher freilich hatte die verschwen- derische Königin Christine im Jahre 1647 das Amt Hagen an den schwedischen Reichsrat Hergenhahn geschenkt, welche Schenkung erst 1680 von der Krone Schweden rückgängig gemacht wurde. Im Jahre 1719 wurde Hagen ein Kurfürstlich Hannoversches Amt und führte als solches (bis zur Preussischen Annexion im Jahre 1866) die Staleke im Wappen. Der Amtmann lebte nach damaliger Sitte im Besitze reicher Einkünfte als fast unumschränkter Herr wie ein kleiner Fürst (Justiz und Verwaltung waren in jener Zeit bekanntlich noch nicht getrennt). Er residierte in der geräumigen Amts- wohnung des erzbischöflichen Vogtes auf der Geest. Das eigentliche auf der Wurt gelegene Schloss diente als Gerichtsgebäude, als Wohnung für Unterbeamte und als Gefängnis. Indessen wurde im Jahre 1846 zwischen der Staleiche und dem Schlosse (noch auf der Geest) ein neues Amtsgebäude mit Gefängnis erbaut. Das alte Schloss ward nun aus seiner Erniedrigung erlöst und zum würdigen Sitze des Amtmanns eingerichtet. Erst im Jahre 1852 wurde in Hannover die Trennung der Justiz von der Verwaltung durchgeführt. In preussischer Zeit wurde 1885 das Verwaltungsamt Hagen mit dem Landratamte Geestemünde vereinigt. Hagen behielt aber sein Amtsgericht. In das durch die Einziehung des Amtes freigewordene weit- läufige Dienstgebäude neben der Staleiche verlegte sodann die Forstverwaltung 1886 den Sitz des Oberförsters, welcher bis dahin in Axstedt bei Lübberstedt gewohnt hatte. Von hier aus wird noch jetzt das weitläufige, aber an schönen Wäldern reiche Forst- revier Axstedt verwaltet, dessen 1700 ha Holzbestände inselartig zerstreut zwischen Blumenthal, Osterholz, Stubben und Stotel liegen. In kirchlicher Beziehung gehörte Dammhagen bis in die neueste Zeit zum Kirchspiel Bramstedt. Freilich bildete der Ort mit dem benachbarten Dorfe Cassebruch eine Kapellengemeinde, da in der Schlosskapelle öfters (zuletzt ziemlich regelmässig im Jahre 1820) Gottesdienst gehalten wurde. Erst in den neunziger Jahren gelang die Gründung einer eigenen Gemeinde unter Ablösung von Bramstedt. Leider aber wurde versäumt, das wohlhabende, an Cassebruch gren- zende Dorf Driftsethe (Driftsater = die an der Drepte Wohnenden) an die neue Gemeinde anzuschliessen, ein Fehler, welcher nachträglich schwer zu reparieren sein wird. — Nach der Begründung der Gemeinde wurde dicht neben der Oberförsterei eine sehr freundliche Kirche in gotischen Formen nach den Plänen des bekannten Baurats Hase in Hannover erbaut und 1897 eingeweiht. Sie ist als Back- steinrohbau mit glasierten Ornamenten ausgeführt und an der Facade mit einer Lutherstatue geschmückt. Das Innere besitzt eine mit Ölfarbe gestrichene Holzdecke und sehr hübsch geformtes Gestühl. Es verdient rühmend erwähnt zu werden, dass die kaum 1000 Seelen zählende und nur massig bemittelte Kirchengemeinde Hagen es verschmäht hat, zu den bedeutenden Leistungen für den Bau einer Kirche und eines Pfarrhauses durch Kollekten oder dergleichen die allgemeine Mildtätigkeit in Anspruch zu nehmen, auch, dass 10 die schöne Orgel, die Glocken und fast alle anderen Ausschmückungs- gegenst&nde von Angehörigen der Gemeinde oder Leuten, welche zu derselben Beziehungen hatten, z. B. von Ausgewanderten, geschenkt worden Bind. Die Umgegend von Hagen ist sehr ansprechend und mannich- faltitf. Wald, Heide, Wiese, Moor und Marsch sind in reichem Wechsel vertreten. Ein kleiner Wald (das „Amtholz") tritt im Osten noch jetzt dicht an den Ort heran. In grösserer Ferne liegen der Forstbezirk Wolthöven mit dem Bremer Walde bei Axstedt (450 ha) und gerade im Süden der Forstort Düngel (230 ha). Beide werden durch die Forstverwaltung nach besten Kräften gepflegt, erweitert und abgerundet. Sie sind alte Jagdreviere der Bremischen Erzbischöfe. Wie oft mag in ihnen das Hifthorn der Jagdzüge ertönt haben! Den Kern des Bremer Waldes bildet ein feuchter Mischwald von 4,2 ha Grösse (No. 104 b der Forstkarten). Hier wachsen in herzerfrischender Kraft Rotbuchen, Stieleichen, Hain- buchen, Eschen und Erlen durcheinander und selbst die Flatterulme *) hat sich erhalten; es ist ihre letzte Zufluchtsstätte im nordwestlichen Deutschland. — Aber die Bewohner von Hagen brauchen nicht so weit zu gehen, um ausgedehnten Wald durchstreifen zu können. Fast unmittelbar am linken Ufer der Drepte beginnt das Cassebrucher Gehölz und steigt mit der Geest an. Es ist ein Mischwald von Laubholz und Nadelholz in grösstenteils hochstämmigen Beständen. Im nördlichen Teile desselben findet sich eine Naturmerkwürdigkeit: eine reichbestandene Krähenkolonie. In Menge bedecken Nester und Vögel die stark beschädigten Gipfel der Bäume. Aufgeschreckt erheben sie sich, wenn die Jungen flügge sind, wie eine schwarze Wolke über den Wald, und ihr wirres Gekrächz übertönt jeden anderen Naturlaut. Unmittelbar vor dem Nordrande des Gehölzes breitet sich das wohlhabende Dorf Cassebrueh aus. Die einzelnen stattlichen Höfe desselben liegen sehr malerisch inmitten ihrer Obst- und Gemüsegärten. Den Cassebrucher Bauern ist die Krähen- Kolonie natürlich wegen ihrer Gefahr für junge Küken und ver- schiedene Garten- und Feldfrüchte sehr verhasst; aber sie haben sich bis jetzt der Tiere nicht zu erwehren vermocht. — Im Südwesten von Hagen, bei dem erzbischöflichen Schlosse, greift die Niederung in einem grossen Bogen in die Geest hinein. Aber natürlich ist hier nicht fruchtbare Flussmarsch der Geest unmittelbar angelagert, sondern es folgen zunächst anmoorige Wiesen und dann weites Hochmoor, wie es fast stets zwischen Geest und Marsch eingeschaltet ist. Stundenlang dehnen sich nach Südwesten das Ahemoor, das Königsmoor und das Utleder Moor aus. In grösster Einsamkeit liegt hier ein dürftiges Wirtshaus, die Harmonie, deren Besitzer freilich in Streit miteinander und mit der halben Welt leben. Aber nahe bei ihm erhebt sich aus dem Moore ein kleiner Doppelberg, ') Siehe darüber meinen Aufsatz: Die Ulmen im Bremer Walde bei Axstedt, in: Festschrift der 45. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner zu Bremen, 1899, p. 157—162. 11 der Twelenberg (Zwillingsberg), aus nordischem Geschiebesand gebildet. Von seinen Gipfeln aus hat man eine vortreffliche Übersicht der ganzen Gegend, von Bramstedt an bis zu den in der Ferne ver- laufenden Weserdeichen. Von dem nach allen Richtungen hin überaus öden Vordergrunde schweift der Blick überall zu freundlichen Wohnstätten menschlichen Fleisses hin. Aus dem Erdboden dieser Hügel hat längst der Wind den Sand hin weggeweht. Der Kies ist zurückgeblieben, und auf ihm hat sich, wie überall, wo steiniger Boden sich in der Heide findet, die „Steenbeere" (Arctostaphylos) angesiedelt. Sie bildet mit ihrem dem Boden angedrückten Geflecht von Zweigen, ihren tiefgrünen lederartigen Blättern und den korallen- roten Früchten einen prächtigen Schmuck des Bodens. Der Naturforscher wird Hagen und seine Umgebungen mit grossen Erwartungen betreten. In der Tat enthalten die Waldwiesen an der oberen Billerbeke manche schöne Pflanze, und die Baumstämme des Bremer Waldes bei Axstedt bieten dem Sammler einen in unserer Gegend sonst seltenen Reichtum an _ Gehäuseschnecken dar. Aber diese Reviere sind allzuweit von Hagen entfernt, um für häufigere Ausflüge in Betracht zu kommen. — Auf den sog. Auewiesen an der Drepte zwischen Hagen und Cassebruch wächst noch jetzt eine seltene Riedgrasform. Früher besassen sie im August einen schönen Schmuck durch die gelben Blüten einer Steinbrechart (Saxifraga Ilirculus). Diese im Norden häufige Moorpflanze zieht sich aus Deutschland vor der Kultur immer mehr zurück. Seitdem die Auewiesen der Mahd unterworfen werden, ist die Pflanze entweder verschwunden oder gelangt doch nicht mehr zur Blüte. An den Ufern der Drepte und der Dorfhagener Aue ist der wilde Reis häufig, und die Brücke über die Drepte ist der klassische Ort, wo dies schwer aufzufindende Gras vor etwa 80 Jahren durch den Scharfblick des Vegesacker Physikus Dr. A. W. Roth für unsere Gegend nachgewiesen wurde. Nahezu 70 Jahre lang entzog sich die Pflanze dann den Nachforschungen, bis es seit etwa 1880 den Botanikern Beckmann, Focke und Buchenau gelang, sie an vielen Stellen der nordwestdeutschen Flora nachzuweisen. — Besonders auffallend ist das massenhafte Auftreten des Bergwohlverleih (Arnica montana) auf vielen dem Moore oder der Heide abgewonnenen Wiesen und Weiden sowie auf Waldblössen. Das scharfe bräunliche Gelb der grosseu Köpfe dieser Pflanze bringt in der Tat einen Farbenton in die Landschaft, welcher sonst dem deutschen Nordwesten ganz fremd ist. Im übrigen wird der Botaniker grosse Enttäuschungen erfahren. — Weite Flächen des Moores und der Heide werden aller seltenen und zarten Pflanzen beraubt durch deren grössten Feind — das Feuer! Die Heide wird alle 7 — 8 Jahre abgebrannt, um den Schafen ein weicheres Futter zu verschaffen. Ordnet es der Grundbesitzer nicht an, so tut es der Schäfer aus eigenem Antriebe — das Zündholz ist ja immer bequem zur Hand, Zeugen sind fern, und schliesslich, wenn einmal durch Nichtbeachtung der obrigkeitlichen Vorschriften Unheil entstanden ist, hat es der Herr Niemand verschuldet! — Leider wird diese „Kultur"- Art in neuerer 12 Zeit vielfach auch auf das Moor übertragen. Nicht nur, um Buch- weizenhau einzuleiten, wie in den abgelegenen Moorkolonien, sondern namentlich um die Buschformation des Moores (Porst, Heide und Zwergweiden) zu beseitigen und auf diese Weise eine dürftige Weide zu gewinnen, oder eine künftige Kultur vorzubereiten. Es ist ein überaus trauriger Marsch, viertel, halbe Stunden lang über diese Bchwarzen verkohlten Massen, zwischen denen nur die hellgrauen Aechenteilchen einen dürftigen Farbenwechsel hervorbringen. Nur Porst, Heide und Wollgras mit wenigen zähen Genossen vermögen diesen wiederholten Eingriffen zu widerstehen. Alle zarteren Gewächse und mit ihnen eine Menge kleinerer Tiere verschwinden. — Zu dem allen kommt auch noch die Armut der Moorgräben hinzu, um den Eindruck entsetzlicher Öde hervorzubringen. Aber einer kulturhistorischen Merkwürdigkeit muss der Besucher von Dammhagen noch besonders gedenken — der Mausoleen. Von der ältesten Form derselben, den Hünengräbern, finden sich noch schöne Exemplare auf der Heide zerstreut; ja mitten in dem Dorfe Lehnstedt (nördlich von dem Forstorte Düngel) liegt ein grosses Denkmal dieser Art. Sie sind jetzt dem Vandalismus der Zerstörung entzogen und werden pietätvoll geschützt. In ihrer einfachen Grösse reden sie auch ohne alle Inschriften eine eindrucksvolle Sprache von dem kraftvollen Volke, welches vor langen Zeiten diese Gegenden bewohnte, von seinen Häuptlingen und Helden. — Doch nicht von ihnen rede ich, sondern von zwei Mausoleen modernerer Art. Das ältere ist dasjenige der altadeligen Familie von Wersebe, welche die Gutsherrschaft von Cassebruch besass. Ihr dort gelegener Hof ist vor mehreren Jahrzehnten abgebrannt und nicht wieder aufgebaut worden; doch ist die Familie noch jetzt im Besitze der dortigen Ländereien. — An einer schattigen Stelle des Cassebrucher Gehölzes erhebt sich die 6 Meter ins Geviert messende, aus Sandstein gebaute Grabkapelle; sie wird von einem Mansardendache geschützt. Über der an der Ostseite befindlichen Türe befindet sich eine Steintafel, welche als einzigen Schmuck des Gebäudes ein eingemeisseltes Kreuz und daneben die Inschriften trägt: Anton Diedrich von Wersebe, Königl. Grossbritannischer Haupt- mann und Erbherr auf Cassebruch, geb. den 29. Novbr. 1749, gest. den 22. Novbr. 1796 — Katharina Marie von Wersebe, geborene von der Wisch, ist geb. den 4. April 1765, gest. den 7. Juli 1798. Dieses in so rüstigen Jahren verstorbene Ehepaar waren die Erbauer der Kapelle. — Die vergitterten Fenster gestatten einen Blick in das Innere, welches jetzt reichlich mit verschimmelten und halbvermoderten Särgen angefüllt ist. Ein trübes Bild menschlicher Hinfälligkeit und Vergänglichkeit! Schauerlich stimmt aber zu diesen Eindrücken das unaufhörliche Gekrächz von der nahen Krähen- Kolonie — eine wahrhaft erschütternde Leichenmusik! Wie völlig verschieden davon ist der Eiudruck des gegenüber, auf dem rechten Ufer der Drepte, gelegenen Hüneken'schen Mauso- leums! Arend Hüneken aus Harrendorf im alten Amte Hagen ging 13 als einfacher Arbeiter in die Fremde und brachte es in der Zucker- branche durch Intelligenz, Fleiss, Redlichkeit und Glück bis zum mehrfachen Millionär. Er kehrte in seine Heimat zurück und kaufte sich in Hagen an. Ihm wurde von seinen Angehörigen dieses Mausoleum gewidmet. Unmittelbar neben dem öffentlichen Friedhofe der Gemeinde erhebt sich ein dicht mit Tannen bepflanzter Hügel. Durch den längeren Weg zwischen dichten dunkeln Tannenhecken werden die Gedanken des Besuchers beruhigt und von der Aussenwelt abgelenkt. Zuletzt betritt man ein lichtes, reichgeschmücktes Rund. Rasenteppiche, Beete immergrüner Rhododendren und Gruppen edlerer Nadelhölzer begrenzen den Weg, auf welchem die Fahrt zur letzten Ruhestätte erfolgt. Einige Stufen führen hinauf zum Eingang der würdigen Grabkapelle, welche in den ernsten Formen des romanischen Stiles aus hellem Sandstein aufgeführt ist. Schöne Monolith-Säulen aus Granit flankieren die mit reicher Schmiedearbeit gezierte Türe. Über ihr der Schmetterling als Symbol der Auferstehung und die bescheidene Inschrift: A. Hüneken. Ao. Di. 1886. Die Fenster- nischen rechts und links sind mit Marmorplatten ausgefüllt, in welche die Sprüche eingemeisselt sind: „Selig sind die Todten, die im Herrn sterben. Sie ruhen von ihrer Arbeit und ihre Werke folgen ihnen nach* — und: „Was wir bergen in den Särgen, Ist der Erde Kleid, Was wir lieben ist geblieben, Bleibt iu Ewigkeit". Die Kanten des Gebäudes laufen oben in romanische Muschel- Formsteine aus, und das Ganze ist überragt von einem in kräftigen Formen ausgehauenen Kreuze. Der Sarg selbst ist in ein Gewölbe versenkt und damit den Blicken des Beschauers entzogen. — Beide Mausoleen stellen die denkbar grössten Gegensätze dar. Sie gemahnen uns wie die Vertreter zweier ganz verschiedenen Zeitalter und ' Weltanschauungen. Hier der Vertreter des unermüdlichen bürgerlichen Fleisses, still ruhend in ernster und doch fast heiterer Umgebung, welcher die verschiedensten Künste ihren Schmuck verliehen haben — dort die Glieder eines sehr alten Adelsgeschlechtes, ruhend in tiefem Waldschatten, in einem einfachen Bauwerk, die Zerstörung des Todes nicht den Blicken des erschütterten Beschauers entzogen — und umkrächzt von dem heiseren Geschrei derjenigen Vögel, mit denen nun einmal unsere Phantasie unweigerlich trübe Vorstellungen verbindet! Aber kehren wir von den Toten zu den Lebenden zurück, so können wir dem unter einer strebsamen Gemeindeverwaltung erfreulich aufblühenden Orte Hagen noch eine günstige Zukunft voraussagen. Hydrachniden aus der nordwestdeutschen Fauna. Von F. Koenike. (Mit Tafel I und 34 Abbildungen im Text). I. Arrenurus Mülleri Koen. (Tafel I, Fig. 1—4). 1901. Arrenurus Mülleri Koenike: No. 20, p. 95. Diese mir nur in einem Männchen vorliegende Art erinnert im Körperanhauge au A. Krameri Koen. (No. 12, p. 182 — 185, Taf. I, Fig. 16— 19). 1 ) Grösse: Die Körperlänge misst einschliesslich des Anhangs 1,070 mm. In der Gegend des dritten Epimerenpaares zeigt der Körper die grösste Breite, welche die halbe Länge nur um wenig übertrifft: 0,560 mm. Die grösste Höhe beträgt 0,496 mm; vor dem Genitalhofe, an der Stelle, wo eine steile Abdachung beginnt: 0,448 mm. Gestalt: Der Körperumriss des Rumpfes weist bei Bauch- ansicht im Vergleiche mit der amerikanischen Form kaum einen erwähnenswerten Unterschied auf (Taf. I, Fig. 1), nur möge darauf hingewiesen werden, dass dem Arrenurus Mülleri in dem Winkel zwischen Körper und Anhang abweichend ein Wulst mangelt, da die Geschlechtsnapfplatten infolge ihrer geringen Längenausdehnung den Körperrand nicht ganz erreichen. Die Seitenansicht lässt indes beachtenswerte Abweichungen erkennen, denn während bei A. Krameri die Dorsalkontur stark gekrümmt ist (No. 12, Taf. I, Fig. 17), so erweist sich dieselbe bei A. Mülleri auf ausgedehnter Strecke als geradlinig (Taf. I, Fig. 2). Unmittelbar hinter den Augen ist der Rumpf am höchsten. Der Körperanhang hat die ansehnliche Länge von fast 0,5 mm. Seine Seitenkontur zeigt am Grunde desselben nur eine schwache Einschnürung, in der Mitte nimmt man eine leichte, rund herum erfolgende Einschnürung wahr (Taf. I, Fig. 2). Das freie Ende ist nur um wenig schmaler als das Basalende. Jenes besitzt jederseits ') In dem zitierten Aufsatze ist selbstredend p. 223 in der vierten Zeile von unten statt Arrenurus buccinator 0. L. Kocb Arrenurus Krameri nov. spec. zu lesen. 15 eine breit abgerundete, massig vortretende Seitenecke (Taf. I, Fig. 1). Dorsalwärts befindet sich auf den Seitenecken je ein nach aussen gerichteter deutlicher Höcker (Taf. I, Fig. 3). Der Hinterland des Appendix wölbt sich wie bei A. medio-rotundatus Sig. Thor stark vor, doch besitzt diese Rundung bei A. Mülleri abweichend median eine deutliche Ausbuchtung. In derselben ist der Anus gelegen, und über demselben, etwas nach vorn gerückt, befindet sich ein rudimentärer Petiolus, der schräg nach oben und hinten gerichtet ist (Taf. I, Fig. 3 pt). Die Dorsalansicht lässt um reichlich !/s Schwauzlänge vom Hinterende des Anhangs einen rundlichen Fleck erkennen mit zwei dunkleren darin nebeneinander belegenen Stellen, hinter denen ein Borstenpaar bemerkt wird (Taf. I, Fig. 3 gb). In der Seitenansicht erweist sich das hier bezeichnete Merkmal als ein Doppelhöcker von ansehnlicher Höhe; die Spitze beider Höcker ist durchscheinend (Taf. I, Fig. 2 gb). Etwa in der Mitte zwischen diesem Höckerpaare und dem Hinterende des Anhangs befinden sich median zwei ziemlich nahe zusammengerückte Drüsenmündungen am Fusse einer — wie die Seitenansicht aufs deutlichste erkennen lässt — schwach wulstartigen Erhebung (Taf. I, Fig. 2 gl), welche sich — wie aus der Dorsalansicht erhellt — fast ganz über den Anhang der Quere nach ausdehnt (Taf. I, Fig. 3 gl). Ein Ver- gleich mit A, Krameri cT ergibt bei grösster Annäherung eine hin- längliche Verschiedenheit, um die Aufstellung einer besonderen Spezies berechtigt erscheinen zu lassen. Haut: Der Hautpanzer hat eine beträchtliche Dicke, und seine Porenöffnungen sind von winziger Weite, ein Beweis dafür, dass es sich in dem hier gekennzeichneten Männchen um ein völlig aus- gereiftes Individuum handelt. Der Rückenbogen lässt einen Abstand von 0,240 mm vom Stirnrande und endigt bei Dorsalansicht scheinbar im Winkel zwischen Rumpf und Anhang, doch erreicht er, sich schräg an den Seiten des Anhangs herabziehend, in Wirklich- keit sein Ende erst auf der Unterseite desselben (Taf. I, Fig. 1). Augen: Das Doppelauge zeigt eine auffallende Grösse; das dem kleineren Auge schräg vorgelagerte grössere hat eine Längenaus- dehnung von 0,064 mm. Der gegenseitige Abstand beider Augen- paare misst 0,192 mm. Palpen : Der Maxillartaster ist minder kräftig als bei A. Krameri, doch zeigt der dem krallenartigen Endgliede als Antagonist dienende Teil des vierten Segmentes bei der neuen Form eine merklich kräftigere Entwicklung. Die starke Borste des Antagonisten ragt um ein geringes über den Vorderrand des Gliedes hinaus und ist namentlich gegen das freie Ende hin kräftig gekrümmt. Das meist behaarte zweite Segment trägt auf der Streckseite mehr nach vorn zu vier starke und ziemlich lange Borsten und auf der Innenseite beugeseitenwärts drei kurze, feine Haare (Taf, I, Fig. 4). Hüftplatten: Die Epimeren weisen gegenüber der Vergleichs- art einige beachtenswerte Unterschiede auf. Das verwachsene erste Plattenpaar erweitert sich in den hinteren Ecken deutlich nach aus- wärts, und die Maxillarbucht ist vorn merklich breiter. Die zweite 16 Epimere besitzt an der Aussenseite einen geraden Längsrand. Die freie [onenecke der dritten Platte tritt deutlicher vor, desgleichen der Fussinsertioiiszapfen der letzten Epimere. Die Hinterkante der letzten Platte ist in ihrer ganzen Ausdehnung flach ausgebuchtet, (lad u ich die Epimere am Innenrande verschmälernd. Die hinteren I nnenecken des letzten Plattenpaares treten scharfeckig vor und nähern sieh einander auffallend, sodass die beiderseitigen Innenränder der Platte nicht parallel verlaufen, sondern nach vorn hin divergieren ( Tat. I, Fig. 1). Beine: Die Gliedmassen gleichen im Haarbesatze annähernd denen des A. securiformis Piers. (No. 29, Taf. XXIX, Fig. 75 b). In der Lauge stehen die der neuen Art, namentlich der Hinterfuss, merklich nach, indem derselbe nur um das sechste Segment über das Schwanzende hinausragt. Das vierte Glied trägt einen mit einem Haarbüschel ausgestatteten Sporn, der im Vergleiche mit Piersigs Art am Grunde nennenswert kräftiger ist. Geschlechtshof: Gegenüber dem äusseren Genitalorgan des .1. Krameri zeigt dasselbe der hier zu kennzeichnenden Form er- wähnenswerte Unterschiede. Die Napfplatten erreichen bei der letzteren den Körperrand nicht und bilden mithin keinen Wulst in dem Winkel zwischen Körper und Anhang. Ferner sind sie derart gelagert, dass beide Platten zusammen in ihrem Vorderraude einen konvexen Bogen, in ihrem Hinterrande einen konkaven Bogen bilden (Taf. I, Fig. 1). Zudem erheben sie sich nicht wulstartig über die Körperhaut, wie Fig. 2 auf Taf. I veranschaulicht. Fundort: Herr Lehrer H. Müller erbeutete die Art in einem Tümpel in der Haake (Kiefernwald) bei Harburg. 2. Arrenurus adnatus Koen. (Tafel I, Fig 5-9.) 1902. Arrenurus adnatus Koenike: No. 22, p. 615. Die nachstehende Beschreibung bezieht sich auf ein einziges männliches Individuum, das dem A. caudatus (de Geer), insonder- heit aber dem A. stjördalensis Sig. Thor sehr nahe verwandt ist. Grösse: Der Körper misst in der Länge einschliesslich des Anhangs 1,350 mm, in der Breite (in der Gegend des dritten Epimerenpaares) 0,720 mm und in der Höhe 0,640 mm. Färbung: Falls die Körperfarbe durch das Konservierungs- medium nicht gelitten hat, so ist dieselbe im allgemeinen mit grün zu bezeichnen; einen gelblichen Anflug zeigen das Stirnende, die mittlere Partie des Rückens, das Anhangsende und die Epimeren mit Ausnahme der äusseren Umrandung und ihrer Fortsätze. Die l'üsse sind lichtgrün und ihre Endglieder und die distalen Enden der andern Segmeute gebräunt. Gestalt: Der Körperumriss ist am Stirnende ohne Ausrandung. In der Augengegend nimmt man einen kaum bemerkbaren Wulst wahr. In der Höhe des dritten Hüftplattenpaares tritt der Seiten- rand des Körpers am stärksten vor. Zwischen dieser Stelle und dem Augenwulste ist der Seitenrand geradlinig (Taf. I, Fig. 5). 17 Die Bauchlinie erscheint bei Seitenansicht des Objekts sanft gebogen. Der Rücken ist vorn am höchsten und dacht sich nach rückwärts allmählich ab. Abweicheud von A. stjördalensis cT befinden sich auf dem Rücken zwei Paar nebeneinander gelegene Wülste, von denen das vordere Paar grösser und etwa in der Mitte des Rückens ausserhalb des Rückenbogens befindlich ist, während das hintere innerhalb desselben liegt (Taf. I, Fig. 6). Bei Stirnstellung zeigt der Körper fast einen quadratischen Umriss mit vorgebogener Rücken- und Bauchlinie, während die Seitenlinien fast völlig gerade verlaufen. Der Körperanhang hat oben eine Länge von 0,560 mm, unten eine solche von 0,496 mm. Seitlich weist er am Grunde eine massig tiefe Einschnürung auf. Das freie Ende ist etwa zu einem Drittel der Anhangslänge nennenswert schmaler als der basale Anhang, jedoch stehen die Eckfortsätze ein wenig seitlich vor (Taf. I, Fig. 5), indes sind sie mehr auf- als seitwärts gerichtet (Taf. I, Fig. 6 und 7). Bei A. stjördalensis sind die Eckfort- sätze merklich kürzer. In den beiden median miteinander ver- wachsenen Höckern am Hinterrande des Appendix (der Doppelhöcker gab Anlass zur Benenuung der Art) gleichen die beiden in Rede stehenden Arten, oberflächlich betrachtet, einander, jedoch ist ein auffallender Unterschied vorhanden, indem die hier zu kennzeichnende Spezies auf jedem der genannten Höcker einen ansehnlichen hyalinen Aufsatz besitzt (Taf I, Fig. 7 ps 1 ), der bei Dorsalansicht des Männchens leicht übersehen werden kann. Seine Hinterseite ist ausgerandet (Taf. I, Fig. 8 ps 1 ). Median zwischen den beiden Eckfortsätzen des Körperanhangs sieht ein aufrechter, kegelförmiger Petiolus von durchscheinender Beschaffenheit und geringer Grösse (Taf. I, Fig 7 pt und 8 pt). Übereinstimmend mit A. stjördalensis fehlen Höcker auf dem Anhange unweit des Hinterendes, durch deren Besitz manche der nahe verwandten Arten gekennzeichnet sind, beispielsweise A. Müller i Koen. (Taf. I, Fig. 2 gb). In einiger Entfernung vor dem Petiolus befindet sich eine mit einem Hofe umgebene einfache Drüsenmündung (Taf. I, Fig. 7 gl), während Thors Art an gleicher Stelle wie A. Mülleri eine Doppeldrüse besitzt, deren Öffnung übereinstimmend an der Innenseite einer kleinen höckerartigen Erhebung liegt (Taf. I, Fig. 3 gl). Haut: Die Körperhaut erreicht im Anhange eine Stärke von 0,032 mm. Die äusseren Porenmündungen sind recht klein. Der Rückenbogen tritt vorn bis auf 0,160 mm an den Stirnrand hinan, verläuft bogig nach hinten, sich allmählich dem Körperrande nähernd, um scheinbar im Winkel zwischen Körper und Anhang zu endigen. In Wirklichkeit zieht er sich an den Seiten des Anhangs herab (Taf. I, Fig. 6), um dann auf der Unterseite desselben frei zu endigen (Taf. I, Fig. 5). Augen: Das Doppelauge liegt nahe dem schwachen Rand- wulste am vorderen Seitenrande des Körpers. Der gegenseitige Abstand der beiden Augen paare misst 0,304 mm. Das vordere grössere Auge hat eine Länge von 0,048 mm. März 1904. XVIII, 1 18 Palpen: Der Maxillartaster ist nur massig stark. Das Klauen- glied bat eine doppelte Spitze; die an der Streckseite befindliche tritt ein wenig zurück. In der Mitte der Beugeseite des genannten Gliedes bemerkt man eine gerade abstehende und auf der Gegen- seite eine gebogene anliegende Borste. Das distale Ende des vor- letzten Segmentes besitzt auf der Innenseite eine zweifach gekrümmte Horste von der Länge des Klauengliedes. Von den beiden Fang- borsteu ist die innere deutlich gabelig und die äussere einfach und gegen das Klauensegment gerichtet (Taf. I, Fig. 9). Charakteristisch in der Borstenausstattung ist das zweite Glied durch den Besitz einer Gruppe von acht massig langen Borsten, die innen nahe dem distalen Rande und der Beugeseite stehen. Zudem zeigen das zweite und dritte Glied auf der Streckseite mehrere halblange Borsten, die eine leichte Biegung und meist eine deutliche Fiederang aufweisen. Das Grundglied besitzt auf der Streckseite eine ziemlich lange, fast gerade Borste. Auf der Aussenseite trägt nur das dritte Glied' in der Mitte des distalen Randes eine halblange, kräftige und gefiederte Borste (Taf. I, Fig. 9). Hüftplatten: Das Epimeralgebiet hat eine Länge von 0,640 mm und eine Grösse, dass es bis auf eine schmale Randzone die ganze Unterseite bedeckt. Besonders fällt die letzte Platte durch ihre Ausdehnung ins Auge. Ihr Einlenkungsfortsatz für das Hinter- bein ragt ein wenig über den Körperrand hinaus. Ihre hintere Aussenecke tritt auffallend weit zuiück und ist breit abgerundet. Die hintere Innenecke weist einen subcutanen Fortsatz auf in rund- licher, blattartiger Gestalt. Beine: Die drei vorderen Paare sind n.ässig dick, nach den freien Enden hin allmählich dünner und die Glieder länger werdend. Die distalen Gliedeuden der bezeichneten Paare sind kaum merklich verdickt. Das letzte Beinpaar ist mit Ausnahme seines Endgliedes bedeutend stärker und seine distalen Gliedenden — auch ohne das letzte — wesentlich verdickt. Die Segmente des Hinterbeines ver- längern sich gleichfalls nach und nach vom Grundgliede aus, nur ist der fünfte Beinabschnitt merklich kürzer als der voraufgehende. In der Borstenausstattung der Beine gleicht die Art dem A. caudatus (de Geer) cT. Das vierte Segment des Hiuterbeines besitzt einen ähnlichen Fortsatz wie das der genannten Spezies. Die zweizinkige Fusskralle ist der geringen Dicke des Fussendes entsprechend nur klein, etwa 0,025 mm lang. Dieselbe fällt sowohl durch den wenig verbreiterten Grundteil auf als auch dadurch, dass die weit kürzere innere Zinke stark divergiert. Geschlechtshof: Die Napfplatten haben die übliche Lage und reichen bis au den Seiten rand des Körpers, sich nicht an den Seiten des letzteren hinauf erstreckend (Tat. 1, Fig. 6), aus welchem Grunde in dem Winkel zwischen Körper und Anhang ein Wulst fehlt (Taf. I, Fig. 5). Der Vorderrand beider Platten ist konkav, der Hinterrand dagegen konvex gebogen. Bei A. stjördalensis c? haben die Genital- platten eine grössere Breite. 19 After: Die Analöffnung befindet sich median am Doppelhöcker des Anhangshinterrandes, bei Bauchansicht schwach höckerartig vortretend (Taf. I, Fig. 5). Bei Stirnstellung des Objekts erkennt man, dass die Analspalte von einem glatten Chitinhofe umgeben ist (Taf. I, Fig. 7). Fundort: Herr Dr. Bohlau fand die Art in der Bille bei Hamburg. 3. Arrenurus cuspidifer Piers. ?. Das Weibchen ist bis 1,4 mm lang und 1,2 mm breit. In der Körpergestalt gleicht es dem Weibehen von A. pectinatus Koen. (No. 10, Taf. I, Fig. 15), namentlich in betreff des verschmälerten Stirnendes und der Hinterrandsecken, welch letztere allerdings etwas schwächer hervortreten. Es ist das ein beachtenswertes Unter- scheidungsmerkmal gegenüber A. radiatus Piers., bei welcher Art dem Weibchen deutliche Hinterrandesecken fehlen (No. 29, Taf. XXXIII, Fig. 85 b). Eine gewisse Übereinstimmung zeigt auch das Weibchen der Piersigschen Art mit A. pectinatus ? bezüglich des Geschlechts- feldes, das bei gleicher Lage sich ebenso durch eine auffallende Kürze der gleichgerichteten Napfplatten kennzeichnet, welche bei jenem verhältnismässig weit weniger breit sind und nach dem freien Ende zu sich wie die männlichen Napfplatten merklich verschmälern. Die Geschlechtsöffnung ist 0,144 mm lang. Die beiden sich daran anschliessenden Genitallefzen haben zusammen eine apfelförmige Gestalt und besitzen vorn und hinten ein dreieckiges Feld wie A. cuspidator (0. F. Müll.) ?. Fundort: Herr Prof. 0. Schneider erbeutete die Art auf Borkum, Herr Lehrer 0. Leege auf Juist und ich 1 $ in Holstein (Tümpel am Parnass bei Plön). 4. Atrachides subasper Koen. (Taf I, Fig. 10-15). 1902. Atractides subasper Koenike: No. 22, p. 616. Männchen. Grösse: Der Körper eines mittelgrossen Männchens misst ohne die überstehenden Epimeren in der Länge 0,450 mm, in der Breite 0,420 mm und in der Höhe 0,290 mm. 1 ) Färbung: Der Rumpf — einschliesslich der Epimeren — ist leicht gelblichgrau; Beine und Palpen haben einen rötlichbraunen Anflug. Gestalt: In der Rückenansicht zeigt der Körper einen kurz- elliptischen, auch wohl eiförmigen Umriss ohne Ausrandung am Frontalende (Taf. I, Fig. 10); bei etwas gesenktem Abdomen er- scheint der vordere Seitenrand geradlinig abgeschrägt oder selbst flach ausgebuchtet. Bei Bauchansicht ist die Körperkontur mit ') Alle nachstehenden Massangaben beziehen sich auf diese Körper- grösse. 2* 20 Finschluss der überstehenden Epimeren stets eiförmig (Taf. I, Fig 11). Die Bauchlinie ist fast gerade und die Rückenlinie sanft gebogen (Taf. I, Fig. 12). Vorn ist der Körper höher als am entgegen- gesetzten Ende. Haut: Die Oberhaut ist mit einer sehr feinen Querliniierung ausgestattet. Auf der dorsalen Körperhaut befindet sich ein ansehnlicher spröder Panzer, welcher bis anfeine schmale Umrandung den ganzen Kücken bedeckt. Seine Ränder sind nicht glatt, sondern unregelmässig fein gezackt. Der Vorderrand tritt zwischen den Augenpaaren in einem breitgerundeten Fortsatze vor, desgleichen jederseits zwischen den beiden seitlichen Rückendrüsen paaren. Der Panzer ist in seiner ganzen Ausdehnung mit zahlreichen Poren ver- sehen, die ähnlich gruppiert sind wie diejenigen der Lebertia- Epimeren. Das Hinterende des Rückenpanzers ist deutlich granuliert (Taf. I, Fig. 10), worüber die Seitenansicht sichern Aufschluss gibt (Taf. I, Fig. 12). Letzteres Merkmal liegt der Benennung zu Grunde. Im Panzer sind zehn Haardrüsen gelegen, von denen die acht hinteren zu Paaren zwei Längsreihen bilden. Das vorderste Paar liegt mit den zwei übrigen in einer Querreihe; das hinterste am Rande befindliche Paar besitzt ansehuliche Drüsenhöfe (Taf. I, Fig. 10). Bemerkt sei noch, dass die letzteren mitunter ausserhalb der Panzerplatte liegen; und in diesem Falle schiebt sich die letztere analog dem Vorderende fortsatzartig zwischen die Drüsen. Die übrigen Hautdrüsenöffnungen sind mit derben, porösen Chitin- platten umgeben. Ihre Lagerung ergibt sich aus den Abbildungen 10 — 12 auf Taf. I. Vier unmittelbar am Rande der Rückeufläche auftretende Drüsenhöfe geben dem Körperumrisse dadurch ein eigenartiges Aussehen, dass sie denselben ein wenig ausgerandet erscheinen lassen. Die antenniformen Borsten haben fast l / 5 Körper- länge (0,082 mm), sind am Grunde recht kräftig und stehen bei einer gegenseitigen Entfernung von 0,120 mm auf einer derben Chitinplatte am Stirnrande und zwar aussen auf einer höckerartigen Erhebung auf derselben (Taf. I, Fig. 10). Augen: Die schwarz pigmentierten, ziemlich grossen Augen- paare liegen näher dem Stirn- als dem Seitenrande des Körpers und sind ebenso weit auseinander gerückt wie die antenniformen Borsten. Nach Eutfernuug des Pigments erkennt man, dass unmittelbar über dem Sehorgan eine stark chitinisierte Drüsenplatte mit einem Haare liegt; dieselbe hat die Grösse des Doppelauges. Mundteile: A. subasper ist eine lang- und dünnrüsselige Spezies (Taf. I, Fig. 14r), wodurch sich dieselbe beispielsweise von A. nodipalpis Sig. Thor und A. tener Sig. Thor wesentlich unter- scheidet, bei welchen Arten der Rüssel an der Basis seitlich zu- sammengedrückt und sehr hoch ist, einem Papageischnabel vergleich- bar. Oberhalb des Rüssels stehen zwei Borsten, welche ähnlich wie diejenigen neben dem Petiolus vieler Arreuurus-Mnnnchen gekrümmt sind (Taf. I, Fig. 13 und 14). Das Rostrum hat eine Länge von 0,040 mm. Das Maxillarorgan misst in der Länge bis zur Rostrum- spitze 0,112 mm, in der Breite — und zwar vorn an der Basis der 21 langen Fortsätze — 0,064 mm. Die Seiten des Orgaus sind flach eingesattelt (Taf. I, Fig. 13). Desgleichen findet sich eine etwas tiefere Einbuchtung in der Maxillarplatte hinter dem Rüssel (Taf. I, Fig. 14). Die grösste Höhe erreicht das Maxillarorgan hinten vor der Basis der Fortsätze, während es vorn nennenswert niedriger ist, trotzdem durch die Erhebung der Seitenwände der Mundhöhle die Höhe um etwas vergrössert wird (Taf. I, Fig. 14 mw). Die zwischen den beiden Seitenwänden der Mundhöhle befindliche Spalte ist in ihrer ganzen Ausdehnung sehr eng (Taf. I, Fig. 13 mh). Die Taster- insertionsgruben haben wie gewöhnlich eine bohnenförmige Gestalt und sind von massiger Grösse (Taf. I, Fig. 13 t). Der Palpen- muskelzapfen hat nur eine geringe Länge, ist aber äusserst kräftig (Taf. I, Fig, 13 tz). Das Fortsatzpaar der oberen Wandung ist massig lang, sehr dünn und in der Richtung des basalen Rüssels schräg nach hinten und oben gekehrt (Taf. I, Fig. 14 ps). Die untere Maxillarwand (Maxillarplatte) besitzt keine eigentlichen Fortsätze, nur median eine kurze, breit abgerundete Erweiterung, über die der flach muldenartige Pharynx ein wenig hinausragt (Taf. I, Fig. 14 ph). Die Breite des letzteren ist selbst hinten gering (Taf. I, Fig. 13 ph). Die Pharyngealöffnung ist kurzelliptisch (Taf. I, Fig. 13 pö). Der Luftsack hat nur eine geringe Länge und eine schwach S-förmige Gestalt (Taf. I, Fig. 14 ls). Die 0,192 mm lange Mandibel besitzt ein dem verhältnismässig langen und dünnen Rüssel entsprechend langes und dünnes Haken- glied, welches an seiner Einleukuugsstelle sehr stark gekrümmt ist und einen spitzen Winkel bildet. Sein freies Ende weist eine massig kräftige Biegung auf. Ein Mandibularhäutchen habe ich nicht er- kannt. Das Grundglied ist seitlich — besonders vorn — stark zu- sammengedrückt. Von der Streckseite aus betrachtet, endet dasselbe vorn fast spitz. Am Vorderende der Mandibulargrube tritt plötzlich eine starke Verschmälerung des Grundgliedes ein, und hinten ist es ein wenig eingebogen (Taf. I, Fig. 15). Die Mandibulargrube nimmt der Stärke des Gliedes entsprechend nach hinten au Breite zu. Palpen: Von der Beugeseite aus gesehen, hat der Maxillartaster in seinen Grundgliedern die gleiche Stärke wie das Vorderbein, doch ist das vierte Palpensegment besonders in der Mitte merklich stärker. In der Seitenansicht sind die drei mittleren Glieder untereinander etwa von gleicher Stärke und kräftiger als das erste Bein, sodass also das zweite und dritte Tasterglied seitlich etwas zusammen- gedrückt sind, was beim vierten nicht der Fall ist. Das letztere Segment weist am proximalen Ende auf der Beugeseite eine auf- fallend starke Einschnürung auf. Der Taster hat reichlich halbe Körperlänge, und seine Glieder stehen in dem Verhältnisse wie 3:5:8:10:3. Das zweite Glied ist an der Beugeseite gegen das distale Ende stark aufgetrieben und weist dort eine besondere Haut- verdickung auf. In der Borstenausstattuug sei hauptsächlich des vorletzten Palpenabschnittes gedacht, der auf der Beugeseite zwei massig lange und kräftige Haare besitzt, welche so gestellt sind, dass die drei vorderen Gliedstrecken einander gleich, die hintere 22 dagegen länger ist. In der Mitte zwischen den bezeichneten Haaren steht auf der Innenseite eine gerade kräftige Borste. Die Sfreek- seite besitzt in ihrer vorderen Hälfte eine reiche Behaaruug, welche aus kurzen, feinen, nach der Palpenspitze hin gekrümraten Borsten besteht. Das Palpenende ist zweispitzig (Taf. I, Fig. 14). Hüftplatten: Das in allen Gliedern zusammenhängende Epimeral- gebiet ragt ein ansehnliches Stück über die Frontallinie des Körpers hinaus (Taf. I, Fig. 10 und 12). Um die dritte und vierte Epimere findet sich, soweit dieselben frei sind, eine subcutane Flächen- erweiterung, die innen und aussen nach hinten zu allmählich grösser wird. Im Rande schliesst dieselbe zackig ab. Auch das erste Epimerenpaar besitzt hinten einen Chitinfortsatz in geringer Grösse und dreieckiger Gestalt. Die Flächenerweiterung mit ein- begriffen, bleibt 0,160 mra der Bauchseite vom Epimeralgebiete frei. Das letztere sowie auch seine Fortsätze sind dicht- und feinporig. Die erste und zweite Platte besitzen hinten einen gemeinsamen, subepimeralen Fortsatz, der hakig nach vorn umgebogen ist. Die letzte Epimeie schliesst in gerader Linie ab, die nahezu recht- winklig zur ventralen Längsachse gerichtet ist. Die Innenseite dieser Epimere ist abgerundet. Im übrigen besitzt das Epimeral- gebiet einen echten Atractides-Charakter und weist wohl kaum noch ein weiteres beachtenswertes Speziesmerkmal auf. Länge des Epimeralgebiets 0,288 mm, Breite desselben (Insertion des letzten Beinpaares) . . 0,320 mm, Höhe (an der Körperseite gemessen) 0,112 mm, Länge der Maxillarbucht 0,096 mm, Abstand zwischen der Maxillarbucht und dem Hintereude des ersten Epimerenpaares 0,112 mm. Beine: Die Gliedmassen sind von mittlerer Stärke, etwa wie die des A. tener Sig. Thor, also kräftiger als die des A. ovalis Koen. Das Hinterbein verjüngt sich nach dem freien Ende hin bedeutend, was bei den übrigen weniger der Fall ist, abgesehen von dem Vorder- bein, dessen Endglied wesentlich dünner ist als die andern. Das letztere weist eine schwächere Krümmung auf als dasjenige des A. ovalis cT, da dieselbe bei der neuen Form nicht in der Mitte des Segmentes erfolgt, sondern nahe dem freien Ende. Das Vorderbein ist am stärksten und zwar dadurch, dass das distale Ende der mittleren vier Glieder mehr verdickt ist, indes ist die Verdickung an besagter Stelle des fünften Gliedes nicht erheblicher als die der übrigen Beinabschnitte. Das Endglied des in Rede stehenden Fusses misst in der Länge 0,112 mm und das vorhergehende Segment 0,144 mm. Das sind Masse, wie wir sie bei A. ovalis c? antreffen; hingegen sind die beiden geraden Greifborsten am distalen Ende des vorletzten Beingliedes der hier zu kennzeichnenden Art merklich kürzer; die wenig zurücktretende längere Borste misst 0,061 mm. Eine krumme Borste, wie sie bei A. nodipalpis neben den Greif- borsten auftritt, mangelt der vorliegenden Art; auch vermisst man das durch Piersig bei A.spinipes daselbst erkannte feine Schwimmhaar. 23 Es lassen sich daselbst nur noch ein paar sehr kurze und feine Härchen feststellen. Schwimmhaare mangeln der Art über- haupt. Der Haarbesatz ist an allen Beinen recht spärlich und be- steht aus sehr kurzen und etwas verlängerten Dolchborsten; kurze, feine Borsten findet man nur zerstreut, das Krallenende der Füsse ausgenommen, wo dieselben mehrfach, fast bürstenartig dicht an- getroffen werden. Die Fasskralle ist zweizinkig und grösser als bei A. ovalis, an den drei letzten Fusspaaren annähernd gleich gross (0,030 mm), während die des Vorderfusses, wenn auch etwas verkleinert, immerhin noch so lang ist wie die grösste der genannten Form: 0,020 mm. Die ermittelten Bein längen sind folgende: 1. Bein = 0,480 mm, 2. Bein = 0,448 mm, 3. Bein = 0,544 mm, 4. Bein = 0,800 mm. Geschlechtsorgan: Das Geschlechtsfeld liegt annähernd in der Mitte zwischen Epimeralgebiet und Hinterrand des Körpers. Durch Verschmelzung der Napfplatten kennzeichnet sich das Tier als männliches Geschlecht. Eine Verwachsung hat unterschiedlich gegenüber dem A. teuer vor und hinter der Genitalspalte stattgefunden. Das Geschlechtsfeld zeigt eine breit rundliche Gestalt, vorn ein wenig schmaler als hinten, hier mit winziger Ausbuchtung; die vorderen und hinteren Seitenränder sind ein wenig abgeflacht. Es hat eine Länge von 0,096 mm und eine Breite von 0,136 mm. Dem Vorderende des Organs ist bis zur Mitte der Seite herunter ein poröser Chitinsaum von 0,020 mm vorgelagert. Die Napfplatten sind gleichfalls porös und weisen die übliche Zahl von sechs Näpfen auf, welche eine Anordnung wie bei A. ovalis <$ aufweisen, nur minder weit nach vorn gerückt. Die Geschlechtsöffnung besitzt eine Länge von 0,064 mm und erweitert sich von den beiden Enden nach der Mitte hin. Beiderseits der Spalte bemerkt man viele feine Härchen; zerstreut stehen auch solche auf dem ganzen Geschlechtshofe (Taf. I, Fig. 11 und 12). After: Die Analöffnuug liegt nicht unmittelbar zwischen den Analdrüseu, sondern ist etwas nach hinten nahe an den Hinterrand des Körpers gedrückt und hat einen Abstand von 0,056 mm vom Geschlechtshofe. Weibchen. Das Weibchen erreicht eine Körperlänge bis 0,700 mm. l ) In der Körpergestalt gleicht es dem Männchen, doch ist jenes merklich schlanker. Der Oberhaut mangelt die feine Guillochierung nicht, jedoch ist ein Rückenpanzer nicht vorhanden, statt dessen sind hier nicht nur die Randdrüsenöffnungen des Rückens, sondern auch die beim Männchen im Panzer belegenen Drüsenmündungeu mit l ) Alle nachfolgenden Massangaben beziehen sich auf diese Körper- grösse. 24 feinporigen, rundlichen Chitinplatten umgeben. Diese sind sämtlich gross bis auf die zwei innern der vier hinter den Augen in einer Reihe befindlichen, welche beträchtlich kleinere Höfe aufweisen. Übereinstimmung zeigt sich auch in den Ventraldrüsen, nur mit dem Unterschiede, das.s dieselben weitläufiger angeordnet sind, da das Abdomen infolge geringerer Ausdehnung des weiblichen Epimeral- gebiets grösser ist. Die Augen liegen 0,160 mm auseinander. Das Maxillarorgan und die Mandibel entsprechen in allen Einzelheiten den gleichen männlichen Organen. Jenes misst 0,136 mm und diese 0,248 mm in der Länge. Der Maxillartaster ist im zweiten und dritten Gliede um ein geringes dünner als die korrespondierenden Segmente des Vorder- beines. Dem vorletzten Palpengliede mangelt die Verdickung, ! ) so- dass es sich von allen Seiten schwächer als die beiden vorauf- gehenden Abschnitte repräsentiert. Ausserdem fehlt dem Segmente die kräftige Einschnürung an der Basis. Die Palpe ist 0,272 mm lang, und ihre Glieder haben ein Längenverhältnis von 3:6:9:12:4. Betreffs der Borstenbewehrung sei eines kleinen Unterschiedes in der Stellung der beiden Haare auf der Beugeseite des vierten Gliedes gedacht, dass nämlich hier die vier durch dieselben hervorgerufenen Teilstrecken unter sich gleich sind. Das Hüftplattengebiet reicht wie beim Männchen bedeutend über den Stirnrand hinaus und präsentiert sich im grossen ganzen gerade so, doch sind die zweite und dritte Platte nur aussen mit- einander verbunden und im übrigen getrennt; nach hinten zu wird der gegenseitige Abstand allmählich grösser. Ausserdem fehlt den beiden Plattenpaaren die Chitinflächenerweiterung. Das erste Platten- paar besitzt hinten zwar einen Fortsatz, doch ist derselbe rundlich und kürzer. Länge des Epimeralgebiets 0,320 mm, Breite desselben (Insertion des letzten Beinpaares) . . 0,456 mm, Länge der Maxillarbucht 0,128 mm, Abstand zwischen der Maxillarbucht und dem Hinter- ende des ersten Epimerenpaares 0,112 mm. Was im einzelnen bezüglich der Beine des Männchens gesagt worden ist, könnte hier nur wiederholt werden, nur sind die Grössen- verhältnisse abweichend: 1. Bein = 0,608 mm, 2. Bein = 0,528 mm, 3. Bein = 0,640 mm, 4. Bein = 0,960 mm. Endglied des 1. Beines =0,112 mm, vorletztes Glied des 1. Beines = 0,160 mm, Kralle des Vorderbeines = 0,022 mm, Kralle der übrigen Beine = 0,041 mm. ') Dieser geschlechtliche Dimorphismus scheint ein Genus - Charakte- ristikum für Atractides zu sein. 25 Das äussere Genitalorgan liegt dem Hüftplattengebiete näher als dem Hinlerrande des Körpers. Die 0,128 mm lange Geschlechts- spalte wird an den beiden Enden durch Chitin körper begrenzt, vorn durch einen rötlichbraunen Chitinbogen von 0,064 mm Länge, der in der Mitte mit einem schwarzbraunen Punkte und an den Enden mit einer flächenartigen Chitinerweitemng versehen ist, ähnlich der Epimeralerweiterung des Männchens. Seitlich wird das Geschlechts- feld von zwei sichelförmigen, rötlichbraunen Chitinplatten abgeschlossen, die nahe an dem kleinen hinteren Chitinkörper der Geschlechts- spalte ihren Anfang nehmen und sich nach vorn — dabei etwas nach auswärts — erstrecken, von dem vorderen Chitinbogen einen Abstand von 0,048 mm lassend bei einer gegenseitigen Entfernung am Vorderende von 0,120 mm. Die drei annähernd gleich grossen und beinahe dreieckigen Näpfe nehmen die Platte fast vollständig in Anspruch, nur geringe Zwischenräume übrig lassend. Sie zeigen genau die gleiche Anordnung wie beim Männchen, liegen also nicht hintereinander wie bei A. ovalis £. Um die Näpfe — namentlich auf der Aussenseite — stehen vereinzelt feine Härchen. Das Ei ist weisslich gelb und hat einen Durchmesser von 0,120 mm. After: Die Analöffnung hat die gleiche Lage wie beim Männchen. Fundort: Herr Lehrer H. Müller, Harburg, fand die Art in mehreren Exemplaren mit Hygrobates, Sperchon, Aturus, Limnochares und Torrenticola in Moos (Fontinalis antipyretica) und Algen (Oedogonium und Cladophora) in den Sturzbächen der Böhme unter- halb Walsrode (Allergebiet). 5. Curvipes controversiosus Piers. Die nachstehend ausführlich beschriebene Spezies ist dem C. uncatus Koen. (No. 7, p. 273—293, Taf. III, Fig. 1-20) sehr nahe verwandt. Männchen. Grösse : Die Körperlänge beträgt nicht über 1 mm, während 6. uncatus cT bis zu 1,2 mm angetroffen wurde. Piersigs einziges ihm zur Verfügung stehendes männliches Individuum wies im Ver- gleiche mit der verwandten Form keinen Grössenunterschied auf. Färbung: Die Körperfarbe ist grünlichgrau mit dunklen Flecken; Füsse und Palpen sind bläulichgrün. Gestalt: Der Körperumriss ist bei Bauchansicht nahezu elliptisch, da sich die grösste Körperbreite (0,750 mm) annähernd in der Mitte befindet. Das Stirnende ist nicht ausgerandet, sondern fast geradlinig und im ganzen ein wenig schmaler als das Hinter- ende des Körpers. Augen: Die beiden Augenpaare, welche mit massig grossem, schwarzem Pigmentkörper versehen sind, liegen nahe an den zwei breit abgerundeten Stirnecken und haben einen gegenseitigen Ab- stand von 0,250 mm, während dieselben bei C. uncatus ? 3 n 4 it 5 11 6 i* 7. ii 8. ii 9. n 10 )i 11 )i 12. 11 13. ii 14 ii 15. ii 16 11 17. ii 18. ii 19. ii 20. 11 21. ii 22. ii 23 r. 24 68 Arrenurus Müllen Koen. d\ Bauchseite. Vergr. 42 : 1. Seitenansicht. Vergr. 40:1. Ende des Körperanhangs bei Dorsalansicht. Vergr. 120 : t. Rechtsseitiger Maxillartaster. Vergr. 156 : 1. Arrenurus adnatus Koen. d\ Bauchseite. Vergr. 33 : 1. Seitenansicht. Veigr. 36 : 1. Körperanhang bei Stirnstellung. Vergr. 67 : 1. Anhangsende in Seitenansicht. Vergr. 125 : 1. Linksseitiger Maxillartaster. Vergr. 125 : 1. Atractides subasper Koen. d\ ßückenansicht. Vergr. 64 : 1. Bauchansicht. Vergr. 64 : 1. Seitenansicht. Vergr. 73 : 1. Maxillarorgan von oben gesehen. Vergr. 190:1. Dasselbe in Seitenansicht. Vergr. 168 : 1. Mandibel in Seitenansicht. Vergr. 140 : 1. Oxus nodigerus Koen. ?. Bauchansicht. Vergr. 35 : 1. Seitenansicht. Vergr. 32 : 1. Maxillarorgan von oben gesehen. Vergr. 180 : 1. Dasselbe in Seitenansicht. Vergr. 145 : 1. Luftsack. Vergr. 245 : 1. Rechtsseitige Mandibel in Seitenansicht. Vergr. 180:1. Dieselbe von der Streckseite aus gesehen. Vergr. 165 : L Erster Epimeralfortsatz. Vergr. 148 : 1. Maxillartaster. Vergr. 182 : 1. Zur Kenntnis einiger nordwestdeutscher Bienen. Von J. D. Alfken in Bremen. Eine nicht geringe Zahl unserer heimischen Bienen bedarf noch der Klarstellung. Im folgenden ist versucht worden, einige der unsicheren Arten zu fixieren. Die Beschreibungen der älteren Autoren sind oft so kurz oder mangelhaft, dass sich eine Art ohne Benatzung der typischen Exemplare des Forschers nur sehr schwer oder über- haupt nicht wiedererkennen lässt. Häufig genug sind dann derartig ungenügend beschriebene Arten, deren verwandtschaftliche Stellung nicht einmal bekannt war, von späteren Systematikern mit neuen Namen belegt worden. Eine Art hat dadurch oft eine ganze Reihe von Namen erhalten, und es kostet heute nicht geringe Mühe, die verschiedenen Namen auf die richtige Art zu beziehen. Ich hoffe, in der vorliegenden Arbeit einige dieser schwierigen Arten gedeutet und dadurch den Fachgenossen einen Dienst geleistet zu haben. 1. Halictus fulvicornis K. und H. Frey-Gessneri nom. nov. = H. subfasciatus Nyl. 1 ) Unter den im nordwestlichen Deutschland vorkommenden Halictus- Arten mit rötlichgelb durchscheinenden Endrändern der Hinterleibsringe gibt es zwei, H. fulvicornis K. und //. subfasciatus Nyl., deren Unterscheidung bis heute selbst anerkannten Forschern noch Schwierigkeiten bereitet. Von einem einigermassen geübten Auge dürften sie sich jedoch ohne grosse Mühe erkennen lassen. Beide Arten sind nahe Verwandte von Halictus affinis Schck. und H. lineolatus Lep. Die Weibchen zeichnen sich durch die langgestreckte, ebene und hinten scharf gerandete Area des Mittel- segmentes, das ausserordentlich fein gerunzelte und dadurch matte Mesonotum und den fast punktlosen und spiegelblanken 1. Hinterleibs- ') Für Halictus subfasciatus Nyl. (1848) ist ein anderer Name zu wählen, da H. subfasciatus Imhoff (1832) als älterer Name für H. vulpinus Nyl. (1852) einzutreten hat. Für H. subfasciatus Nyl. schlage ich daher zu Ehren des Nestors der schweizerischen Hymenopterologen E. Frey-Gessner den Namen H. Frey-Gessneri vor. 70 ring aus. Die Männchen lassen sich an den auffallend langen Fühlern, die mindestens so lang sind wie Kopf und Thorax zusammengenommen, sicher erkennen. Der Grund, weshalb man die beiden Arten bisher so schlecht zu deuten verstand, könnte darin liegen, dass man den Halictus laevis K. nicht unterzubringen vermochte. Mir ist H. laevis K. bis vor kurzem ebenfalls nicht klar gewesen; ich beschrieb ihn als IL Kriegen, 1 ) den ich später für das £ des IT. monstrificus Mor. hielt. 2 ) Mein LT. Krieg eri ist ein kleines Exemplar von Halictus laevis K. LT. monstrificus ist eine sehr zweifelhafte Art, wie mir scheint ein <$■ von H. villosulus K., dessen Backen sehr spitz — dornartig — ausgezogen sind. Der echte LT. laevis ist eine seltene, von W. Kirby 1802 nach 1 Weibchen beschriebene und seitdem in England nicht wieder aufgefundene Art, deren cT nur von Schenck — 1853 als convexus und 1859 als laevis — bekannt gemacht wurde. Er ist anscheinend weit verbreitet und mir auch aus der Schweiz (Frey-Gessner), Deutschland (Giessen, Seitz; Leipzig, Krieger; Fürstenberg, Konow; Berlin, Schirmer; Breslau, Dittrich) und Böhmen (Kubes in Kolin) zugesandt worden. Durch das stark und zerstreut punktierte Mesonotum, die grob gerunzelte Area des Mittelsegmentes und die nicht durchscheinenden Endränder des Hinterleibes kann er leicht von den hier behandelten beiden Arten getrennt werden. Morawitz fasst LT. subfasciatus als die nordische Varietät von LT. fulvicornis auf, was meiner Meinung nach nicht zutreffend ist. Beide Arten lassen sich schon durch die verschiedene Grösse beständig von einander unterscheiden, und dann ist LT. subfasciatus nicht nur auf den Norden beschränkt. Was aber die beiden Arten auch noch trennt und dadurch interessant macht, das ist ihr biologisch ver- schiedenes Verhalten, indem sie nicht an denselben Orten und zu verschiedenen Zeiten auftreten, nicht die gleichen Pflanzen aufsuchen und sich in Gebirgsgegenden sogar in verschiedenen Regionen auf- halten. IT. fulvicornis ist bei Bremen eine der ersten Frühlingsbienen, die Mitte April oft schon in Menge fliegt und besonders häufig auf blühenden Weiden angetroffen wird. H. subfasciatus dagegen erscheint erst im Mai mit den Heidelbeerblüten, die gern von dieser Art besucht werden. In Zentral- und Süd- Europa ist LT. subfasciatus ein echtes Gebirgstier. In Nordtirol fing ich ihn in ziemlich be- deutender Höhe, z. B. auf der hohen Salve. Aus Spanien erhielt ich ihn von J. Bolivar, der ihn bei Leitariegos, einem Bergpass der cantabrischen Gebirgskette, erbeutete. LT. subfasciatus stimmt mit mehreren unserer nordischen Bienen, wie Anthrena lapponica Zett. und Osmia uncinata Gerst, darin überein, dass sie im Norden Besucher der Vaccinium Myrtülus- Blüten und in Mittel-Europa Berg- bewohner sind. H. fulvicornis fliegt im Süden vorzugsweise in den Tälern, tritt aber auch im Gebirge auf. ») Eiitom. Nachr. XXIII. 1897, S. 104. 2 ) Ztschr. f. Hym. u. Dipt. I. 1901, S. 365. 71 Mit H. albipes F., der mit H. obovatus K. (nee Schenck) identisch ist, und von dem das Weibchen an dem stark punktierten, niedergedrückten Endrande des blaugraufarbig angelaufenen 1. Hinterleibsringes, das Männchen an der seitlich nicht zahnartig aasgezogenen, sondern abgerundeten Area externa des Mittelsegmentes, den (meistens) gelben Oberkiefern, der ebenso gefärbten Oberlippe und den kürzeren Fühlern zu erkennen sind, ist keine der beiden Arten zu verwechseln. H. albipes hat als nächste Verwandte H, calceatus Scop. und sabfasciatus Imh. = (vulpinus Nyl.). Im Kataloge von Dalla Torte sind die 3 Arten //. subfasciatus Nyl., laevis K. und fulvicornis K. miteinander vermengt worden; daher gebe ich im folgenden noch einmal die Synonymie, wie sie meines Erachtens richtig ist: I. Halictus fulvicornis Kirby. Melitta fulvicornis Kirby, Aionogr. Apum Angl. II. 1802, p. 67 n. 27, d\ ., Hylaeus fulvicornis Illiger, Magaz. f. Insektenk. V. 1806, p. 55 n. 17. Hylaeus fulvicornis Eversmann, Bull. soc. nat. Moscou. XXV. 3. 1852, p. 42 n. 18, ?d\ Hylaeus laeviusculus Schenck, Jahrb. Ver. Naturk. Nassau. IX. 1853, p. 146 n. 1 u. p. 289 n. 6, ?. Halictus subfasciatus Smith, Cat. Brit. Hymen. Brit. Mus. I. 1855, p. 41 n. 21, $c? (p. p.). Halictus fulvicornis Smith, Cat. Brit. Hymen. Brit. Mus. I. 1855, p. 41 n. 22, d\ Hylaeus albipes Schenck, Jahrb. Ver. Naturk. Nassau. XIV. 1859, p. 267, 274 u. 286, $tf (p. p.). Halictus fulvicornis Morawitz, Horae soc. entom. Ross. VI. 1869, p. 47 n. 82. Hacictus subfasciatus Smith, Entomologist IV. 1869, p. 267 n. 21. Halictus obovatus Schenck, Berl. ent. Ztschr. XVII. 1873, p. 256. (!) = Type gesehen. Halictus fulvicornis Schenck, Berl. ent. Ztschr. XVIII. 1874, p. 338 n. 3. Halictus obovatus Schenck, Berl. ent. Ztschr. XIX. 1875, p. 323 n. 8, «? (!). Halictus subfasciatus Smith, Cat. Brit. Hymen. Brit. Mus. 2 d Ed. I. 1876, p. 92 n. 16, $ Exemplares ein reger direkter Insektenverkehr zwischen beiden Stöcken bestanden haben muss. Es findet diese Beobachtung ihre Erklärung in einer Bemerkung H. Müllers über Br. dioica, deren Blüten- einrichtung in der Befr. d. Bl. S. 149 näher beschrieben ist: „ Andrena ßorea F. £ (3* (rubicata Sm.) ist bei weitein die häufigste Besucherin von Bryonia, sie scheint ihren Bedarf an Blumennahrung ausschliesslich den Blüten dieser Pflanze zu entnehmen"". l ) Bei Bremen ist bis jetzt nur Br. alba und auch diese nur sehr ver- einzelt gefunden worden, so dass also in dieser Hinsicht die Bedenken Ludwigs gegenüber Focke keine Stütze erhalten. 101 tragung von Blütenstaub statt. Ich führte daher 1903 zum ersten Male mit einem weiblichen Exemplar einen Versuch im Gewächs- haus unter allen dabei nötigen Kautelen aus, der denn auch ein zuverlässiges Ergebnis gehabt hat. Trotz der ungünstigen Witterungs- verhältnisse des Jahres 1903 1 ) — für die Versuchspflanze kam natürlich nicht der andauernde Regen, sondern nur die geringere Belichtung in Betracht — gedieh das isolierte Exemplar vortrefflich und produzierte zahllose weibliche Blüten, von denen jedoch wählend der Hauptvegetationszeit keine einzige zur Fruchtbildung schritt. Vielmehr hielten sie sich lange Zeit frisch, schliesslich aber welkten sie und fielen ab; die stehen gebliebenen Fruchtknoten Hessen keine merkliche Vergrösserung erkennen, sie wurden gelb und schrumpften ein. Erst gegen Mitte September änderte sich das Verhalten der Bryonia allmählich, indem die Fruchtknoten, teilweise wenigstens, etwas grösser wurden und eine schwach rötliche Farbe erhielten. Aber auch diese gelangten noch nicht zu voller Entwicklung, nach einiger Zeit wurden sie ebenfalls runzelig und verwelkten. Auch das schon früher (vom Juni an) mehrfach an den jungen Zweigen ausgeführte Verfahren, die weiterwachsende Sprossspitze zu entfernen, übte keinen nachweisbar fördernden Einfluss auf die Frucht- bildung aus. Nachdem die Pflanze eine Zeitlang auf diesem Übergangs- stadium 2 ) zur Fruchtbildung verharrt hatte, lieferte sie am Ende der 1 ) Die 1903 an verschiedenen vor Bestäubung völlig geschützten Stellen im Freien (bei Münster und in Bremen) kultivierten Bryonia- Weibchen brachten nur zum Teil einige äusserlich wohlentwickelte Beeren, aber mit keimunfähigen Samen hervor, einige nicht einmal solche. Die Versuche, bei denen ich mich der freundlichen Unterstützung des Herrn Beallehrers Messer und des Herrn Dr. C. A. Weber von der Moorversuchsstation erfreute, werden fortgesetzt. 2 ) Dies Stadium kann wohl mit ziemlicher Berechtigung in Parallele zu der Erscheinung der Parthenokarpie gesetzt werden, die Noll (Sitzungsber. Niederrhein. Gesellsch. f. Natur- und Heilkunde zu Bonn 1902, 10. November) vor kurzem in exakter Weise an der Gurke (Cucumis sativus) nachgewiesen hat: Vollständige Ausbildung der Frucht ohne Samen bei gänzlichem Aus- schluss der Bestäubung. Da Noll den Versuch mit der Gurke nur bis Mitte Juli durchgeführt hat, so muss, in Anbetracht meiner Ergebnisse bei Bryonia. das Experiment auch mit der Gurke bis zum Schluss der Vegetationszeit Aviederholt werden. In einem Falle hat schon Noll eine einzige, völlig taube, aber wohlgestaltete Samenhülle von halber Grösse in einer partheno- karpen Frucht gefunden, sonst waren die Samenanlagen vollständig ver- kümmert. Vielleicht werden auch hier analog der Bryonia erst spät vereinzelte, reife keimfähige Samen parthenogenetisch gebildet. Als Ergänzung der Nollschen Literaturzitate zur Parthenokarpie (p. 2 des Sep aratabdr.) verweise ich auf AI. Brauns Arbeit: Über Polyembryonie und Keimung von Caelebogyne (Abh. Kgl. Akad. d. Wiss. Berlin 1859, p. ] Ich selbst habe an Cannabis sativa und Mercurialis perenrm bei völligem Fern- halten von Pollen nicht bloss eine ansehnliche Vergrösserung der Nar sondern auch ein Wachstum der Frucht bemerkt, ohne dass jedoch Samen- entwicklung eintrat. Die im vergangenen ungünstigen Jahre (1? Datisca cannabina ausgeführten Experimente, die zur Prüfung von C. Fr. G Angabe (Beitr. z. Kenntn. d. Befr. I, 1844, p. 558) unternommen wur haben noch kein zuverlässiges Ergebnis gehabt, Sie werden ebenso wi 102 "Vegetationsperiode einzelne voll ausgebildete Beeren mit Samen, von denen allerdings nur ein kleiner Teil keimfähig war. Die Zahl der zur völligen Entwicklung gelangenden Beeren war auch jetzt noch im Verhältnis zu den noch im Oktober vorhandenen vielen Blüten auffallend gering. Ich gewann von der üppig wuchernden Pflanze,, die mit ihren zahllosen Verzweigungen eine Querwand und die daran anstossenden Tabletts in dem Gewächshaus teilweise bis zu einer Entfernung von 10 m von der Wurzel als dichter Teppich überzog, nur etwa 20 gut ausgereifte Beeren, die 1 — 3 entwickelte Samen enthielten (geerntet am 27. X.). Wenige Samen wurden zur Prüfung ihrer Keimfähigkeit zerschnitten, die meisten Anfang April in Töpfe mit einer zuverlässig reinen Erde ausgesät. 9 Pflanzen sind das Resultat; diese, Mitte Mai ins freie Land versetzt, entwickeln gegen- wärtig (Ende Juli) ihre ersten Blüten, die sämtlich männlichen Geschlechts sind. Dieses Resultat stimmt nicht mit dem Fockeschen überein (siehe den Beginn meiner Mitteilung S. 99) wo- nach nur weibliche Pflanzen entstanden sind. Zur Aufklärung über diese Verschiedenheit des Ergebnisses bedarf es weiterer Untersuchungen, ebenso wie natürlich die Geschlechtskonstanz der parthenogenetisch entstandenen Männchen Gegenstand sorgfältiger Prüfung sein muss. Mein Resultat ist das erste botanische Analogon zur Drohnen- brütigkeit der Honigbiene, allerdings mit dem Unterschiede, dass bei Bryonia wohl auch aus befruchteten Eizellen teilweise Männchen hervorgehen dürften. Das Zahlenverhältnis der Männchen zu den Weibchen in der freien Natur scheint nach meinen bisherigen geringen Zählungen ziemlich das von 1 : 1 zu sein. II. Über die Variabilität vor allem über die Bildlingsab- weichungen der zweihäusigen Zaunrübe gibt es bereits eine ganze Anzahl von Aufzeichnungen, die mau bei Penzig, Pflanzenteratologie 1, 493, zusammengestellt findet. Doch scheint die Formenmannig- faltigkeit dieser Art, besonders bezüglich der Blätter, bislang nicht genügend beachtet zu sein. Die einzige Andeutung J ) in dieser Hinsicht finde ich in Beckhaus, Flora von Westfalen p. 481, wo eine var. angustisepta mit „schmaleren, spitzen (nicht meist stumpfen) Blattlappen" unterschieden wird. Gelegentlich meiner Parthenogenesis-Studien habe ich nun eine ganze Anzahl weiblicher Pflanzen nebeneinander kultiviert, die fast alle aus der Umgebung des Schlossgartens von Münster (Über- wasser-Ftiedhof, Baumschule, Roxeler Landstrasse, Hecke nahe der Badeanstalt) stammen, zum Teil sogar ursprünglich durcheinander mit Mercurialis perenm's fortgesetzt, letztere besonders auch aus dem Grunde, um die Differenzen von der tatsächlich in ziemlich hohem Masse parthenoge netischen Mercurialis annua festzustellen, die ich schon seit 3 Jahren in dieser Absicht kultiviere. ') Die von Cogniaux (DC, Monographiae Pbanerogamarum III, 471, 472 erwähnten Varietäten acuta und subsessilis sind offenbar weiter vom Typus der Art entfernt als die uns hier interessierenden Formen. 103 wuchsen, und für die eine gemeinsame Herkunft, nämlich von ur- sprünglich im Botanischen Garten wachsenden Pflanzen sehr wahr- scheinlich ist. Solche vergleichende Untersuchungen lebender Pflanzen führen zu ausserordentlich zuverlässigen Resultaten, selbst über minutiöse Formverschiedenheiten, die an getrocknetem Material nicht aufzufinden siud. Ich habe in den beigefügten Abbildungen auf Tafel IX einige besonders auffällige Beispiele von Differenzen in der Form der Laubblätter bei Weibchen der Münsterschen Population dargestellt. Es ist dabei besonders zu betonen, dass jedes Blatt den Typus det- ail der betreffenden Pflanze im ausgebildeten Zustande gewöhnlich vorkommenden Formen repräsentiert und dass ich keineswegs Extreme au jedem Individuum herausgesucht habe. Die Gestalten sind teil- weise so verschieden, wie sonst bei verwandten Arten! Eine Me- schreibung der Blattformen ist unnötig, über die wichtigeren Differenzen vergl. die Figurenerklärung zu Tafel IX; auch die Grössen- verhältnisse sind charakteristisch für die jeweils vorliegende Pflanze. Es ist je ein Blatt von je einer weiblichen Pflanze abgebildet. Übrigens sind auch bei den Männchen Unterschiede in der Blatt- form zu beobachten, ganz abgesehen von gewissen Differenzen, die mir zwischen beiden Geschlechtern im Habitus der vegetativen Organe zu bestehen scheinen. Über diesen Punkt sowie überhaupt über den Grad der Vererbung werden wir durch das Studium der partheuogeuetisch entstandenen Männchen Aufschluss erhalten. \ III. Auch in anderer Beziehung scheinen Rassendifferenzen bei gesellig durcheinander wachsenden Bryonia- Weibchen zu be- stehen. Da ist beispielsweise die als teratologisches Vorkommnis schon länger bekannte (siehe Penzig I, 493) Pleomerie der Blüten- organe, die an manchen Exemplaren mit einer Häufigkeit, man kann sogar sagen Regelmässigkeit zu Tage tritt, dass die Annahme einer rassenattigen Fixierung dieser Erscheinung nahe gelegt wird. (Tafel X, Fig. 4.) Diese Ansicht scheint mir weiter noch dadurch gerechtfertigt, dass die Nachkommenschaft einer solchen pleomera trotz freier Bestäubung der Mutterpflanze die Mehrzähligkeit der Blütenblattorgane in starkem Masse wiederholte. Ob habituelle Pleomerie der Blütenorgane mit einer bestimmten Blattform, besonders mit wenig gelappten, abgestumpften Blättern, zusammenhängt (so dass dadurch als Gesamtcharakter der betr. Rasse besondere Üppigkeit und Robustheit der Stengel, Blätter und Beeren zu gelten hätten), vermag ich noch nicht zu entscheiden. Kurz sei erwähnt, dass auf der anderen Seite manche Pflanzen in ebenso auffälliger Häufigkeit wie die pleomera höhere Zahlen als 5 — umgekehrt niedere Zahlen als 5 in ihren Blütenorganen haben. Ein Beispiel einer solchen meiomera gebe ich in den Fig. 5 und 6, von denen die erstere die pentamere, die zweite die ebenso häufige tetramere Blütenform derselben Pflanze zeigt. 104 Von besonderer Wichtigkeit für das Studium der Variationen bei Br. dioica ist ferner die Grösse, Form und Farbe der Blüten- organe selbst. Ich bemerke hier noch, dass ich auch in diesen Hin- sichten zunächst nur die Weibchen untersucht habe, da die Unter- schiede der Männchen von ihnen sowie deren Übereinstimmungen mit ihnen sich erst bei genauerem Vergleich der betreffenden parthenogenetischen Nachkommenschaften und dann von selbst er- geben werden. Immerhin will ich wenigstens andeuten, dass mir auch beim männlichen Geschlecht ähnliche individuell jedenfalls be- stehende Glossen- und Farbdifferenzen an den Blüten der bei Münster beobachteten Exemplare begegnet sind, wie ich sie für die weiblichen Pflanzen nunmehr zu schildern habe. In meiner Münsterschen Population von Br. dioica lassen sich bezüglich der Breite der Kronblätter bis zu einem gewissen Grade ähnliche Typen aufstellen, wie es De Vries für Potentilla Tormentilla getan hat 1 ). Bei dem einen Exemplar sind die Kron- zipfel schmal, fast lineal zu nennen, und lassen, von oben betrachtet, die ebenfalls langgestreckten, feinen Kelchblätter an den breiten Interstitien zwischen einander sichtbar werden (Taf. X, Fig. 7); in einem andern Falle sind die Kelchabschnitte durch die breiteren Kronblätter stärker verdeckt; bei Pflanzen mit noch breiter elliptischen Petalen sind die ebenfalls gedrungeneren Sepala nur mit ihrem aussetzten Spitzchen von oben sichtbar. Wie es von vorne herein anzunehmen war, besteht zwischen der Form der Kronblätter und derjenigen der Kelchblätter eine Analogie, indem schmale Kelchzipfel schmalen Kronabschnitten, breitere Kelchlappen breiteren Petalen entsprechen. Es sei hier noch angedeutet, dass sich diese Erscheinung bis zum weiblichen Genitalapparat verfolgen lässt, indem in der ersten Gruppe sowohl der Griffel als auch die Hauptnarbenäste schlanker sind als in der zweiten. Ob sich diese Analogie in der Form auch auf die Gestalt der Laubblätter ausdehnen lässt, wie es mir nach meinen bisherigen Erfahrungen an unserer Pflanze wahrscheinlich ist, wird sich wohl später mit Sicherheit entscheiden lassen. Wir hätten dann in dieser Sippe massigere und grazilere Typen, deren Zahl zu eruieren, wenn das überhaupt möglich ist, erst einem sorgfältigen Linienstudium vorbehalten werden müsste. Die Gegeusätze in der Blütengrösse sind diejenige Merk- malsdifferenz, welche mir von allen zuerst an den Blüten aufgefallen ist. Die Extreme, welche an wohlausgebildeten Blüten nach beiden Seiten zur Beobachtung kommen, sind in der Tat für die Kleinheit der weiblichen Bryonia-Blüten sehr erheblich. Es gibt weibliche Pflanzen mit dem durchschnittlichen Kronendurchmesser von 8 mm, andererseits solche mit einem Diameter von 14 — 15 mm 2 ) und da- ') Mutat.-Theorie I, 122; auch in den Heiden bei Münster sind die 3 Formen dieser Potentilla überall vergesellschaftet. 2 ) Die grössten weiblichen Blütenformen der Bryonia erreichten dem- nach den Kronen-Durchmesser kleinblütiger Männchen, die grössten männ- lichen" Blüten messen 17 — 18 mm im Durchmesser. Die Angaben einiger Autoren, dass die männlichen Blüten die doppelte Grösse der weiblichen be- sitzen, sind also nur in beschränktem Masse zutreffend. 105 zwischen mancherlei Verbindungsglieder (Taf. X, Fig. 3— 8). Gemessen wurden vornehmlich die ersten Blüten an jedem Knoten und nur diese wurden miteinander verglichen. Da die Grösse der späteren Kronen desselben Blütenstandes meist etwas abnimmt, so ist diese Massrege] geboten. Die Blütenfarbe, in den Floren bald als gelblich-weiss, bald als grünlich-gelb bezeichnet, zeigt, wenigstens in der Münsterschen Population, starke, mindestens an den Individuen mit voller Konstanz haftende Gegensätze. Das eine Extrem ist ein Gelblichweiss, das, wohlgemerkt, den Blüten in allen Alterslagen eigen ist und sie in einen stärkeren Kontrast zur Belaubung setzt als das andere Extrem, mit seineu (ebenfalls einheitlich) grünlichgelben Blüten. Mit der Blütengrösse hat die Farbe nichts zu tun. An den weiblichen Blüten ist meist als Saftdecke über der kurzen Röhre ein Schopf weisslicher Haare zwischen je zwei Kronblättern vorhanden; durch spärlichere Haare dazwischen entsteht eine Art Haarkranz (Fig. 11). Bei manchen Pflanzen bildet sich aber ein besonderes, kleines, stiftförmiges Organ aus, das die grössere Menge der Haare auf seiner Oberfläche trägt (Fig. 9). Vielleicht haben wir in diesen 5 Stiftchen Staminodien zu sehen, da sie sich in einzelnen Blüten nicht in regelmässiger Alternanz mit den Kronblättern vorfinden, sondern eins für sich, die übrigen zu' je. 2 zusammengedrängt (Fig. 10), also ganz in jener eigen- artigen Anordnung, die der männliche Genitalapparat an rein männ- lichen Pflanzen hat. Um Missverständnisse auszuschliessen, erwähne ich noch, dass die Anwesenheit oder das Fehlen dieser Zäpfchen in keiner Be- ziehung zur Blütengrösse steht; auch bei ziemlich kleinblütigen Pflanzen habe ich sie gesehen und bei grossblütigen können sie ebenso ganz fehlen wie an kleinerblütigen, andrerseits sind sie mir an einer grossblütigen Pflanze durch ihre Grösse zuerst aufgefallen. In ihrem Auftreten und ihren Dimensionen sind sie an den einzelnen Individuen sehr konstant. IV. Gewöhnlich steht an jedem Knoten nur eine einfache Ranke dem Blatte zur Seite (Taf. X, Fig. 1), bei einzelnen Pflanzen ist dagegen regelmässig eine Gruppe von 2 — 4 einfachen Hanken an den Knoten vorhanden (Taf. X, Fig. 2). Sind aber gar, was bei solchen Pflanzen nicht selten vorkommt, zwei Laubblätter an einem Punkte des Stengels vereinigt, so lässt sich an einer solchen Zusammenschiebungsstelle zweier Knoten zu einem ein ganzer Büschel einfacher Ranken antreffen. Auch für dieses Merkmal kann ich schon jetzt einen hohen Grad von Erblichkeit feststellen, da es nach freier Bestäubung an den allerdings allein weiter kultivierten weiblichen Nachkommen wiederum auffällig zu sehen ist. Ich halte es für unzweckmässig, schon jetzt die hier vor- liegenden Variationen mit Namen zu belegen, zumal es schwierig sein dürfte, die meisten Formen scharf gegeneinander abzugrenzen. 106 Ausserdem kann ja erst durch längere Versuche eine Zusammen- gehörigkeit oder Trennbarkeit von Merkmalen nachgewiesen werden. Für die Zwecke der vorliegenden Mitteilung ist jedenfalls ein solches verfrühtes Spalten völlig unangebracht. Die ziemlich erhebliche Formeomannigfaltigkeit innerhalb einer an Zahl verhältnismässig geringen Population wie es die der Bryonien in der Umgegend des Münsterschen Schlossgartens darstellt, erinnert uns daran, dass ja auch in anderen pflanzlichen Formenkreisen, sei es mit fakultativer, sei es mit habitueller Parthenogenese eine intensive Rassenspaltung eingetreten ist (Alchimilla: Murbeck, Taraxacum und Hieracium: Raunkiser), doch möchte ich diese Tat- sache ! ) für unsern Fall nicht allzu hoch einschätzen, da die fakultative Parthenogenese von Bryonia offenbar nur sehr geringe Ergebnisse liefert, vorausgesetzt, dass es nicht doch Zaunrüben-Pflanzen gibt, die sich in der von Focke angegebenen Weise (I. parthenogenetisch entstandene Generation!) parthenogenetisch verhalten. Von Wichtigkeit wird es sein, die Bryonien anderer Lokalitäten zu prüfen, wo keine solche nicht mehr aufklärbare Beziehungen zu dem durch den Tauschverkehr stets wechselnden Pflanzenbesitz eines botanischen Gartens vorliegen, wie in unserem Falle. Münster i. W. August 1904. Botan. Institut d. Universität. Figurenerklärung. Tafel IX. Blätter von weiblichen Exemplaren der Bryonia dioica, sämtlich 1 I 2 Hn. Gr. Jedes Blatt der Typus der wohl ausgebildeten Laub- blätter je eines Exemplares der Münsterschen Population. Fig. 1. Mittelstarke Einschnitte, etwas vorgezogener Mittellappen. Flacher Blattgrund. Fig. 2. Mittelstarke Einschnitte, ohne Dominieren des Mittel- lappens. Fig. 3. Sehr seichte Einschnitte. Schwaches Domiuieren iu der Breite. Herzförmiger Blattgrund. Fig. 4. Tiefere Einschnitte, sonst wie Fig. 2. Fig. 5. Mittelstarke Einschnitte. Stumpfe Lappenenden. Deckung der Blattbasen. Fig. 6. Kleinere Blattform mit tieferen Einschnitten von einer be- sonders grazil gebauten Pflanze. Fig. 7. Tiefe Einschnitte und schmale, kaum weiter gegliederte Hauptlappen. ') Übrigens ist Passenbildung offenbar keineswegs stets im Gefolge von Partbenogenesis zu beobachten, so scheint Antennaria alpina ausser- ordentlich gleichförmig zu sein, abgesehen von den seltenen männlichen Pflanzen, die in zweierlei Typen bekannt sind. (Siehe Juel, Vergl. Unter- suchungen über typische u. parthenogenetische Fortpflanzung bei der Gattung Antennaria. Kongl. Svenska Vetensk.-Akad. Handl. XXXIII No. 5, 1900.) 107 Tafel X. Fig. 1. Monocirrhose Form. } / 2 d. nat. Gr. Fig. 2. Pleocirrhose Form. 1 / 2 d. nat. Gr. Fig. 3 — 11. Blüten von Bryonia dioica-Y ormen. l / 2 d. nat. Gr. Fig. 3. Grossblütige pentamere Form. Gelblichweiss. Fig. 4. Grossblütige pleomere Form. Gelblichweiss. Fig. 5 und 6. Von einer Pflanze, die stark zur Tetramerie neigt. Kurze, breitlappige, gelblichweiss gefärbte Krone, die gewöhnlich nicht flach ausgebreitet ist, daher der aufrechte untere Kronenlappen in der tetrameren Fig. 6. Fig. 7. Schmallappige Krone von grünlichgelber Farbe. Fig. 8. Kurzlappige kleine Krone von grünlichgelber Farbe. Fig. 9 — 11. Aufgeschnittene Kronen von oben gesehen. Fig. 9. Krone der Form von Fig. 5 und 6, zeigt die 5 behaarten Staminodialstiftchen getrennt. Fig. 10. Krone der Form von Fig. 3. Die hier kürzeren Staminodial- stifte in der für die Staubblätter charakteristischen Weise zu 2 Paaren und einem freien gruppiert. Fig. 11. Staminodialstifte nicht ausgebildet, an ihrer Stelle nur die Haarflöckchen als Saftdecke vorhanden. Die Förstersche Monographie der Bienen- Grattung Hylaeus F. (Latr.) = Prosopis F. und die Prosopis-Sammhmg Försters. Von J. D. Alfken in Bremen. Aus den meisten Sendungen von Bienen, die ich aus den verschiedensten Gegenden des palaearktischen Faunengebietes zur Bestimmung erhielt, Hess sich ersehen, dass die Gattung Prosopis noch immer das Schmerzenskind der Apidensammler- und Forscher ist. Dies wird so bleiben, wenn man dabei beharrt, Individuen als Arten zu beschreiben, wie dies leider auch Förster in seiner Mono- graphie der Gattung Hylaeus tat. l ) Im allgemeinen, nur die Farbe und die äussere Gestalt in Betracht gezogen, gleichen sich viele Arten sehr, und es lassen sich nur schwer Unterscheidungsmerkmale zwischen ihnen feststellen. Daher ist es auch meistens unmöglich, die Arten nach ihrem Habitus zu unterscheiden oder gar im Fluge zu erkennen. Bei Betrachtung einzelner, morphologisch besonders ausgeprägter Körperteile und bei Berücksichtigung ihrer Skulptur sind jedoch alle mir bekannten Arten gut und ohne Mühe zu fixieren. Die Kopfform, die Skulptur und Berandung der Area des Mittel- segmentes, die Punktierung des Hinterleibes, vorzüglich seines 1. Ringes, die filzartige Befrausung der Hinterränder der Hinter- leibsringe, die Gestalt des Fühlerschaftes uud die Bewehrung der Bauchriuge werden stets brauchbare Klassifizierungsunterschiede für die Arten abgeben und sicher später einmal zur Unterscheidung von Gruppen oder Untergattungen benutzt werden können. Förster hat bei der Aufstellung seiner neuen Arten mehrere der erwähnten Körperteile nicht oder nur ungenügend berücksichtigt, dagegen auf die Färbung des Gesichtes, des Fühlerschaftes, des Pronotums und der Beine, die glatte, beziehungsweise lederartige Skulptur des Mesonotums und die Punktierung des umgeschlagenen Teiles vom 1. Hinterleibsringe zu viel Wert gelegt. Als besonders wichtig erschien Förster die Farbe einzelner Gesichtsteile; und l ) Verh. zool. bot. Ges. Wien. XXI. 1871. 109 gerade dadurch liess er sich verleiten, Individuen zu Arten zu stempeln. So wurde aus einer gewöhnlichen P. annulata L. dadurch, dass sie ein gelbes Fleckchen am Clypeus aufwies, eine P. nigri- cornis Forst., ein weibliches Exemplar derselben Spezies mit noch ausgedehnter gelb und etwas rot geflecktem Clypeus wurde P. ebenia Forst, getauft. Fast alle Weibchen, bei denen die Gesichtsflecken fehlen, was nicht ungewöhnlich ist, erhielten neue Namen. Es ist als ein Glück anzusehen, dass Förster nur ein verhältnismässig kleines Material zur Bearbeitung besass, sonst hätte er die Synonymie noch mehr bereichert und damit noch grössere Verwirrung angerichtet. Die sichere Deutung vieler Arten ist nach den Beschreibungen in der Monographie, so ausführlich diese auch angefertigt wurden, ganz unmöglich. Die Sammlung Försters ist aber glücklicherweise noch vorhanden, und man kann daher die Typen vergleichen. Der zoologischen Staatssammlung in München gebührt der wärmste Dank dafür, dass sie die Proaopis-S&mmlung Försters erwarb und in der von diesem Forscher vorgenommenen Zusammenstellung aufbewahrte. Durch die Liebenswürdigkeit des verstorbenen, um die Erforschung der Hymenopteren hochverdienten Kustos J. Kriechbaumer wurde mir die Sammlung zur Duchsicht anvertraut. Nach dieser und nach den Arten, welche Förster von den Autoren Giraud, Kriech- baumer, Schenck, Sichel, Smith und Tschek zur Untersuchung erhielt, hat Förster seine Monographie verfasst. Es ist zu bedauern, dass die Arten, welche ihm von den genannten Forschern gesandt wurden, nicht seiner Sammlung einverleibt wurden. Manche Arten, wie z. B. die von Smith au Förster geschickten, werden sich daher wohl kaum früher deuten lassen, bis man sie an ihrem jetzigen Aufbewahrungsorte, dem britischen Museum, das grundsätzlich keine Tiere versendet, untersucht. Hätte Förster schon das meiner Meinung nach durchaus berechtigte Prinzip mancher heutigen Spezial- Systematiker befolgt, nämlich nur solche Arten zu beschreiben, von denen ihnen Exemplare für ihre Sammlungen überlassen werden, so würde es nicht nötig sein, die Typen Försters aus den ver- schiedensten Orten zur Ansicht zu erbitten. Ausser der Sammlung Försters sind mir durch die Güte der Herren Professor Bouvier und du Buysson vom Museum d'Histoire Naturelle de Paris auch diejenigen Arten, welche Förster aus den Sammlungen Girauds und Sicheis bei der Bearbeitung seiner Monographie benutzte, ge- sandt worden, so dass auch diese gedeutet werden konnten. Von den von Kriechbaumer an Förster übermittelten Arten konnte ich nur P. Kriechbaumer i und P.polita untersuchen; über den Ver- bleib von P. ambigua, subtilis und suspecta konnte ich nichts er- fahren. Die Gruppierung der Arten, Monographie, Tabelle, pag. 886, ist durchaus verfehlt, was schon Morawitz nachweist l ). Fürs! begeht nicht allein den Fehler, Arten mit rundem und solche mit langgestrecktem Kopfe in derselben Gruppe zu vereinigen, wie ihm «) Verh. zool. bot. Ges. Wien. XXII. 1872, p. 377. 110 Morawitz vorwirft, sondern er bringt auch $ und cT derselben Art in 2 oder mehreren verschiedenen Gruppen unter, was keines- falls statthaft ist. Es heisst dann „die $ gehören einer folgenden Gruppe an", pag. 886, oder die ? sind „in die 4 letzten Gruppen verteilt", pag. 916, usw. Bei einer derartigen systematischen Ver- teilung der Arten ist das Bestimmen nicht nur erschwert, sondern oft unmöglich. Ausserdem geht es nicht an, die Punktierung des umgeschlagenen Teiles vom 1. Hinterleibsringe, die Farbe der Oberkiefer, die Randung der Hinterwand des Mittelsegmentes, sowie die feine Skulptur („Nadelrissigkeit") des Dorsalteiles vom 1. Hinter- leibsringe als Gruppierungscharaktere zu benutzen, da die einzelnen Arten in bezug auf diese Merkmale sehr wenig beständig sind. Förster bat in seiner Monographie nicht weniger als 70 neue Arten aufgestellt, von welchen ich 13 nicht untersuchen konnte. Die übrigen 57 verteilen sich so, dass 48 als Synonyme zu schon vorher beschriebenen Arten gestellt werden müssen und nur 9 Art- wert beanspruchen dürfen. 6 Arten wurden unter 4, 2 unter 5, 2 unter 3, 1 unter 2 und 1 gar unter 15 verschiedenen Namen be- schrieben. Dreimal hat Förster das Missgeschick gehabt, $ und cf, welche verschiedenen Arten angehören, als eine Art aufzufassen, so ist P. blanda Frst. ? = P. brevicornis Nyl., P. blanda Forst, cT = P. clypearis Schck., P. subquadrata Frst. $ = P. hyalinata Sm., P. subquadrata Frst. c? = P. punctata Brülle, P. puncta Forst. ? = P. clypearis Schck., während P. puncta Frst. cT vielleicht als giltige Art anzusehen ist. Försters Sammlung ist alphabetisch geordnet. Die Exemplare sind von Kriechbaum er mit fortlaufenden Nummern versehen worden. Im folgenden lege ich meine Ansichten übar die Arten dar. In der Reihenfolge bin ich dabei der Monographie gefolgt. Die in Klammern beigefügten Ziffern korrespondieren mit den von K riech - bäum er an die einzelnen Exemplare gesteckten Nummern. 1. P. variegata F. (202—219). Die Etikette lautet: variegata F. = labiata F. ?. Die Art ist von Förster richtig aufgefasst worden. Nr. 208, ein cf, ist als Var. 1 bezeichnet, bei dieser ist das 1. Abdominalsegment rot gefärbt. No. 210 ist bezettelt: Var. Schildchen nicht gefleckt. Die Exemplare No. 212 und 213 (cT) und 216—219 ($) sind grosse Tiere mit ausgedehnter roter Farbe, wie solche besonders im südöstlichen Europa vor- kommen. Sie scheinen Förster bei der Beschreibung von P. meridionalis vorgelegen zu haben. 2. P. meridionalis Forst. Diese Art fehlt in der Sammlung. Da- durch dürfte bewiesen sein, dass Förster sie später selbst aufgegeben hat; sie ist als Synonym zu P. variegata F. zu stellen. Ich will hier jedoch nicht unerwähnt lassen, dass sich in der Sammlung Girauds zu Paris ein d* von P. coriacea Per. aus Montpellier (Licht.) befindet, welches die von Förster geschriebene Etikette n Hyl, meridionalis m cT" trägt. Darnach 111 könnte man auf den Gedanken kommen, dass P. meridioncdis Frst. auf die P. coriacea Per. zu beziehen sei, was aber nicht angeht, da die Beschreibung nicht passt. Förster erwähnt z. ß. nichts von der groben Ruuzelung des Mesonotums, die ihm gewiss nicht entgangen wäre. 3. P. rhodia Lep. (170—172). 1 $, 2 d\ Die Etikette ist be- schrieben: punctatissimus Duf. = Rhodius L. Wie schon länger bekannt, ist diese Art mit P. bifasciata Jur. identisch. 4. P. picta Smith. Fehlt. Der Name bleibt bestehen. 5. P. cornuta Smith. Fehlt. Der Name behält Giltigkeit. 6. P. Rinki Gorski. Fehlt. Ich sah aber 1 $ und 1 <$ der Sammlang Girauds, welche Förster vorlagen, und ausserdem 2 ? and 1 d\ die, ebenso wie die Giraudschen Exemplare, von dem bekannten Hemipterenforscher A. Puton in Hemiremont ge- zogen waren. Die Art ist von Thomson und anderen fixiert; der Name bleibt. 7. P. Giraudi Forst. Fehlt. Aus der Sammlung Girauds konnte ich 2 cT untersuchen, welche auch Förster vorlagen. Die Art hat den Namen P. brachycephala Mor. zu führen. 8. P. barbata Forst. In der Sammlung befinden sich 2 c?, No. 38 und ein zweites, von Förster mit der Bezeichnung „Carinthiaca olim" versehen. Bei diesem vergass Kriechbaumer die Nummerierung. Wie schon Morawitz und Thomson er- kannten, muss diese Art P. borealis Nyl. heissen. 9. P. dilatata Kirby. Fehlt. Ich weiss nicht, ob Förster die echte P dilatata kannte. Vom ? gibt er an, dass das 1. Abdominalsegment „hinler der Mitte dichter und stärker punktiert ist, und beim cT wird angegeben, dass die Ober- kiefer gelb sind. Beide Angaben treffen für die P. dilatata K., die P. annularis K. genannt werden muss, nicht zu. 10. P. euryscapa Forst. (9.5). Die Sammlung enthält 1 c? aus Ungarn; es gehört einer giltigen Art an. In der Sammlung Girauds steckt ein $ dieser Art von Förster als P. adhaerens bestimmt; der Name kann nicht anerkannt werden, da die Art nicht beschrieben wurde. 11. P. compar Forst. (80). Das eine c? ist etikettiert „Thtmngia (Kellner)". Pag. 911 schreibt Förster, dass die ? der beiden Arten P. dilatata und compar noch nicht bekannt seien, ob- gleich er pag. 906 das der ersteren beschreibt. Für P. com/*")- ist der Name P. cervicornis Costa einzuführen J ). 12. P. subfasciata Schck. (87—92). Merkwürdigerweise fehlt der Hylaeus subfasciatus Schck. in der Sammlung, aber ein Teil der Exemplare, nach welchen Förster seine Beschreibung dieser Art anfertigte, stecken als P. diformis darin, so 1 c? von Glatz und 1 $ von Danzig (Brischke). Es ist daher als ») Vergl. Zeitschr. f. Hymenopt, und Dipt. IV. 1904, pag. 2. 112 sicher anzunehmen, dass Förster seine Ansicht in bezug auf die Benennung dieser Art später, vielleicht infolge der Kritik seiner Monographie von Morawitz, änderte und diesem Autor folgte. Die Art muss P. difformis Eversm. genannt werden. Auf der Etikette der Sammlung steht, wohl versehentlich, als Autor „Frst." 13. P. Smithii Forst. (192). Das eine Ex., ein cT von Tirol gehört zweifellos zu P. cervicornis Costa. 14. P. nigrita F. (131—133). Die Etikette lautet „nigritus F. = nitidiusculus Schenck." Der Name P. nigrita F. wurde von Förster festgelegt; er bleibt. 15. P. annulata L. (22 — 35). Alle Exemplare sind richtig bestimmt. Es ist Försters Verdienst, den vorstehenden Namen Linnes statt des vielfach für diese Art verwendeten P. communis Nyl. wieder eingeführt zu haben. 16. P. sinuata Schenck. (177—191). Abgesehen von No. 182, einem P. breviwnis- $ , welches auch gewiss nicht von Förster dort- hin gesteckt wurde, gehören alle Exemplare zu P. sinuata. Bei 3 $, No. 186 — 188, fehlen die Gesichtsflecken, bei einem c?, No. 189, ist die Oberlippe gelb gefleckt. Die Monographie enthält in bezug auf die Farbe der Oberlippe eine Ungenauigkeit. In der Diagnose wird die Oberlippe weissgelb, in der Be- schreibung aber gelb oder schwarz genannt. 17. P. alienata Forst. (3) = P. annulata L. Ich finde kein Merk- mal, wodurch sich dieses cf von P. annulata unterscheiden könnte. Der etwas verdickte Fühlerschaft musste Förster unfehlbar auf diese Art führen. 18. P. punctulatissima Smith. Fehlt. Ob Smith wirklich die Art, welche man heute als P. punctulatissima Sm. ansieht, an Förster sandte, weiss ich nicht. Aus der Beschreibung geht dies nicht hervor. 19. P. angustata Schenck. (4 — 9). No. 8 ist ein c? von P. hyalinata Sm., welches sicher nicht von Förster dorthin gesteckt wurde. Bei dem Exemplare No. 5 verdichten sich die Härchen seitlich am Hinterrande des 1. Hinterleibsringes deutlich zu einer Endfranse, die übrigen Exemplare sind nicht oder sehr un- deutlich gefranst. Dadurch werden die zwei verschiedenen Angaben in der Monographie, pag. 935 und 936, verständlich. Dort wird das . Hilgardi, Delphinium nudicaule Torr, et Gray psd. $. Berkeley. 8. 6. 1899. Phacelia californica Cham., sgd. und psd., Phacelia imibricata, sgd. und psd., Heliotropium curassavicum D., sgd. und psd., Chelidonium majus L., psd., Teucrium fruticans L., psd., Anagallis arvensis L., psd. 9. 6. 1 899. Aster novae angliae L., sgd. und psd., sehr häufig, Anthyllis vulneraria L., sgd. und psd., Sympkytum asperrimum Donn., sgd. und psd., Symph. officinale L., sgd. und psd. 10. 6. 1899. Delphinium nudicaule Torr, et Gray, psd., Diplacus longiflorus Nutt., psd. und ? sgd. 11. 6. 1899. Diplacus glutinosus Nutt. und D. Hilgardi sgd. und psd. Bombus neareticus Handl. d\ Berkeley. 9. 6. 1899. Deutzia spec, sgd. Podalirius miserabilis Cress. $. Berkeley. 9. 6. 1899. Trifolium pratense L., sgd. und psd. P. urbanus Cressou 2. Berkeley. 9. 6. 1899. Trifolium obtusi- florum Hook., sgd. und psd., Anthyllis vulneraria L., sgd. Eucera Belfragei Cress. ?. Berkeley. 9. 6. 1899. Trifolium pratense L., sgd. und psd. 8. 6. 1899. Asclepias speciosa Torr. Zunge, Unterkiefer und Tarsen mit Pollinien besetzt. Eucera atriventris Smith. ?. Berkeley. 9. 6. 1899. Trifolium pratense L. Andrena Knuthiana Cckll. $ d\ Berkeley. 11. 6. 1899. Daucus Carota L., sgd. und psd., Fagopyrum esculentum Moench. 138 Nomada libata Cress. (= parata Cress.) ?. Berkeley. 11. 6. 1899. Daucus Carota L. Vespidae. Polütes aurifer Sauss. $. Berkeley. 11. 6. 1899. Daucus Carota L. Chrysidae. Ghrysis nov. spec. ?. Berkeley. 11. 6. 1899. Daucus Carota L. v Einige seltene Schlupfwespen aus Bremens Umgegend. Von K. Pfaükuch, Bremen. Im Laufe mehrerer Jahre ist es mir gelungen, eine Reihe seltener Schlupfwespen in hiesiger Gegend aufzufinden. Die Orte, an denen ich vorzugsweise sammelte, waren: die Badener Berge, der Hasbrucb, der Stüher Wald, die Heide bei Immer und Syke. Die aufgeführten Ichneumoniden sind teils im Fluge erhascht, teils von Blüten und Büschen mit dem Fangnetze abgestreift. Nur die zweite Art habe ich erziehen und deren Wirt bestimmen können. Die Blütenpflanzen, welche von Schlupfwespen gern besucht werden, sind: Antkriscus sylvestris, Sium latifolium, Cicuta virosa, Daucus Carota und Euphorbia Esula. Diese Pflanzen liefern den Tieren reichlich Honig, der hier offen zu Tage liegt und bei dessen Ein- sammeln die Schlupfwespen oftmals so eifrig sind, dass man sie mit den Fingern abzuheben vermag. Bei ruhigem, warmem Wetter liefern daher die genannten Blutenpflanzen stets eine gute Ausbeute. Aber auch von den jungen Blättern der Buchen und Eichen kann man durch Abstreifen gar manche Schlupfwespe erwerben. Ich führe im ganzen 7 Arten vor: 1. Gravenhorstia picta Boie. d\ am 24. 5. 1904 auf der Heide beim Bahnhofe Immer ge- fangen. Das hübsche Tier hat eine Länge von 25 mm; sein gelb- gebänderter Hinterleib ist von der Seite her zusammengedrückt wie bei der bekannten Gattung Ophion F. Es schmarotzt wahrscheinlich in den Raupen von Bovibyx quercus oder rubi. Diese Art ist mehr im Süden. Prof. Schmiedeknecht schreibt, dass er sie einmal in Anzahl auf den riesigen Dolden der Ferula auf der Ruinenstätte des alten Karthago angetroffen habe; als nördlichsten Fundort gibt er Hamburg an. Die Gattung ist nach dem verdienstvollen Breshmer Professor Gravenhorst benaunt, der 1829 das grundlegende ^erk, die Ichneumonologia Europaea, veröffentlichte. 140 2. Caenocryptus remex Tschek. 2 $, im Mai 1902 aus Pappen erzogen, die in hohlen Zweigen von Cornus alba L. sich vorfanden. Der Strauch steht in meinem elterlichen Garten hierselbst au der Warturmer Chaussee. Der Wirt ist Psen atratus Panz. (Näheres siehe „Zeitschrift für Hym. u. Dipt.", herausgegeb. von Konow, Teschendorf, Heft 4, 1904.) Es ist mir bislang noch nicht gelungen, das Männchen auf- zufinden. Thomson beschreibt in seiner Opuscula Entomologica auch nur das Weibchen. In den beiden letzten Jahren fanden sich beim Nachsuchen der Comus -Zweige keine Puppen wieder; ich wäre daher recht dankbar, falls irgend jemand mir in dieser Angelegenheit mit Material aus hiesiger Gegeud zur Hand gehen könnte. 3. Xylophrurus brevicornis Brischke. $, eine Cryptine, einen Übergang zur Xorides-Gruippe bildend. Körperlänge 13 mm, Länge der Bohrerklappen 7 mm. Diese Art scheint recht selten zu sein. Leider vermag ich die Fangzeit und den genauen Fundort nicht anzugeben. Schmiedeknecht führt in seiner Opusc. ichueum. Band VI (1904) diese Spezies als „sehr fraglich" auf, doch ist sie ohne Zweifel eine gute Art. Brischke, der sie in seinem Werke: „Die Hymenopteren der Prov. Preussen* (Königsberg, 1864) beschreibt, erhielt sie von der Frischen Nehrung. 4. Medophron niger Brischke. ?, eine Phygadeuonine, am 1. 6. 1904 gefaugen. Dieses kleine, 7 mm lange Tier fing ich zwischen blühenden Anthriscus sylvestris am Schutzdeiche hier. Es fällt durch seine schwarze Körperfarbe und den glänzenden Hinterleib auf. Eine Beschreibung finde ich nur in Brischkes Werk „Die Ichneumoniden der Prov. West- und Ostpreussen (Danzig, 1881) vor. Der Verfasser gibt hierin die Bohrerlänge als „kürzer als */ 2 Abdomen" an. Das ist offenbar nicht richtig, denn die Bohrerklappen haben bei meinem Exemplare, das sonst ganz und gar der Beschreibung entspricht, eine Länge von 8 / 4 des Hinterleibes. Die Gattung Medophron Forst, unter- scheidet sich von den Verwandten durch das grosse dritte Hinter- leibssegment, dessen Länge diejenige des zweiten übertrifft. Wirt unbekannt. 5. Stilbops vetula Grav. cf ?, eine Pimpline, 6 — 7 mm lang. Ich erhalte diese Art immer im Mai durch Abstreifen der jungen Buchenblätter mit dem Fangnetze. Oft schwirren diese Tierchen auch um die Blätter herum (23. Mai 1902 im Tiergarten bei Delmenhorst, 1903 ebenda, 14. Mai 1904 im Stenumer Gehölz). Wirt nicht bekannt. Die Gattung Stilbops steht der Gattung Pimpla F. nahe; sie unterscheidet sich von ihr insbesondere durch das fast vollkommen gefelderte Mittel- segment. 141 6. Stilbops limneriaeformis Schmiedekn. cf, 5 mm lang. Schmiedeknecht gibt in seiner „Revision «1er europäischen und benachbarten Arten der Ichneumoniden-Gattun«- Pimpla" nur die Beschreibung des Weibchens, das Männchen fährt er als „unbekannt 4 auf. Die von mir erbeuteten Exemplare sind ohne Zweifel die dazu gehörigen Männchen. Ich lasse daher eine Beschreibung folgen. Körper zart; Kopf glatt, Gesicht schwächer behaart als bei St. vetula Grav.; Fühler braunschwarz, nach der Basis hin unler- seits lichter, Schaft unten weisslich. Vorderleib wie beim Weibchni, nur die Felderung des Mittelsegmentes etwas mehr hervortretend. Hinterleib etwas schmaler als der Vorderleib; schwarz; dicht, aber seicht punktiert, schwach glänzend, die vorderen Segmente gelblich gerändert. Das erste Segment hinter der Mitte mit einem Qner- eindruck, dahinter höckerartig erhaben; das zweite und driite Segment mit Beulen, die nahe am Rande gelegenen Luftlöcher der- selben hervortretend. Flügel irisierend, wasserhell, Flügelschuppen weisslich, Stigma gross und breit, hellrotgelb, Unterrand dunkel. Beine gelblich weiss; rotgelb gefärbt sind: die Hinterhüften (ausge- nommen die gelblichweisse Spitze) und die Hinterschenkel; braun- schwarz: die Spitze der Hinterschienen, die Hintertarsen (die obere Hälfte des Metatarsus ist hell) und alle Klauen mit den Haftläppchen. Auch dieses Tier fing ich auf Buchenblättern, zusammen mit der vorigen Art'. Merkwürdigerweise ist mir das Weibchen noch nicht vorgekommen. Wirt unbekannt. 7. Ctenopelma Braunsii n. sp. c? ?. Dieses hübsche, schwarzglänzende Tier steckte lange Zeit unbestimmt in meiner Sammlung. Bei einer Sendung an Prof. Brauns in Schwerin gab ich es mit uud dieser erkannte es als eine neue Art. Da eine Beschreibung noch nicht veröffentlicht worden ist, so gebe ich sie im folgenden. Glänzend, der ganze Körper mit weitstehenden, grossen Punkten, aus denen die langen, abstehenden, greisen Haare hervorragen. Kopf hinter den Augen etwas verschmälert, Scheitel bläulich bereift, hinterwärts breit ausgerandet; der vordere grössere Teil des Kopf- schildes herabgebogen, unterer Zahn der Oberkiefer etwas länger als der obere; Fühler kräftig, fadenförmig, behaart, fast von Körper- länge, zwischen den Gliedern mit dunklen Querlinien, nach der Basis hin wenig verschmälert; Gesicht lederartig. — Vorderleib höckerig, Mittelrücken bläulich bereift, mit Rückenfurchen (beim ? schwach), Schildchen bis zur Mitte scharf gerandet; Mittelsegment mit 2 Längsleisten, die area basalis und die area superomedia zu- sammenfliessend, die letzere und die area posteromedia durch eine gebogene Leiste getrennt. — Hinterleib spindelförmig, das erste Segment ohne Rinne, Bauchfalte beim Männchen gelbrot, beim Weibchen braun; Bohrerklappeu 1 mm lang, schräg aufwärts _ richtet bis zur Höhe des Hinterleibes, ihr Hinterrand schmal gelbmt. 142 — Flügel irisierend, schwach getrübt; Stigma braunrot, nach der Basis hin heller; Areola schmal, gestielt, der Aussennerv in der unteren Hälfte erloschen; Nervellus postfnrkal, in der Mitte ge- brochen. — Beine kräftig, die Schienen steif behaart, die Klauen mit langen und dichten Kammzähnen. Länge lO 1 ^ mm, Bohrer 1 mm. $ schwarz; rotgelb sind: der herabgebogene Teil des Kopf- schildes, die Oberkiefer, die Taster, die beiden Scheitelflecke und die Fühler (nach vorn hin mehr bräunlich); an den Vorderbeinen die Spitzen der vorderen Schenkelringe, die Schenkel, Schienen und Tarsen; an den Hinterbeinen: die Knie, die Basishälfte der Schienen, die Sporne und die Basis aller Tarsenglieder. — Die Vorderecken des 3. Segments mit zwei leuchtenden, rotgelben Linien; Flügelschuppen braun. cT schwarz; gelblichweiss sind: Gesicht, Kopfschild und Fühlerschaft unterwärts, die Oberkiefer, die Taster, jederseits ein Waugenfleck, die beiden Scheitelflecke, der grössere (hintere) Teil des Schildcheus, die Flügelschuppen und ein Strich unter den- selben; an den Vorderbeinen: die Hüften (Mittelhüften an der Basis schwarz), die Schenkelringe, die Schenkel und die Basis der Schienen; an den Hinterbeinen die Spitze der Hüften, die Schenkelringe (ober- seits mit schwarzem Fleck), die Knie, Basis der Schienen, Sporne und die Basis aller Tarsenglieder. Der grösste Teil der Vorder- schienen und die Vordertarsen sind hellrotgelb, die untere Hälfte der Hinterschienen und die Hintertarseti bräunlich gefärbt; die beiden letzten Hiutertarsenglieder heller. Das 3. Hinterleibssegment ist au der Basis und an den Seiten kastanienbraun gefleckt. Diese Art steht der Ct. variabilis Tschek am nächsten und zwar der Stammart. Sie weicht von derselben ab durch den Nervellus, der in der Mitte gebrochen ist, durch den kürzeren Bohrer und besonders durch die Färbung. Leider vermag ich den Fundort nicht bestimmt anzugeben, auch nicht die Fangzeit, noch weniger den Wirt. Ich benenne diese Art zu Ehren von Herrn Prof. S. Brauns in Schwerin. Über die von Herrn Dr. Walter Volz auf seiner Weltreise gesammelten Siisswasseralgen. Von E. Lemraermann. (Aus der botanischen Abteilung des Städtischen Museums in Bremen.; (Mit Tafel XI.) Die Durchsicht von tropischen Algenproben hat immer einen ganz besonderen Reiz, vermutet man doch im Hinblick auf die über- aus merkwürdigen, oft vielfach bizarren Formen der höheren Ge- wächse eine Fülle eigenartiger Organismen anzutreffen, nach denen man in den heimischen Gewässern vergebens suchte. Indessen wird ein genaues Studium sehr bald zeigen, dass die betreffenden Algen- proben neben merkwürdig geformten Desmidiaceen auch eine Menge über- all verbreiteter Formen enthalten. Ich habe auf diese interessante Tatsache bereits hingewiesen *) und kann sie nach Durchsicht der mir von Herrn Dr. Walter Volz gütigst übersandten Proben nur wiederum bestätigen. Ich fand darin folgende, weit verbreiteten Algen: 1. Schizophyceae: Clathrocystis aeruginosa (Kütz.) Henfr., Aphanothece microscopica Naeg., Merismopedium glaucum (Ehrenb.) Naeg., Oscillatoria princeps Vaucher, 0. splendida Grev., 0. geminata Menegh., Lyngbya limnetica Leinm., Phormidium ambiguum Gomont, Spirulina subtilissima Kütz., Calothrix fusca (Kütz.) Bornet et Flahault, Nostoc piscinale Kütz. 2. Chlorophyceae: Volvox aureus Ehrenb., Pandorina morum (Müller) Bory, Gonium sociale (Duj.) Warm., Rhaphidium poly- morphum Fres., Scenedesmus quadricauda (Turp.) Breb., Sc. obliquus Kütz., Pediastrum duplex var. reticulatum Lagerh., Ped. tetras (Ehrenb.) Ralfs, Ophiocytium gracilipes A. Br., Cladophora fracta Kütz., Aphanochaete repens A. Br. «) Abh. Nat. Ver. Brem., Bd. XVI, pag. 341—343. 144 3. Conjugatae: Hyalotheca dissiliens (Smith) Breb., Closterium acerosum (Schrank) Ehrenb., Cl. moniliferum (Bory) Ehrenb., Gylindrocysti-s Brebissonii Menegh., Penium navicula Breb., Tetmemorus granulatus (Breb.) Ralfs, Micrasterias rotata Ralfs, Cosmarium botrytis Menegh., Euastrum denticulatum Gay, Eu. pectinatum Breb., Staurastrum dejectum Breb. 4. Flagellatae: Euglena viridis Ehrenb., Eu. acus Ehrenb., Phacus pleuroneetes Nitzsch, Ph. pyrum (Ehrenb.) Stein, Trachelo- monas volvocina Ehrenb., Tr. hispida (Perty) Stein. 5. Peridiniales: Ceratium hirundinella 0. F. M. 6. Bacillariales: Melosira granulata (Ehrenb.) Ralfs, M.crenulata var. tenuis (Kütz.) Grün., Cyclotella Kützingiana Thw., Fragilaria capucina Desmaz., Fr. construens var. venter Gruu., Synedra actis Kütz., S. Ulna var. splendens (Kütz.) Brun, S. pulchella (Ralfs) Kütz., S. radians Kütz., Eunotia pectinalis (Kütz.) Rabeuh., Eu. lunaris Ehrenb., Microneis minutissima (Kütz.) Cleve, Achnanthidium brevipes var. parvula Kütz., A. lanceolatum Breb., Cocconeis Pediculus Ehrenb., C. placentula Ehrenb., Stauroneis Phoenicenteron (Nitzsch) Ehrenb., Navicula cryptocephala Kütz., Pinnularia viridis Nitzsch, Pleurosigma acuminatum Kütz., Gomphonema intricatum Kütz., G. parvuhim Kütz., Rhoicosphe7iia curvata (Kütz.) Grün., Cymbella cistula Hempr., Encyonema ventricosum Kütz., Epithemia sorex Kütz., Rhopalodia gibba (Ehrenb.) 0. Müller, Nitzschia Palea (Kütz.) W. Sm. Diese Liste köunte unter Benutzung der bislang erschienenen Arbeiten über tropische Algen mit Leichtigkeit ganz bedeutend er- weitert werden. Es geht daraus hervor, dass die Algenflora der tropischen und der europäischen Gewässer weit grössere Überein- stimmungen zeigt als man a priori vermuten sollte. J ) Es ist das um so merkwürdiger, da die sogenannte höhere Pflanzenwelt in dieser Beziehung ausserordentlich weitgehende Verschiedenheiten auf- weist. Offenbar sind die Lebensbedingungen für die niederen Organismen an vielen Stellen der Erdoberfläche vollkommen gleich, so dass eine weitere Differenzierung der einzelnen Formen nicht eintreten konnte, während die dem Luftleben angepassten Pflanzen unter dem Einflüsse der klimatischen Verhältnisse weitgehende Ver- änderungen erfuhren. Daraus erklärt sich z. B. auch der besondere Reichtum der feuchten Tropenwaldungen an blatt- und baum- bewohnenden Algen. 2 ) Dass die klimatischen Verhältnisse, vor allen Dingen höhere oder niedere Temperaturen, auf die Gestaltung der wasserbewohnenden Algen gar keinen oder nur einen sehr geringen Einfluss auszuüben vermögen, darf nicht Wunder nehmen, gibt es doch Formen, welche unverändert sowohl in kalten Gewässern als auch in heissen Quellen l ) Vergl. auch die Bemerkungen von R. Chodat in Algues vertes pag. 72 und W. Seh midie in Engl, bot, Jahrb., Bd. 33, pag. 8. a ) Vergl. z. B. E. de Wildemann .,Les Algues de la flore de Buiten- zorg"; W. Schmidle „Epiphylle Algen etc." (Flora 1897). 145 gedeihen. Ich darf wohl nur an Gornphosphaeria aponina Kütz . Nostoc pruniforme Ag., Pleurococcus vulgaris Menegh , Oedogonium crenulato-costatum Wittr., Tetmemorus laevis Ralfs, Cosmarium subarr- toum (Lagerh.) Racib., Pinnularia viridis Kütz., Tabellaria flomdosa (Roth) Kütz., Nitzschia Palea (Kütz.) W. Sm. etc. erinnern. Es muss freilich hervorgehoben werden, dass die Desmidiaceen der tropischen Gewässer einen ausserordentlichen Formenreichtum aufweisen, so dass es scheint, als sei diese Algengruppe für die Tropen besonders charakteristisch. Indessen habe ich eine ähnliche Erscheinung für die europäische Gebirgsregion nachgewiesen ] ) und auch darauf aufmerksam gemacht, dass sich die Desmidiaceen Taf. X, Fig. 58. Fundort: Java (XVIlId), Sandwich-Inseln (XV a). Die aufgefundenen Exemplare stimmten genau mit der Be- schreibung und der Abbildung des Autors überein. Die Fäden fanden sich epiphytisch auf Cladophora oder auch frei zwischen anderen Algen. Ein ähnliches Vorkommen beobachtete ich in Algenmaterial aus dem Müritzsee in Mecklenburg. Hier sah ich Lyngbya subtilis West an allerhand Wasserpflanzen der Uferzone, fand aber auch vielfach freie Fäden im Plankton. Die ursprüngliche Form dürfte die epiphytisch lebende sein. Die Alge bietet demnach ein hübsches Beispiel dafür, dass manche Planktonformen im Jugendzustande festsitzen und erst später durch Einwirkung von Wind und Wellen in die freie Seefläche ge- trieben werden, eine Erscheinung, die übrigens bei einer ganzen An- zahl von planktonischen Algen und Tieren zu beobachten ist. 153 *L. Rivulariarum Gomont, Ann. des sc. nat. 1. c. S. 148. Fundort: Java, im Lager von Apbanothece (VIII e, IXa), Sandwich-Inseln, in Nostoc-Kolonien (XV a). L. perelegans Lemm., Abh. Nat. Ver. Brem., Bd. XVI, S. 355, Tabula nostra Fig. 13 — 14. Die Alge bildet epiphytische Lager, welcheaus zahlreichen geraden, gekrümmten oder vielfach miteinander verflochtenen Fäden besteln-n. Die Zellen sind 2—8 ja lang und mit den Scheiden 1,5—2 jx breit; an den Querwänden finden sich 2 glänzende Protoplasmagraneln. Fundort: Singapore (X a). * L. limnetica Lemm., Bot. Ceutralbl , Bd. 76, S. 154. Fundort: Java (XVIII d). Gatt. Schizothrix Kütz. Seh. (Hypheothrix) affinis nov spec. Taf. XI, Fig. 2 — 3. Fäden eirjzeln zwischen anderen Algen, sehr selten verzweigt, einzeln oder zu zweien in einer gelblichen bis braunen, 4 — 12 :> weiten zerbrechlichen Scheide, die durch Chlorzinkjod nicht gefärbt wird. Zellen 0,8 — 1 ja breit und 2,6 — 3 ja lang, blass - blaugrün, ohne Protoplasmagraneln an den Querwänden. Endzelle abgerundet. Fundort: Singapore (X a). Die nächst verwandte Form ist zweifellos Seh. delicatwsima West (Journ. of Bot. vol. 35, S. 269); sie unterscheidet sich aber von obiger Alge durch die Beschaffenheit der Scheide, sowie die Grösse und die Farbe der Zellen. Seh. delicatissima. Seh. affinis. Vagina hyalina, 5 — 6,5 n crassa. Cellulae 0,6—0,8 jx crassae et 3,6 — 6,4 t* longae. Cellula apicalis acute conica. Contestus cellularum laete aerugineus. V. lutea sive brunnea, 4—12 ^ crassa. C. 0,8 — 1 [x crassae et 2,6 bis 3 (i. longae. C. apicalis rotundata. C. cellularum pallide aeru- gineus. Farn. Nostocaceae. Gatt. Nostoc Vaucher. N. paludosum Kütz., Tab. phycol. II, S. 1, Taf. 1, Fig. II. Fundort: Sandwich-Inseln (XV a). N. piscinale Kütz., Phycol. germ, S. 208. Fundort: Sandwich-Inseln (XVII d). Gatt. Anabaena Bory. *A. Volzii nov. spec, Taf. XI, Fig. 4, 5, 20. Fäden scheidenlos, einzeln, freischwimmend, meist versohlt' artig gekrümmt, seltener fast gerade. Vegetative Zellen zylindrisi 154 an den Querwänden deutlich eingeschnürt, 4 — 5,5 p breit und 7 — 12 ja lang. Endzelle kegelförmig, abgerundet. Heterocysten fast zylindrisch, 5,5 — 7 \t breit und 12—15 n lang:. Sporen elliptisch, mit glatter Membran, einzeln, an einer Seite der Heterocysten liegend, 15 — 21 |x breit und 32—33 y. lang. Gasvakuolen, resp. rote Körperchen, habe ich nicht gefunden, sie können jedoch durch das Konservierungsmittel (Alkohol) zerstört worden sein. Dagegen sah im Innern der vegetativen Zellen zahl- reiche grössere und kleinere Körperchen, die durch Jod rotbraun ge- färbt wurden und dann besonders auffällig hervortraten. Fundort: Java (VIII e, IX a). Singapore (X a). Die nächst verwandten Arten sind Anabaena Felisii (Menegh.) Bornet et Flahault 1 ), A. Augstumalis Schmidle 2 ), A. hyaiina Schmidle 3 ), A. Yüllebornii Schmidle 4 ), A. cylindrica Lemm. 5 ), do var. marchica Lemm. 6 ) Zum Vergleiche gebe ich folgende Übersicht über die Anabaenen mit zylindrischen Zellen. Schlüssel. I. Sporen von den Heterocysten entfernt. A. Augstumalis Schmidle. II. Sp. nur an einer Seite der Heterocysten. 1. Episporium glatt. a) Fäden gerade, mit deutlichen Scheiden, meist zu einem schleimigen Lager verbunden. a) Vegetative Zellen 6 n breit; Sporen unregelmässig zylindrisch, 10 — 12 n breit und bis 45 ^ lang, zu mehreren nebeneinander. A. Felisii (Menegh.) Bornet et Flahault. ß) Vegetative Zellen 2—3 jj- breit; Sporen elliptisch 8 y. breit und 12 v- lang, einzeln. A. hyaiina Schmidle. b) Fäden verschiedenartig gekrümmt, stets einzeln, scheidenlos. A. Volzii Lemm. 2. Episporium fein bestachelt. A. Füllebornii Schmidle 7 ). III. Sp. an beiden Seiten der Heterocyste. ') Ann. des sc. nat , 7. ser., tome VII, S. 232. ») Hedwigia 1899, S. 174, Taf. VII, Fig. 19. 3) Engler, Bot. Jahrb., Bd. 30, S. 245, Taf. V, Fig. 8; Bd. 32, S 61» Taf. I, Fig. 3. *) EDgler, Bot. Jahrb., Bd. 32, S. 61, Taf. I, Fig. 4. *) Forschungsber. d. biol. Stat. in Plön, IV. Teil, S. 186-188, Fig. 8-12. «) Hedwigia 1903, S. (168)-(169). 7 ) In der Hedwigia 1903, S. (169) habe ich diese Form irrtümlich zu den Arten gezählt, bei denen die Sporen zu beiden Seiten der Heterocyste liegen. 155 1. Heterocyste innerhalb einer leeren Zelle; Sporen 5 (j- breit und 16 — 30 \i. lang. A. cylindrica Leiiini. 2. H. ohne diese Zelle; Sporen 7—8 y- breit und 21—28 v- lau«. A. cylindrica var. marchica Lenmi- Diagnosen. 1 ) 1. A. Augstumalis Schmidle. 2 ) Trichome 4 (i breit, mit schwer sichtbaren, schleimigen Gallert- hüllen, einzeln, mehr oder weniger gekrümmt. Zellen cylindrisch mit abgerundeten Ecken oder auch tonnenförmig, so lang als breit oder l 1 ^ mal länger. Heterocysten zylindrisch, 6 ;j. breit. Sporen von den Heterocysten entfernt, einzeln, zylindrisch mit abgerundet«-!! Ecken, 6 n breit und 25—56 jj. lang. Verbreitung: Deutschland. 2. A. Felisii (Menegh ) Bornet et Flahault. Trichome zu einem blaugrünen, vielfach gewundenen Lager vereinigt, gerade, parallel gelagert, durch festere Schleimhüllen mit- einander verklebt. Zellen zylindrisch, an den Scheidewänden kaum eingeschnürt, 6 y. breit und bis 12 [>. lang. Heterocysten länglich, zirka 12 [x lang. Sporen 10 — 12 p. breit, bis 45 n lang, unregel- raässig zylindrisch, zu mehreren nebeneinander liegend, nicht selten von einer Scheide umgeben. Verbreitung: Italien. 3. A. hyalina Schmidle. Trichome schleimige Flocken bildend, seltener einzeln, meist parallel gelagert, durch breite, hyaline Gallertscheiden miteinander verklebt. Vegetative Zellen zylindrisch mit abgerundeten Ecken, sehr hyalin, mit einzelnen schwarzgrünen Punkten, 2—3 |x breit und 4—5 v lang. Heterocysten zylindrisch, mit abgerundeten Ecken, breiter als die vegetativen Zellen. Sporen elliptisch, an den Enden gerade abgestutzt, 8 k- breit und 12 n lang, einzeln, meist nur an einer Seite der Heterocysten. Verbreitung: Afrika. 4. A. Volzii Lemm. Diaguose siehe oben. 5. A. Füllebomii Schmidle. Trichome zu blaugrünen, stecknadelkopfgrossen, schleimigen Flöckchen vereinigt, vielfach verschlungen, mit verschleimten, oHi •) Bei den Diagnosen benutze ich die Angaben der betreffen Autoren. _ . 3) Während des Druckes finde ich in Material aus Brandenbin neue Form dieser Art, welche als var. marchica beschreiben werde Forschungsber. d. biol. Stat. in Plön, Teil XII. 156 sichtbaren Scheiden, oft auch einzeln, 5 y- breit, blaugrün, an den Enden nicht verschmälert (?). Vegetative Zellen zylindrisch mit abgerundeten Ecken und homogenem Inhalt. Heterocysten 7 jx breit und 10 ja lang, tonnenförmig oder zylindrisch mit stark abgerundeten Ecken. Sporen zylindrisch, an den Seiten etwas angeschwollen, einzeln, stets nur an einer Seite der Heterocysten, zirka 9 h- breit und zirka 23 p lang. Episporium gelblich, mit feinen Stacheln besetzt. Verbreitung: Afrika. 6. A. cylindrica Lemm. Trichome zu einem schleimigen, dünnhäutigen, fieudig-blaugrün gefärbten, festsitzenden oder freischwimmenden Lager vereinigt, meistens gerade, parallel gelagert, ohne deutlich abgegrenzte Scheiden. Zellen fast quadratisch oder zylindrisch, mit abgerundeten Ecken, 3 — 4 fi. breit und 3 — 5 m- lang. Endzelle kegelförmig, abgerundet. Heterocysten rundlich, länglich oder fast zylindrisch, innerhalb einer hyalinen Zelle gelegen, 5 v- breit und 6—8 ^ lang. Sporen zu beiden Seiten der Heterocysten, zylindrisch, mit abgerundeten Ecken, einzeln oder zu 2 — 4 nebeneinander liegend, 5 jj- breit und 16 — 30 H- lang. Episporium glatt, hyalin. Verbreitung: Deutschland: Holstein, Brandenburg. var. marchica Lemm. Trichome mit deutlicher, 6 — 8 V- breiter Scheide; Zellen zylin- drisch mit abgerundeten Ecken oder fast elliptisch, 4 v- breit und 5 — 7 ;j. lang. Heterocysten zylindrisch mit abgerundeten Ecken, 5,5 |jl breit und 8 — 11 jj. lang, nicht innerhalb einer farblosen Zelle liegend. Sporen zylindrisch mit abgerundeten Ecken, zu beiden Seiten der Heterocysten, zylindrisch mit abgerundeten Ecken, meistens einzeln, 7—8 jj. breit und 21—28 \>. lang. Sonst wie die typische Form. Verbreitung: Deutschland: Brandenburg. Anmerkung: Auch bei Anabaena Eansgirgii Schmidle (Hed- wigia 1900, S. 185, Taf. IX, Fig. 1, 2, 26, 27) kommen neben fast kugeligen oder tonnenförmigen ebenfalls zylindrische Zellen mit ab- gerundeten Ecken vor. Die Alge unterscheidet sich aber von allen oben genannten Formen durch die Variabilität der vegetativen Zellen, sowie durch die zu vielen nebeneinander liegenden ebenfalls sehr variabeln Sporen. Farn. Scytonemataceae. Gatt. Tolypothrix Kütz. T. tjipanasensis de Wild., Ann. Jard. bot. Buitenzorg, Suppl. I, S. 34, Taf. XIV, Fig. 1-17. Fundort: Sumatra (Hg). 157 Farn. Stigonemataceae. Gatt. Hapalosiphon N a e g. IL delicatulus VV. et G. S. West, Trans, of the Linn Soe vol VI part. 3, S. 201. ' ' Fundort: Singapore (X a). Unterord. Trichophoreae. Farn. Rivulariaceae. Gatt. Calothrix C. A. A g. C. fusca (Kütz.) Bornet et Flahault, Ann. des sc. nat 7 ser tome III, S. 364. Fundort: Sandwich-Inseln, in Nostoc-Kolonien (XV a). Kl. Chlorophyceae. Ord. Volvocineae. Farn. Volvocaceae. Gatt. Pandorina B o r y. P. Morum (Müll.) Bory — De Toni, Sylloge I, 1, S. 539. Fundort: Singapore (X a). Gatt. V o 1 v o x L. *V. aureus Ehrenb , Infus., S. 71, Taf. IV, Fig. II. Fundort: Siam (XII c), Java (XVIII d). Gatt. Gonium Müller. G. sociale (Duj.) Warm. — De Toni, Sylloge I, 1, S. 541. Fundort: Sumatra (III c). Ord. Protococeoideae. Farn. Tetrasporaceae. Gatt. Chlorangium Stein. *Chl. javanicum nov. spec. Taf. XI, Fig. 10 — 12. Vegetative Zellen elliptisch, seltener verkehrt eiförmig, 4 — 6 ;■ breit und 6 — 9,5 jj. lang, mit einem hyalinen, stets unverzweigteu, 2 — 16 \i langen Gallertstiele an Rotatorien festsitzend. Eben zur Ruhe gekommene Schwärmzellen verkehrt eiförmig (Fig. 1 1). Chro- matophor wandständig, grün. Zellkern zentral. 1 Vakuole am fr sitzenden Pole der vegetativen Zelle. Fundort: Java (VIII e). 158 Unterscheidet sich von Chi stentorinum Cienk. durch Form und Grösse der Zellen, sowie durch die stets unverzweigten Gallertstiele. Chi. stentorinum Chi. javanicum 1. Eben zur Ruhe ge- kommene Schwärm- zellen umgekehrt keulenför- mig. verkehrt eiförmig. 2. Vegetative Zellen spindelförm. 12 — 14 jjl breit und 23—34 \>. lang. elliptisch bis verkehrt eiförmig, 4 — 6 \>. breit und 6 — 9,5 \i lang. 3. Gallertstiele verzweigt. nicht verzweigt. Die Schwärmzellen von Chi. stentorinum sind spindelförmig; von Chi. javanicum habe ich keine Schwärmzellen in dem Materiale aufgefunden, schliesse aber aus der Form der eben zur Ruhe ge- kommenen Zellen, dass es sich um eiförmige Gebilde handelt. Gatt. Gloeococcus A. Br. Gl. mucosus A. Br., Betr. über d. Ersch. d. Verjüng., S. 169; Wille in Nyt. Mag. f. Naturvidensk., Bd. 41, H. 1, S. 163—166. Fundort: Singapore (X a). Diese in Europa weit verbreitete Planktonalge ist ausserdem nur noch im Wakatipu - See auf Neu-Seeland aufgefunden worden (vergl. Abh. Nat. Ver. Brem., Bd. XVI., S. 339 et 342). Gatt. Botryodictyon Lemm. *B. elegans Lemm.,Forschungsber. d. biol. Stat. in Plön, X. Teil, S. 156, Fig. 2 a— b. Fundort: Java (VIII e), Singapore X a). Bislang nur aus Deutschland und Schweden bekannt. Gatt. Dictyosphaerium Naeg. I). pulchellum Wood, Freshw. A]g., S. 84, Taf. X, Fig. 4. Fundort: Singapore (X a). Farn. Pleurococcaceae. Gatt. Rhaphidium Kütz. Rh. polymorphum Fres., Abh. d. Senkenb. naturf. Ges., Bd. II, S. 199, Taf. VIII. Fundort: Singapore (X a). * Rh. Braunii Naeg. in Kütz., Spec. Alg., S. 891. Fundort: Java (XVIII d). Gatt. Closteriopsis Lemm. *Cl. longissima Lemm., Forschuugsber. d. biol. Stat. in Plön, VII. Teil, S. 124, Taf. II, Fig. 36—38. Fundort: Java (XIV d). 159 Gatt. Oocystis Naeg. 0. Naegelii A. Bi\, Alg. uuicell., S. 94. Fuudorl: Singapore (X a). 0. Marssonii Lemm., Forschungsber. 1. c, VII. Teil, S. 1 | Taf. I, Fig. 15—19; Arkiv för Botanik, Bd. II, No. 2, S. 106. Fundort: Singapore (Xa). Gatt. Coelastrum Naeg. *C. reticulatum (Dang.) Lemm., Forschungsber. I. c, VII. Teil, S. 113; Arkiv för Botanik, Bd. II, No. 2, S. 114. Fundort: Java (XIV d). Gatt. Scenedesmus Meyen. Sc. quadricauda (Turp.) Breb. — De Toni, Sylloge I, 1, S. 565. Fundort : Singapore (X a), Java (XIV d). Sc. obliquus (Turp.) Kiitz., Synopsis Diät., S. 609. Fundort: Java (XIV d). Sc. acuminatus (Lagern.) Chodat, Algues vertes, S. 211. Fundort: Singapore (X a). *Sc.perforatus Lemm., Zeitschr. f. Fischerei 1903, S. 104, Fig. 3. Fundort: Singapore (X a), Java (XVIII d). *Sc. opoliensis var. carinatus Lemm., Forschungsber. I. c, VII. Teil, S. 113, Taf. 1, Fig. 7. Fundort: Java (XIV d) *Sc. acutiformis var. spinuliferus W. et G. S. West., Bot. Tids- ekrift, vol. 24, S. 182, Taf. IV, Fig. 46—49. Fundort: Java (XIV d). Farn. Characiaceae. Gatt. Characium A. Br. Ch. longipes Rabenh. — A. Br., Alg. unicell., S. 43, Taf. V D. Fundort: Sumatra (II g). Ch. minutum A. Br., 1. c, S. 46, Taf. V E. Fundort: Sandwich-Inseln (XVI c). Ch. acuminatum A. Br., 1. c, Taf. II A. Fundort: Sandwich-Inseln (XVI c). Farn. Hydrodictyaceae. Gatt. Pediastrum Meyen. Ped. duplex var. reticulatum Lagerh., Öfvers. af Kongl. Sv. Vet. — Akad. Förhandl. 1882, Taf. II, Fig. 1. Fundort: Java XIV d). *Ped. tetras (Ehrenb.) Ralfs, Ann. and Mag. of Nat. Hist. XI \ , S. 469, Taf. XII, Fig. 4. Fundort: Java (XIV d). 160 Ord. Confervoideae. Farn. Ophiocytiaceae. Gatt. Ophiocytium Naeg. 0. gracilipes A. Br., Alg. unicell., S. 106. Lemrnermann, Hedwigia 1899, S. 28. Fundort: Sandwich- Inseln (XVI e). Farn. Chaetophoraceae. Gatt. Aphanochaete A. Br. A. repens A. Br., Verjüngung S. 196; Klebahn in Jahrb. f. wiss. Bot., Bd. XXV, S. 279 ff., Taf. XIV, Fig. 1—4. Fundort: Sandwich-Inseln (XVI c, XV a). Gatt. Gongrosira K ü t z. G. Debaryana Rabenh., Flora Eur. Alg. III, S. 388; Algen No. 223. Fundort: Sandwich-Inseln, auf Ohara (XV a). Farn. Cladophoraceae. Gatt. Cladophora Kütz. Gl. fracta (Dillw.) Kütz., Phycol. gener., S. 263; Brand, Cla- dophora, Bot, Centralbl., Bd. 79, S. 29 ff. Fundort: Sandwich-Inseln (XVI c, XVII d). Farn. Oedogoniaceae. Gatt. Oedogonium Linke. Oed. pusillum Kirchner, Alg. v. Schles., S. 59; Hirn, Monogr. d. Oedogoniaceen, S. 299, Taf. XXIV, Fig. 125. Fundort: Sumatra (II g). Kl. Conjugatae. Ord. Desmidioideae. Farn. Desmidiaceae. Gatt. Hyalotheca Ehren b. H. dissiliens (Smith) Breb. — Ralfs, Brit. Desmid., Taf. I, Fig. 1. Fundort: Singapore (X a). 161 Gatt. Spondylosium Breb. Sp. nitens var. trianguläre forma javanica Gutw., Bull de l'Acad. des sc. de Cracovie 1902, S. 579, Taf. XXXVI, Fig. 3. Fundort: Java (XIV d). Gatt. Onychonema Wallich. 0. leve var. micranthum Nordst., De Algis et Characeis, S. 3. Fundort: Sumatra (III c). Gatt. Cylindrocystis Menegh. C. Brebissonii Menegh. — De Toni, Sylloge I, 2, S. 815. Fundort: Singapore (Xa). Gatt. Closterium Nitzsch. Cl. acerosum (Schrank) Ehrenb., Infus., S. 92, Taf. VI, Fig. 1. Fundort : Sumatra (III c). Cl. moniliferum (Bory) Ehrenb., Infus., S. 91, Taf. 5, Fig. 16. Fundort: Java (XVIII d). *Cl. eaäguum W. et G. S. West, Trans, of the Linn. Soc, 2. Ser., Vol. VI, Part. 3, S. 141, Taf. 18, Fig. 17—18. Die Art hat mit Cl. Venus Kütz. so grosse Ähnlichkeit, dass sie kaum davon zu unterscheiden ist. Fundort: Java (XIV d). Cl. Pritchardianum Arch. — De Toni, Sylloge I, 2, S. 830; Tabula nostra Fig. 19. Die Zellen waren 326 \>. lang und 35 \>. breit. Die Enden waren nur 8 \>. breit und etwas abgerundet. Die Membran war braun gefärbt und mit zahlreichen, in Längsreihen angeordneten Punkten besetzt, welche an einzelnen Stellen durch Querstreifen unterbrochen wurden. Die Form stimmt nach gütiger Angabe von Herrn Prof. G. S. West am besten mit Cl. Pritchardianum überein: ich führe sie daher unter diesem Namen auf (vergl. auch Journ. of the Roy. Micr. Soc. 1897, S. 480, Taf. VI, Fig. 4). Fundort: Singapore (X a). Cl. praelongum Breb. — De Toni 1. c, S. 830. Zellen 41—48,75 |i breit und 14—27 mal (675—1135 |i) so lang mit farbloser, glatter Membran. Der Zellform nach stimmen die Exemplare gut mit den von 0. Nordstedt in Kongl. Sv. Vet.-Akad. Handl., Bd. 22, Taf. III, Fig. 22—24 gegebenen Abbildungen überein, weichen nur hinsichtlich der Grössenverhältnisse davon ab. Viele Zellen waren von Ancy- listes Closterii Pfitzer befallen. Fundort: Sandwich-Inseln (XV a). Gatt. Penium Breb. P. closterioides Ralfs 1. c, Taf. XXXIV, Fig. 4. Pundort: Singapore (X a). \'V1IF 11 November 1904. A i i±i, J 162 P. lamellosum Breb. — De Toni, Sylloge I, 2, S. 864. Fundort: Singapore (X a). P. navicula Breb. — Wolle, Desmids of the United States, S. 37, Taf. V, Fig. 16. Fundort: Sumatra (III c). Gatt. Pleurotaenium Naeg. PI. gloriosum W. et G. S. West. Bot, Tidsskrift, vol. 24, S. 167, Taf. II, Fig. 1. Fundort: Singapore (X a). Gatt. Tetmemorus Ralfs. T. granulatus (Breb.) Ralfs, Ann. of Nat. Hist. II, S. 134, Taf. XII, Fig. 2. Fundort: Singapore (Xa). Gatt. Pleurotaeniopsis Lund. PI. maculatiformis var. major Gutw., Bull, de l'Akad. des sc. de Cracovie 1902, S. 588, Taf. XXXVII, Fig. 27. Fundort: Java (XVIII d). PI. pseudoconnatum var. ellipsoideum W. et G. S. West, Trans. of the Linn. Soc., 2. Ser., Vol. XI, Part. 3, S. 168, Taf. XX, Fig. 43—45. Fundort: Singapore (X a). Gatt. Cosmariura Corda. C. subcrenatum Hantzsch, Rabh. Alg. No. 1213, Wolle 1. c., Taf. XXI, Fig. 6—7, Taf. XXII., Fig. 20. Fundort: Sumatra (IV f). C. excavatum Nordst., Symb. Fl. Bras., Taf. III, Fig. 25. Fundort: Singapore (X a). C. obsoletum var. Sitvense Gutw. 1. c., S. 594, Taf. XXXVIII, Fig. 39. Fundort: Singapore (X a). C. Regnesii var. productum W. et G. S. West, Trans, of the Linn. Soc. Ser. 2, Yol. VI, Part. 3, S. 166, Taf. XX, Fig. 35. Fundort: Singapore (Xa). C. dubium Borge, Bih. tili Kongl. Sv. Vet. -Akad. Handl., Bd. 22, Afd. III, No. 9, S. 25, Taf. III, Fig. 44. Fundort: Singapore (X a). *C. subauriculatum W. et G. S. West, Trans, of the Linn. Soc, 1895, S. 55, Taf. VI, Fig. 31. Fundort: Java (XIV d, XVIII d). *C. botrytis (Bory) Menegh., Linnaea 1840, S. 220. Fundort: Java (XVIIld). 163 Gatt. Euastrum Ehren b. Eu. dideltoides forma javanica Gutw. 1. c., S. 602 Tat. XX MX Fig. 55. Fundort: Singapore (X a). Eu. pectinatum Breb. — Ralfs, Brit. Desm, Taf. XIV, Fig. 5. Fundot: Singapore (X a). Eu. denüculatum (Kirch.) Gay — Ralfs 1. c, Taf. XIV, Fig. 8 f. Fundort: Java (XIV d). Gatt. Micrasterias A g. M. rotata (Grev.) Ralfs, Ann. of Nat. Hist. XIV, S 259 Taf. VI, Fig. 1. Fundort: Singapore (X a). M. foliacea Bail. in Ralfs 1. c, Taf. XXXV, Fig. 3. Johnson in Bot. Gazette Vol. XIX, S. 56—60, Taf. VI, Fig. 1—4. Fundort: Singapore (X a). Diese kettenbildende Micrasterias - Form wird sicherlich im Heleoplanktou der Tropen vielfach aufgefunden werden. Gatt. Staurastrum Meyen. St. sexangulare (Bulnh.) Lund., Desm. Suec, S. 71, Taf IV Fig. 9. Fundort: Singapore (X a). var. australica Schmidle, Flora 1896, S. 311, Taf. IX, Fig. 19. Fundort: Singapore (X a). St. tenuissimum W. et G. S. West, Trans, of the Linn. Soc, 2 Ser., Vol. 5. Part. 2, S. 78, Taf. VIII, Fig. 43. Fundort: Singapore (X a). St. Wüdemani Gutw. 1. c, S. 605, Taf. XL, Fig. 61; Tabula nostra, Fig. 21. Fundort: Singapore (X a). St. subtrifurcatum Schmidle, Engl, bot. Jahrb., Bd. 26, S. < r >6, Taf. III, Fig. 17. Fundort: Singapore (Xa). St. quadrifurcatum Schmidle 1. c, S. 57, Taf. III, Fig. 18. Fundort: Singapore (Xa). Staurastrum trifurcatum Turner et var. reversam Turner, bisulcatum Turner, St. Wüdemani Gutw., St. subtrifurcatum Schmidle et var. bidens Schmidle, St. trisulcatum Tarner und St. qua catum Schmidle scheinen sehr nahe verwandte Formen zu welche sich nur durch geringe Merkmale unterscheiden. 164 Kl. Flagellatae. Ord. Protomastigineae. Farn. Craspedomonadaceae. Gatt. Salpincoeca Clark. . breit, mit dicht stehenden, schwach entwickelten Graneln besetzt. Kragen zylindrisch, 4 |i hoch, gerade abgestutzt, von einem besonderen Membrankegel umgeben. Unterscheidet sich von Tr. euchlora (Ehrenb.) Lemm. und var. cylindrica (Ehrenb.) Lemm. nob. durch das verjüngte Vorder- ende, die Granulationen der Membran und den eigentümlichen, den Kragen umschliessenden Membrankegel. Fundort: Sumatra (III c). Kl. Peridiniales. Ord. Peridineae. Farn. Peridiniaceae. Gatt. Ceratium Schrank. *C. hirundinella 0. F. M. — Lemmermann, Arkiv för Bot., Bd. 2, No. 2, S. 125—132, Taf. II. Die beobachteten Exemplare waren dreihörnig (Taf. XI, Fig. 22). Das Vorderhorn besass eine Länge von 75 — 82 jj., seine Basis war ziemlich hochkegelig und an der rechten Seite schwach buckelartig vorgewölbt. Die Querfurche war 5,4 \i breit. Das erste Hinterhorn (links) war 60—66 \>. lang; die linke Seite des Basalteiles war schwach konkav, die rechte dagegen gerade. Das zweite Hinterhorn (rechts) war 34 — 40 \>. lang, an der linken Seite meist schwach konvex, an der rechten konkav. Die Membran war deutlich areoliert, aber nur mit spärlichen Stacheln besetzt. Fundort: Java (XVIII d). Gatt. Peridinium Ehrenb. P. umbonatum Stein, Infus. III, 2, Taf. XII, Fig. 1—8. Fundort: Singapore (X a). *P. pusillum (Penard) Lemm., Forschungsber. 1. c, VIII. Teil, S. 65. Fundort: Singapore (Xa), Java (XVIII d). * P. inconspicuum Lemm., Abh. Nat. Ver. Brem., Bd. XVI, S. 350. Fundort: Java (XIV d). P. Volzi nov. spec. Tabula nostra. Fig. 15 — 18. Zelle fast kugelig, 38 \i. gross, dorsoventral schwach zusammen- gedrückt, durch die stark schraubig gewundene Querfurche in zwei 167 annähernd gleiche Abschnitte geteilt. Längsfurche bis zum Hinterende reichend, sich weit in die Vorderhälfte der Zelle erstreckend, am linken Seitenrande kurz vor dem Hinterende mit einen: kurzen Stachel besetzt, am Hinterende in einen kräftigen, 4 n langen Stachel auslaufend, am rechten Seitenrande mit einem stumpfen blattartigen Vorsprunge versehen. Membran kräftig areoliert. Epivalva (Fig. 17) mit 7 Praeaequatorialplatten, 4 seitlichen und 2 dorsalen Apikalplatten und einer verhältnismässig kleinen Rautenplatte. Erste und zweite seitliche Apikalplatte sechseckig, dritte und vierte fünfeckig. Zweite dorsale Apikalplatte lang und schmal, fast doppelt so gross als die erste. Interkalarstreifen breit, besonders zwischen der ersten und dritten, fünften und siebenten, siebenten und sechsten, vierten und zweiten Praeaequatorialplatte. Hypovalva (Fig. 18) mit 2 Antapikalplatten und 5 Post- aequatorialplatten. Interkalarstreifen zwischen der fünften Post- aequatorialplatte und den beiden Antapikalplatten ausser- ordentlich breit. Chromatophoren zahlreich, scheibenförmig, grün (?). Augen- fleck nicht aufgefunden. Fundort: Singapore (X a): Unterecheidet sich von allen bislang bekannt gewordenen 7'//- dinium- Arten des süssen und brackischen Wassers (vergl. E. Lemmer- mann: „Peridiniales aquae dulcis et .submarinae" in Hedwigia 1900) durch die Form der Platten, die ungleich entwickelten Interkalar- streifen, die stark schraubig gewundene Querfurche und die Stachel- bildung am linken Seiteurande der Längsfurche. Kl. Bacillariales. Ord. Centricae. Unter ord. Discoideae. Farn. Melosiraceae. Gatt. Melosira Ag. *M granulata (Ehrenb.) Ralfs. — Van Heurck, Synopsis Taf. 88, Fig. 9—10. Fundort: Java (XIV d.) *var. tenuis 0. Müller in litt. Fundort: Java (XIV d). *var. reticulata 0. Müller in litt, Fundort: Java (XIV d). Von allen drei Formen sah ich grobporige, feinporige und gemischtporige Fäden (vergl. die Angaben in 0. Müller in Ber. d. deutsch, bot. Ges. 1903, S. 326 ff. 168 *M. crenulata var. tenuis (Kütz.) Grün, iu Van Heurck, Sy- nopsis Taf. 88, Fig. 9. Fundort: Java (XIV d). Auffällig ist das gänzliche Fehlen des in Europa weit ver- breiteten Lysigonium varians (Ag.) De Toni in den untersuchten Proben. Gatt. Cyclotella Kütz. C. Kützingiana Thw. — Van Heurck 1. c, Taf. 94, Fig. 1, 4. Fundort: Siara (XII c). Unter ord. ßiddulphioideae. Farn. Anaulaceae. Gatt. Terpsinoe Ehren b. T. musica Ehrenb. — Kütz., Bacill. Taf. 30, Fig. 72. Fundort: Sandwich-Inseln (XVI c). Ord. Pennatae. TJnterord. Fragilarioideae. Farn. Fragilariaceae. Gatt. Fragilaria Lyngb. Fr. capucina Desmaz. — Van Heurck 1. c, Taf. 45, Fig. 2. Fundort: Singapore (Xa), Siam (XIa, XIIc), Sandwich-Inseln (XVIc, XVIId), Java (XVIIId). Fr. construens var. venter Grün. — Van Heurck 1. c, Taf. 45, Fig. 21b, 22, 23, 24 b. Fundort: Siam (XIa, XIIc), Sandwich-Inseln (XVIc, XVIId), Java (XVIIId). Gatt. Synedra Ehrenb. S. acus Kütz., Bacill., S. 68, Taf. 15, Fig. VII. Fundort: Java (XIV d). *S. vulchella (Ralfs) Kütz., Bacill., S. 68, Taf. 29, Fig. 87. Fundort: Siam (XIIc), Sandwich-Inseln (XVIc), Java (XVIIId). S. Ulna var. splendens (Kütz.) Brun — Van Heurck 1. c, Taf. 38, Fig. 2. Fundort: Java (IXa, XlVd, XVIIId), Siam (XIIc), Sandwich- Inseln (XVIc). S. radians Kütz., Bacill., S. 54, Taf. 14, Fig. VII, 1—4. Fundort: Java (IXa, XIV d), Siam (XIIc), Sandwich -Inseln XVIc). 169 Farn. Eunotiaceae. Gatt. Eunotia Ehren b. Eu. lunaris Ehrenl)., Infus., S. 221, Taf. 17, Fig. 4; Vau Heurck 1. c, Taf. 35, Fig. 3—4. Fundort: Java (XIV d). Eu. pectinalis (Kütz.) Rabenh., Fl. Eur. Alg. I, S. 73; Vau Heurck 1. c, Taf. 33, Fig. 15—16. Fundort: Siam (XII c), Java XVIIId). var. undulata Ralfs — Van Heurck 1. c, Taf. 33, Fig. 17. Fundort: Siam (XII c). Eu. robusta Ralfs — Kütz., Bacill., Taf. 5, Fig. 26. Fundort: Singapore (Xa). *Eu. tetraodron Ehrenb., Infus., S. 192, Taf. 21, Fig. 23. Fundort. Java (XIV d). Unterord. Achnanthoideae. Farn. Achnanthaceae. Gatt. Microneis Cleve. *M. minutissima (Kütz.) Cleve, Synopsis II, S. 188. Fundort: Java (IXa, XI Vd, XVIIId;. Gatt. Achnanthidium (Kütz.) Heib. A. lanceolatum Breb. — Van Heurck 1. c, Taf. 27, Fig. 8—11. Fundort: Sumatra (IIIc), Sandwich - Inseln (XVIId), Java (XVIIId). *var. dubium Grün. — Van Heurck 1. c, Taf. 27, Fig. 12—13. Fundort: Java (XVIIId). A. brevipes var. parvulum Kütz., Bacill., Taf. 21, Fig. V ; Van Heurck 1. c, Taf. 21, Fig. 25-28. Fundort: Sumatra (IIIc). Farn. Cocconeidaceae. Gatt. Cocconeis Ehrenb. *C. Pediculus Ehrenb. — Van Heurck 1. c, Taf. 30, Fig. 2g 30 Fundort: Java (XVIIId). C. Piacentida Ehrenb. — Van Heurck 1. c„ Taf. 26—27. Fundort: Java (IXa). 170 Unter ord. Naviculoideae. Farn. Naviculaceae. Gatt. Navicula B o r y. Untergatt. Caloneis Cleve. *C. silicula (Ehrenb.) Cleve, Synopsis I, S. 51. Fundort: Java i^XIVd). Untergatt. Neidium Pfitzer. N. affinis var. undulatum Grün. — CJeve, Synopsis I, S. 68. Fundort: Sumatra (III c). Untergatt. Naviculae Orthostichae Cleve. N. Perrotettii Grün. — Cleve, Synopsis I, S. 110. Fundort: Siam (XIa). Untergatt. Naviculae Microstigmaticae Cleve. N. {Stauroneis) anceps Ehrenb. — Van Heurck 1. c, Taf. 4, Fig. 4—5. Fundort: Sumatra (IIIc). var. gracilis (Ehrenb.) Cleve, Synopsis I, S. 147. Fundort; Siam (XIa). var. amphicephala Kütz. — Van Heurck, Taf. 4, Fig. 6. Fundort: Sumatra (IIIc). *var. obtusa Grün. — Cleve, Synopsis I, Fig. 148. Fundort: Java (XIV d). N. (Stauroneis) Phoenicenteron (Nitzsch) Ehrenb. — Van Heurck, Synopsis, Taf. 4, Fig. 2. Fundort: Java (XI Vd). N. (Stauroneis) producta Grün. — Van Heurck, Synopsis, Taf. 4, Fig. 12. Fundort: Sumatra (IIIc). Untergatt. Anomoeoneis Pfitzer. *A. sphaerophora Kütz. forma rostrata 0. Müller, Hedwigia 1899, S. 303, Taf. XII, Fig. 3-5. Fundort: Java (IXa). Untergatt. Naviculae Lineolatae Cleve. N. cryptocephala Kütz., Bacill., S. 95, Taf. 3, Fig. XX et XVI; Van Heurck 1. c, Taf. VIII, Fig. 1. Fundort: Java (IXa, XlVd, XVIIId), Siam (XIa, XII c), Sand- wich-Inseln (XVII d). 171 N. radiosa var. tenella Breb. — Van Heurck I. <•., Tat 7, Fig. 21—22. Fundort: Java (IX a, XIV d), Siam (XI a). N. placenüda Ehrenb. — Van Heurck 1. c, Taf. 8, Fig. 26, 28. Fundort: Siam (XIIc). Untergatt. Pinnularia Ehrenb. P. appendiculata Ag. — Van Heurck 1. c, Taf. 6, Fig. L8, 20, 29—31. Fundort: Sumatra (IIIc), Siam (XIIc), Java (XlVd), Sandwich- Inseln (XVIc). P. Braunii Grün. — Van Heurck 1. c, Taf. 6, Fig. 21. Fundort: Sumatra (IIIc), Siam (XI a). P. interrupta forma stauroneiformis (V. H.) Cieve, Synopsis II, S. 76; Van Heurck 1. c, Taf. 6, Fig. 12—13. ' Fundort: Sumatra (IIIc). *P. mesogongyla Ehrenb. — Van Heurck 1. c, Suppl. A, Fig. 12. Fundort: Java (XVIIId). P. viridis Nitzsch — Van Heurck 1. c, Taf. 5, Fig. 5. Fundort: Sumatra IIIc). var. commutata Grün. — Rabh., Algen No. 1023. Fundort: Sumatra (IIIc). *P. nobilis Ehrenb. — Van Heurck 1. c, Taf. 5, Fig. 2. Fundort: Java (XI Vd). Gatt. Frustulia Ag. Fr. vulgaris Thw. — Van Heurck 1. c, Taf. XVII, Fig. 6. Fundort: Sumatra (IIIc). Fr. rhomboides var. viridula Breb. — Van Heurck 1. c, Taf. 17, Fig. 3. Fundort: Singapore (Xa). Gatt. P 1 e u r o s i g m a W. S m. PI. delicatulum W. Sm., Brit. Diät., Taf. XXI, Fig. 202. Fundort: Siam (XIIc). PI. acuminatum Kütz. — Van Heurck 1. c, Taf. 21, Fig. 12. Fundort: Siam (XIIc). Farn. Gomphonemaceae. Gatt. Gomphonema Ag. G. parvulum Kütz, Bacill, Taf. 30, Fig. 63; Van Heurck 1. c, Taf. 35, Fig. 7—11. Fundort; Singapore (Xa), Java XVIIId). 172 *G. intricatum Kütz., Bacill., Taf. 9, Fig. 4, Van Heurck 1. c, Taf. 24, Fig. 28, 29. Fundort: Java (IX a). *var. pumilum Grün. — Yan Heurck 1. c, Taf. 24, Fig. 35, 36. Fundort; Java (IXa). G. gracile var. major Grün. — Van Heurck 1. c, Taf. 24, Fig. 12. Fundort: Singapore (Xa). var. naviculaceum W. Sm. — Van Heurck 1. c, Taf. 24, Fig. 13, 14. Fundort: Sumatra (III c). *G. lanceolatum Ehren b. — Van Heurck 1. c, Taf. 24, Fig. 8—10. Fundort: Java (IXa, XVII Id), Singapore (Xa), Siam (XI a), Sandwich-Inseln (XVa). *G. sttbclavatum Grün. — Van Heurck 1. c, Taf. 22, Fig. 39—43, Taf. 24, Fig. 1—3. Fundort: Sandwich-Inseln (XVIc), Java (XVIUd). G. acuminatum var. turris Ehrenb. — Van Heurck 1. c, Taf. 23, Fig. 31. Fnndort: Siam (XIIc), Java (XlVd, XVlIId). G. olivaceum var. tenellum Kütz., Bacill., S. 84, Taf. 8, Fig. 8; Van Heurck 1. c, Taf. 24, Fig. 22—25. Fundort: Sandwich-Inseln (XVIc). Gatt. Rhoicosphenia Grün. Rh. curvata (Kütz.) Grün. — Van Heurck 1. c, Taf. 26, Fig. 1—3. Fundort: Sandwich-Inseln (XVIc). Farn. Cymbellaceae. Gatt. Cymbella Ag. *C. cistula Hempr. — Van Heurck 1. c, Taf. 2, Fig. 12—13. Fundort: Java (IXa). 6. tumida Breb. — Van Heurck 1. c, Taf. 2, Fig. 10. Fundort: Siam (XIIc). *C. laevis Naeg. — Van Heurck 1. c, Taf. 3, Fig. 7. Fundort: Java (XIV d). Gatt. Encyonema Kütz. C. ventricosum Kütz. — Van Heurck 1. c, Taf. 3, Fig. 15. Fundort: Sumatra (IIIc), Java (VIlIc, IXa, XlVd, XVIIId), Siam (XI a, XIIc). 173 Gatt Amphora Ehren b. A. ovalis Kütz. — Van Heurck 1. c, Taf. 1, Fig. 1. Fundort: Sumatra (IIIc), Sandwich-Inseln (XVIId). Gatt. Epithemia Breb. E. zebra (Ehrenb.) Kütz. — Van Heurck 1. c, Taf. 31, Fig. 9, 14. Fundort: Java (VUIc, IXa). E. sorex Kütz. — Vau Heurck 1. c, Taf. 32, Fig. 6—10. Fundort: Java (XIV d). E. musculus Kütz. — Van Heurck 1. c, Taf. 32, Fig. 14—15. Fundort: Sumatra (IIIc), Java(XIVd), Sandwich-Inseln (XVld). Gatt. Rhopalodia 0. Müller. Rh. gibba (Ehrenb.) 0. Müller, Engl. Bot. Jahrb., Bd. 22, S. 65, Taf. I, Fig. 15-17. Fundort: Java (IXa), Siam (XIlc). *Rh. gibberula var. rupestris (Grün.) 0. Müller, Hedwigia 1899, S. 286, Taf. X, Fig. 18, 19, Taf. XI, Fig. 15. Fundort: Sumatra (IIIc). *var. Vanheurckii forma 0. Müller 1. c, S. 292, Taf. X, Fig. 11. Fundort: Java (IXa). Unterord. Mtzschioideae. Farn. Nitzschiaceae. Gatt. Bacillaria Gmel. B. paradoxa Gmel. — Van Heurck 1. c, Taf. 61, Fig. 6. Fundort: Siam (XII c). Gatt. Nitzschia Hass. N. sigmoidea (Nitzsch) W. Sm., Brit. Diät. 1, Taf. XIII, Fig. 104. Fundort: Siam (XI a). N. vermicularis (Kütz.) Hantzsch — Van Heurck 1. c, Taf. 64, Fig. 1—2. Fundort: Sandwich-Inseln (XVIc, XVIId). N. obtusa W. Sm., Brit. Diät. I, Taf. XIII, Fig. 109. Fundort: Siam (XIa, XII c). var. nana Grün. — Van Heurck 1. c, Taf. 67, Fig. 3. Fundort: Sandwich-Inseln (XVIc). 174 N. Palea (Kütz.) VV. Sm. — Vau Heurck 1. c, Taf. 69, Fig. 22 b, c. Fundort: Saudwich-Iuseln (XVII d, Java XVIII d). N. amphibia var. acutiuscula Grün. — Van Heurck 1. c, Taf. 68, Fig. 19—22. Fundort: Siam (XIIc). N. sigma var. subcapitata Rabenh., Algen No. 944. Fundort: Siam (XI a). N. (Homoeocladia) subcohaerens Grün. Fundort: Siam (XIIc). *N. (Tryblionella) debüis (Arn. et Pyl.) Grün. — Van Heurck 1. c, Taf. 57,' Fig. 19-21. Fundort: Java (XVIII d). N. (Eantzschia') amphioxys var. vivace (Hantzsch) Grün. — Van Heurck, Taf. 56, Fig. 5—6. Fundort: Sumatra (IIIc). Erklärung der Abbildungen. Sämtliche Figuren wurdeD mit Hilfe des kleinen Seibert'schen Zeichenapparates nach einem Seibert'schen Mikroskope entworfen. - Fig. 1 = Clathrocystis holsatica var. minor nov. var. Vergr. 1 : 45. Fig. 2 — 3 = Schizothrix (Hypheothrix) affinis nov. snec. Vergr. 1 : 610. Fig. 4, 5, 20 = Anabaena Volzii nov. spec. Vergr.: Fig. 4 und 20 = 1 : 750; Fig. 5 = 1: 200. Fig. 6 = Trachelomonas bulla var. regularis nov. var. Vergr. 1 : 1000. Fig. 7 — 8 = Trachelomonas oblonga var. truncata Lemm. Vergr. 1 : 1000. Fig. 9 = Trachelomonas Volzii nov. spec. Vergr. 1 : 1000. Fig. 10 — 12 = Chlorangium javanicum nov. spec. Vergr. 1 : 750. Fig. 13 — 14 = Lyngbya perelegans Lemm. Vergr. 1 : 1000. Fig. 15 — 18 = Peridinium Volzii nov. spec. Vergr. 1 : 750. Fig. 15 = Ventralseite, Fig. 16 = Dorsalseite, Fig. 17 = Epi- valva, Fig. 18 = Hypovalva. Fig. 19 = Closterium Pritchardianum Arch. Vergr. 1 : 750. Fig. 21 = Staurastrum Wildemani Gutw. Vergr. 1 : 150. Fig. 22 = Ceratium hirutidinella 0. F. M. Vergr. 1 : 305. Aenderungen der Flora an der Nordseeküste. Von W. 0. Focke. In der Festschrift zu P. Ascherson's 70. Geburtstag (19 habe ich auf S. 249 ff. die natürlichen Standorte für einheimische Wanderpflanzen zu schildern versucht. Im Anschluss an die an jenem Orte (namentlich auf S. 251—253) gegebene Darstellung möchte ich hier einige Mitteilungen über bezügliche Einzelbeob- achtuugen folgen lassen. I. Langeoog. Zu Anfang (namentlich am dritten) Februar 1825 wurde die deutsche Nordseeküste durch gewaltige Sturmfluten verheert. Trümmer von Gebäuden der Insel ßaltrum (vgl. Abb. Nat. Ver. Brem. XVII. S, 235), insbesondere Balken, ja ganze Hausgiebel, wurden damals auf der Sandbank Flinthörn angetrieben, welche sich an den südwestlichen Teil der östlichen Nachbarinsel Langeoog anlehnt. Im Schutze der gestrandeten Hölzer sammelte sich alsbald der Flugsand und häufte sich allmählich zu Dünen an, deren Um- fang und Höhe im Laufe der Zeit vielfach gewechselt hat. Im August 1872 besuchte ich die Flinthörn, und zwar unter Führung eines Langeoogers, weil man mir sagte, dass man auf dem Wege dahin bei ungenügender Ortskunde leicht in mit Triebsand gefüllte Rinnen geraten könne. Die Flinthörn trug da- mals (vgl. Abh. Nat. Ver. Brem. III, S. 306, 308) eine vielköpfige hohe Düne, welche locker mit Ammophila und Elymus bewachsen und von einigen angelagerten niedrigen Vordünen umgeben war. Nach 32 Jahren habe ich die Insel Langeoog und insbesondere auch die Flinthörn, deren Dünen jetzt von der Hauptinsel nur durch festen hohen Sand getrennt sind, wieder besucht. Es waren in- zwischen recht wesentliche Veränderungen erfolgt. Die Fl int hörn trägt jetzt nicht eine einzelne Düne, sondern eine zwar kleine, aber vielfach gegliederte, zum Teil ziemlich grüne Sandinsel mit Dünen- ketten, Dünengruppen und Dünentälern, sowie nach Südosten zu mit vorgelagertem, locker begrüntem Wattstrande. Ein schmales vegetationsloses Hochwasserrinnsal scheidet sie in zwei Teile, von denen der westliche die höheren Dünen besitzt. Im Jahre 1872 fand ich auf der Flinthörner Düne fünf ver- schiedene Blütenpflanzen vor, darunter war eine Art, nämlich Salsola kalt, nur in einem einzigen Exemplare vertreten. 176 des geringen Umfanges und der Übersichtlichkeit des pflanzen- tragenden Sandes war ich damals ziemlich sicher, dass mir keine dort wachsende Art entgangen war. Jetzt, 1904, erstreckten sich die Dünen und der grüne Strand über eine so ansehnliche Fläche, dass man es schon beim ersten Blick als unmöglich erkennen musste, in wenigen Stunden ein vollständiges Pflanzenverzeichnis zu- sammenzustellen. Vergängliche Frühlingsgewächse werden im Spät- sommer unter allen Umständen leicht der Beobachtung entgehen; aber, abgesehen davon, darf man auch nicht erwarten, jede nur in einzelnen Exemplaren auf dem Watt und in den Dünen vorhandene Art gleich bei den ersten Besuchen aufzufinden. Immerhin wird ein Vergleich meiner Listen der Flinthörner Pflanzen von 1872 und von 1904 eine Vorstellung von den eingetretenen Veränderungen geben. 1872: Salsola kalt, 1 Exemplar. Cakile maritima. Ammophila arenaria. Agropyrum junceum. Elymus arenarius. 1904: (Ein beigefügtes h bezeichnet die häufigsten und verbreitetsten, ein s die selten oder nur an einzelnen Stellen vorkommenden Arten.) Cerastium tetrandrum. — semidecandrum. Silene otites, s. Cakile maritima. Seduvi acre. Anthyllis vulneraria, s. Lotus corniculatus, h. Viola tricolor, s. Oenothera „ammophila", s. unten« Glaux maritima, h. Armeria ambifaria, vgl. Abb.. Nat. Ver. Brem. (III, S. 313) XVII, S. 445. Erythraea linariifolia. — pulchella. Convolvulus soldanella, mit voll- kommenen Fruchtkapseln; s. Linaria vulgaris. Euphrasia stricta. Odontites littoralis. Plantago maritima. Galium mollugo. Jasione montana. Erigeron acer. Be- Agrostis alba, h. Ammophila arenaria, h. Phragmites communis, s. Koeleria arenaria Dumort. J ) (vgl. Buchenau, Fl. ostfries. Ins. 4. Aufl. 1901, S. 203), s. Weingaertneria canescens. Festuca rubra. Agropyrum junceum. — acutum, h. (Vgl. eine merkung am Schlüsse.) Elymus arenarius. Scirpus maritimus. Carex arenaria. — externa. Juncus Gerardi. Suaeda maritima. Salsola kali, spärlich und kleinen Exemplaren. Salicornia herbacea. Sagina nodosa, h. (Spergularia, nicht notiert, wird aber kaum fehlen). Honckenya peploides. in ! ) Diese Koeleria findet sich nicht nur auf den Inseln,, "sondern auch an dem sandigen Festlandsstrande des Amtes ßitzebüttel. 177 Sonchus arvensis, h. Hieracium umbellatum. Artemisia maritima. Senecio vulgaris. Thrincia hirta, h. Bemerkenswert ist das Fehlen von Atriplex and anderen halb ruderalen Arten auf der Flinthörn. Für die Düneninsel von Helgoland führte E. Hallier 1861, ausser der angepflanzten (vielleicht in früheren Jahrhunderten ur- sprünglich ansässigen) Hippophae, nur 10 einheimische Arten auf; merkwürdigerweise fehlen in seinem Verzeichnisse selbst Carex arenaria, Rumex crispus und Sedum acre. Ammophila, die ebenfalls nicht erwähnt ist, wurde Festuca borealis genannt, wie aus der Ver- gleichung mit Elymus (Hallier, Vegetat. auf Helgoland 1861, S. 27 und 7) klar hervorgeht. Jetzt ist die Flora der Düneninsel erheblich artenreicher. Der Flinthörn, die in ihrem jetzigen Zu- stande viel mannigfaltiger gegliedert ist, steht sie indessen an Arten- zahl bedeutend nach. Abgesehen von der Flinthörn, bestand Langeoog früher aus drei durch völlig pflanzenleere Sandflächen, die Slopps, getrennten Teilen oder, anders ausgedrückt, aus drei auf derselben Sandbank gelegenen Düneninseln. Durch die schon bei gewöhnlichen Spring- fluten überspülten Slopps hat man Buschwerkschiengen gelegt und hat dadurch erreicht, dass das kleine Slopp, zwischen Melkhörn und Ostende, vollständig geschlossen ist. Durch das grosse Slopp, welches Melkhörn und Westende trennt, ziehen sich noch einige schmale, vegetationslose Hochfluti innsale, aber dazwischen haben sich nicht nur grüne Flächen und Täler, sondern auch ansehnliche Dünen ge- bildet. Auf den Dünen und in den offenen Niederungen haben sich die gewöhnlichen Pflanzen solcher Standorte angesiedelt; hie und da finden sich bereits geschlossene kleine Dünentäler; in einem derselben, im kleinen Slopp gelegen, sah ich u. a. Parnassia, eine Pflanze, die auf Langeoog keineswegs häufig ist. In einer aus der ehemaligen Sandfläche hervorgegangenen Niederung, die erst lockeren Pflanzenwuchs zeigte, war Atriplex latifolium auf weiten Strecken die häufigste Art. Wahrscheinlich ist das treffliche Gedeihen dieser Melde, die sich sonst dem menschlichen Anbau anzuschliessen pflegt, durch die in jener einsamen Gegend scharenweise sich aufhaltenden Möwen bedingt, welche in den Dünen des Ostendes und der Melk- hörn ihre Brutplätze haben. — Als verirrt muss ich eine kleine Pflanze von Trifolium hybridum ansehen, welche ich im kleinen Slopp antraf. 2. Wangeroog. Als Beitrag zur Geschichte der Veränderungen, denen die kleinen Sandinseln der Nordseeküste unterworfen sind, habe ich in Abh. Nat. Ver. Brem. XVII, S. 442, ein Verzeichnis der im Jahre 1902 auf den Dünen und am Strande von Wangeroog November 1904. XVIII, 12 178 bemerkten Gefässpflanzen veröffentlicht. Zar Vervollständigung dieses Verzeichnisses möchte ich folgende im Jahre 1904 gesehene Arten Dachfügen : Cochlearia Anglica. Linum catharticum. Galium palustre. Tussilago farfara. Filago minima. Holcus lanatus. Cynosurus cristatus. Lepturus incurvatus. Carex panicea. Juncus supinus. Atriplex laciniatum (farinosum Dumort.) bei d. Blauen Balge. In den Dünen angepflanzt sah ich Hippophae. Dagegen habe ich Daucus carota, Succisa pratensis und Hieracium laevigatum nicht wiedergefunden; das Auftreten dieser Arten im Jahre 1902 ist daher wohl nur als zufällig und vorübergehend zu betrachten. Ferner habe ich a. a. 0., S. 445, die Vegetation der Sand- bank bei der Bake an der Blauen Balge besprochen. Ich habe an jener Stelle erwähnt, dass eine lange Schienge von den östlichsten Inseldünen aus bis zu der Bake gezogen ist. Die Übersandung und Begrünung der Schienge hat im Laufe von 2 Jahren überraschende Fortschritte gemacht; der völlig pflanzen- leere Raum zwischen der Sandbank und den letzten Ammophila- Halmen auf der Schienge wird jetzt wenig mehr als 1 km betragen. Zwei angetriebene Binsen, die ich 1902 auf der Sandbank sah, haben sich dort nicht gehalten; im übrigen setzte sich die Vege- tation der Sandbank aus folgenden Arten zusammen: Ammophila arenaria Fesiuca rubra Agropyrum junceum Elymus arenarius Salsola kali Atriplex hastatum — laciniatum Cakile maritima Aster tripolium Atriplex laciniatum war wahrscheinlich 1902 schon vorhanden, da ich damals Keimpflanzen beobachtet habe, welche von denen des Atr. hastatum verschieden waren. Cakile ist wohl ohne Zweifel durch die Raupen (a. a. O., S. 445) zerstört worden, welche ich 1902 an dieser Pflanze gesehen habe. Die Zahl der Aster-?üa,nzen hat sich etwas vermehrt. Neu aufgetreten ist Festuca rubra. Im Gegensatz zu dem Vorkommen auf der Flinthörn (vgl. oben S. 176) ist Salsola an der Blauen Balge verhältnismässig häufig und üppig. Ebenso sind die beiden Atriplex, insbesondere das auf den ostfriesischen Inseln selteneA.laciniatum, verhältnismässig zahlreich. Die Ursache ihres guten Gedeihens wird dieselbe sein, welche ich für die grosse Verbreitung von A. hxstatum im kleinen Slopp von 1902 1904 + + — + + + + + + + + + + (?) + + — 1 Expl. + mehrf. 179 Langeoog angeführt habe. Auch die einsame Sandbank an der Blauen Balge wird wahrscheinlich von zahlreichen Möwen als Ruhe- platz benutzt. — Übrigens hat Dumortier recht, wenn er bemerkt, dass Linne's Beschreibung von A. laciniatum („caulis erectiu t, nudus virgatus") zu unserer niederliegenden Küsten pflanze nicht passt. Erst während des Satzes dieser Mitteilung erfahre ich, dass sich auf einer hohen Stelle der in der Wesermündung gelegenen Sandbank Meli um Pfianzenwuchs angesiedelt hat. Ein Verzeichnis der dort beobachteten Arten wird demnächst veröffentlicht werden. 3. Bemerkungen über einige Änderungen und Abänderungen. Die Besiedelung der am Meere neu gebildeten für Pflanzen- wachs geeigneten Standorte wird vorzugsweise von den nächst- gelegenen Inseln und Küsten aus erfolgen. Diese Regel schliessl indessen keineswegs aus, dass auch Samen, die durch Wellen, Wind oder Vögel aus grösserer Entfernung zugeführt werden, zur Keimung gelangen. Aster ist auf Wangeroog selten und erreicht noch seltener die Fruchtreife; dagegen tritt sie an der gegenüberliegenden Fest- landsküste massenhaft auf. Es ist daher viel wahrscheinlicher, dass die Astern an der Blauen Balge vom Festlande als dass sie von Wangeroog gekommen sind. Die Fliuthörn hat Convoloulus und Silene gewiss nicht von Langeoog oder Baltrum erhalten, die Sand- bank an der Blauen Balge Atriplex laciniatum sicher nicht von Wangeroog. Die genannten Pflanzen sind ohne Zweifel aus viel grösserer Entfernung zugeführt; Convolvulus und Atriplex stammen mutmasslich gar nicht von einer Örtlichkeit an der deutschen Küste. Neu entstehende Standorte eignen sich vorzüglich zur Ansiedelung von Einwanderern, weil diese an solchen Stellen nicht gleich bei der ersten Ankunft von den altangesessenen Arten unterdrückt werden. Eine Bemerkung anderer Art möchte ich an Aster tripolium knüpfen. Um 1870 habe ich mich vielfach mit dem Senecio floscu- losus Jord., der strahllosen Abänderung von S. Jacobaea, beschäftigt. Ich verglich mit dieser Pflanze das Verhalten der strahllosen Formen von Bidens cernaus und Aster tripolium. Die strahllose Aster habe ich damals an verschiedenen Stellen, aber immer nur vereinzelt ge- sehen. Sie wird von G. F. W. Meyer 1836 in der Chloris Hannov. als Spielart discoideus erwähnt, aber nur von einem einzigen Fund- orte, nämlich vom Wremer Siel an der Wesermündung. lS^ gab Dumortier in Bull. soc. Bot. Belg. VII, S. 351 (Bouquet, S. 38) an. dass die strahllose Aster an der unteren Scheide bei Antwerpen vorkomme, so wie dass sie dort schon im 16. Jahrhundert von Lobel (1538 — 1616) beobachtet und Tripolium luteum genannt Er bemerkte ausdrücklich, dass diese Form an andern Stellen uicht vorhanden sei. 1872 erwähnte Nöldeke in seiner Flora d. ostfr Inseln (Abh. Nat. Ver. Brem. III, S. 145) nur Jnist auf Gru meiner Angaben als Fundort der var. discoideus. Buchenai 12* 180 wohl in der Flora d. ostfries. Inseln als in der Nordwestd. Flora, dass die strahllose Form einzeln zwischen der gewöhnlichen Form vorkomme. Bis vor wenigen Jahren würde ich mich ganz ähnlich ausgedrückt haben. Jetzt bin ich der Meinung, dass eine derartige Darstellung des Sachverhalts für die Gegenwart nicht mehr zutreffend ist. Man kann an vielen Stellen unserer Küste Hunderte und Tausende von strahllosen oder unvollkommen strahlblütigen Astern bei einander sehen; allerdings sind die letztgenannten Mittelformen vorwiegend. Ich habe den Eindruck, als ob seit 30 Jahren die Zahl der strahl- losen Exemplare zunächst langsam, neuerdings jedoch schnell ge- stiegen sei. Wenn sie sich in gleicher Weise weiter vermehren, so müssen sie in wenigen Jahren an unsern Küsten vorherrschend werden. Am Jadebusen scheint dies schon jetzt der Fall zu sein. Je üppiger die Astern an einem Standorte gedeihen, d^sto häufiger scheinen die Strahlblüten zu verkümmern. Dieser Umstand ist vielleicht beachtenswert, weil bei den Strandastern Rassenuuterschiede, die freilich standörtlich bedingt sein dürften, vorzukommen scheinen. Auf nassem Tongrunde, z. B in frischen Ausschachtungen, vorzüglich jedoch in dem zweimal täglich überspülten Schlick des Ufersaumes wachsen nur hohe (1 m und höher), mastige und dabei schlanke Formen; an den völlig offenen Marschküsten ist Aster bei weitem die höchste dort vor- kommende Pflanzenart. Weiter landeinwärts, am Unterlaufe der Flüsse, finden sich an der Flutgrenze ebenfalls nur hohe Formen, hier gewöhnlich zwischen Scirpus oder Phragmites; erst an der Grenze der Verbreitung, wo der Salzgehalt des Wassers nur noch chemisch nachweisbar ist, nehmen Grösse und Üppigkeit ab, während der schlanke Wuchs erhalten bleibt. Dagegen sind die Astern stellenweise auf tonigem, überall auf sandigem Boden, sowohl an der Küste als an Salzstellen des Binnenlandes, niedrig und ver- hältnismässig wenig kräftig, meist schon vom Grunde an ästig. Wahrscheinlich ist der niedrige Wuchs an vielen Stellen durch das weidende Vieh verursacht; er lässt sich nicht einfach durch geringe Bodenfeuchtigkeit erklären, Wenn auch alle Gewächse an höheren und für ihr Wasserbedürfnis zu trockenen Stelleu einen gedrungenen Wuchs zeigen, so findet man doch die niedrigen Astern sowohl an nassen, wie an verhältnismässig trockenen Stellen. Es gibt eine früh (im Juni) blühende, niedrige, vom Grunde an verzweigte Form, die ich var. solstitialis genannt habe; sie wächst in tief ge- legenen, aber nicht von der gewöhnlichen Flut erreichten Wiesen, besonders ehemaligen Ausschachtungen, auf Tonboden. Sie bringt, ähnlich wie Leontodon autumnalis var. Linkii Wallr., einen Teil ihrer Früchte vor dem ersten Grasschnitt zur Reife. Es scheint nun, als ob die Neigung, strahllose Blüten hervorzubringen, bei den hohen Formen des Schlickufers viel grösser ist, als bei den niedrig bleibenden Abänderungen. Zu dem Agropyrum acutum (in weiterem Sinne, nach Bucbenau) oder Triticum pungens (nach Ascherson und Graebner) welches ich 181 auf der Flinthörn sah, möchte ich noch eine Bemerkung machen. Die auffälligen Verschiedenheiten der einzelnen Pflanzen innerhalb des weiten Formeukreises dieser sogenannten „Art" sind allgemein bekannt. Die Gliederung des Formenkreises des Agr. acutum fällt ziemlich verschieden aus, je nachdem man das eine oder das andere Merkmal für die weiteren Einteilungen bevorzugt. Ich bin nun der Meinung, dass man die auffälligsten Eigenschaften an erster Stelle berücksichtigen sollte. Unter den an der deutschen Nordseeküste wachsenden Formen sind in der Tracht diejenigen besonders merk- würdig, bei welchen die Ährchen au der Spindel gedrängt stehen, so dass der Blütenstand weit mehr an Eutriticum und Hordeum als an Agropyrum erinnert. Um ein bestimmtes Mass zu haben so kann mau annehmen, dass bei diesen Formen die Entfernung der Ansatzstellen des ersten und des zwölften Ährcheus (von unten an ge- zählt) etwa 5 cm beträgt. Diese, bei gewöhnlicher Höhe des Halms (50 — 80 cm) gedrungenährigen Formen, die ich var. „confertum" nennen möchte, sind wieder ziemlich vielgestaltig; mir sind besonders eine Varietät mit vielnervigen Hüllspelzen und begrannten Deck- spelzen, sowie eine zweite Varietät mit wenignervigen Hüllspelzen und unbegrannten Deckspelzen aufgefallen. Bei den viel häufigeren Formen, bei denen die Ährchen locker gestellt sind, beträgt die Entfernung der Ansatzstelleu des ersten und des zwölften Ährchens gegen 10 cm, oft auch etwas mehr. Hieher gehört die Flinthörner Form, die vielnervige Hüll- spelzen und uubegrannte Deckspelzen hat. Formen mit der gleichen Vereinigung von Merkmalen sind an unserer Küste sehr verbreitet. — Es bedarf kaum der Erwähnung, dass es auch Formen gibt, bei denen die bezügliche Entfernung 7 oder 8 cm beträgt, doch scheint dies an hohen Halmen nicht sehr oft vorzukommen. Agr. acutum scheint nicht ganz unfruchtbar zu sein und dürfte sich durch Samen weiter verbreiten, als dies durch die Grundachsen möglich ist. Endlich möchte ich noch eine Ungenauigkeit in meinem ein- gangs dieser Mitteilung erwähnten Aufsatze in der Festschr. z. Ascherson's 70. Geburtstag berichtigen. Unter den ein- oder zwei- jährigen Dünenpflanzen ist dort auf S. 252 Viola tricolor aufgeführt. Herr Professor Buchenau hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass diese Art nicht dahin gehört. Aus meinen zahlreichen Aussaat- versuchen mit den Formen der Gruppe der Viola tricolor (vgl. meine Bemerkungen in Engler, Botan. Jahrb. V, S. 55) weiss ich sehr wohl, dass die buntblühende Sanddünenpflanze mehrjährig ist. Immerhin ist sie indessen kurzlebig; es scheint mir nicht angebracht, solche Arten ausdauernd zu nennen. Trotzdem würde es richtiger sein, an obiger Stelle die Plätze für Viola tricolor und Enjngium zu wechseln. Oenothera ammophila. Von W. 0. Focke. Unter den Pflanzen, welche nachweislich erst in geschichtlicher Zeit in Europa eingewandert sind, gibt es wenige, welche dem er- fahrenen Botaniker nicht schon durch die besonderen Verhältnisse ihres Vorkommens als fremdländisch erscheinen. Einige von ihnen treten nur als Ackerunkräuter auf, andere sind überall, wo sie sich zeigen, unbeständig, Acorus und die nur in weiblichem Geschlecht eingewanderte Elodea bringen keine Früchte, Juncus tenuis, der sich in Menge echt einheimischen Gewächsen beigesellt, bleibt stets in der Nähe der Wege, seien es auch nur schmale Fusspfade. Der Impatiens parviflora begegnet man bis jetzt nur in den Umgebungen botanischer Gärten, Erigeron Canadensis und Stenactis bellidiflora halten sich vorzugsweise an die künstlich ihrer Vegetation beraubten Stellen, an Sandgruben, Bahndämme, Wegränder, Aufschüttungen usw. Ausser dem Menschen lassen auch die Flüsse pflanzenleere Stellen entstehen, auf denen fremde Einwanderer sehr geeignete Ansiedelungs- plätze finden können. Es ist unter diesen Umständen immerhin beachtenswert, wenn eine erst kürzlich eingewanderte Pflanze sich in ihrem ganzen Auf- treten vollständig wie ihre einheimischen Begleiter verhält. An der deutschen Nordseeküste ist nun neuerdings eine solche Art er- schienen, nämlich eine Oenothera; sie wächst auf einem nur locker und lückenhaft mit Pflanzen besetzten Boden, aber sie wächst hier unter denselben Bedingungen wie die mit ihr gesellig vorkommenden Arten, wie Caküe, Sonchw, Eonc/cenya, Salsola usw. — Als Glied der Gattung Oenothera, an welcher neuerdings H. de Vries merk- würdige Beobachtungen angestellt hat, verdient sie zur Zeit noch besondere Aufmerksamkeit. Es wird zweckmässig sein, zunächst die wichtigsten Eigen- schaften der neuen Oenothera hervorzuheben, sowie ihr einen Namen 1 ) ») Im Jahre 1873 habe ich Abh. Nat. Ver. Brem. III, S. 313 bemerkt, dass ausser den bekannten beiden Armerien an der norddeutschen Küste eine dritte intermediäre Art vorkomme. Von Zeit zu Zeit habe ich immer wieder auf diese Zwischenart aufmerksam gemacht, aber erst als ich nach 30 Jahren einen Namen für sie vorschlug, hat sie in weiteren Kreisen Be- achtung gefunden. 183 beizulegen, unbekümmert ob derselbe in Zukunft einmal als Varietät, Unterart, Mutation, Art oder Synonym behandelt werden wird. Der Name Oenothera ammophila, sandliebende Nachtkerze, soll gegen- wärtig nur zur Verständigung dienen und soll zugleich daran er- innern, dass die Pflanze, die ihn trägt, das Diinengras Ammophila begleitet. An die Identität dieser Pflanze mit Oe. muricata var. latifolia Aschers, oder mit Oe. biennis var. paroißora Torr, et Gray kann ich nicht glauben. Die allgemeinen Eigenschaften und Merkmale von Oenothera biennis dürfen als bekannt vorausgesetzt werden, so dass es genügen wird, die besonderen Kennzeichen der Oe. ammophila auseinander zu setzen. Giundständige Blattrosette vor der Blühreife gestielt, über den Erdboden emporgehoben; bei Verschüttung oder sonstiger Schädigung der Blätter treibt der Sprossgipfel eine zweite gestielte Blattrosette; man findet dann an der Grundachse, einige cm unter der frischen Blattrosette, die Reste einer älteren Rosette. Grundständige Blätter schmal, länglich, nach beiden Seiten verschmälert, in den Blattstiel herablaufend, beiderseits dicht anliegend - behaart. Stengel einfach, meist etwa 0,5 — 1,0 m hoch, nebst den ungestielten Früchten dicht mit kurzen, keuligen Härenen besetzt, ausserdem zerstreute längere spitze Haare tragend, die auf rötlichen Knötchen stehen. Blüten gedrängt, eine endständige Ähre bildend; die offenen Blüten meistens die Knospen überragend. Kelchblätter etwa halb so lang wie der freie Teil der Kelchbecherröhre; Kronblätter ansehnlich, aber etwas kleiner als bei Oe. biennis, schwach aus- gerandet, etwa so lang wie die Kelchblätter und Staubblätter, Früchte dicht gedrängt. Vorjährige trockene Fruchtstengel lange bleibend. Die Entleerung der Fruchtkapseln erfolgt allmählich bei Erschütterungen; auch die vorjährigen Früchte pflegen noch Samen zu enthalten. In den wesentlichsten Merkmalen (gestielte Blattrosette, schmale Blätter, Behaarung, ausgerandete Kronblätter) stimmt die Pflanze so ziemlich mit Oe. muricata überein. Sie unterscheidet sich von ihr auffallend durch viel grössere Blüten, deren Kelchblätter auch merklich länger (bei Oe. muricata kaum '/s ( ^ er Länge der freien Kelchbecherröhre erreichend) sind. Da die Pflanze indes durch ihre fast ebenso grossen Blumen der Oe. biennis sehr ähnlich er- scheint, ist besondere Aufmerksamkeit erforderlich, um sie von dieser Art zu unterscheiden. Die Abweichungen von gewöhnlicher Oe. mu- ricata können z. T. durch standörtliche Verhältnisse bedingt sein, so namentlich die Einfachheit der Stengel und die reichliche Behaarung. Dagegen scheint die Gestalt der Rosettenblätter etwas verschieden zu sein, indem deren grösste Breite bei Oe. muricata mehr nach vorn liegt, als bei Oe. ammophila. Die Blätter sind nach meiner Meinung durchschnittlich schmäler, als bei Oe. muricata. Die Blumengi wechselt wenig, ist aber bei schwächlichen Pflanzen geringer als bei kräftigen. 184 Dass die auf den östlichen ostfriesischen Inseln jetzt so ver- breitete Oe. ammophila früher nicht dort wuchs, kann ich zunächst aus persönlicher Erfahrung bezeugen. Es geht dies aber auch aus der Literatur hervor. In den Werken von G. F. W. Meyer über die Flora des ehe- maligen Königreichs Hannover (1836, 1849) wird kein Fundort einer Oenothera von der Küste oder von den ostfriesischen Inseln erwähnt. Auch in der an Ostfriesland grenzenden niederländischen Provinz Groningen war, nach van Hall, keine Oenothera gefunden worden. Die älteren Pflanzenverzeichnisse für Wangeroog (1844), Spiekeroog (1863) und die Helgolander Düne (1861) erwähnen keine Oenothera. Die erste Notiz über das Vorkommen von Oe. biennis an unserer Küste fiidet sich in Nöldeke's Flora der Ostfriesischen Inseln (1872); der Autor nennt als Fundort: „Norderney, auf un- kultiviertem Boden beim Dorfe". In demselben Jahre sah ich Oeno- thera auf ßaltrum und sagte über diese Pflanze: „kultiviert und mehrfach verwildert". Bei Besprechung der Kulturpflanzen von Langeoog 1 ) bemerkte ich: „die auf Norderney und Baltrum häufige Oenothera fehlt". Vgl. über diese ersten Angaben von Nöldeke und mir Abh. Nat. Ver. Brem. III, S. 141, 317, 319. In der ersten Auflage der Flora der ostfries. Inseln (1881) gibt Buchenau Oe. biennis von Norderney und Baltrum als gebaut und verwildernd an, bestätigt somit einfach Nöldeke's und meine Angaben. Anders lauten nun Buchenau's Bemerkungen 15 Jahre später in der zweiten Auflage der Inselflora (1896). Er bemerkt, dass Oe. biennis auf Baltrum massenhaft, auf Langeoog sehr häufig vorkomme, und fügt hinzu: „Die ausgewitterten schwarzen Fruchtstengel dieser Pflanze sind für die Dünen von Baltrum und Langeoog jetzt in hohem Grade charakteristisch". Im Sommer 1902 sah ich auf Wangeroog vereinzelt in Gärten die gebaute Oe. biennis, ausserdem aber in Menge in den entlegenen Dünen eine völlig eingebürgerte Art, die ich als eine Form (Mutation?) von Oe. muricata bezeichnete (Abh. Nat. Ver. Brem. XVII, S. 443). Diese jetzt von mir Oe. am- mophila genannte Pflanze habe ich 1903 und 1904 auch auf Langeoog, Spiekeroog und der Düne von Helgoland, sowie an der sandigen Festlandsküste des Amtes Ritzebüttel gesehen. Bei Dangast am Jadebusen war sie 1904 noch nicht vorhanden. Auf Langeoog fand ich sie auch in halbem Kulturzustande auf dem Kirchhofe und in dessen nächster Umgebung, aber nicht anderswo in der Nachbarschaft des Dorfs, sondern erst in den entlegenen wilden Dünen. Die schwarzen Fruchtstengel, die Buchenau auf Langeoog und Baltrum beobachtet hatte, gehörten zweifellos der Oe. ammophila an. — Für Helgoland führte zuerst Ascherson (1900) 2 ) l ) Die Flora von Spiekeroog war mir von einem längeren Aufenthalte im Jahre 1868 genau bekannt; ich hätte es sicher erwähnt, wenn Oenothera damals auf Spiekeroog vorgekommen wäre. 8 ) Da mir Ascherson' s Identifizierung der Dünenpflanze mit seiner var. latifolia damals noch nicht bekannt war, nannte ich die Wangerooger Form: var. hirsuta. 185 die Oe. muricata var. latifolia an. (P. Ascherson, Über die Pterido- phyten und Siphonogamen Helgolands, S. 125). Er erwähnt aus- drücklich, dass die Pflanze erst seit einigen Jahren aufgetreten sei. An der genannten Stelle ist zum ersten Male unsere Dünenpflanze als zu Oe. muricata gehörig, bezeichnet worden. Die älteren Angaben über die auf Norderney gebaute und in der Nachbarschaft an wüsten Plätzen verwildernde Pflanze beziehen sich höchst wahrscheinlich auf die echte Oe. biennis. Sicher gilt dasselbe für Helgoland, wo von verschiedenen Floristen die echte Oe. biennis als kultiviert und gelegentlich verwildert angegeben worden ist. Dagegen muss man es dahingestellt sein lassen, ob nicht auf Baltrum schon 1872 die Oe. ammophüa vorhanden war. Es spricht manches für die Vermutung, dass die Verbreitung dieser Pflanze von Baltrum ausgegangen ist. Bei Herrn Plettke sah ich getrocknete Blütenstengel der Oe. ammophüa, die im Jahre 1899 an der Küste des Amtes Ritzebüttel gesammelt waren ; die Kenntnis etwa vorhandener Belegexemplare aus früherer Zeit würde zur Aufklärung der Herkunft unserer Oenothera von Interesse sein. Die typische Oe. muricata hat Herr Plettke bei Geestemünde beobachtet. Die Gattung Oenothera umfasst mehrere strandbewohnende Arten. In Europa ist es namentlich die aus Chile stammende Oe. stricta Ledeb., welche sich auf Küstendünen Südfrankreichs, Spaniens und Norditaliens eingebürgert hat. Sie unterscheidet sich leicht von allen Arten der foVrcrm-Gruppe durch die nicht nach der Spitze zu verschmälerten, vielmehr etwas keulig verbreiterten Fruchtkapseln, ferner durch locker gestellte Blüten, zottige, abstehende Behaarung usw. Übrigens scheint sie an verschiedenen Orten in ziemlich verschiedenen Formen vorzukommen. Oe. biennis ist zu Anfang des 17. Jahrhunderts nach Europa gelangt; Linn6 gibt als Einführungsjahr 1614 an, doch dürfte dies nicht ganz genau sein. Der italienische Botaniker Alpinus (f 1617) hat die Samen wohl schon vor 1614 aus England erhalten. Zu Linne's Zeiten, um Mitte des 18. Jahrhunderts, scheint die Pflanze in Europa kultiviert und auf wüsten Plätzen verwildert schon eben so verbreitet gewesen zu sein, wie jetzt. Sie findet sich an sandigen Ufern und Abhängen, namentlich aber auf Saudstellen, die durch Menschenarbeit ihrer natürlichen Pflanzendecke beraubt sind, z. B. auf Schutt und an Bahndämmen. Sie tritt auch als Küstenpflanze auf; so sah ich sie in den Dünen am Lido von Venedig. In Abro- meit's Flora von Ost- und Westpreussen, sowie in Lange's Flura von Dänemark werden Standorte am Strande angegeben, obgleich das Vorkommen an Flussufern gewöhnlicher zu sein scheint. merkenswert ist eine Notiz von D. Don in Diplochlam. PI. II, S. 6 Er sagt, die Pflanze sei häufig in Gärten und gehe von dort oft 186 auf wüste Plätze über. Dagegen sei sie in den öden Sandstrichen der Küste von Lancashire wirklich wild, bes-onders zwischen der ersten und zweiten Dünenreihe. — Diese Bemerkung Don's würde auch auf Oe. ammophila passen, da die Binnenseite der Stranddünen einen bevorzugten Standort derselben bildet. Nach den neueren englischen Floren scheint Oe. biennis jetzt nur gelegentlich verwildert in England vorzukommen. Über eine etwaige Verbreitung der Oe. muricata am Seestrande habe ich, abgesehen von Ascherson's oben angeführter Angabe über Helgoland, nichts in Erfahrung gebracht. Die Pflanze scheint Fluss- ufer zu lieben. Eine angebliche Oe. muricata, die mir Bordere früher einmal von der Küste bei Biarritz schickte, erwies sich als eine Form von Oe. stricta. — Von Plymouth gibt Archer Briggs die Oe. odorata Jacq. als verwildert an. Schliesslich sei noch kurz der Bastardformen zwischen Oe. biennis uud Oe. muricata gedacht. Die Blüten derselben sind mitunter ebenso gross, wie die der Oe. ammophila, meistens aber kleiner. Auffallend sind die Bastarde durch die Kleinheit der Fruchtkapseln, in denen nur ein Teil der Samenanlagen zur Entwicklung zu kommen pflegt. In zweiter Generation treten unter den Bastarden viele Rückschläge auf, doch mag es sein, dass sich auch Mittelformen entwickeln. Von Ab- kömmlingen des Bastards, deren Samen ich vor längerer Zeit einmal durch Herrn Scheppig in Berlin erhielt, erzog ich abändernde Rassen (Mutarionen). Es scheint aber von Oe. biennis auch solche Abänderungen zu geben, an deren Entstehung Oe. muricata nicht beteiligt ist. Dahin gehören anscheinend die von Abromeit näher besprochenen Formen grandiflora und parviflora; vgl. Flora v. Ost- und Westpreussen, S. 726. Ob die Form grandiflora etwas anderes ist als Oe. Lamarckiana, und ob die Form parviflora nicht mit Ascherson's Oe. muricata latifolia zusammenfällt, mag vorläufig da- hingestellt bleiben. Ich bemerke noch, dass die beträchtliche Ab- nahme der Fruchtbarkeit bei den Bastarden von Oe. biennis und Oe. muricata es mir rätlich erscheinen lässt, die beiden Arten syste- matisch einander nicht allzu nahe zu stellen. Mit den genannten Formen und Hybriden stimmt die äusserst fruchtbare, schmalblättrige, massig grossblumige Oe. ammophila offenbar nicht überein. Tragopogon praecox. Von W. 0. Focke. Unter zahlreichen südrussischen Pflanzen, welche sich in den Umgebungen einer Mühle angesiedelt hatten (vgl. Abb. Nat. Ver. Rrem. XIII, S. 285), fand ich ein Tragopogon, welches ich für Linne's Tr. Orientale hielt. Ich sammelte die Früchte desselben und be- nutzte die daraus erzogenen Pflanzen zu Kreuzungen mit Tr. porri- folium (Abb. Nat. Ver. Brem. XIV, S. 300). Als ich später die nämlichen Versuche wiederholen wollte, säete ich Früchte einer in Tirol gesammelten Bocksbartart aus, welche gewöhnlich als Tr. Orientale gilt. Es ergab sich bei der Kultur im Garten, dass sowohl die Pflanzen selbst als auch die daraus hervorgegangenen Mischlinge sich wesentlich anders verhielten als jene früher von mir erzogenen Formen. Es fragt sich nun zunächst, welcher von den beiden Pflanzen der Name Tr. Orientale zukommt. Linne unterschied die gelbblühenden Arten in folgender Weise: Tr. pratense: calycibus corollae radium aequantibus, foliis in- tegris strictis. Tr. Orientale: calycibus corollae radio brevioribus, foliis integris subundulatis. — Differt a Tr. pratensi: flore majore, calyce ubi reflectitur quasi fracto, radio corollae subtus luteo- nee fusco-striato, antheris luteis nee fuscis. Nach diesen Angaben ist Tr. Orientale durch grössere Blüten- köpfe, verhältnismässig kürzere Hüllkelchblätter und gelbe Staub- beutelröhren von Tr. pratense zu unterscheiden. Die Merkmale der wellig-krausen Blätter und der braungestreiften Aussenseiten der äusseren Blüten sind sehr unbeständig. Die Umbiegung (calyce „fracto") der Hüllblätter hängt von der Ausbreitung der Blüten des Köpfchens ab. Das eingewanderte Tragopogon, welches ich bei meinem be- schränkten Gartenraume nur während einiger Jahre gezogen habe, stimmte durchaus mit Linne's Beschreibung von Tr. Orientale über- ein; es hatte insbesondere auch wellig-krause Blattspitzen. An- scheinend ist es von dem Tr. Orientale, welches ich früher in der Umgegend von Wien gesammelt habe, nicht verschieden. Dagi^''n 188 weicht das Tragopogon der Tiroler Voialpenwieseu, welches ich als Tr. praecox bezeichnen will, wesentlich ab. 1. Tr. pratense: Äussere Blüten etwa so lang, wie die Hüll- blätter des Köpfchens, oft an der Aussenseite mit bräunlichen oder grünen Streifen. Blütenfarbe ziemlich hell, blass „goldgelb", Au- therenröhie oben schwarzviolett. Etwa 40 — 60 cm hoch; Blätter aus breiterem Grunde all- mählich verschmälert, lineallanzettig. — Blüht nur vor Mittag. Die Blütezeit beginnt etwas (etwa 1 Woche) später als bei Tr. praecox. 2. Tr. praecox: Äussere Blüten länger als die Hüllblätter des Köpfchens, an der Aussenseite grünlich gestreut. Köpfchen viel grösser als bei Tr. pratense. Blütenfarbe lebhaft, tief „goldgelb" ; Antherenröhre mit fünf schmalen, braunvioletten Streifen. Pappus- stiel länger als die Frucht und als der Pappus. Randständige Früchte auf den Nerven gekörnelt. Gedrungene, niedrige Pflanze, etwa 30—50 cm hoch. Blätter aus breitem, eilanzettigem Grunde rasch verschmälert, in eine schmale, nicht wellig krause Spitze auslaufend. Die Blüten sind noch zur Mittagszeit offen, schliessen sich aber in den ersten Nachmittags- stunden. Blüht im Mai und reift die ersten Früchte vor Mitte Juni, passt sich somit der Bewirtschaftung der Voralpenwiesen an. Ver- breitet in Höhen von 400 — 1200 m in der Schweiz und in Tirol. 3. Tr. Orientale: Äussere Blüten länger als die Hüllblätter des Köpfchens, ungestreift. Köpfchen viel grösser als bei Tr. pratense. Blütenfarbe ziemlich hell-gelb; Antherenröhre? (anscheinend ein- farbig-gelb). Pappusstiel etwa so lang wie die Frucht, kürzer als der Pappus. Randständige Früchte auf den Nerven mit spitzen Zähnchen. Etwa 50 cm hoch, oft mit spreizenden, mehrblumigen Ästen. Blätter aus breitem, eilanzettigem Grunde in eine schmale, oft wellig krause Spitze auslaufend. Blüht auch nachmittags, bei bedecktem Himmel bis zum Abend. — Über die Färbung der Antheren kann ich keine bestimmte Angaben machen, weil mir zur Zeit keine lebenden Pflanzen zur Verfügung stehen. Über die Bastarde der beiden grossblumigeu Pflanzen ist fol- gendes zu bemerken. Die Blüten von Tr. porrifolium $ X praecox c? und prae- cox $ X porrifolium cT waren schön braunviolett und ziemlich fruchtbar. Dagegen hatte Tr. Orientale ? X porrifolium ) Engler's Jahrbücher. 32. Bd., Beiblatt Nr. 71, S. 25. a ) Engler's Jahrbücher. 31. Bd., S. 562. 3 ) So bezeichnet Buchenau selbst, Abhandl. Bd. XVII, Heft 8, S. 576, seinen Aufsatz. 195 Buchenau's, dass in allen flachen und dem Winde ausgesetzten Flächen der Pflanzenwuchs ein kurzstengeliger sei, unrichtig ist. Das ist gar nicht der Fall. In vielen windigen Gegenden wachsen auch höhere, aufrechte Pflanzen, die dann „xerophil" gebaut sind. Auch in einer neuen Fassung, die S. 565 des Aufsatzes von Buchenau mitgeteilt wird, ist der Satz nicht klar: „Die Pflanzen der Wattwiesen und Weiden bleiben (nicht nur wegen des weidenden Viehes, sondern wegen des fast beständig ungebrochen über die ebenen Flächen streifenden Windes) sehr niedrig". Es ist kaum wahrscheinlich, dass Pflanzen mit dem Art- merkmal einer kurzen Hauptaxe und bodenständiger Blattrosette wegen des Windes diesen Wuchs besitzen. Ich habe auf die richtige Autfassung in meiner Arbeit hingewiesen (S. 49). Ich würde ein Eingehen auf die anderen Punkte in Buchenau's Kritik vermeiden, wenn sie nicht positive Unrichtigkeiten enthielten, die ich mir erlaube, hier richtig zu stellen. 1. Ich habe nirgends „selbst angegeben", dass meine Be- obachtungen während einiger Wochen angestellt wurden, wie Buchenau fälschlich angibt und was er für zu kurze Zeit hält. Mein Aufenthalt dauerte zwei Monate, August und September, um- fasste also noch einen Teil des Sommers. Buchenau's Meinung, man könne in dieser Zeit keine brauch- baren Beobachtungen machen, lässt sich leicht durch Tatsachen widerlegen: Buchenau's erste Abhandlung über die ostfriesischen Inseln, die er selbst als Ausgangspunkt zahlreicher Arbeiten nicht für un- bedeutend hält, hat er nach eigener Angabe nach einem vierwöchigen Kuraufenthalt, von dem 14 Tage verregneten, veröffentlicht (Bremer Abhandl., Bd. II, S. 204). Auch die späteren Beiträge sind Früchte drei- oder vierwöchiger Exkursionen. In der Abhandlung „zur Flora von Borkum" (1. c. Bd. V, S. 511) heisst es: „die wichtigsten neuen Beobachtungen wurden auf einem Pfingstausfluge (vom 4. bis 10. Juni 1876) gemacht. Sie beweisen, dass ich mit Recht von einem Frühlingsbesuch auf Borkum viel Interessantes erwartet hatte." 1880 war Buchenau vom 21. bis 28. Juli auf Borkum, vom 30. Juli bis 2. August auf Norderney (1. c. Bd. VII, p. 74, 79). Focke gibt (Bremer Abh., Bd. III, S. 305) an, es sei ihm bei einem Besuch auf Baltrum gelungen, in einer Stunde einige interessante Ent- deckungen zu machen, in einigen Tagen auf Laugeoog, zu denen Buchenau (1. c. Bd. IV) sagt, er könne den Focke'schen Beobach- tungen nur wenig hinzufügen. Da also so viele gute, sogar interessante Beobachtungen in viel kürzerer Zeit tatsächlich gemacht sind, darf wohl Buchenau's Einwand als erledigt angesehen werden. 2. Ein Urteil über meine Kenntnis der See im allgememon, welches S. 572 und anderswo ausgesprochen wird, kann ich 196 Buchenaii nicht zugestehen, da er weder mich, noch meine Wege kennt. Ich gestatte mir, trotz seiner witzigen Bemerkungen, 1 ) so lange keine Untersuchung vorliegt, weiter zu bezweifeln, dass Hippophaes vorzugsweise von Möven verbreitet wird, was übrigens für mich nur eine Nebenfrage bedeutet. Der Strauch ist auf Borkum im Innern der Insel am stärksten verbreitet, wo die Möven sich nur selten niederlasseu, im Osten, wo sie zu tausenden nisten, ist der Strauch selten. Buchenau stützt seine Ansicht nicht auf eigene Beobachtung, sondern auf eine Aussage des Lehrers Leege auf Juist. Ich stützte mich vorläufig auf die Buchenau offenbar unbekannte Abhandlung von Lohmeyer, welche aus- führliche Untersuchung über die Nahrung der Möven enthält, freilich noch einer Fortführung wert wäre, aber immer doch schon mehr gilt, als eine bloss gelegentliche mündliche Äusserung. (Land- wirtschaftliche Jahrbücher, 14. Bd., S. 823.) 3. Buchenau's Behauptung, die von mir erwähnten kleinen Exemplare von Aster Trifolium seien bloss vom Vieh abgeweidet, ist eine durch Beobachtung leicht zu widerlegende Schreibtisch- meinung. Ich kann hinzufügen, dass auch bei anderen Insel- pflanzen sich solche auffallenden Grössenverhältnisse an windigen und geschützten Stellen finden, z. B. bei Sonchus arvensis, deren blühende Stengel in den Dünen, wo das Vieh nicht weidet, im Winde kurz bleiben, von Dünenbergen geschützt meterhoch werden. Ich habe mehrfache Beobachtungen auch an alpinen Pflanzen ge- macht, z. B. an Anemone alpina, Doronicum u. a., welche ganz ') Veranlassung zu derartigen Bemerkungen habe ich nicht gegeben, da ich die objektive Kritik nicht überschritten. Zum Vergleich verweise ich auf Buchenau's eigene Kritiken z. B. Kritische Studien zur Flora Ostfrieslands 1. c. Bd. 15. Ich weise ferner die Bekrittelung meiner Ausdrucksweise zurück. Ein Autor bezeichnet seine Ansichten als die seinigen, nicht aus Unbescheiden- heit, sondern um sie nicht mit denen Anderer zu vermischen, was gerade im vorliegenden Falle besonders nötig ist. Durch diesen, in unserer Literatur ganz allgemeinen Usus ermöglicht man gerade eine scharfe Prüfung. Ich verwahre mich weiter gegen die Behauptung Buchenau's, ihn unrichtig zitiert zu haben, was eine Gegenüberstellung der Stellen entscheidet. S. 569 des Aufsatzes von B. heisst es: „Auf S. 15 seiner Vegetation zitiert mich Hansen wieder einmal ungenau. Ich soll (Abh. XI, S. 246) mich der Ansicht zuneigen, dass Hippophaes vielleicht im 18. Jahrhundert von den niederländischen Dünen eingeführt sei, da sie der ostfriesischen Küste fehle. Von dieser Begründung steht aber kein Wort an jener Stelle." Ich habe das auch gar nicht behauptet! „Auf S. 15 meiner Arbeit kann man lesen: „Buchenau bezweifelt, dass der Strauch auf Borkum ein- heimisch sei (Nat. Ver. Bremen, XI, S. 246) ohne eine Begründung an- zugeben. Und doch würden zunächst viel leichter Gründe für das Ein- heimischsein auf Borkum beizubringen sein, als für das Gegenteil. Buchenau neigt zu der Ansicht, dass Hippophaes vielleicht im 18. Jahrhundert von den niederländischen Dünen eingeführt sei, da sie der ostfriesischen Küste fehle". Diese Ansicht steht wörtlich S. 133 in Buchenau's Flora der Ost- friesischen Inseln, III. Aufl., auf die ich zur Orientierung über einzelne Pflanzen S. 4 meiner Arbeit generell verwiesen habe. Wenn ein Autor so wenig weiss, was und wo er etwas geschrieben hat, soll er es vermeiden, andere der Ungenauigbeit anzuklagen. 197 dieselben Grössendifferenzen wie die Inselpflanzen zeigten, je nach- dem sie im Winde oder von Felsen geschützt wuchsen. Ebensowenig sind, wie ßuchenau S. 575 meint, die durch den Wind ausgetrock- neten und zusammengerollten Blätter von Psamma bloss „am Ende ihrer normalen Vegetationszeit abgestorben". Die starke Unterschätzung meiner Beobachtungsgabe, welche der Kritiker durch herabsetzende Ausdrücke zu begründen sucht, glaube ich ohne Unbescheidenheit um so mehr ablehnen zu dürfen, als Buchenau die Botanik selbst nur im Nebenamt betreibt, was ich, ebenso wie andere, im höchsten Grade anerkenne, was aber doch immer Tatsache bleibt. Was ich sonst über mögliche Züchtung durch den Wind gesagt habe, ist ein blosser Gedanke, den ich gar nicht die Pflicht habe, tatsächlich zu beweisen, weil diese Frage neben meiner Aufgabe eine sekundäre ist. Es wird doch wohl noch erlaubt sein, in einer wissenschaftlichen Abhandlung Gedanken auszusprechen, ohne dass man mit der Frage behelligt wird: ,,Ist das noch Naturforschung?" (B. 1. c. 564.) Ich möchte mir die Gegenfrage erlauben: „Ist das noch Kritik?" Zu der gleichen Frage berechtigen die aus reiner Tadelsucht entsprungenen Beanstandungen Buchenau's, welche an Stelle sach- licher Gegengründe gegen den Kern meiner Arbeit, durch ihre Häufung den Anschein erwecken sollen, meine Arbeit sei nur aus Mängeln zusammengesetzt. Daher kann ich sie nicht ganz übergehen. Dass die Karte keine pflanzengeographische Karte ist, sieht wohl jedes Kind. Dazu ist der JVlassstab viel zu klein. Ich habe überdies S. 6 in meiner Arbeit ausdrücklich hervorgehoben, dass die Karte nur zur Orientierung dienen soll. Bei einer so kleinen Insel, deren Form auf einem gewöhnlichen Atlas nicht zu erkennen ist, darf man wohl dem Leser durch solche Mittel zu Hülfe kommen. Die hervorragendsten Pflanzengeographen, z. B. Engler, bedienen sich ebenfalls einfacher kleiner Hülfskarten. Ganz unverständlich ist mir (vergl. Buchenau S. 558), weshalb ich P. Graebner nicht als „Herausgeber" des Warming'schen Buches bezeichnen darf. Buchenau sagt: „In der Tat ist P. Graebner der Übersetzer der zweiten Auflage.". Das ist ein Irrtum. Ich konnte mich natürlich nur an das Buch selbst halten, auf dessen Titel steht: „Zweite Auflage der deutschen Ausgabe, übersetzt von Dr. Emil Knoblauch, bearbeitet und nach der neuesten Literatur vervollständigt von P. Graebner," Es steht also nicht da, dass Graebner der Übersetzer der zweiten Auflage ist, und da die Worte „Bearbeiter" oder „Vervollständige^ doch etwas ungewöhnlich klingen, erlaubte ich mir, „Herausgeber" zu sagen. Ich darf wohl hinzufügen sapienti sat! Ebenso wie in diesem Falle Buchenau über eine Sache be- richtet, die er nicht angesehen hat, steht es mit den Analysen. Es soll angeblich eine ganze Reihe von planmässigen Analysen de Dünensandes vorliegen, womit angedeutet wird, meine Analy» seien nicht gerade notwendig gewesen. Die „ganze Keine 198 Analysen in der von Warming zitierten Schrift von Bang besteht aus zwei und zwar unvollständigen Analysen, dem Zwecke des Verfassers entsprechend. Die „Tidsskrift for Skovbrug", welche Bang's Arbeit enthält, ist in Deutschland nicht zu erhalten und ausserdem ist aus diesen Analysen nicht die Verschiedenheit von Strand- und Binnendünen zu ersehen, die ich kennen lernen wollte. Die Nützlichkeit meiner Analysen will ich nicht anpreisen, bin aber sicher, dass ohne ihre Mitteilung Buchenau der erste gewesen wäre, der gefragt hätte: „Warum machte Hansen denn keine Analysen? Auf die reichlichen persönlichen Angriffe bedauere ich, nicht antworten zu können. Der Versuch Buchenau's, dem Streit auch noch einen tragischen Hauch zu verleihen, durch seine Behauptung, mein schriftstellerisches Auftreten hätte die ganze Frage so sehr verbittert und verwirrt, hat mein von Natur fröhliches Gemüt in seiner Grundstimmung nur gefördert. Ich halte meinerseits die von mir nicht verwirrte Sachlage genügend geklärt, um weiteren Anfeindungen mit Schweigen begegnen zu dürfen, da ich meine Untersuchungen in Ruhe fortzusetzen wünsche. Weitere Resultate, die ich mit meinem Windapparat erhalten habe, sind so über- raschend, dass meine beiden Kritiker sich im grössten Irrtum befinden, zu glauben, bloss widersprechende Meinungsäusserungen hätten irgendwelchen Wert. Botanisches Institut Giessen, 15. Juli 1904. Zum Schluss der Erörterungen. Von Fr. Buchenau. Die Redaktion der Abhandlungen hat mir den vorstehenden Aufsatz des Herrn Professor Hansen vor dem Abdruck vorgelegt mit der Anfrage, ob ich zu demselben Bemerkungen zu machen habe. Ich glaube auf eine Antwort verzichten zu sollen. Persönliche Angriffe enthält mein Aufsatz nach meiner Überzeugung nicht; wenigstens waren solche in keiner Weise von mir beabsichtigt; über sachliche Meinungsverschiedenheiten aber wird der Fortschritt der Wissenschaft entscheiden. Zur Kenntnis der Milben -Fauna von Bremen. Von Haas Voigts (Göttingen) und A. C. Oudemans (Arnhem). (Mit Taf. XII-XIX.) Vorbemerkung. In den Jahren 1901 und 1902 habe ich in meinem damaligen Wohnorte Oslebshausen neben anderen Arthropoden auch Milben gesammelt, deren Bestimmung Herr Dr. A. C. Oudemans gütigst ausgeführt hat; und es ist mir eine angenehme PHicht, diesem ausgezeichneten Acarologen für seine liebenswürdige Mitarbeit auch an dieser Stelle herzlichst zu danken. Obgleich ich nur während der Universitätsferien (Ende März, Anfang April, August, September, Anfang bis Mitte Oktober) und. auch da nur während meiner freien Zeit sammeln konnte, so ist doch der Erfolg ein so guter, dass ich es wohl wa°en darf, das Resultat schon jetzt zu veröffent- lichen, zumal da eine zusammenfassende Arbeit über Bremer Milben noch nicht existiert, und ich die Sammeltätigkeit in dem in entomologischer Beziehung äusserst interessanten Bremer Gebiete leider habe aufgeben müssen. Der Vollständigkeit halber habe ich es vorgezogen, sämtliche bis jetzt in der näheren Umgebung von Bremen und bei Vegesack von den Herren Alfken und Poppe gesammelten Milben, wenigstens soweit sie durch die Literatur bekannt geworden sind, im Verzeichnis mit aufzunehmen, so dass es zugleich als Grundlage für weitere Forschungen dienen kann. Während bisher meistens parasitisch lebende Milben bei Bremen gesammelt waren, habe ich besonders den unter Steinen, Holz, in Moos, Laub usw. freilebenden meine Aufmerksamkeit zugewandt. Zahlreiche und interessante Fänge machte ich hauptsächlich unter feuchtliegenden Ziegelsteinen, in deren Poren sich die Milben gerne aulhalten; und fast jedes noch so kleine Stückchen dieser Steine lieferte mir ein oder mehrere Exemplare. So habe ich manchmal stundenlang an ein und derselben Stelle Stein für Stein abgesucht, so dass ich schliesslich mit reicher Ausbeute versehen den Platz verlassen konnte. Es kann daher nicht genug empfohlen werden, bei entomologischen Exkursionen, besonders wenn es sich am da! Sammeln winzig kleiner Tierchen handelt, eine bestimmte Stelle 200 ziemlich lange und recht gründlich abzusuchen, anstatt nur hier und da einmal einen einzelnen Stein oder ein Holzstückchen usw. hochzuheben, was natürlich zwischendurch auch geschehen muss. Je länger der Sammler an einer bestimmten Örtlichkeit verweilt, und je genauer und gründlicher er diese untersucht, desto reichlicher wird er für seine Mühe belohnt werden. 1 ) Als Beispiele führe ich nur folgende an: Am 11. 4. 01 sammelte ich ungefähr 2 Stunden an der „alten" Weser unter Steinen und erbeutete 15 Arten (1 nov. spec.) in 47 Exemplaren; am 26. 8. 01 im Hühnerhof unter altem Holz 11 Arten (1 nov. spec.) in ca. 70 Exemplaren; am 1. 9. 01 hinter der Anstaltsmauer unter feuchten Steinen 17 Arten (2 nov. spec.) in 35 Exemplaren; am 4. 9. 01 bei der Mühle unter Ziegelsteinen 17 Arten (1 nov. spec.) in 60 Exemplaren; am 9. 9. 01 im Hühner- hof unter Ziegelsteinen 15 Arten, darunter eine neue und eine seit 100 Jahren nicht wiedergefundene, in 62 Exemplaren usw. usw. — Diese Beispiele zeigen zugleich, wie reich die Bremer Gegend an Milben ist, und es ist daher sehr zu wünschen, dass dem folgenden Verzeichnisse recht bald ein Nachtrag folgen möge! Einige Bemerkungen über den Fang von Milben erlaube ich mir hier einzufügen. Man versehe sich mit einer genügenden Anzahl kleiner Röhrengläschen von 4 — 5 cm Länge und ca. 1 cm Durch- messer mit möglichst porenfreien Korken, und tue die Fänge an den verschiedenen Örtlichkeiten jedesmal in ein besonderes Glas; die Korken sind zu numerieren, und man führe ein Verzeichnis, in dem Fundort, Datum und etwaige Bemerkungen, die sich auf den Inhalt der einzelnen Gläschen beziehen, genau anzugeben siud. Man fängt die Milben am besten mit einem feinen spitzen Haarpinsel oder mit einer am Ende ziemlich spitz auslaufenden Vogelfeder, die man etwas in die Flüssigkeit eintaucht, und mit der dann die Tierchen aufgetupft werden. Da sehr viele Arten schnell laufen, so erfordert ihr Fangen immerhin erst einige Übung. Als Tötungs- wie Aufbewahrungsflüssigkeit gebrauchte ich stets die von Herrn Dr. Oudemans empfohlene Mischung, in welcher die Milben die Beine strecken und weich bleiben: 87 vol. T. Alkohol 70°/ 5 „ Glycerin 8 „ Acid. Acet. glac. Was nun meine Oslebshauser — einmal sammelte ich auch bei Oberneuland — Ausbeute betrifft, so beläuft sich die Zahl der gesammelten Arten auf 108, von denen einzelne schon vorher im Bremer Gebiete von Alfken oder Poppe gefunden waren. Als für die Wissenschaft neu ergaben sich 1 Gattung und 17 Spezies: ') Vgl. auch über diesen Gegenstand: Fried r. Dahl, Fang von Spinnentieren, nichtfliegenden Insekten und anderen Gliederfüsslern in: Anleitung z. Saram , Konserv. und Verpacken von Tieren f. d. Zool. Mus. in Berlin. 2. Ausg., 1902, S. 35 ff. Hier ist auch eine übersichtliche Zusammenstellung der Fundorte gegeben. 201 Parasitus bremensis, consanguineus, eta, consimilis, congeitev, beta, alpha, theta, zeta, setosus, consors; Pergamasus gamma) Eugamaxus epsilon; Hypoaspis lubrica, Seiulus levis; Metaparasitus (nov. gen.) suboles; Uropoda levisetosa. Ausserdem erhielten neue Namen eine Gattung: Banksia für Kochia Oudms , welcher Name bereits ander- weitig vergeben war, und eine Art: Eremaeus varius, welche bUher nur als eine Varietät angesehen wurde. Kurze Diagnosen der im folgenden ausführlich beschriebenen neuen Arten veröffentlichten wir bereits am 14. Juni d. J. im Zool. Anzeiger XXVII, S. 651 —CT)»;. Hier teilten wir auch mit, dass bei der Mehrzahl dieser Arten eine genauere Fundorts- und Zeitangabe nicht gemacht werden konnte, da nach der vorläufigen Determination unter beieinander gebrachten Deutonymphen, Protonymphen und Larven, die fast alle als zu bereits bekannten Arten gehörig angesehen waren, diese nachträglich noch als novae species festgestellt wurden. Als besonders wertvollen Fund erwähne ich die seit 1804 nicht wiedergefundene Bryobia lapidum (Hammer). Die Gesamtzahl der bis jetzt aus der näheren Umgebung Bremens und Vegesacks bekannten Milben betragt 167 Arten, von denen die von mir nicht gefundenen 59 Arten von den Herren Poppe und Alfken von Fledermäusen, Maulwürfen, Mäusen, Vögeln, Insekten usw. gesammelt wurden; diese letzteren sind im Verzeich- nisse mit einem f vor dem Namen versehen. Die Buchstaben A. und P. hinter den Fundortsangaben zeigen an, dass die betreffende Spezies von Alfken oder Poppe gesammelt wurde. Alle übrigen Angaben beziehen sich, falls kein anderer Ortsname angeführt, auf mein Sammelterrain Oslebshausen; und zwar habe ich bei jeder einzelnen Art das Vorkommen, die Anzahl der erbeuteten Exemplare nach ihren Entwicklungsstadieu, sowie das Datum genau angegeben. Ebenso sind die betr. Angaben für die von Allken und Poppe gefundenen Milben genau wiedergegeben. Fundortsangaben, Neubeschreibungen usw. von Bremer Land- milben finden sich in folgenden Abhandlungen (die in Klammern gesetzten Daten geben die Zeit der Publikation au): 1. A. D. Michael, Über einige Abschnitte in der Entwicklung geschichte von Tegeocranus cepheiformis (Nie): Abb. Nat Ver. Bremen IX, p. 207 ff. (1885). 2. S. A. Poppe, Über parasitische Milben: ibid. X, p. 205 ff. (1888). 3 _ Beitrag zur Kenntnis der Gattung Myobia v. Heyden: Zool. Anz. 19, p. 327 ff.; 337 ff. (1896) 4. A. C. Oudemans, A Sarcoptes of a Bat (Nycteridocoptes poppei): Tijdschr. v. Entom. v. 40, p. 270 ff. (1. Ell. 1898). 5 _ Further notes on Acari; 5. List of Acari coli by J. D. Alfken, of Bremen: ibid. v. 43, p. 114 f. (5. IX. 6 — — — ; 11. List of Acari collected bv Mr. S. A. Popj ibid. v. 43, p 121 f. (5. IX. 1900). 7. _ Notes on Acari 31 series: Tijdschr. d. Ned. Dierk. Ver (2) v. 7. p. 50 ff. (30. XL 1901). 202 8. A. C. Oudemans, Notes od Acari 4'Jl series; 4. Acari of Germany: ibid. (2) v. 7, p. 277 f. (18. VII. 1902). 9. — Notes on Acari m series: ibid. (2) v. 8, p. 17 ff. (31. X. 1902). 10. — Notes on Acari 8*i series; 1. Acari of Germany; ibid. (2) v. 8, p. 70 ff. (10. XII. 1903). 11. H. Voigts und A. C. Oudemans, Neue Milben aus der Umgegend von Bremen: Zool. Anz. 27, p. 651—656 (14. VI. 1904). 12. A. C. Oudemans, Acariden von Borkum und Wangeroog. 1. Berichtigung: Abh. Nat. Ver. Brem. XVIII, 1., p. 77 f. (Das Separatum erschien im Sept. 1904). Ausserdem finden sich mehrere Einzelangaben und Beschreibun- gen in „Entomologische Berichten", herausgeg. von der Nederlandsche Entomologische Vereeniging, und in den „Verslagen", die als Anhang zur Tijdschrift voor Entomologie erscheinen. Da das Vorkommen der Mehrzahl der Milben an ganz bestimmte örtlichkeiten gebunden ist, so halte ich es für nicht unwichtig, neben der systematischen Aufzählung der Arten auch eine nach Fundorten und Wirtstieren geordnete Zusammenstellung zu geben. Wie eine solche Übersicht einerseits ziemlich notwendig ist, um die auf einem bestimmten Tiere parasitierenden Milben kennen zu leinen, so dürfte sie anderseits auch mancherlei Interessantes in bezug auf das Vorkommen und die Verbreitung der frei umherlaufenden Arten bieten. Zugleich zeigt diese Übersicht einem künftigen Sammler, auf welche Ortlichkeiten er insonderheit noch sein Augenmerk zu richten hat, um ein möglichst vollständiges Bild der Bremer Milben- fauna geben zu können. A. Unter Steinen, Holz, in Moos usw. I. Unter Steinen, meist feuchtliegenden, besonders Ziegelsteinen: a. an der „alten" Weser bei der kleinen Brücke (hinterm Adelenstift) [11. 4., 15. 4. Ol]: Parasitus coleoptratorum (L.), Pergamasus crassipes (L.), Uropoda ovalis (C. L. Koch), levisetosa Oudms. et Vgts., Thrombidium holo- sericeum (L.), Oribata clavipes (Herrn.), Liacarus coracinus (C. L. Koch), Eremaeus bipilis (Herrn.), similis (Mich.), varius Oudms. et Vgts., Banhsia lata (Nie), Scutovertex ovalis (Berl.), Notaspis gilvipes (C. L. Koch), orbicularis (C. L. Koch), trimaculata (C. L. Koch), humeralis Herrn., elimata (C. L. Koch), lucasi (Nie). b. bei der (jetzt nicht mehr vorhandenen) Mühle, beim Adelenstift [4. 9. Ol]: Parasitus consanguineus Oudms. et Vgts., Pergamasus longulus (Oudms.), Asca togata (C. L. Koch), Uropoda ovalis (C. L. Koch), Poecilophysis celer (Herrn.), pratensis (C. L. Koch), Eupodes striola C. L. Koch, Penthaleus haematopus C. L. Koch, minor (R. Can.), Bdella longicornis (L.), lapidaria Kram., capillata Kram., vulgaris 203 (Herrn.), silvatica Kram., Anystis baccarum (L.), Eremaeus lucorum (C. L. Koch), Notaspis lucasi (Nie). c. am Weserdeich [8. 9. 01]: Macrocheies badius (C. L. Koch), Penthalodes ovalis (A. Dug.), Bdella silvatica Kram., Anystis baccarum (L.), Achorolophus ignotus (Oudms.). d. hinter „Finkenau" (Steinhaufen) [24. 8. 01]; auf einem Hofe (Steinhaufen) [29. 9. 01]: Eupodes striola C. L. Koch, Linopodes motatorius (L.). e. hinter der Anstaltsmauer (zwischen dieser und dem Block- lande) [1. 9., 15. 9. 01; 9. 4. 02]: Parasitus coleoptratorum (L.), affinis Oudms., consanguineus Oudms. et Vgts., setosus Oudms. et Vgts., Pergamasus crassipes (L.), septentrionalis (Oudms.), Trachygamasus pusillus (Berl.), Macrocheies badius (C. L. Koch), merdarius (Berl.), Gamasellus spinipes (Oudms.), Hypoaspis pavida (C. L. Koch), Euiphis halleri (G. et R. Can.), Uropoda ovalis (C. L. Koch), Cilliba vegetans (A. Dug.), Poecilophysis pratensis (C. L. Koch), Eupodes striola C. L. Koch, Linopodes motatorius (L.), Bdella longicornis (L.), Tetronychus telarius (L.), Camisia biverrucata (C. L. Koch), Eremaeus lucorum (C. L. Koch), similis (Mich.), varius Oudms. et Vgts., Cepheus coriaceus (C. L. Koch), Scutovertex ovalis (Beil.), Notaspis gilvipes (C. L. Koch), humeralis Herrn., quadricornuta (Mich.), alata Herrn., Pelops acromius (Herrn.), Tyroglyphus putrescentiae (Schrk.), Anoetus berghi (Jens.). f. Hühnerhof [23. 8., 9. 9. Ol; 16. 9. 02]: Parasitus crassus (Kram.), affinis Oudms., Pergamasus cras- sipes (L.), septentrionalis (Oudms.), Trachygamasus pusillus (Berl.), Eugamasus oudemansi Beil., Seiulus levis Oudms. et Vgts., Eupodes striola C. L. Koch, Penthaleus haematopus C. L. Koch, Bdella longi- cornis (L.), Bryobia lapidum (Hammer), praetiosa C. L. Koch, Cunaxa setirostris (Herrn.), Thrombidium purpureum C. L. Koch, Achorolophus nemorum (C. L. Koch), Hermannia scabra (L. Koch), Oribata nitens (C. L. Koch), Eremaeus lucorum (C. L. Koch), varius Oudms. et Vgts., Scutovertex ovalis (Berl.), Notaspis hume- ralis Herrn. g. unter einem Blumentopfe im Hausgarten [27. 9. 02]: Anystis baccarum (L.). h. ein näherer Fundort unbekannt bei den neuen Arten: Parasitus bremensis, eta, consimilis, congener, beta, alpha, theta, zeta, consors, Pergamasus gamma, Eugamasus epsilon, Meta- parasitus suboles. II. Unter Holz (Brettern, Baumrinde usw.): a. unter trockenen auf der Erde liegenden Brettern, Hühnerhof [26. 8., 15. 9. Ol], Hausgarten [6. 10. Ol]: Parasitus coleoptratorum (L.), affinis Oudms., Pergam. canestrinii (Berl.), Macrocheies badius {C. L. Koch), marginatus (Herrn.), tridentinus (G. et R. Can.), Hypoaspis limbata (C. L. Koch), lubrica 204 Oudms. et Vgts., Cilliba vegetans (A. Dug.), Cheletes eruditus (Schrk.), Aleurobius farinae (L). b. uuter altem morschen Holz, Hühnerhof [23. 8. Ol]; Linopodes motatorius (L.), Bimichaelia angustana (Berl.), Bdella longicornis (L.), Achorolophus nemorum (C. L. Koch). c. unter trockener auf der Erde liegender Baumrinde, Sandberg [27. 9. 02], Oberneuland, Jürgens Holz (4 10. Ol]: Trachygamasus pusillus (Berl.), Euiphis ostrinus (C. L. Koch), Tydeus foliorum (Schrk.), Linopodes motatorius (L.), Anystis bac- carum (L.), Cunaxa taurus (Kram.), Hypochthonius rufulus C. L. Koch, Liacarus subterraneus (C. L. Koch), Eremaeus varius Oudms. et Vgts., Hoploderma dasypus (A. Dug.). d. unter der Rinde von Abi es excelsa, Badener Berge bei Achim [5. 4. Ol] A.: Allothrombidium fuliginosum (Herrn.), Erythraeus regalis (C. L. Koch). unter der Rinde von Quercus robur, Bremen, Bürgerpark A.: Notaspis humeralis Herrn. e. unter faulendem Holz und Blättern, hinter „Finkenau" [24. 8. Ol], Hühnerhof [10. 9. 02]: Parasitus coleoptratorum (L.), affinis Oudms., Pergamasus crassipes (L), Cyrtolaelaps nemorensis (C. L. Koch), Hypoaspis limbata (C. L. Koch), Eupodes striola C. L. Koch, Bdella longi- cornis (L.), Oribata clavipes (Heim.), Tyroglyphus putrescentiae (Schrk.). III. In feuchtem Moos, am Grunde von Melchers Mauer [16. 4. Ol], Hausgarten [20. 4. Ol]: Parasitus coleoptratorum (L.), affinis Oudms., Pergamasus longulus (Oudms.), Hypoaspis pavida (C. L. Koch), Bdella capillata Kram., Anystis baccarum (L.), Tarsotomus comes Berl. IV. Aus einem Unkrauthaufen gesiebt, vorm Blocklande [21. 9. Ol]: Parasitus coleoptratorum (L.), lunaris (Beil.), affinis Oudms., Macrocheies badius (C. L. Koch), Uropoda ovalis (C. L. Koch), Eupodes striola C. L. Koch, Anystis baccarum (L.), Notasp>is lucasi (Nie). V. Aus Heu gesiebt, am Grunde einer Heudieme vorm Block- laude [30. 9. Ol]: Parasitus lunaris (Beil.), affinis Oudms., Asca peltata (C. L. Koch), Uropoda ovalis (C. L. Koch), Bdella lapidaria Kram., Cyta latirostris (Herrn.), Anystis baccarum (L.), Cheletes venustissimus C. L. Koch, Belaustium miniatum (Herrn.). VI. Aus Anspülicht („Schlick") ge>iebt, an der „alten" Weser [19. 9. Ol]: Parasitus affinis Oudms., Seiulus hirsutus (C. L. Koch), levis Oudms. et Vgts., Eupodes striola C. L. Koch, Bdella capillata Kram., Anystis baccarum (L ), Scutovertex ovalis (Berl.), Notaspis trimaculata (C. L. Koch), -Tyroglyphus putrescentiae (Schrk.). •205 VII. Von Gras gestreift, vorm Blocklande [21. 9. Ol]: Bdella vulgaris (Herrn.), Anystis baccarum (L.), Bryobia praetiosa C. L. Koch, Notaspis trimaculata (C. L. Koch). VIII. Auf der Unterseite von Himbeer-, Kirschen-, Rosen- blättern: an trockenem und faulendem Gurken-, Bohnenkraut- Hausgarten [17. 9. Ol; 16. 9., 3. 10. 02]; Tetronychus telarius (L ). Auf Spargelkraut (Asparagus sprengeri), Wohnzimmer [12. 4. 02]: Tetronychus telarius (L.), Bryobia praetiosa C. L. Koch. IX. An Knochen, hinter der Anstaltsmauer [20. 3. 02]: Poecilochirus fimetarius (J. Müll.). An trockenen Feigen [Sept. Ol]: Melichares agilis Her. An altem Rahmkäse [28. 10. 02]: Tyroglyphus putrescentiae (Schrk.), Aleurobius farinae (L.), Glycyphagus domesticus (Deg.). An Schinken (Vegesack P.): Tyroglyphus putrescentiae (Schrk.). In pulverisiertem Eidotter (Vegesack P.): Aleurobius farinae (L.). An Kürbis-Marmelade (Vegesack P.): Carpoglyphus passularum (Her.). In Mehl (Vegesack P.): Glycyphagus setosus (C. L. Koch). In Möbeln (an der Rosshaarausfüllung) (Bremen P.): Glycyphagus domesticus (Deg.), fustifer Oudms. In einer Schachtel mit lnsekten-Detritus (Bremen A): Glycyphagus domesticus (Deg.). B. Auf Tieren. NB. Falls eine Art auch oder nur im Neste des betr. Tieres gefunden wurde, habe ich es hinter dem Namen bemerkt. I. Vertebrata. I. Mammalia. a. Chiroptera. Plecotus auritus .... Liponyssus musculi (C. L. Koch), lepidopeltis Klti., lobatus Klti., Spin- turnix plecoti Oudms., Allothrombidium fuliginosum (Herrn.). Vesperugo noctula .... Liponyssus lobatus Klti., Spinturnix carnifex (C. L. Koch), Argas vesper- tilionis (Latr.). 206 Vesperugo pipistrellus serotinus Vespertilio murinus Liponyssus musculi (C. L. Koch), lepidopeltis Klti , lobatus Klti., kolenatii Oudms , Anystis baccarum (L.), Nan- acarus minutus (Oudms.), Glycyphagus cadaverum (Schrk.), Prosopodectes chi- ropteralis (Trt.). Euiphis halleri (G. et R. Cau.), Liponyssus musculi (C. L. Koch), Spinturni-x vespertilionis (L.), Argas vespertilionis (Latr.), Cunaxa setirostris (Qerm.), Nanacarus minutus (Oudms.), Glycyphagus cadaverum (Schrk.), Pro- sopodectes chiropteralis (Trt ). Liponyssus arcuatus (C. L. Koch), lepidopeltis Klti., Spinturnix vesper- tilionis (L.), Prosopodectes poppei (Oudms.). b. Insectivora. Sorex vulgaris Talpa europaea Sciurus vulgaris Mus decumanus Myobia claparedei Poppe, elongata Poppe, Tarsonemus soricicola Oudois., Nanacarus minutus (Oudms.), Labi- dophorus talpae Kram., Glycyphagus domesticus (Deg.), Anoetus spiniferus (Mich.). Parasitus lunaris (Berl.) [Nest], Eu- gamasus cornutus (G. et R. Can.) [Nest], oudemansi ßerl. [auch im Nest], Euryparasitus terribilis (Mich.) [Nest], Macrocheies tridentinus (G. et R. Can.) [Nest], Haemogamasus hir- sutus Berl. [auch im Nest], michaeli Oudms., Hypoaspis arcualis(C. L. Koch) [auch im Nest], talpae Oudms., Li- ponyssus albatus (C. L. Koch), Asca qffinis Oudms., Myobia brevihamata H